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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Weg</title>
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		<title>Gemeinsam auf dem Weg</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 20:08:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[gemeinsam]]></category>
		<category><![CDATA[Taufe]]></category>
		<category><![CDATA[Weg]]></category>

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		<description><![CDATA[Glanzlos kommt der 6. Sonntag nach Trinitatis daher. Es ist zwar Ferienzeit, aber Feste werden nicht gefeiert. Dass gerade dieser Sonntag Erinnerungen beflügelt, alte Geschichten erzählt und neue hinzufügt – dafür muss man schon einen zweiten Blick riskieren. Worauf er wohl fällt? Eine kleine Überraschung – der Blick fällt auf meine Taufe! Nicht dass Sie jetzt abwinken – Sie können doch auch sagen: meine Taufe. Das verbindet. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Menschen eigentlich nie über „die“ Taufe reden? Aber oft über die Taufe von … Dann werden zärtlich Namen genannt, schöne Feiern geplant, Kerzen gebastelt und Einladungen geschrieben, Fotos gemacht und und und.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<h4>Mitten in den Ferien</h4>
<p>Glanzlos kommt der 6. Sonntag nach Trinitatis daher. Es ist zwar Ferienzeit, aber Feste werden nicht gefeiert. Dass gerade dieser Sonntag Erinnerungen beflügelt, alte Geschichten erzählt und neue hinzufügt – dafür muss man schon einen zweiten Blick riskieren. Worauf er wohl fällt? Eine kleine Überraschung – der Blick fällt auf meine Taufe! Nicht dass Sie jetzt abwinken – Sie können doch auch sagen: meine Taufe. Das verbindet. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Menschen eigentlich nie über „die“ Taufe reden? Aber oft über die Taufe von … Dann werden zärtlich Namen genannt, schöne Feiern geplant, Kerzen gebastelt und Einladungen geschrieben, Fotos gemacht und und und. Am Tag danach werden die Bilder dann im Kollegenkreis herumgereicht oder beim zweiten Frühstück – und kommentiert. Wirklich: ein großer Tag. Alle waren da! Sogar das Wetter spielte mit. Und der Kleine, die Kleine war so süß. &#8211; Schade, über die eigene Taufe wird kein Wort verloren. Ist sie weg? Verschwunden mit der Zeit, die alles frisst? So sieht der 6. Sonntag nach Trinitatis dann auch ein wenig zurückgeblieben aus – wenn es nicht den zweiten Blick gäbe: den Blick auf meine Taufe.</p>
<h4>Gipfeltreffen</h4>
<p>Noch höher kann es gar nicht gehen. Dass ich getauft werden konnte, wurde auf einem Gipfeltreffen beschlossen. Teilnehmer: der Auferstandene – und seine Jünger. Gipfeltreffen ist vielleicht nicht das richtige Wort – wenn wir an gleichberechtigte Partner denken. Der Anteil der Jünger an diesem Treffen ist, Jesus zu treffen – und ihm zuzuhören. Wenn ich aber daran denke, wie groß das Zutrauen Jesu in sie ist, komme ich aus dem Stauen nicht heraus. Sie wissen gar nicht, wovon ich rede? Entschuldigung. Hören Sie die Geschichte.</p>
<h4>(Lesung des Predigttextes)</h4>
<p>Tatsächlich. An höchster Stelle wird der Beschluss über meine Taufe verkündigt. Gerahmt von den Worten Jesu, das ihm alle Macht im Himmel und auf Erden verliehen ist, mehr noch, dass er bei uns ist, bis die Welt ohne neuen Tag ist. Das „siehe“ lässt aufhorchen. Der, der den Tod überwand, lässt sich von keiner Grenze halten. Nicht von der Grenze zwischen Tod und Leben, nicht von der Grenze zwischen Himmel und Erde, auch nicht von der Grenze zwischen Welt und Gott. Ihm ist alles anvertraut. Ich auch. Hier spricht der Herr. Was er zu sagen hat, ist ebenso einfach wie großartig. „Gehet hin“, „gehet hin in alle Welt“.</p>
<p>Die Jünger haben sich auf den Berg begeben. Hier werden sie Jesus treffen. Seit ihrer letzten Begegnung ist viel geschehen. Sie haben ihn im Stich gelassen, als er gehängt wurde. Alles, was sie von ihm gehört hatten, war auf einmal nichts mehr wert. Ihre Hoffnungen – im Nu zerstoben. Als er von den Toten auferstanden war, sucht er ihre Nähe. Wie lange haben sie ihn nicht gesehen? Tage? Wochen? Die Zeit zieht sich zusammen. Am Ende läuft sie auf diesen Berg zu. Genauer: auf diese Begegnung. Auf die Begegnung mit dem Auferstandenen. Matthäus erzählt sogar, dass einige Jünger fremdeln – ist er es überhaupt, dem sie im Leben gefolgt sind? Wie stehen sie jetzt da? Was sollen sie denn sagen? Wenn Zweifel überwunden werden sollen, muss die vertraute Stimme, das verlässliche Wort, die große Liebe zu ihnen kommen. Das macht dieses Gipfeltreffen aus. Hier oben auf dem Berg, der in keiner Karte verzeichnet ist, dessen Namen im Dunkel bleibt, der von mir nicht erklommen werden kann. Jesus spricht seine Jünger an. Matthäus gewährt uns eine kleine Audienz. Ist es Zufall oder Absicht, dass mir die Rolle des Zaungastes nicht steht? Als ich getauft wurde, kamen diese Worte zu mir: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Ohne große Worte, unaufdringlich: Ich gehöre zu dieser Geschichte, sie zu mir.</p>
<h4>Meine Taufe</h4>
<p>Im Evangelium ist diese Geschichte Ziel- und Endpunkt. Alles, was Matthäus von Jesus erzählt, wartet auf diesen Schluss. Matthäi am Letzten. Früher sagte man das so – und meinte das letzte Kapitel bei Matthäus. Übrigens: Das letzte Kapitel bei Matthäus ist das Evangelium von Ostern. Landläufig wird “Matthäi am Letzten“ eher als trauriger Schluss verstanden: Es geht nicht mehr weiter. Ende. Tatsächlich folgt der Geschichte hier oben auf dem Berg nichts mehr. Nach „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende“ kommt nur noch ein Punkt. Es ist ein kunstvoller Punkt – ein Punkt, der eine ganz neue Geschichte freisetzt. Und was für eine! Meine!</p>
<p>Unterstellt, Jesu Auftrag, „geht hin in alle Welt“ sei nicht ins Leere gesprochen, muss hier geradezu eine weltbewegende Geschichte ihren Anfang nehmen. Ich könnte jetzt – auch &#8211; von den schrecklichen Situationen erzählen: Völker wurden unterworfen, Menschen zwangsmissioniert – und die Taufe missbraucht. Zu beschönigen ist da auch nichts. Aber klarzustellen. Ich denke an die befreiende Kraft, die in Jesu Worten steckt: Dass er die Macht hat, nicht die selbst ernannten oder nach oben gelobten Herren dieser Welt – dass er die Welt nicht aufgibt, ihr aber bis zuletzt verbunden bleibt in der Liebe – und dass er seinen kleinen Jüngerkreis so groß macht, das auch ich Platz in ihm habe. Ich wage den Gedanken kaum auszusprechen: In meiner Taufe wird anschaulich, zu wem ich gehöre. Auch, wer ich bin. Wer mich angenommen hat. Wer mich – liebt. Das ist eine, das ist meine ganz große Geschichte!</p>
<h4>Wort halten</h4>
<p>Wie die Jünger wohl reagiert haben? Matthäus erzählt, dass sie auf die Knie gehen. Einige durchaus zweifelnd. Ich frage mich aber, ob sie dann aufstehen oder in der unterwürfigen Haltung bleiben. Wer gehen soll, muss aufstehen! Schließlich will Jesus, dass seine Jünger gehen – sogar „in alle Welt“. So wenig Leute – und eine so große Aufgabe. Abgezählt an etwas mehr an zwei Händen – ein unmögliches Unterfangen. Aber in einem größeren Kreis wird die Welt immer kleiner. Ich sehe, wie die letzte Szene über sich hinauswächst. Die ersten Jünger werden auf dem Berg zu Vertretern einer großen Gemeinschaft, die nationale, sprachliche und intellektuelle Grenzen überschreitet, mit nichts anderem im Gepäck – und Herzen &#8211; als Jesu Lehre. In der Bergpredigt heißt es:</p>
<p>Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.<br />
Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.<br />
Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.<br />
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.<br />
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.<br />
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.<br />
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.<br />
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.</p>
<p>Nein, glanzlos ist dieser 6. Sonntag nach Trinitatis nicht. Er beflügelt Erinnerungen, lässt alte Geschichten lebendig werden und fügt neue hinzu. Ich will nachher mal nachschauen, wann ich getauft wurde. Vielleicht gibt es auch noch alte Bilder. Mal sehen. Etwas weiß ich: Ich bin nicht allein. Ich bin auch nicht allein unterwegs. Ich habe Jesu Versprechen. Es ist gut, wenigstens aus der Ferne dabei gewesen zu sein – als Jesus auf dem Gipfel war. Ich sehe die Jünger in der Ferne. Der Zweifel ist mir vertraut. Aber über der Welt liegt jetzt ein eigentümlicher Glanz. Sie wird nicht ihrem Schicksal überlassen, auch nicht fremden Herren ausgeliefert – der, der Tod überwand, hat ein gutes letztes Wort für sie. Mehr noch: eine Perspektive, die mehr hält als man ihr zutraut. Die Perspektive, ausgehalten, getragen, verändert zu werden. Dafür braucht Jesus Jünger. 12+! Dann freue ich mich, mit Ihnen gemeinsam auf dem Weg zu sein. Jesus sagt:</p>
<p>„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“</p>
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		<title>&#8220;Cantate&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 18:11:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Singen]]></category>
		<category><![CDATA[Weg]]></category>

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		<description><![CDATA[„Cantate“ – Singt! So lautet die Aufforderung an diesem Sonntag. Nicht umsonst sind heute Chöre eingeladen, um mit ihren Stimmen den Jubelgesang über Gott und sein Werk, das er uns Menschenkindern in Jesus Christus offenbart hat, anzustimmen und gemeinsam mit dem Gemeindegesang zum Klingen zu bringen. Wo gesungen wird, herrscht Gemeinschaft. Der Gesang im Gottesdienst, begleitet von dem warmen vollen Klang der Orgel, verschafft ein Gefühl der Verbundenheit untereinander und mit Gott. Cantate – Singt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Singen stiftet Gemeinschaft</h4>
<p>„Cantate“ – Singt! So lautet die Aufforderung an diesem Sonntag. Nicht umsonst sind heute Chöre eingeladen, um mit ihren Stimmen den Jubelgesang über Gott und sein Werk, das er uns Menschenkindern in Jesus Christus offenbart hat, anzustimmen und gemeinsam mit dem Gemeindegesang zum Klingen zu bringen. Wo gesungen wird, herrscht Gemeinschaft. Der Gesang im Gottesdienst, begleitet von dem warmen vollen Klang der Orgel, verschafft ein Gefühl der Verbundenheit untereinander und mit Gott. Cantate – Singt! Denn Gott ist groß und treu, seine Güte währet ewiglich. Großes hat er getan, als er die Kinder Israels befreit hat von Druck und Leid in der ägyptischen Gefangenschaft. Er hat sie sicher durch das Schilfmeer an das andere Ufer gebracht. Mirjam, die Prophetin, nahm die Pauke und sang Gott ein Lob- und Danklied: Gelobt sei Gott, groß ist er, Ross und Reiter warf er ins Meer.</p>
<h4>Beweggründe des Singens</h4>
<p>Was für die Israeliten die Befreiung aus der Sklaverei ist, ist für Christinnen und Christen die befreiende, heilsstiftende Tat Jesu. Jesus Christus hilft uns aus allem Leid, errettet von Sünde und Tod. Jesus trägt für uns unsere Lasten. Durch ihn erhalten wir das Leben. Darum „Cantate“ – singt! Jesus selbst preist Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er preist ihn, weil Gottes Heil nicht verborgen bleibt. Die Botschaft des Heils offenbart sich demjenigen, der sie glaubt. Nach dem Verständnis des Evangelisten Matthäus ist die Botschaft des Evangeliums zugleich verborgen und doch offenbar. Gott offenbart sich in seinem Wort, der Tora, dem mosaischen Gesetz Durch Jesus Christus hat sich Gott, derselbe Gott, der auch der Gott Israels ist, endgültig bekannt gemacht und gezeigt, dass er das Heil und die Befreiung aus Not und Unterdrückung will. Die religiösen Autoritäten wie die Schriftgelehrten und Pharisäer erkennen in Jesus nicht den Sohn Gottes. Die Heilsbotschaft bleibt ihnen verborgen. Den Unmündigen hingegen hat Gott sie bekannt gemacht.</p>
<p>Denen, die Jesus und seiner Botschaft vom Reich Gottes Glauben schenken, wird Gottes Wort und Wille offenbar. Wäre es anders, könnten nur die Gebildeten etwas von Jesus und dem Reich Gottes verstehen, wären alle diejenigen ausgeschlossen, die zur Zeit Jesu gar keine Zeit und Möglichkeiten hatten, zu den Weisen in die Schule zu gehen: die armen Leute, die Frauen und Kinder, die Leute, die auf dem Land wohnten, wo es keine Schulen gab. „Cantate“ – Singt! Jesus lobt Gott und dankt ihm, dass er sich den Armen, Einfachen und Deklassierten Israels, den Unmündigen in der Schrift, offenbart. So gefällt es Gott. Er ist sich nicht zu schade für die Kleinen und Unmündigen, für die Elenden und Armen, für die zu kurz Gekommenen, für die einfachen Leute. Jesus singt an gegen die Widerstände, die ihm vor allem von den Gebildeten entgegenwehen: Den Weisen und Klugen hast du deine Botschaft verborgen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren es schließlich, die es ihm schwer machten, die ihn letztlich nach dem Leben trachteten und dafür sorgten, dass er ans Kreuz geschlagen wurde.</p>
<p>Matthäus betont die Einheit von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und Jesus Christus, dem Heiland der Welt. Alles ist ihm von Gott übergeben. Niemand weiß, wer Christus wirklich ist, als nur Gott. Und umgekehrt gilt: Niemand kennt Gott als nur Jesus. Zwischen Gott und Christus besteht eine enge Verbindung, sie sind eins und doch getrennt. „Ohne Jesus lässt sich Gottes Gottheit nicht denken und ohne Gott gibt es keinen Weg zu Jesus (Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, EKK I/2, 215 1990 Anm. 1). Gott ist für die Welt sichtbar geworden durch Jesus Christus. Dem Sohn ist es anheim gestellt, wem er die Botschaft offenbart. Die Botschaft will gehört und ihr soll Vertrauen entgegengebracht werden.</p>
<p>Cantate – singt! Kann man aber auch singen, wenn man beladen und traurig ist? Jesus preist Gott für seine Wohltaten, gleichzeitig ruft er die Mühseligen und Beladenen zu sich, damit sie sich bei ihm erquicken. Den Mühseligen und Beladenen gilt besonders die Botschaft der Befreiung. Sie sollen frei werden von ihren Lasten. Jesus nimmt sie ihnen ab und trägt sie für sie. Ein Lastenwechsel findet statt. Der befreite Mensch darf aufrecht gehen, seine Last, die ihn am Boden gehalten hat, drückt und beschwert ihn nicht mehr. „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir“, ruft Jesus in dem so genannten Heilandruf die Beschwerten auf. Es geht nicht darum, das Joch gänzlich abzuwerfen und sich gar nicht mehr zu mühen. Aber das Joch, das Jesus auf uns legt, ist eine Last, die wir zu tragen im Stande sind. Eine Last, die Jesus auf uns legt, ist eine Last, die nicht zu schwer für uns ist als dass wir sie nicht tragen könnten, eine Bürde, die nicht so groß ist, als dass wir an ihr erstickten. Mag die Last schwer sein, die Bürde groß, Gott ist größer und hilft uns. Die Lasten, die ein Mensch trägt, vergleicht Matthäus mit einem Joch. Ochsen tragen ein Joch, um eine Last zu ziehen. Früher und an vielen Orten der Welt tragen auch Menschen bis heute ein Joch auf ihren Schultern, um Wasser zu holen oder Waren zum Markt zu bringen. Jesus legt uns ein Joch auf die Schultern, an dem Lasten hängen, die nicht zu schwer für uns sind und die wir tragen können. „Sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht“. Obwohl Christus uns erlöst und befreit, verläuft unser Leben nicht frei von Sorgen und Belastungen, aber sie bringen uns nicht zu Fall. Und sollten wir doch stolpern und fallen, so sendet Gott uns einen Engel, der uns auffängt. Christus hebt uns auf, wenn wir fallen, er hält uns, wenn wir keinen Halt mehr haben, er trägt uns, wenn wir müde und erschöpft sind und nicht mehr gehen können. Er trägt die Bürde für uns, wenn uns unsere Lasten zu schwer werden.</p>
<h4>Von Jesus lernen</h4>
<p>„Nehmt auf euch mein Joch“, das meint mein sanftes Joch, das ihr tragen könnt, und lernt von mir. Die Aufforderung Jesu zu lernen, rührt aus der jüdischen weisheitlichen Tradition. In dem biblischen Buch der Sprüche sind weisheitliche Traditionen überliefert. Die Weisheit war im Anfang der Schöpfung mit dabei, sie wird die „Werkmeisterin Gottes“ genannt (Martin Luther). Sie war längst da, bevor Gott die Welt erschuf und spielte vor ihm auf dem Erdkreis (Sprüche 8,22ff). Die Weisheit wird im Ersten Testament personhaft gedacht. Sie geht durch die Straßen und Gassen und fordert die Menschen auf, den Weg der Torheit zu verlassen und auf gerechten Pfaden zu wandeln. Sie mahnt, von ihr, der Weisheit, zu lernen, denn sie bewahrt vor Verderben. Jesus ruft wie die Weisheit dazu auf, von ihm zu lernen: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen“. Jesus verspricht nicht ausschließlich Glück und Freude. Sein Joch, das wir auf uns nehmen sollen, vollzieht sich in einem Lernvorgang. Wir sollen sein Verhalten nachahmen. Wir lernen von Jesus, sanftmütig und von ganzem Herzen demütig zu werden. Jesu Leben war geprägt von Annahme und Liebe, die er den Menschen angedeihen ließ. Er hat sich Ausgestoßenen zugewendet, mit ihnen Tischgemeinschaft gehalten, er hat Kinder und Frauen ernst genommen. Er hat sich auch den Pharisäern nicht verschlossen, wenn sie mit Fragen und Zweifel, die sie umtrieben, zu ihm kamen, und nicht in heuchlerischer Absicht. Ohne Hass und Groll zog er auf einer Eselin in Jerusalem ein, wohl wissend, dass sein Einzug in Jerusalem sein furchtbares Ende am Kreuz einleiten würde.</p>
<p>Sanftmut und Demut sind Begriffe, die wir nicht gerne auf uns selbst beziehen. Wir nehmen uns nicht gerne um der anderen willen zurück. Wenn das jemand tut in unserer Gesellschaft, dann fallen mir höchstens Mütter ein, die alles für ihre Kinder und ihre Familie tun, und sich selbst ganz hinten anstellen. In der Regel aber ist es so, dass wir lieber selbst zum Zug kommen möchten. Nicht, dass ich missverstanden werde: Es ist auch nötig, einmal mal selbst zum Zug zu kommen. Das ist gerade für Frauen und insbesondere Mütter wichtig, damit sie nicht das Bild von sich selbst bekommen, sie wären nichts wert und könnten nichts. Niemand braucht sein Licht unter den Scheffel zu stellen, niemand braucht immer nur hinten stehen und muss alle anderen vorlassen. Jede und jeder ist ein geliebtes Kind Gottes und darf auch einmal Mittelpunkt sein. Aber immer nur sich selbst zu sehen, immer nur selbst glänzen zu wollen und andere Lichter zum Erlöschen zu bringen, entspricht nicht dem Verhalten, das Jesus uns vorgelebt hat. Von ihm lernen wir, was es bedeutet, auf Gottes Wegen zu gehen. Das heißt nicht, dass Jesus das Hadern und den Kampf in seinem Leben nicht kennt und sein Schicksal geduldig und sanftmütig hinnimmt und erträgt: Als er nach seiner Taufe in die Wüste geführt wird, muss er sich bewähren, er darf und will sich nicht der Macht des Bösen überlassen. Auf seinem Lebensweg muss er sich ständig mit den Anfeindungen seiner Mitmenschen auseinandersetzen. Im Garten Gethsemane betet er verzweifelt, dass der bittere Kelch seines nahen Todes und der damit verbundenen Qualen und Schmerzen an ihm vorübergehen möge. Nach hartem inneren Kampf überlässt er sich der höheren Macht und gibt sich ganz Gott hin: Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Demütig nimmt er sein Schicksal an.</p>
<h4>Sanftmut und Demut</h4>
<p>Sanftmut und Demut verschaffen ein ruhiges Herz und Frieden. Mit Gottvertrauen lässt sich Schweres leichter aushalten. Das sanfte Joch und die leichte Last, die Jesus uns auflegt, bewahren uns vor Stolz und Hochmut. Sanftmut und Demut sind ebenfalls Verhaltensweisen, die die Weisheit in den Sprüchen der Bibel fordert. Jesus steht auch hier ganz in weisheitlicher Tradition und setzt sie fort. „Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz, Hochmut kommt vor dem Fall (Sprüche 16,18)“. „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker, wer sich beherrscht, ist besser als einer, der Städte gewinnt (Spr 16,32).“ „Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott (Spr 14,31).“ Sanftmut und Demut im Herzen führen zu einer inneren Ruhe, die alles Streben nach Macht und Geltung nicht geben kann.</p>
<p>„Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ Eine demütige und sanftmütige Haltung ist verbunden mit einer Verheißung: Unsere Seelen finden Ruhe. Ein ruhiges Herz, eine Seele, die Ruhe findet, ist ein hohes Gut, das uns inneren Frieden verschafft. Rast- und Ruheplätze fehlen uns im beschäftigten, wohl auch belasteten Alltag. Rast- und Ruheplätze brauchen wir, um zur Besinnung zu kommen, um Atem zu holen, um aufzutanken. Jesus bietet uns einen Ruheplatz an, wenn er spricht: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Unsere Seele dürstet nach dem sprudelnden erquickenden lebendigen Born. Gott ist unser Schutz, Christus unser Heil. Der Gott Israels, der auch der Gott von Jesus Christus ist, bietet uns ein Zuhause, wenn wir uns fremd fühlen. Er ist unsere Zuflucht und unsere Zuversicht. Gott schafft Ruhe und Erquickung den Erschöpften und Belasteten. Er verheißt uns sein Friedensreich, in dem Freude und Gerechtigkeit sich küssen und in dem Gott in seiner Herrlichkeit mitten unter den Seinen ruht. Die Ruhe, die Gott schenkt, ist keine Ruhe, die zur Untätigkeit führt. Sie ist eine schöpferische Ruhe, die sich ausruht nach getaner Arbeit und neue Kraft schöpft. Die Seele erholt sich und ist still vor Gott. „Cantate“ – singt! Jesus, wir nehmen auf uns dein Joch und lernen von dir, dein Joch ist sanft und deine Last ist leicht. Wir folgen dir nach und wandeln auf deinen Wegen.</p>
<p>Amen.</p>
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