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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Zacharias</title>
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		<title>Sommerliches Weihnachtsfest</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Jun 2009 18:44:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
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		<description><![CDATA[Hat Jesus gesungen? Hat er mit seinen Jüngern Lieder angestimmt und sie aus voller Kehle geschmettert? Die Evangelisten erzählen uns von vielen Dingen aus Jesu Leben; eigenartiger Weise ist kein Bericht darunter, der uns ein Loblied von Jesus überliefert. Dabei muss es doch so gewesen sein. Als frommer Jude muss Jesus doch gesungen haben. Bei vielen Anlässen: im Synagogengottesdienst; vor dem Mahl; aus Dankbarkeit. Bis heute singen die Juden folgende Worte: „Baruch Atah Adonai Eloh(k)einu Melech ha’olam“ – „Gelobt seist du Herr, unser Gott, König in Ewigkeit…“ Mit ihnen vereinen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Mit Zacharias Gott loben – Dissolve (mit EG 317)</h4>
<p>Hat Jesus gesungen? Hat er mit seinen Jüngern Lieder angestimmt und sie aus voller Kehle geschmettert? Die Evangelisten erzählen uns von vielen Dingen aus Jesu Leben; eigenartiger Weise ist kein Bericht darunter, der uns ein Loblied von Jesus überliefert. Dabei muss es doch so gewesen sein. Als frommer Jude muss Jesus doch gesungen haben. Bei vielen Anlässen: im Synagogengottesdienst; vor dem Mahl; aus Dankbarkeit. Bis heute singen die Juden folgende Worte: „Baruch Atah Adonai Eloh(k)einu Melech ha’olam“ – „Gelobt seist du Herr, unser Gott, König in Ewigkeit…“ Mit ihnen vereinen sich unsere Stimmen, wenn wir singen: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Ein vorzügliches Geburtstagslied ist das, finde ich. In manchen Familien bis heute. Zacharias singt so ein Geburtstagslied: Baruch atah – gelobt sei der Herr, der Gott Israels. Das Benedictus, wie man es auch nennt. Zacharias singt es anlässlich der Geburt seines Sohnes Johannes. Unser Festtag Johanni.</p>
<h4>Gemalte Kindheitsgeschichten – Erzählung</h4>
<p>„Zacharias wurde vom heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach“ schreibt Lukas (Lk 1,67). Lukas ist kein Musiker – sonst stünde dort: „und sang“ – wie wir unsere Geburtstagslieder schmettern –, aus voller Kehle; überschäumend vor Glück über die Geburt eines Kindes. Nein, Lukas war kein Musiker. Er war Maler! So sagt es die fromme Überlieferung: „Komm, komm“ – sprach der orthodoxe Mönch in dem verwinkelten Vorhof einer Jerusalemer Kirche zu mir. Seine Augen blickten ernst. Das Gesicht war von einem eindrucksvollen Vollbart gerahmt. Die schwarze Kutte fiel in langen Falten bis zum Boden. „Komm, ich zeige Dir etwas ganz Besonderes“! In einem schlichten Nebenraum hing ein Vorhang vor der weiß verputzten Wand. Behutsam zog er ihn zur Seite, als lüftete er ein Geheimnis und zum Vorschein kam – eine Ikone. Auf ihr war Maria mit dem Jesuskind dargestellt. „Das ist nicht irgendein Bild“ flüsterte der Mönch mit bedeutungsvoller Stimme – „dieses Bild stammt von Lukas selbst. Ja, der Evangelist selbst hat es gemalt“. Ist der Evangelist wirklich ein Maler, wie es dieser Jerusalemer Mönch glaubt?! Man kann an der Legende zweifeln; man kann mit etwas kunsthistorischem Fleiß sogar nachweisen, dass sie „falsch“ ist. Und dennoch transportiert sie einen wahren Kern: Lukas malt tatsächlich! Er malt uns vor Augen, was kein anderer der Evangelisten zu können scheint. Es entstehen Bilder aus den frühesten Kindheitstagen Jesu; Bilder aus den frühesten Kindheitstagen Johannes des Täufers: ein Engel des Herrn tritt zunächst zu Zacharias, dem Vater des Johannes. Später zu Maria. Beiden verkündigt er die Geburt ihrer Söhne. Maria eilt zu Elisabeth; das Hüpfen des Johannes-Kindes im Leib der Mutter; und schließlich die beiden Geburtsgeschichten. Lukas schildert alles, als wäre er dabei gewesen. Malt ein großes Szenenbild, wie alte Meister.</p>
<h4>Das „heimliche“ Weihnachtsfest im Sommer – Analogie</h4>
<p>„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging […] und Maria gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“ (Lk 2,1.7) – unser Bild von Weihnachten: Kälte und Dunkelheit draußen – Wärme und der Lichter Glanz im innern. Heute aber, sechs Monate vorher – so berichtet Lukas –, heute, wenn die Sonne am höchsten steht, das Bild der anderen Geburt: Die Geburt Johannes des Täufers. Sein Geburtstag ist das heimliche „Weihnachtsfest“ mitten im Sommer. Doch beide gehören zusammen, verweisen aufeinander: Seit Weihnachten steigt die Sonne in unseren Augen am Himmel empor, unmerklich zunächst, aber unaufhaltsam. Die Tage werden länger. Dann plötzlich scheint das Licht gesiegt zu haben: Noch nicht lang ist’s her: War es nicht erst gestern, dass sich die Straßen wieder bevölkerten? Die Knospen sprossten und zur Frucht reiften, und wir spürten, wie die warme Sonne langsam in unsere Winterknochen kroch?</p>
<p>Heute aber erreicht die Sonne ihren höchsten Punkt. Mit dem Johannistag kehrt sie wieder um. Wiederum fast unmerklich: Noch stehen die Sommerurlaube erst vor der Tür. Doch unaufhaltsam wird der Radius der Sonne kleiner. Werden die Tage kürzer. Ihr Lauf nimmt ab: Bis Weihnachten. „Er muss wachsen“, sagt Johannes von Jesus, „ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30). Die Sonnwenden stehen wie ein Gleichnis für beide: heute das abnehmende, im Dezember das unvergänglich wachsende Licht.</p>
<h4>Bedeutung des Festes</h4>
<p>Von beiden singt Zacharias in seinem Geburtstagslied. „Prophet des Höchsten“ nennt er seinen Sohn, der dem Herrn vorangeht und ihm den Weg bereitet. Vorläufer und Wegbereiter für einen anderen, einen Größeren (Lk 1,76 = „Pródromos“). Das klingt wenig verlockend. Vorläufer zu sein klingt herabstufend. Eben vorläufig; Wer ist schon gerne „vorläufig“? Und wenn schon, dann „spricht man nicht darüber“, schon gar nicht an einem Geburtstag, bitte schön: „Er hat es nur bis zum ‚Stellvertreter‘ geschafft; ‚hat die Majorsecke gekratzt‘“, tuschelte man früher in Preußen. Ist Johannes ein armer Vorläufer? Einer, der es nicht bis nach „ganz oben“ geschafft hat, weil da ein anderer kam, der nicht nur „Prophet des Höchsten“, sondern „Sohn des Höchsten“ ist (Lk 1,32)? Gerade „Vorläufer“ (griech. Pródromos) ist jedoch einer der großen Ehrentitel, den die Kirche dem Täufer verliehen hat. In ihm sieht sie seine ganze Existenz zusammengefasst.</p>
<p>Als Kind habe ich nie verstanden, warum ausgerechnet an meinem Geburtstag „Lobe den Herren“ gesungen wurde. Es war doch mein Tag. Nicht seiner! Hätte ich aufbegehren sollen und das „Happy Birthday to you“ einfordern? In den christlichen Klöstern und Gemeinschaften wird jeden Morgen das Geburtstagslied gesungen, das Zacharias für Johannes anstimmt. Jeder Tag ein Geburtstag, wenn die Sonne ihren Lauf beginnt. Nach diesem Morgenlob spazieren viele Mönche durch den Klostergarten. Bei einem solchen Spaziergang zeigte ein alter Mönch auf die Orangenbäume im Garten. An den Früchten erstrahlten die Tautropfen in der Morgensonne. „Alles, was ich in meinem Leben erreicht habe, verdanke ich anderen Menschen“ sagte er dazu (1Kor 4,7).</p>
<p>Wo stehen in unserem Leben die Wegbereiter, deren Früchte wir täglich ernten? Menschen, denen wir verdanken, dass wir wuchsen und „stark im Geist“ wurden, wie es von Johannes heißt (Lk 1,80). Haben sie etwa nicht Anteil an dem Wort des Täufers: „Er oder sie muss wachsen, ich aber muss abnehmen“? Diese Woche mit dem Johannistag (am 24. Juni) gibt uns eine Gelegenheit, dankbar der Menschen zu gedenken, die in unserem Leben solche „Johannes Dienste“ getan haben: Eltern, Großeltern, Patinnen, Lehrer, freundschaftliche Begleiter und Partner, geistliche Lehrerinnen, Vorbilder aller Art, die „vorläufige Wegbereiter“ für uns waren, uneigennützig, wenigstens überwiegend, uns und unserem „Stark-Werden im Geist“ zugute.</p>
<p>„ER muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ spricht Johannes und deutet dabei auf Christus. Wir alle erhalten wie die Tautropfen auf den Orangen im Klostergarten unser Licht von woanders: Wir bekommen unser Licht von einem anderen (1Kor 4,7). Zacharias besingt ihn als das „aufgehenden Licht aus der Höhe“ (Lk 1,78). Unser Weihnachten. Johannes gehört deshalb mit zu uns. Ist einer von uns. Erstrahlt wie wir im Licht von Weihnachten. Jemand hat das einmal die „lunare Existenz“ von uns Menschen genannt: Wovon könnte „Luna“, der Mond, berichten, wenn er sich selbst zum Thema machte: Schatten und Finsternis, Stein und Staub? Wenn er jedoch im Licht DES (sic!) anderen, unserer Sonne, steht, macht er die Nächte von uns Menschen hell. Was alles muss in unserem Leben abnehmen, damit ER in uns wachsen kann und sein Licht uns erhellt? Welche Berge und Hügel müssen wir erst noch ebnen (vgl. Jes 40,3 5 zu Lk 1,77), um ihm den Weg zu bereiten? Welche Krater und welche tiefen „Seen“ unserer lunaren Existenz könnten dann in neuem Licht scheinen? Sie verschwinden nicht, aber sie erstrahlen neu durch Christus, das ewige, „das aufgehende Licht aus der Höhe“ (Lk 1,78)? Seinem Licht Raum zu geben, es stetig in uns wachsen zu lassen. Das bedeutet Johannistag.</p>
<h4>„Erwartende/r“ – Dissolve</h4>
<p>Von heute, von Johanni an nimmt das geschaffene Licht für uns wieder ab (EG 473,4), wird schwächer und erfährt seinen Niedergang. Eine wehmütige Stimmung hat sich früher damit bei vielen Menschen verbunden. Bei manchen Sonnwendfeiern ist noch heute etwas von dieser Stimmung zu spüren: wir gehören mit zu dieser vergehenden Schöpfung (Jes 40,8). Doch mit Johannes und seinen Eltern Elisabeth und Zacharias starren wir nicht in das erlöschende Feuer und das vergängliche Licht, das jetzt unaufhaltsam abnimmt und seinen Niedergang erfährt. Sondern wir erheben unsere Häupter (Lk 21,28) und schauen mit ihnen auf das „aufgehende Licht aus der Höhe“, den ewigen Sohn Gottes, der seit Weihnachten unser Leben geteilt und erleuchtet hat. Sein unvergängliches Licht scheint für uns seit Ostern. Auf die Vollendung seines Kommens warten wir (1 Kor 16,20). Für sein Kommen danken wir und stimmen ein in den Lobgesang der Schöpfung (EG 327).</p>
<p>Amen, ja komm, Herr Jesus (Offb 22,20)!</p>
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