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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Leben</title>
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		<title>Erntedanktag &#8211; Dankbar ins Leben gehen</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 18:17:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[dankbar]]></category>
		<category><![CDATA[Einklang]]></category>
		<category><![CDATA[Erntedank]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Erntedanktag gehört zu den beliebtesten Gottesdiensten der Kirche. Wir kommen gerne in die Kirche, wenn der Altar schön geschmückt ist mit den Gaben, die viele Menschen mitgebracht haben. So bunt ist das Leben, so reich, so vielfältig. Aber eben auch: so reich. Aus den Nachrichten erfahre ich, dass Europa reicher als die USA sei. Wir sind reich beschenkt. Tief in unsrer Seele spüren wir, „das es gut ist“, was uns Menschen seit der Schöpfung dieser Welt beschert wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Der Erntedanktag gehört zu den beliebtesten Gottesdiensten der Kirche. Wir kommen gerne in die Kirche, wenn der Altar schön geschmückt ist mit den Gaben, die viele Menschen mitgebracht haben. So bunt ist das Leben, so reich, so vielfältig. Aber eben auch: so reich. Aus den Nachrichten erfahre ich, dass Europa reicher als die USA sei. Wir sind reich beschenkt. Tief in unsrer Seele spüren wir, „das es gut ist“, was uns Menschen seit der Schöpfung dieser Welt beschert wird. Vielleicht klammern wir einen Augenblick auch die Sorgen und Ängste aus, die uns gerade in der heutigen Zeit unter der Woche beschäftigen und beschweren, vergessen in dieser Stunde, was uns, auch finanziell, belastet. Nein, dieser Tag gehört der Dankbarkeit über die Schönheit der Gaben und mag unseren Blick auf den großzügigen Geber dieser Gaben lenken: Danke, für diesen guten Morgen, danke! O Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann!</p>
<p>Im normalen Leben bewegen uns andere Gedanken. Da mögen Sorgen im Vordergrund stehen, Planungen von Sicherheiten, Ängste, wie wir mit unserem (knappen) Geld auskommen können. Wie gut, dass es gesetzliche Regelungen gibt, die unsrer Wohlfahrt dienen sollen! Wie gut, dass es Juristen/Juristinnen gibt, die dafür sorgen, dass uns Recht geschieht! Wie gut, dass wir in Deutschland in keinem rechtsfreien Raum leben! Wenn es dann z.B. in der Familie zum Rechtsstreit kommt, kann ein Anwalt angerufen werden, der sich um die Rechtslage kümmert. Genau dies ist die Ausgangslage unserer heutigen Perikope, die uns von Lukas aufgeschrieben ist.</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<p>Eigentlich zwei Geschichten. Die erste ist schnell gelesen, gehört und verstanden: wenn es um einen Rechtsstreit geht, ist es sinnvoll zu fragen, was hinter diesem Konflikt steht. Jesus: Nehmt euch in acht und hütet euch davor, in euerem Leben immer mehr haben zu wollen! Dies ist ein vernünftiger Rat, den uns jede/r Mediator/in geben würde: Wäg doch bitte ab, ob es einen (Rechts-) Streit lohnt, der mit Kosten, Zeit und Nerven verbunden ist. Außerdem: Niemand lebt davon, dass er immer mehr hat und anhäuft.</p>
<p>Vielleicht mag ihn der Frager angeschaut haben: Kannst Du mir nicht ein Beispiel erzählen? Was genau meinst Du? Jesus scheint in seinem Metier zu sein und erzählt eine Geschichte. Sie beginnt so einfach, dass wir nur zustimmen werden: Wir verdienen gut, haben eine Glückssträhne oder einfach nur gut gewirtschaftet. Da wird man doch zu seiner Seele sagen dürfen: Seele, du hast viel Gutes gelagert auf viele Jahre. Mach mal Pause! Iss, trink! Freu dich! Entspann dich! Fahr nach Mallorca oder Ibiza! Geh tauchen oder auf Weltreise! Lass es dir gut gehen! Denn endlich hast Du Deine Sorgen los. Dein Plan ist aufgegangen. Deine Mühe hat sich gelohnt. Du bist erfolgreich gewesen: Genieß das mal, erhol dich für den nächsten go!</p>
<p>Vielleicht haben Sie eine solche Situation schon einmal erlebt. Auf jeden Fall werden Sie so etwas von Freunden oder Bekannten kennen – und dann die Nachricht: Herzinfarkt aus heiterem Himmel! Und in der Zeitung steht dann: Aus dem Leben gerissen, und er hatte doch eine derartig gute Zukunft. Ich empfinde diesen Schlag als unbarmherzig: Wie konnte Gott das zulassen? Wie drückt es Jesus aus: Du Idiot! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du vorbereitet hast – wem wird es gehören? Hier spricht kein zartes Jesulein sondern ein realistischer Jesus. Ich denke hier an die Geschichte von Tolstoi: Wieviel Erde braucht der Mensch? Lest einmal diese Erzählung von dem Bauern Pachom, der seine Scholle verlässt und in fremdes Land zieht. Er hatte gehört, dass dort Land die Fülle zu haben sei. Jeder bekomme so viel, wie er an einem Tag umschreiten kann. Die Gier lässt den Bauern Pachom zu weit gehen. Er schafft es zwar, wieder an seinen Ausgangspunkt zurück, aber dort bricht er tot zusammen.</p>
<p>Wir sprechen heute von der (work – )life – balance, was bedeutet, dass Leben und Arbeiten in einem guten und sinnvollen Verhältnis stehen müssen. Jeder workoholic wird seinen Preis bezahlen für die Gier, „nur noch“ dies erledigen, arbeiten oder planen zu müssen. Jesus hat in vielen Beispielgeschichten und Gleichnissen von dem Preis gesprochen, den Menschen bezahlen müssen und sie derart zum Nachdenken gebracht. Wie auch in dieser Geschichte ist erstaunlich wenig von Gott die Rede – außer am Ende, wo Jesus vom „Reichtum vor Gott“ spricht. Wie können wir uns das vorstellen?</p>
<p>Als Erstes: Wenn ihr ein Problem habt, dann guckt, was das Thema hinter diesem Problem ist. Denn sonst löst ihr das Thema nicht oder nur vordergründig. Steht hinter dem Problem die Gier oder der Hass oder gekränkte Eifersucht? Dann bearbeitet diese Themen!<br />
Zum Zweiten: Geld allein macht weder glücklich noch sicher. Wichtiger mag es sein, sich mit dem Bruder oder Nachbar zu verständigen, so dass kein Kleinkrieg das Verhältnis belastet. Was hilft es, recht zu haben – und im Unfrieden zu leben? Das zehrt an den Nerven und verbraucht das mühsam erarbeitete und gesparte Geld für teure Sicherungsanlagen.<br />
Und Drittens: Versucht sinnvoll zu leben und damit „reich vor Gott“. Die Seele interessiert weder Besitz noch Geld. Sie will im Einklang leben mit einem Sinn, mit Gott, der dieses Leben, diese Welt mit ihren Werten transzendiert. Er ist die 3. Ebene, ohne die wir sprichwörtlich von der Hand in den Mund leben, aber mit der wir in einem (geistlichen) Raum leben, der uns Atem gibt, Lebenslicht und Hoffnung: einen neuen Schöpfungsraum „um Gottes willen“.</p>
<p>Was wohl der Gesprächspartner Jesu damals gesagt hat? Aber vielleicht ist noch wichtiger, was wir heute dazu sagen, ob wir angesichts des Reichtums dieser Gaben erkennen: „Von deiner Gnade leben wir/und was wir haben, kommt von dir/Drum sagen wir dir Lob und Preis/Tritt segnend ein in unsern Kreis!“ (EG Bayern 812.6/EG Rheinland 886/EG Kurhessen, NEK 837). Erntedankfest – Erinnerung an die Schöpfung, die unserm Leben Raum gibt, dass wir atmen können, uns aufrichten und dankbar ins Leben gehen können.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Ruf ins Leben</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 05:11:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Lazarus]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Predigttext haben wir soeben die biblische Erzählung von der Auferweckung des Lazarus gehört, eine Geschichte, die singulär im Neuen Testament ist, keine Parallele in den anderen Evangelien, bei den Synoptikern, hat. Eine Geschichte, die uns in eine fremde Welt führt, zeitlich und räumlich weit entfernt, fremd auch unserer heutigen Vorstellungswelt. Eine österliche Geschichte, an der Schwelle zur Passionserzählung - und das am Ende des Spätsommers!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Auf dem Weg</h4>
<p>Als Predigttext haben wir soeben die biblische Erzählung von der Auferweckung des Lazarus gehört, eine Geschichte, die singulär im Neuen Testament ist, keine Parallele in den anderen Evangelien, bei den Synoptikern, hat. Eine Geschichte, die uns in eine fremde Welt führt, zeitlich und räumlich weit entfernt, fremd auch unserer heutigen Vorstellungswelt. Eine österliche Geschichte, an der Schwelle zur Passionserzählung &#8211; und das am Ende des Spätsommers! Sie führt uns nach Bethanien, einem Ort, etwa 3 km entfernt von Jerusalem, östlich des Ölbergs, eine halbe Stunde Fußweg von der Stadt entfernt. Hier finden wir Jesus als den, der auf Bitten der Geschwister Marta und Maria von der anderen Jordanseite hierher kommt. Er war zuvor an dem Ort gewesen, an dem Johannes der Täufer getauft hatte, dem Ort des Beginns auch seiner eigenen Wirksamkeit; jetzt kehrt Jesus von der Taufstelle am Jordan nach Judäa zurück und bewegt sich Richtung Jerusalem, seiner letzten Lebensstation. Die Geschwister hatten nach ihm gesandt, um ihm Nachricht von der Krankheit ihres Bruders Lazarus zu geben, wohl in stiller Hoffnung, er könnte noch heilend eingreifen. Zwei Tage wartet er jedoch, bis er aufbricht; als er endlich in Bethanien ankommt, ist es bereits der vierte Tag seit dem Tod des Lazarus. Leiblich-realistisch, äußerst drastisch sagt es Marta im biblischen Text: „Herr, er stinkt schon!“ – Was soll da noch möglich sein? Jesus gibt Marta und Maria nicht das, was sie zu Anfang für Lazarus erhofft hatten – schnelle Heilung; er geht einen anderen Weg mit den Frauen, einen unerwarteten Weg: den Weg in den Tod und vom Tod zum Leben.</p>
<p>Der biblische Ort Bethanien heute: ein quirliger, arabischer Vorort Jerusalems. Verkehrsreich, laut, wilde Hupgeräusche liegen wie ein Klangteppich in der Luft, aber es gibt auch ruhige Flecken, stille Orte. Einer davon ist das Lazarusgrab, durch ein modernes arabisches Wohnhaus zu erreichen. Mit einer Taschenlampe in der Hand werden die Besucher über eine dunkle Treppe losgeschickt in das Gängesystem mehrerer dunkler Grabkammern untertage. Der lichtdurchflutete Sonnentag bleibt hinter uns zurück. Es ist ein uraltes Felsengrab aus der Zeit des zweiten Tempels, was den Besucher erwartet; die Ablagen für die Toten sind an den Wänden zu sehen. Ein wenig modrig und muffig ist es dort unten, feucht und kühl, irgendwie unheimlich mit dem Gedanken an all die Toten, die über Zeiten und Jahrhunderte hinweg hier bestattet worden sind.</p>
<h4>Trauerriten</h4>
<p>Aber die Bilder eines jüdischen Begräbnisses sind in diesem Moment da unten in dieser Grabhöhle lebendig und klar vor dem inneren Auge: Da ist der Leichnam, der nur in leinene Grabtücher gewickelt ist, die für alle gleich sind, denn in der kommenden Welt sind nach jüdischem Verständnis alle Menschen gleich, wenn sie vor ihrem Schöpfer stehen, unabhängig von Reichtum oder Armut – vor Gott gibt es keine Unterschiede. Da ist in der Vorstellung der Szenerie außerdem die Trauergesellschaft, die die weinenden Schwestern, besonders Maria, die innerlich wie gelähmt ist, nicht aus den Augen lässt, sie begleitet, sie trösten will. Wohl dem Menschen, der, wenn er in Trauer ist, solche fürsorglichen Begleiter hat, die für ihn da sind!</p>
<p>Wer selbst schon den Weg der Trauer um einen geliebten Menschen gegangen ist, weiß, wie wenig man in den ersten Zeit bei sich selber ist, essen und trinken vergisst, wie sehr ein Mensch dann auf äußere Fürsorge angewiesen ist. 7 Tage lang dauern nach jüdischer Sitte die ersten Trauertage, während derer man sich als trauernder Angehöriger nicht aus dem Haus bewegen darf, keiner Arbeit nachgehen muss und völlig befreit ist von der Erledigung der tagtäglichen Kleinigkeiten. Man sitzt „Schiwa“, sieben Tage lang, daher der hebräische Name. Die ersten beiden Tage nach der Beerdigung versammelt man sich innerhalb der engeren Familie, ohne dass Fremde anwesend sind, die nicht zur Familie gehören; später erweitert sich der Kreis. Tröstliche Anteilnahme wird gelebt nach der Grablegung der Verstorbenen, Solidarität in der psychischen Ausnahmezeit der Trauer, Mitaushalten, Sich Zeit nehmen für das Gedenken, Erinnern, Verarbeiten des erlebten Verlustes. Verwandte und Nachbarn bringen den Trauernden ihre erste Mahlzeit. Anklänge dieser Trauerriten finden wir bereits in biblischer Zeit. D.h. so ähnlich muss es sich auch bei Maria und Marta abgespielt haben, als sie um Lazarus trauerten, der wohl in einer ähnlichen Grabhöhle seine Ruhestätte fand, wie man sie heute in Bethanien, im arabischen Ostteil Jerusalems, zeigt.</p>
<p>Vom Weinen und Klagen der Schwestern und der Juden, die zu ihnen ins Haus gekommen waren, um sie zu trösten, erzählt uns das Johannesevangelium in beredter Schilderung. So ist die Lazarusgeschichte auch eine Geschichte der menschlichen Nähe, der Freundschaft und der Solidarität, eine echte Fürsorgeschichte. Und eine Beziehungsgeschichte, in der die Akteure miteinander verwoben sind, verbunden durch eine enge Bindung, verbunden durch Freundschaft und Liebe. Es ist eine liebevolle Beziehung, die die Schwestern mit ihrem Bruder Lazarus verbindet, dem sie verzweifelt helfen wollen. Erstaunlich oft fällt in dieser Geschichte auch sonst das Wort „Liebe“. Es heißt dort. „Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester rund Lazarus.“ (V.5). Marta und Maria appellieren an diese nahe, freundschaftliche Verbindung, wenn sie zu Jesus senden lassen mit den Worten: „Herr, siehe, der, den du liebhast, liegt krank.“ (V.3) Auch die Umstehenden erkennen an der spontanen Gefühlsregung Jesu am Grab: „Siehe, wie hat er ihn lieb gehabt!“ (V.36) &#8211; Und trotzdem oder gerade deswegen: Vier Tage der Trauer lässt Jesus verstreichen, vier Tage der Wehklage und des erlebten Abschiedsschmerzes, vier Tage der intensiven Klage um den verstorbenen Bruder. Erst dann, am Punkt des intensivsten Verlustgefühls, ist für Jesus die Stunde gekommen, um zu handeln, vollmächtig zu handeln, lebensschaffend zu handeln, verwandelnd einzugreifen. So wie es im Lazarusgrab in Bethanien auf einer Tafel über dem innersten Grabeingang geschrieben steht: „Herrlichkeit Gottes sollen jene sehen, die in größter Not und Ausweglosigkeit Jesus Glauben schenken, gewiss, dass Er immer größer ist als jede Not, selbst größer als der Tod“.</p>
<h4>Liebe</h4>
<p>Es geht selbst an den tatsächlichen oder bloß vermeintlichen Stätten der Wirksamkeit Jesu nie bloß um historische Fakten oder Erkenntnisse. Die werden wir dort nicht finden. Schon gar nicht heute, wo das Menschengewoge und die Geschäftstüchtigkeit der Händler viele biblische Stätten so entstellen, dass sie keine Vorstellung mehr zulassen von dem, was sie symbolisieren wollen, in der Via dolorosa zum Beispiel. Worum geht es aber dann, wenn es nicht rein um historische Fakten geht? Es geht um Glauben, wie die Grabtafel in Bethanien sagt, um die Begegnung mit dem lebendigen, gegenwärtigen Christus, es geht um einen Bezug zu der mit ihm verbundenen Lebens- und Glaubensgeschichte, der wir in der Bibel und an den biblischen Stätten nahe sein können. Trotz allem historischen und zeitlichem Abstand &#8211; eigenartig nah und zugleich beeindruckend nah an den Fragen von uns heutigen Menschen sind die Aussagen auch der biblischen Wundergeschichten, die auf den ersten Blick weit entfernt und abseitig von uns heute zu sein scheinen, so auch die Aussage der Lazarusgeschichte. Es geht letztlich um die Offenbarung der Liebe Christi, die sich an seinem Freund Lazarus exemplarisch für alle Menschen offenbart. Und genau so will Jesus uns auch heute zum Glauben ermutigen, so wie er in biblischer Zeit Marta und Maria zum Glauben ermutigt hat. Er will uns die Herrlichkeit Gottes offenbaren, die in ihm ist und stärker ist als aller menschliche Schmerz und Verlust, sogar stärker als der Tod.</p>
<p>Dafür ist die Auferweckung des Lazarus, wie sie uns das Johannesevangelium erzählt, ein Symbol, ein Symbol der eigentlichen Glaubenserfahrung, die hinter dem Wunder erzählt wird. Jesus redet als der Offenbarer Gottes, er offenbart eine Wahrheit, die nur im Glauben erfasst werden kann. Das eigentliche Wunder in der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus ist also nicht das leibliche Weiterleben des Lazarus, sondern der Glaube, auf den alles abzielt. &#8211; Bis dahin, dass Jesus als Härtetest des Glaubens sogar zur trauernden Marta sagen kann: „Ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht dagewesen bin, damit ihr glaubt.“ (V.15). Der Durchgang durch den Schmerz des Abschieds hat reinigende Funktion; erst danach ist ein versöhnter, glaubender Blick auf die menschliche Kondition des Lebens und Sterbens möglich. Auch das Ende der Geschichte bezieht sich explizit auf den Glauben als Ziel und Zweck der Lazarusgeschichte: „Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.“ (V.45) Es ist ein Glaube, der denen geschenkt wird, die ihn suchen, sich im Herzen von ihm bewegen lassen, so wie Marta, deren eindeutiges Christusbekenntnis zentral in der Mitte des Textes platziert ist: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“ (V.27) Es ist ein Glaube, in dem Sterben und Tod auf-gehoben sind, im eschatologischen Sinn durch Christus verwandelt, „wesenlos“, wie der große Exeget Rudolf Bultmann in seinem Johanneskommentar zur Lazarusgeschichte über den glaubenden Menschen sagt: „Das Sterben ist für ihn wesenlos geworden. Denn Leben und Tod im menschlichen Sinne – das höchste Gut und der tiefste Schrecken – sind für ihn wesenlos geworden; er steht ja, sofern er den Offenbarer glaubend sieht, vor Gott selbst“.</p>
<h4>Ermutigung</h4>
<p>Was bedeutet das alles nun für unseren Umgang mit dem menschlichen Leben und mit dem menschlichen Tod? Wie kommen wir hinein in die Geschichte? Wie kommen wir heute darin vor? Eine mögliche Antwort: Das ist unsere christliche Hoffnung auch heute an allen Gräbern, an denen wir stehen, dass Jesus Christus für uns in der Auferstehung die Gabe des ewigen Lebens gewirkt hat, an der wir teilhaben dürfen. Er verkörpert dieses Leben als Gabe für den, der im Glauben lebt und damit in der Hoffnung der Auferstehung, so wie er in seinem Ich-bin-Wort, mitten im Predigttext, sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wir leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.“ Es ist kein Zufall, dass gerade diese Worte Teil unserer christlichen Beerdigungsliturgie am Grab eines verstorbenen Mitbruders/einer verstorbenen Mitschwester sind. Es geht in der christlichen Verkündigung am Grab um Gottes eschatologische Möglichkeiten, die größer sind als unser begrenztes Denken und unsere menschlichen Möglichkeiten. Es geht um Gottes Gabe in Jesus Christus, die uns Leben schenkt; Leben, das das Gegenteil ist von leiblichem und geistlichem Nichtsein.</p>
<p>Die Lazarusgeschichte in ihrer Parallelität zur nachfolgenden Passionsgeschichte, ist eine österliche Geschichte. Sie wird uns vom Evangelisten Johannes in seinem Evangelium genau am Übergang zur Leidensgeschichte Jesu erzählt – sicher nicht per Zufall! Sie ist eine Vorwegnahme der Botschaft vom Ostermorgen, der Erfahrung der Frauen am Grab, namentlich der Maria von Magdala, die sagt: „Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.“ Das Bekenntnis zu Jesus Christus ist ein Bekenntnis zum Leben, zum neuen, verwandelten Leben im Licht der Auferstehung. Wie die Passionsgeschichte Jesu, ist auch die Lazarusgeschichte eine Neuschöpfungsgeschichte, eine Verherrlichungsgeschichte, eine Exodusgeschichte. Herausgerufen werden aus dem Tod ins Leben; hineingerufen werden in das Licht Gottes; die Erfahrung der Schöpferkraft Gottes machen, die neu schaffen kann, was verloren und untergegangen war, die den Tod verwandeln kann in neues Leben – alles das steckt symbolisch in der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus.</p>
<p>Was ist der menschliche Tod? Traurige Realität allen menschlichen Lebens, ein letztes „Müssen“, dem keiner von uns als Mensch und sterbliches Geschöpf entgeht, aber nach christlichem Verständnis nicht endgültiges Aus und Vorbei. Gottes Geschichte geht in Jesus Christus weiter mit uns; auch an den Gräbern endet seine Liebe zu uns Menschen nicht einfach, sondern sie erweist sich gerade da als mächtig und stark, stärker als der Tod. Die Selbstprädikation Jesus Christi in der Lazarusgeschichte verheißt uns das, wenn er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt.“ Ein Tausch, der nur im Glauben ergriffen werden kann. Die Anrede Jesu an Lazarus – sie gilt, immer wieder neu: „Lazarus, komm heraus!“ Herausgerufen werden zum Leben inmitten einer todverfallenen Welt. Das ist unser Protestwort als Christinnen und Christen gegen den Tod, den großen Zerstörer. Das ist unser Hoffnungswort, unser Verheißungswort, das uns Halt im Leben und im Sterben gibt. Wir sind nicht verloren in der Welt und auch nicht im Tod; keiner, der in Christus stirbt, ist verloren. Wenn wir uns den Ruf Jesus Christi aneignen im Glauben, wird Jesus bei uns verherrlicht und damit Gott selbst, denn für diese enge Gemeinschaft von Gott und Christus gilt, was Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30).</p>
<p>Die johanneischen Zirkelschlüsse sind oft mühsam zu verstehen, aber sie eröffnen uns eine Denkperspektive, die die Kraft aller Möglichkeiten Gottes in Jesus Christus offenbart: Tod und Leben; leibliches Nichtsein und der lichte Auferstehungsleib; Ohnmacht und Macht – es fügt sich alles zu einem Bild des Trostes und der Hoffnung im Glauben an das große Lebenswort, das Gott uns in Jesus Christus gegeben hat. In dieser Hoffnung dürfen wir leben; in dieser Hoffnung dürfen wir auch alle geborgen wissen, die uns im Tod schon vorausgegangen sind. Es braucht nur den Glauben, das ist die einzige Forderung, die Jesus stellt: „Habe ich dir nicht gesagt: wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“ (V.40) Diesen Sprung in den Glauben zu wagen, dazu lädt uns die Lazarusgeschichte ein, dieser österliche Text, der uns heute, an diesem Spätsommersonntag, als Predigttext aufgegeben war. Wir haben österliche Anklänge gehört mitten im problemgesättigten Alltag der Welt; hoffnungsvolle Perspektiven haben sich aufgetan inmitten der Todverfallenheit unserer Welt mit all dem Streit, den Kriegen, der Gewalt und Aggression; eine lichtvolle Botschaft ist an unser Ohr gekommen, die uns herausruft zu neuem, beherzten Leben im Vertrauen auf Jesus Christus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens und unseres Lebens. Hören wir auf diese Botschaft, geben wir ihr Raum in uns, dann wird sie uns Trost und Hoffnung geben für unser Leben jetzt und über die Grenze des irdischen Lebens hinweg. Wagen wir den Sprung! Folgen wir dem Ruf Jesus Christi – dem Ruf ins Leben.</p>
<p>Amen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ist Jesus der Samariter für uns?</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/09/ist-jesus-der-samariter-fur-uns/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 11:58:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Samariter]]></category>

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		<description><![CDATA[Predigt

Liebe Gemeinde!

„Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Aufatmen könnt ihr und frei sein!“ Mit diesen Worten lädt Jesus bis heute Menschen ein. Unzählige Christen sind zu ihm gekommen und gehen mit ihm. Viele haben ihn abgelehnt und folgen eigenen Zielen. Viele haben Jesu Worte gehört oder gelesen und ringen darum, ob sie die Einladung einnehmen wollen oder nicht? Zu solchen Zweiflern gehört auch der Schriftgelehrte im Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Predigt</strong></h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>„Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Aufatmen könnt ihr und frei sein!“ Mit diesen Worten lädt Jesus bis heute Menschen ein. Unzählige Christen sind zu ihm gekommen und gehen mit ihm. Viele haben ihn abgelehnt und folgen eigenen Zielen. Viele haben Jesu Worte gehört oder gelesen und ringen darum, ob sie die Einladung einnehmen wollen oder nicht? Zu solchen Zweiflern gehört auch der Schriftgelehrte. Er hat zuviel von Jesus gehört, gesehen und begriffen, um von ihm nicht fasziniert zu sein. Bis heute geben ja fast alle religiösen Menschen auf der Erde zu, daß Jesus außerordentlich von Gott inspiriert war. Aber gleichzeitig war in ihm als Juden der Zweifel gewachsen, ob Jesus so als Messias und Gottes Sohn auftreten, predigen, heilen und die Gebote auslegen darf? Der Schriftgelehrte hat seit Jahrzehnten jeden Tag das Alte Testament intensiv studiert. Kann ein Nicht-Studierter aus der Provinz ihn überzeugen, der verheißene Messias zu sein? Der Schriftgelehrte gleicht darin übrigens ganz dem modernen Menschen der Postmoderne, der mit Dauerreflexion alles relativiert und sich nicht entscheiden kann. Um zu einer Lösung zu kommen, will er Jesus eine entlarvende Fangfrage stellen. Er will Jesus &#8211; wenn möglich &#8211; eine Maske vom Gesicht reißen. Oder aber er will sich von Jesus überzeugen lassen. Seine harmlos erscheinende Frage hat es wirklich in sich! Sie ist so geschickt gewählt, daß sie auch den Papst und jede/n Theologie-Professor/in in Verlegenheit bringen kann: Was muß ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Mit anderen Worten: Wie muß ich leben, damit mein Leben gelingt und ich in Ewigkeit vor Gott bestehen kann? Er fragt damit nach dem Sinn des Lebens, nach Gottes Gericht und Vergebung, nach dem ewigen Leben und den richtigen Entscheidungen an jedem Tag. Der Schriftgelehrte weiß aus Erfahrung, daß Jesus verloren wäre, wenn er sich darüber auf eine Diskussion einlassen würde. Er weiß: Es gibt zwar Fragen, die man klar beantworten kann. Zum Beispiel: Wie heißt das erste Gebot? Wie komme ich am schnellsten zum Bahnhof? Es gibt aber auch Endlos-Fragen ohne klare Lösung, über die man immer wieder neu diskutieren kann.</p>
<p>Der Schriftsteller Thomas Mann hat sie in seinem Werk: Joseph und seine Brüder im Gespräch von Joseph mit dem Pharao so beschrieben: „Es gibt Fragen von der schönen Art, daß sie sich nicht lösen lassen, so daß ihrer Betrachtung kein Ende gesetzt ist. Das Gespräch darf nicht entschlummern, .sondern man wünscht, daß es weiter gehe und zu fernerer Wahrheit führe. Eine Wanderung ist es ins Ewige.“ Beim Gespräch unter Freunden kann jeder von uns unbeschreiblich erhebend erfahren, daß uns diese Fragen zu Gott erheben können! Dieselben Fragen aber werden immer wieder von Kritikern benutzt, um unseren Glauben zu bespötteln und lächerlich zu machen. Übrigens: Nicht zu den Endlos-Themen gehört die Frage: was war zuerst da? Huhn oder Ei? Es gab einen Evolutions-Sprung. Danach haben sich Tiere durch Eier vermehrt! Zu den echten Endlos-Themen gehören z.B. die Fragen: Warum ist überhaupt etwas, warum ist nichts? (Aristoteles) Sind wir heimatlose Waisenkinder inmitten eines sinnlosen Weltalls oder sind wir gewollt erwünscht von einem gütigen Schöpfer?(Monod und Camus ) Welches Ziel hat die ganze Evolution des Lebens? (Teilhard de Chardin mit positivem, Dawkins mit negativem Ziel) Warum gehorcht die ganze Natur mathematischen Gesetzen? (Heisenberg) Gibt es die Willensfreiheit für den Menschen, da wir aus Materie bestehen? Ist der Mensch nach Gottes Idee und Plan entstanden oder ist Gott nach der Idee der Menschen entstanden? (Feuerbach) Warum läßt Gott soviel Böses zu? Warum lassen wir Menschen soviel Böses zu? (Hiob)- Gibt es ein Leben nach dem Tod? – Ist die Erde eher ein feindlicher oder ein freundlicher Ort? (Einstein), usw. &#8211; Die Frage des Schriftgelehrten: &#8220;Was muß ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe&#8221;, faßt in gewisser Weise die endlosen Grübel-Themen konzentriert zusammen.</p>
<p>Wenn Jesus die Frage nicht überzeugend lösen kann, denkt der Schriftgelehrte, ist Jesus nicht von Gott und ich kann ihn in Zukunft links liegen lassen. Jesus aber durchschaut die Falle und reagiert unglaublich souverän: Er beantwortet die Frage mit einer Gegenfrage, nicht mit einer ablenkenden rhetorischen Frage, sondern mit der entscheidenden: Welche Antwort gibt uns die Bibel? – Weil sich der Pharisäer nicht von einem Nicht-Studierten belehren lassen will, läuft er zu geistiger Hochform auf und bringt als erster Gläubiger zwei Gebote aus dem Alten Testament zusammen. Er bringt damit die Ethik der Bibel wunderbar auf den Punkt: Du sollst Gott lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst! Zu seiner Verblüffung stimmt Jesus ohne wenn und aber zu und fügt hinzu: Tu das, so wirst Du leben! Mit anderen Worten: Wenn Du das machst, dann wird Dein Leben gelingen und Du kannst in Ewigkeit vor Gott bestehen! Jesu klare einfache Antwort ist gleichzeitig ein Beispiel für seine einfühlsame Seelsorge: Indirekt, ohne ausführliche Erläuterung macht er dem Gelehrten deutlich: Du Theoretiker und intellektueller Eierkopf! Begreife es doch! Für manche Menschen wäre mehr Bibelstudium sehr gut! Aber Du entfernst dich durch Dein fanatisches Grübeln über die Bibelworte immer mehr von der Bibel, von Gottes Willen und Deinen Mitmenschen. Die Liebe kann nicht nur in Gedanken bestehen! Zu jeder Liebe gehören auch Taten! Habe ein Herz für die Notleidenden und Du findest Gott und Dich selbst und das ewige Leben! Du kennst doch selbst genügend Beispiele, daß Menschen voll Zweifel und Verzweiflung neuen Lebensmut bekamen, nachdem sie sich sozial engagierten für die Menschen in Not, für ihre Nächsten! Man spürt wie der Gelehrte bei dieser Aufforderung einen Augenblick überrascht innehält. Als trainierter Denkspezialist aber weiß er, daß man mit Vernunft alles beliebig relativieren kann. Deswegen kontert er elegant: Wer ist denn mein Nächster? Jesus, wenn ich mich für meine Familie und meine Freunde einsetze, tue ich nichts besonderes! Das machen auch Verbrecher und Mafia-Gangster. Wenn ich aber mich für alle Notleidenden auf der Welt einsetzen soll, ist das doch klar eine totale Überforderung und Illusion!</p>
<p>Wieder bringt Jesus die Sache auf den Punkt. Er erzählt die bekannte Geschichte vom Menschen, der überfallen und ausgeraubt wurde und dann zusammengeschlagen hilflos und verzweifelt am Straßenrand liegt. Ein Priester und ein Kirchendiener gehen vorbei, ein ausländischer Feind aber erbarmt sich des Halbtoten. Dieser grübelt nicht darüber nach, ob er zuständig ist. Er läuft auch sonst nicht wie ein Weihnachtsmann mit Geschenke-Sack durch die Welt. Aber da wo Not am Mann ist, erbarmt er sich. Das hebräische Wort „ sich erbarmen“ hat übrigens die selbe Wurzel wie Mutterleib und Eingeweide als Sitz des zarten Mitgefühls. Das weist darauf hin, daß der Samariter sich nicht mit dem Kopf und Verstand für seinen Feind einsetzt, sondern aus dem Bauchgefühl und mit Intuition. Die innere Stimme überredet ihn, in dem schmerzerfüllten Feind seinen Menschenbruder zu sehen. Wo ein Mensch so konkret in Not ist, wird Nächstenliebe alarmiert zu retten und alles zum Guten zu wenden. Jesu Gleichnis ist so überzeugend, daß der Gelehrte jetzt ohne Wenn und Aber begriffen hat, was Nächstenliebe ist. Aber hat Jesus nicht doch von dem eigentlichen Anliegen des Pharisäers abgelenkt? Er wollte doch eigentlich genau wissen, wer Jesus ist? Ob er angekündigte Retter ist, durch den wir das ewige Leben bekommen?</p>
<p>Wer lange über das Gleichnis nachdenkt erlebt Merkwürdiges: Jesus erzählt vom Barmherzigen Samariter, aber er handelt genau wie der. Er stellt alle Niedergeschlagenen wieder auf die Beine, die seine Hand ergreifen. Er verbreitet Nächstenliebe und die heilende Kraft Gottes. Er ist laut Kirchenvater Ambrosius selbst der ewige Samariter für uns: „ Als der barmherzige Samariter bringe Du, mein Heiland mich zur Herberg und Ruh. Der Du an getan die Barmherzigkeit sei unser Helfer unser Mittler allezeit.“ Wenn man noch genauer hinsieht, spürt, daß Jesus als feinfühliger Seelsorger den Schriftgelehrten in Gedanken ganz in sein Gleichnis hineinziehen will. Fein und indirekt sagt er dem Pharisäer: Du hörst Dir mein Gleichnis an, aber Du bist doch selbst auf Deine Weise unter die Räuber gefallen. Es sind nicht böse Räuber, aber Deine ewigen quälenden Fragen rauben Dir Deine Seelenruhe und innere Mitte. Innerlich zerrissen liegst Du geschlagen auf Deinem Lebensweg. Priester und Diener der Religion gehen an Deinen Fragen vorbei. Aber ich, Jesus, für Dich wie der Samariter ein Fremder, bin für Dich da! Ich bin der barmherzige Samariter für Dich! An das eigentliche Ziel kommt das Gleichnis, wenn Jesus für uns zum Barmherzigen Samariter wird. Das ist die Absicht von Jesus heute! Was das zum Beispiel heute bedeutet, kann man zum Schluß mit der modernen Psychologie ganz kurz so beschreiben: Nach Fritz Riemann hat jeder Mensch vier Pole in seiner Seele, aber einen Schwerpunkt: Wir sind entweder in erster Linie Ordnungs- oder Freiheits-Typen, entweder Nähe- oder Distanz-Typen. Wenn wir das einseitig betonen, fallen wir uns gegenseitig auf den Wecker. Jesus hilft uns unser heilsame Mitte zu finden: Der zu gewissenhafte pedantische Ordnungstyp wird durch Jesus gelassener und spontaner. Der oft unzuverlässige und chaotische Freiheitstyp bekommt durch Jesus Regeln für seinen Lebensweg. Wer zu kühl und distanziert ist, bekommt Freude an herzlicher Nähe zu anderen. Und der Nähe-Typ, der nur für andere lebt und sie dabei klammert, hört von Jesus, daß er auch sich selbst lieben darf. So und auf noch andere Weise ist Jesus der barmherzige Samariter für uns. Er ruft uns auch heute zu: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Aufatmen könnt ihr und frei sein!“</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Jedes Leben ist die Fülle an Möglichkeiten</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 18:47:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Fülle]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Möglichkeiten]]></category>
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		<description><![CDATA[Du hast keine besonderen Talente? Dann mach was draus! Was, ich habe dich falsch verstanden? Im Gegenteil: Ich stehe dazu: Mach was aus dem, was du angeblich zu wenig oder vielleicht gar nicht hast. Was wendest du ein - aus dem Nichts könne nichts werden, wo gar nichts sei, könne auch nichts wachsen? - Wir werden sehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Du hast keine besonderen Talente? Dann mach was draus! Was, ich habe dich falsch verstanden? Im Gegenteil: Ich stehe dazu: Mach was aus dem, was du angeblich zu wenig oder vielleicht gar nicht hast. Was wendest du ein &#8211; aus dem Nichts könne nichts werden, wo gar nichts sei, könne auch nichts wachsen? &#8211; Wir werden sehen.</p>
<p>Es geht Jesus ja um den Dritten in dieser Reihe. Wegen der beiden zuerst Genannten hätte er diese Geschichte uns nicht zu erzählen brauchen. Sie haben die entsprechenden Voraussetzungen mitbekommen und können natürlich was draus machen, können etwas aus sich selber machen. Sie haben genug Kapital, damit können sie arbeiten. Wir wissen ja nicht, wie lange der Vermögensanleger verreist war. Jesus wählt als Beispiel den Geldmarkt, das Kapital. Ich weiß nicht, wie lange, gemessen an heutigen Maßstäben und zu besseren Zeiten als in der Wirtschaftskrise, ein Vermögen bräuchte, um sich zu verdoppeln. Die beiden ersten jedenfalls leisten das ihnen Mögliche. Sie werden gewürdigt, bekommen eine größere Verantwortung, steigen auf der Karriereleiter weiter. Mehr muss über sie nicht erzählt werden, damit endet bei ihnen das Interesse dessen, der diese Geschichte erzählt hat.</p>
<p>Die Erzählung zielt auf den Dritten. Er gibt es ja hinterher zu: Ihn regiert die Angst. Uns wird hier eine Art Teufelskreis vorgeführt: Was sein Herr von ihm erwartet, empfindet er als Überforderung. Und weil er sich überfordert fühlt, bestätigt er genau die Vorurteile seines Herrn ihm gegenüber: Er hat ihm ja von vornherein nur ein Achtel des Gesamtvermögens anvertraut. Sein Herr traute ihm weniger zu, genau so reagiert er jetzt: „Ich weiß, du bist ein harter Mensch, erntest, wo du nicht gesät hast, sammelst, wo du nicht ausgestreut hast“. Der Schluss klingt brutal: „Den faulen Knecht werft in die äußerste Finsternis, dort wird sein Heulen und Zähneklappern“. Da wird uns der freundliche, liebevolle Jesus fremd. Ich lese die Gerichtsandrohungen aus dem Munde Jesu aber inzwischen anders: „Wenn du nichts aus dir gemacht hast, dann wundere dich nicht, wenn dir dein Leben am Ende leer, unerfüllt erscheint. Wer sein Leben nicht gelebt hat, dem kann am Ende wirklich zum Heulen und Zähneklappern zumute werden“. Ich trage durchaus das Bild von so jemandem als Beispiel in mir: Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, habe ich den Eindruck, er lebt mit der Null-Perspektive: Irgendwie werde ich dieses verdammte Leben schon herumbringen! Es lohnt keine Mühe, keine Anstrengung! Dabei denke ich überhaupt nicht, dieser Mensch hätte überhaupt keine Talente. Er vergeudet seine Tage, bringt sein Leben irgendwie herum. Soll ich das Unfähigkeit nennen oder Faulheit? Vor allem frage ich: Wie wird das Ende eines solchen Lebens aussehen?</p>
<p>Du hast keine Talente? Du hast dein Leben. Komm mir jetzt nicht mit der Ausrede, das sei j selbstverständlich: Solange ich atme, bin ich lebendig! Du sollst nicht nur leben, sondern sollst aus deinem Leben was machen. Du lebst zusammen mit anderen: Wir gestalten unser Leben im Wechselspiel. &#8211; Da ist die Schöpfung. Sage jetzt nicht, das sei nicht dein Talent. Du bist ja selbst Natur, Schöpfung. Wie du mit dir umgehst, zeigt auch, wie du mit ihr umgehst. &#8211; Da ist deine Lebenszeit. Zählst du Jahre, Monate, Tage? Oder gestaltest du deine Zeit im Zusammenspiel mit dem Leben um dich? Vielleicht hast du Kinder? Die zeigen dir in der Tat, was du investiert hast und was dabei herausspringt. &#8211; Da ist deine Gesundheit. Was tust du damit? Ich denke nicht nur an Zigaretten und Alkohol. Steckt deine Freude an dir selber, an deinem Körper auch andere an?</p>
<p>Noch einmal: Es geht um den Dritten in Jesu Erzählung. Wer besonders begabt, sportlich, gesund ist, bei dem wundert uns nicht, was der draus macht. Aus fünf Talenten werden zehn, aus zweien vier. Das überrascht uns nicht. Uns ist Kleines anvertraut, Unscheinbares, Selbstverständliches. Das eine Talent. Was machen wir damit? Eingraben und hinterher aufbegehren mit dem Argument: Wir haben ja leider nicht mehr abbekommen!? Steht am Ende dieses Teufelskreises das Heulen und Zähneknirschen, ist der Neid vielleicht der Anfang: Ich habe doch leider nicht mehr abbekommen. Wäre ich so begabt, so sportlich, so attraktiv wie der oder die, dann könnte ich was aus mir machen! Wir vergleichen uns mit anderen und merken dabei: Wir sind nicht so! Im Vergleich zu den anderen gehören wir eher zu den Verlierern. Und dann sehen wir uns im Recht zu diesem verdammten Vorwurf: „Du erntest, wo du nicht gesät hast; du sammelst, wo nicht ausgestreut hast!“ Dabei ist jedes Leben die Fülle an Möglichkeiten. Ich lebe; was mache ich mit diesem Leben? Ich bin gesund; wie setze ich meine Möglichkeiten ein? Ich kenne und liebe andere &#8211; was geschieht in diesem Wechselspiel? Ich habe wie fast jede/r andere einen Beruf &#8211; was geschieht hier mit mir und mit meiner Umwelt? Talente, Talente, Talente… &#8211; Da sind unsere persönlichen Talente. Zugleich sind wir hier als „lebendige Steine im Tempel des Herrn“. Auch da gilt es: Um manche Talente müssen wir uns nicht kümmern: Einer wirkt wie Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms und steht ständig im Mittelpunkt. Einem anderen fallen Kontakte leicht; ihm fliegen die Sympathien zu. Der dritte ist ein Organisationstalent; der ist bei allem zu gebrauchen. Es wundert uns nicht, wenn da was wächst: Aus fünf Talenten werden zehn. Es geht aber um die verborgenen Kräfte. Vor allem um das Selbstvertrauen: Damit mache ich was! Bestimmen uns Neid, Resignation, Kleinglaube, Faulheit, Vorwürfe? Oder entdecken wir, was wachsen könnte? Dich machen die Größenverhältnisse irre? Aus fünf werden zehn? Was Jesus zeigt, ist nur Beispiel. Er hat den Kapitalismus in seiner Härte noch nicht erlebt. Aber Zinswirtschaft gab es damals schon. Jedes Beispiel kann nur Modell sein.</p>
<p>Hätte Jesus den Pottlach gekannt, hätte er vielleicht dieses Beispiel gewählt, diese Praxis in manchen Indianerstämmen, alles, wirklich alles an Hab und Gut wegzugeben, zu verschenken, mit dem Ergebnis: Ich bekomme mehr als genug zurück. Aber er konnte nur etwas vorstellen, was er selber kannte. Das sollten wir ihm nicht zum Vorwurf machen. Oder wirfst du ihm das Ende vor, das Gerichtsurteil? Vermutlich konnte er nicht ahnen, wie missverständlich sein Hinweis auf die Bilanzabrechnung am Ende wirken konnte. Der am Wenigsten anvertraut bekommen hat, bekommt als Lohn für seine Angst am Ende noch das Heulen und Zähneklappern. Dabei wollte Jesus ermutigen: Mach was auch aus deinen kleinen Talenten. Meint aber jemand: Ich habe überhaupt kein besonderes Talent, keine besondere Begabung, könnte ihm angesichts des Gerichts nicht nur der letzte Mut verloren gehen. Er könnte an Jesus irre werden.</p>
<p>Du verstehst immer noch nicht meine These, du solltest auch was machen aus dem, was du nicht hast? Bist du in irgendeiner Weise eingeschränkt, gar behindert, stehe zu dem, was du nicht hast; das überzeugt viele. Oder schau, was du sonst an Begabungen, an Fertigkeiten, Fähigkeiten bekommen hast. Oder bau eine Partnerschaft auf zu denjenigen, die genau das können, was du nicht kannst. Auch was du nicht hast, kann wachsen. Nicht negativ: als Schuldenberg, sondern positiv: als dein Vermögen. Du betonst, wir seien doch alle Sünder, all unser Werk sei vergeblich, wir könnten uns nicht selber erlösen? Wir dürfen Paulus nicht gegen Jesus ausspielen. Wir sehen hier, was Jesus will: Der gütige Gott will dich entlasten von deinem Kummer um deine Sünde und Schuld. Der Kummer führt zu Sorge, Angst, Resignation. Gott baut seine neue Welt. Dafür braucht er dich: mit allen deinen großen und kleinen und scheinbar fehlenden Talenten.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Unser Leben sei ein Fest</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Jun 2009 08:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Diakonie]]></category>
		<category><![CDATA[Diakoniesonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Opferwoche]]></category>

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		<description><![CDATA["Keine Zeit", sei der Rentnergruß. Das ist eine Ausrede. Jesus kennt unsere Ausreden. Lukas erzählt ein Gleichnis Jesu von Ausreden von drei Leuten, die waren zu einer Hochzeit eingeladen, hatten zugesagt und wollten dann nicht. Jesus sagte zu einem:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Predigttext: Lukas 14,15-24 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)</p>
<p>15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot ißt im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch, daß keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.</p>
<h4>Predigt</h4>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>&#8220;Keine Zeit&#8221;, sei der Rentnergruß. Das ist eine Ausrede. Jesus kennt unsere Ausreden. Lukas erzählt ein Gleichnis Jesu von Ausreden von drei Leuten, die waren zu einer Hochzeit eingeladen, hatten zugesagt und wollten dann nicht. Jesus sagte zu einem:</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<h5>Eingeladen</h5>
<p>Liebe Gemeinde, das ist unhöflich, persönlich eingeladen, zugesagt und dann so fadenscheinige Ausreden. Arbeit, Verdienst, Geschäft, Familie gehen vor. Die Einladung Jesu ist wie die Einladung zu einem Fest. &#8220;kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Matthäus erzählt diese Geschichte als Einladung zur Hochzeit eines Königs. An mittelalterlichen Kirchen sind oft außen die klugen und die dummen Jungfrauen dargestellt: Erinnerung daran, wozu wir eingeladen sind, und Mahnung, uns darauf einzustellen. &#8220;Unser Leben sei ein Fest&#8221;, dazu lädt uns Jesus ein. Am Schluß sagt der Herr: Ich aber sage euch, dass keiner der Männer (bzw. Menschen), die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. Das war eine Ohrfeige an den Herrn, der die Erzählung Jesu ausgelöst hatte. Jesus hatte gesagt: Wenn du einlädst, lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig Sein, und es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten. Da sagt der Fromme: &#8220;Selig ist, wer das Brot ißt im Reich Gottes&#8221;. Damit lenkt er ab von der Frage, wer und wen er üblicherweise einlädt &#8211; nicht die Armen, sondern die ihn auch einladen.</p>
<h5>Schritte auf dem Weg der Nachfolge Jesu</h5>
<p>Das könnte ein erster Schritt zur Nachfolge Jesu, zur Diakonie sein: Die Einsamen, Alleinstehenden, Alleinerziehenden, Behinderten, Sozialhilfeempfänger, Kleinrentnerinnen, Witwen und Witwer einladen. Persönlich einladen, besuchen. Dann wird sich das Weitere ergeben. Vielleicht, dass sie nicht kommen können, sich über einen Besuch unwahrscheinlich freuen. Das wäre schon ein Fest. Auch für Sie. Gönnen Sie sich doch solche Feste. Jesus lädt Sie dazu ein. Er würde sogar selber kommen und die Bitte erfüllen, die viele von Ihnen täglich sprechen: „Komm, Herr Jesu, sei Du unser Gast“. Weil gilt: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, bin ich auch. Ich höre, dass ein Besuchsdienst in der Gemeinde angefangen hat, dafür werden noch mehr Menschen gebraucht, die mitmachen. Fragen Sie Herrn Geier. Und wenn jemand nicht mehr gehen kann, aber geistig fit ist, könnte er die anrufen, die nicht mehr lesen können und ihnen zum Beispiel die biblische Tageslosung vorlesen. Sie bekommen das Werbeblatt für die diesjährige &#8220;Opferwoche der Diakonie&#8221; am Ausgang. Auch die Bitte um eine Spende ist eine Einladung zur Freude. Es macht Freude zu spenden. Ein &#8220;Opfer&#8221; ist etwas anderes. Das würde der Einladung zu einem großen Fest entsprechen. Das kostet ja leicht ein paar tausend Euro.</p>
<h5>Orte der Diakonie</h5>
<p>Von der Pflege in den Pflegeheimen wird in dem Faltblatt besonders gesprochen. Das Geld für die Pflege ist begrenzt. Folge: Die meisten Pflegekräfte sind Ausländer oder Einwanderer. Die Kranken brauchen es aber auch, dass jemand sie versteht, mit ihnen redet, betet, ein Lied singt. Das ist sicher auch im städtischen Pflegeheim im Klosterweg erwünscht. Wie in den Heimen der Diakonie. Es gibt neue Heime mit interessanten Angeboten: Die Stadtmission hat in Hagsfeld ein neues Heim letztes Jahr fertig gestellt mit Gruppen für geistig Verwirrte und einem an vier Tagen geöffneten Kaffee zusammen mit der Laurentiusgemeinde. Das neue Wichernhaus in der Weinbrennerstraße ist ein wunderschöner Neubau, unten ein Kindergarten. Das verträgt sich gut, genau so im Betreuten Wohnen der Stadtmission in der Stephanienstraße. Wohngruppen, in denen jede Gruppe ihr Leben selber organisiert, das Essen wird geliefert, gibt es im neuen Heim des Badischen Landesvereins im Karlsruher Weg. Einige ältere Heime sind abgerissen worden oder saniert wie zum Beispiel das frühere Heim des Roten Kreuzes in der Stephanienstraße durch die Stadtmission. Psychisch Kranke, Alkoholiker, Drogensüchtige leben in Wohngemeinschaften des Diakonischen Werks, auch hier in der Gemeinde im früheren Pfarrhaus in der Gottesauerstraße und im Haus Bodelschwingh. Gibt es Verbindungen mit Ihnen? Fachkundige Pflege, Notruf, Nachbarschaftshilfe bietet die Evangelische Sozialstation. Kennt jemand den Pfleger Marco und die Schwester Zrinka? Seien sie froh, dass Sie noch keine Hilfe gebraucht haben. Sie dürfen dort anrufen. Aber es wäre schön, wenn bestimmte Kranke und Pfleglinge besucht würden. Es macht macht Freude und befriedigt, erzählt mir ein alter Professor, der im Hospizdienst Besuche bei Sterbenden macht &#8211; ohne Bezahlung natürlich, zusätzlich zu den Brückenschwestern und Ärzten, freiwillig, frei und willig. Dafür sage ich nicht gern &#8220;ehrenamtlich&#8221;. Gerade als ob es wegen der Ehre gemacht würde. Sondern weil Jesus es empfiehlt und verspricht, dass wir im Hungrigen, Gefangenen, Sterbenden ihm selbst begegnen.</p>
<h5>Vorbilder der Diakonie &#8211; Johann Hinrich Wichern</h5>
<p>Auch Sie sind zu einem Fest eingeladen, zum 40jährigen Bestehen des Kindergarten in der Rintheimer Straße 30 am nächsten Samstag (Ist jemand hier, der was dazu sagen kann?). Feste machen immer noch die Hardtstiftung in Neureut in Verbindung mit dem Brunhilde- Baur- Haus, einer großzügigen Stiftung, sechs Gruppen für kleine Kinder, Wohnungen für Frauen mit Kindern, Ausbildung, Essen und Angebote im Rahmen eines &#8220;Mehrgenerationenhauses&#8221;. Das Diakonissenkrankenhaus in Rüppurr lädt auch jedes Jahr zum Jahresfest ein. In jedem Fall kann man bei der &#8220;offenen Tür&#8221; auch für sich selber einiges lernen &#8211; aber Vorsicht: die alle können freiwillige Mitarbeit brauchen! Die Einladung zum Fest gilt. Wie im Gleichnis Jesu. Annehmen sollten Sie solche Einladungen. Oder selber solche Feste machen. Letztes Jahr sollten wir an den 200. Geburtstag von Johann Hinrich Wichern denken. Er gründete das &#8220;Rauhe Haus&#8221; als Heim für gefährdete Jungen. Daraus entwickelte sich die &#8220;Innere Mission&#8221;, zum Beispiel mit der Erfindung der Diakonen, der Gefängnis- und Schifferseelsorge, einem Verband von heute tausenden von Einrichtungen, heute unter dem Namen &#8220;Diakonisches Werk Deutschland&#8221;, gegliedert in Diakonische Werke der Landeskirchen und Kirchenbezirke und vielen selbstständigen Einrichtungen. Die Johannesanstalten in Mosbach, die Korker Anstalt, das Krankenhaus Langensteinbacher Höhe gehören alle dazu. Es gibt weltweit keine andere Kirche, die soviele soziale Einrichtungen als Mitglieder zählen kann. Wie es auch nirgendwo so viele kirchliche Kindergärten und Kinderheime gibt. Gott sei Dank auch wegen der Kirchensteuer und Christen wie Johann Hinrich Wichern. Er scheiterte leider an einem Ziel: Er wollte, dass die Kirche insgesamt sich erneuert. Dass die Liebe genau so Sache jeder Gemeinde ist wie der Glaube. Dass jede Gemeinde diakonisch organisiert wird, dass Gottesdienst und Hilfe für Kinder und Alte, Kranke und Süchtige zusammen gesehen wird. Weil äußere Not auch immer mit innerer Not zu tun hat, dieses Programm Wichern wartet immer noch auf Erfüllung. Diakonie in der Gemeinde, verantwortet und geleitet von Diakonen/innen, so wie die Pfarrerin für die Gottesdienste verantwortlich ist. 1849 war Wichern in Karlsruhe. Das führte zur Gründung des Badischen Landesvereins für Innere Mission. Der ist heute Träger des Altenzentrums in der Waldstadt, des Friedensheimes, des Mädchenheims in Bretten, des Behindertenheims in Berghausen, außer dem erwähnten neuen Heim im Karlsruher Weg und einem Heim in Durlach im Bau, auch mit verschiedenen Wohnformen in einem Haus. Gleichzeitig wurde aber auch der Verein für Innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses gegründet, der baute auch Altersheime, viele Kinderschulen, widmete sich aber vor allem dem Aufbau von Gemeinschaften, der Mission und Glaubensweckung neben den oft &#8220;aufgeklärten&#8221; Pfarrern.</p>
<h5>Zum „Diakon“/ zur „Diakonin“ berufen</h5>
<p>Die Trennung von Diakonie und Mission war nicht gut. Diakonie ohne geistliche Grundlage ist nur Sozialarbeit, und Mission ohne Diakonie sieht den Menschen in seiner Not nicht. Heute lernen wir noch, dass Diakonie die eine Welt meint, zum Beispiel in der Aktion „Brot-für-die-Welt“, wie wir die Fremden hier in der Stadt als Brüder und Schwestern kennen lernen. Wie Sie hier die rumänisch-orthodoxe Gemeinde oder die Moschee nicht weit weg. Jesus lädt alle ein. Dazu braucht er Sie als Boten und Dienende. Dienende sein heißt auf griechisch „Diakon“ oder „Diakonin“ sein. Dazu sind wir alle berufen, sofern wir uns überhaupt als Nachfolger/innen Jesu verstehen. Also: Statt des Rentnergrußes &#8220;Koi Zeit&#8221; werden Sie auf die Frage &#8220;Dätsch ma&#8230;&#8221; als Mitglied des Dätschclubs antworten: &#8220;Ha jo, mache mer&#8217;t“ &#8211; das ist der Anfang der Diakonie. Ich garantiere Ihnen ihm Namen Jesu, der Wunsch könnte erfüllt Werden, wie es in dem Lied heißt: „Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken. Unser Leben sei ein Fest an diesem Morgen und jeden Tag“.</p>
<p>Amen.</p>
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