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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Fülle</title>
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		<title>Staunen über Gottes Fülle &#8211; Erinnerung seitens unserer jüdischen Schwestern und Brüder</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 17:38:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Fülle]]></category>
		<category><![CDATA[Israelsonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Isreal]]></category>

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		<description><![CDATA[Nein, das unterstelle ich ihm nicht. Es müssen nicht alle Pharisäer und Schriftgelehrte in der Front gegen Jesus stehen. Jesus wird hier zwar auf Schritt und Tritt auf die Probe gestellt, in Auseinandersetzungen verwickelt. Doch diesem Schriftgelehrten bescheinigt Jesus am Ende, er sei nicht weit vom Reich Gottes. Er war sicher kein Anhänger Jesu. Vermutlich war er wie z.B. Nikodemus ein Suchender, ein Unsicherer. Ihm hatte imponiert, wie Jesus sich behauptet hatte; er war zum Nachdenken gekommen. Als Jude suchte er nach dem Kern der göttlichen Weisungen, er wollte die Fülle der Tora auf den Punkt bringen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Auf der Suche</h4>
<p>Nein, das unterstelle ich ihm nicht. Es müssen nicht alle Pharisäer und Schriftgelehrte in der Front gegen Jesus stehen. Jesus wird hier zwar auf Schritt und Tritt auf die Probe gestellt, in Auseinandersetzungen verwickelt. Doch diesem Schriftgelehrten bescheinigt Jesus am Ende, er sei nicht weit vom Reich Gottes. Er war sicher kein Anhänger Jesu. Vermutlich war er wie z.B. Nikodemus ein Suchender, ein Unsicherer. Ihm hatte imponiert, wie Jesus sich behauptet hatte; er war zum Nachdenken gekommen. Als Jude suchte er nach dem Kern der göttlichen Weisungen, er wollte die Fülle der Tora auf den Punkt bringen. Auf den Punkt: Gott war <em>einer</em> – das stand für einen Juden außer jeder Diskussion. Alles konzentrierte sich in diesem Glauben auf den einen Gott. Ob es ebenso möglich ist, die Fülle, Überfülle an Geboten, Weisungen, Regeln in gleicher Weise zu konzentrieren auf das Eine, Zentrale? Gott ist einer, wie in Ringen entfaltet sich der jüdische Glaube in seiner Fülle um den Punkt im Wasser, den der hineingeworfene Stein verursacht hat. Von welchem Gebot könnte wie von einem zentralen Punkt die Fülle der jüdischen Weisungen sich erklären? Hätte Jesus ihm <em>ein</em> Gebot genannt, wäre das wohl in Ordnung gewesen. Er sucht den zentralen Punkt und Jesus gibt die zentrale Antwort:<br />
„Höre Israel, Gott, der Herr, ist einer und du sollst deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit ganzem Verstehen und aus aller deiner Kraft“.</p>
<p>Das zwingt sich geradezu auf: Ist der Glaube an den einen Gott das Zentrum, lautet das zentrale Gebot logischerweise: Du sollst diesen Gott über alles verehren! Das hätte genug sein können. Doch Jesus gibt eine doppelte Antwort. Das zweite ist dem gleich. Den Glauben Israels habe ich verglichen mit einem Steinwurf ins Wasser: Was sich daraus entwickelt, hat seinen Ursprung in dem zentralen Punkt: Gott ist einer! Die Gebote, Weisungen, Lebensregeln ähneln eher einer Ellipse. Die hat zwei Brennpunkte; was es sonst gibt an Regeln, Empfehlungen, Vorschriften ordnet sich um diese beiden Punkte.</p>
<h4>Zentrales Gebot?</h4>
<p>Ich würde Jesus gerne fragen: Gibt es das eine zentrale Gebot denn nicht? Den Kernpunkt in der Fülle der Lebensregeln? Zweimal zitiert Jesus aus seiner jüdischen Bibel, aus unserem Alten Testament. Vielleicht gibt es das in der Tora, der Weisung für das Gottesvolk, tatsächlich nicht: <em>ein</em> Gebot als zentraler Kernpunkt für alle anderen. Jesus hätte ja eine Zusammenfassung versuchen können. In meiner Fantasie etwa so: Lass dich bestimmen von der Liebe, sowohl von der Liebe zu Gott wie von der Liebe zu deinen Mitmenschen! Aber nun hat auch diese Zusammenfassung ihre zwei Glieder: Liebe zu Gott <em>und</em> Liebe zum Mitmenschen. Jesu Gegenüber wollte ja nun wissen: Welches konkrete Gebot aus der Fülle der biblischen Weisungen ist nun das zentrale? Da fiel Jesus nur die Doppelantwort ein: Er musste zwei nennen. „Das zweite aber ist dem gleich!“ Jesus muss also entfalten, auseinander falten. Seine Antwort gibt es nicht einfach: Gott gegenüber gilt die Liebe – dem Mitmenschen gegenüber gilt auch die Liebe. So weit liegen beide Weisungen nicht auseinander. Aber Jesus zeigt ihm: Mach dir bewusst, wen du als Gegenüber hast! Es gilt zwar in beiden Fällen die Liebe; aber du kannst nicht im Ernst Gott lieben und den Mitmenschen außer Acht lassen. Und umgekehrt: Du kannst nicht deinen Mitmenschen achten, ehren, Gott aber aus den Gedanken lassen. Jesus ent-faltet.</p>
<p>Nicht nur mein Verhalten gegen andere muss sich entfalten. Der Glaube selbst will sich entfalten. Für den Islam ist Gott ebenso streng nur Einer wie für die Juden. Doch für sein Wesen werden im Koran 99 Eigenschaften benannt. &#8211; Ich weiß nicht, ob es zählbar ist, wie viele Bilder für Gott es im Alten Testament gibt. Für uns Christen ist die Suche nach Bildern immer noch offen: Wie lässt sich neu umschreiben, wer Gott ist – in der Entwicklung der Geschichte, in der Entwicklung unseres Lebens…? Wir kennen das ja auch von uns: Wer bin ich? Hoffentlich einer. Hoffentlich erleben mich andere als geschlossen und wissen: So sind sie dran mit mir. Andererseits entfaltet sich mein Wesen in verschiedenen Schichten. Die alten Griechen unterschieden zwischen Leib, Seele, Geist. Das sind nur Schichten, verschiedene Sichtweisen: Ich bin Körper und bin das als ganzer. Ich bin Seele mit der Fülle von Bildern, ererbt in einer unendlich langen Vorgeschichte vor meinen Lebenserfahrungen. Ich bin Geist: Ich bin mir meiner selbst bewusst, ich trete in ein Verhältnis zu meiner Umwelt. Ich bin das alles als ganzer, das zerreißt mich hoffentlich nicht. Und trotzdem: Diese Fülle, Vielfalt bin ich auch.</p>
<h4>Liebe</h4>
<p>Jesus nennt die Liebe das entscheidende Kriterium. Auch die Liebe ist natürlich eine: Ich wende mich ungeteilt dir zu! Aber wir wissen, erleben, was alles unter Liebe verstanden werden kann. Schon die alten Griechen unterschieden hier mindestens dreifach: die Nächstenliebe, die freundschaftliche Zuwendung, die körperlich-sinnliche Liebe. Und wenn wir uns klarmachen, was alles bei uns „Liebe“ genannt wird…- Anders als Juden und Moslems wollen wir Christen Gott schon in seinem Gottsein entfalten. Dreifaltigkeit nennen wir das. Gott ist natürlich einer. Unser jüdisches Erbe. Aber seit Jesus können wir uns Gott nicht mehr vorstellen ohne den Menschen als unaufgebbaren Teil in Gottes Wesen. Gott als Gott und Gott mitten im menschlichen Geschehen. Und da tief in der menschlicher Erinnerung die „Drei“ ein Symbol ist für das Wirken Gottes, kommt als Drittes noch die Kraft dazu, die Gott und Mensch verbindet: der Geist als göttlicher Geist, aber auch als Geist zwischen dir und mir. Gott zeigt sich in einer solchen Vielfalt – im Laufe der jüdischen und der menschlichen Geschichte wie in jedem Leben. Er zeigt sich immer nur wie in einem Spiegel, oft in einer Verkleidung, immer anders, immer neu. So entfaltet er sich selber. Gott wie ein Fächer: Wir können ihn schließen und er ist eine Einheit, wir können ihn entfalten und jede Falte innen und außen für sich betrachten. Beides macht Sinn: hier den einen Gott bekennen – dort staunen über die göttliche Fülle.</p>
<h4>Erinnerung</h4>
<p>Können wir Juden und Christen uns wechselseitig als Reichtum begreifen? Gott muss einer bleiben: Das ist der Kern. Daran führt nichts vorbei. Dieser Schriftgelehrte betont diesen Kern und sucht darum nach dem Kerngebot. Daran erinnern uns unsere jüdischen Schwestern und Brüder: Gott ist einer! An diesem Ausgangspunkt kommen wir nicht vorbei. Und Gott nimmt Wohnung im Menschen Menschen. Und wie verschieden wir sind allein schon im Verlauf der Zeiten, im Blick auf unsere Umstände und Gegebenheiten, das nehmen wir ja alle wahr. Das ist auch Gott: Er zeigt sich dem einen und verbirgt sich dem anderen. Den einen begeistert die Fülle seiner Gnadenfülle, ein anderer wird seine Rätsel und religiösen Fragen nicht los. Die Drei der Dreieinigkeit ist nur das Symbol für diese Fülle. Das ist unser christliches Recht und unsere Pflicht: Gott auseinanderfalten in seine verschiedenen Gesichter, seine so unterschiedlichen Gestalten. Jesus hat diese Entfaltung hier im Blick auf die Lebensregeln eingeleitet. Unser Glaube braucht beides: das konzentrierte Sich Einfinden bei Ihm und die Entfaltung, diese Weite in Ihm, in Gott.</p>
<p>Amen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Jedes Leben ist die Fülle an Möglichkeiten</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/08/jedes-leben-ist-die-fulle-an-moglichkeiten/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 18:47:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Fülle]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Möglichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[wachsen]]></category>

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		<description><![CDATA[Du hast keine besonderen Talente? Dann mach was draus! Was, ich habe dich falsch verstanden? Im Gegenteil: Ich stehe dazu: Mach was aus dem, was du angeblich zu wenig oder vielleicht gar nicht hast. Was wendest du ein - aus dem Nichts könne nichts werden, wo gar nichts sei, könne auch nichts wachsen? - Wir werden sehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Du hast keine besonderen Talente? Dann mach was draus! Was, ich habe dich falsch verstanden? Im Gegenteil: Ich stehe dazu: Mach was aus dem, was du angeblich zu wenig oder vielleicht gar nicht hast. Was wendest du ein &#8211; aus dem Nichts könne nichts werden, wo gar nichts sei, könne auch nichts wachsen? &#8211; Wir werden sehen.</p>
<p>Es geht Jesus ja um den Dritten in dieser Reihe. Wegen der beiden zuerst Genannten hätte er diese Geschichte uns nicht zu erzählen brauchen. Sie haben die entsprechenden Voraussetzungen mitbekommen und können natürlich was draus machen, können etwas aus sich selber machen. Sie haben genug Kapital, damit können sie arbeiten. Wir wissen ja nicht, wie lange der Vermögensanleger verreist war. Jesus wählt als Beispiel den Geldmarkt, das Kapital. Ich weiß nicht, wie lange, gemessen an heutigen Maßstäben und zu besseren Zeiten als in der Wirtschaftskrise, ein Vermögen bräuchte, um sich zu verdoppeln. Die beiden ersten jedenfalls leisten das ihnen Mögliche. Sie werden gewürdigt, bekommen eine größere Verantwortung, steigen auf der Karriereleiter weiter. Mehr muss über sie nicht erzählt werden, damit endet bei ihnen das Interesse dessen, der diese Geschichte erzählt hat.</p>
<p>Die Erzählung zielt auf den Dritten. Er gibt es ja hinterher zu: Ihn regiert die Angst. Uns wird hier eine Art Teufelskreis vorgeführt: Was sein Herr von ihm erwartet, empfindet er als Überforderung. Und weil er sich überfordert fühlt, bestätigt er genau die Vorurteile seines Herrn ihm gegenüber: Er hat ihm ja von vornherein nur ein Achtel des Gesamtvermögens anvertraut. Sein Herr traute ihm weniger zu, genau so reagiert er jetzt: „Ich weiß, du bist ein harter Mensch, erntest, wo du nicht gesät hast, sammelst, wo du nicht ausgestreut hast“. Der Schluss klingt brutal: „Den faulen Knecht werft in die äußerste Finsternis, dort wird sein Heulen und Zähneklappern“. Da wird uns der freundliche, liebevolle Jesus fremd. Ich lese die Gerichtsandrohungen aus dem Munde Jesu aber inzwischen anders: „Wenn du nichts aus dir gemacht hast, dann wundere dich nicht, wenn dir dein Leben am Ende leer, unerfüllt erscheint. Wer sein Leben nicht gelebt hat, dem kann am Ende wirklich zum Heulen und Zähneklappern zumute werden“. Ich trage durchaus das Bild von so jemandem als Beispiel in mir: Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, habe ich den Eindruck, er lebt mit der Null-Perspektive: Irgendwie werde ich dieses verdammte Leben schon herumbringen! Es lohnt keine Mühe, keine Anstrengung! Dabei denke ich überhaupt nicht, dieser Mensch hätte überhaupt keine Talente. Er vergeudet seine Tage, bringt sein Leben irgendwie herum. Soll ich das Unfähigkeit nennen oder Faulheit? Vor allem frage ich: Wie wird das Ende eines solchen Lebens aussehen?</p>
<p>Du hast keine Talente? Du hast dein Leben. Komm mir jetzt nicht mit der Ausrede, das sei j selbstverständlich: Solange ich atme, bin ich lebendig! Du sollst nicht nur leben, sondern sollst aus deinem Leben was machen. Du lebst zusammen mit anderen: Wir gestalten unser Leben im Wechselspiel. &#8211; Da ist die Schöpfung. Sage jetzt nicht, das sei nicht dein Talent. Du bist ja selbst Natur, Schöpfung. Wie du mit dir umgehst, zeigt auch, wie du mit ihr umgehst. &#8211; Da ist deine Lebenszeit. Zählst du Jahre, Monate, Tage? Oder gestaltest du deine Zeit im Zusammenspiel mit dem Leben um dich? Vielleicht hast du Kinder? Die zeigen dir in der Tat, was du investiert hast und was dabei herausspringt. &#8211; Da ist deine Gesundheit. Was tust du damit? Ich denke nicht nur an Zigaretten und Alkohol. Steckt deine Freude an dir selber, an deinem Körper auch andere an?</p>
<p>Noch einmal: Es geht um den Dritten in Jesu Erzählung. Wer besonders begabt, sportlich, gesund ist, bei dem wundert uns nicht, was der draus macht. Aus fünf Talenten werden zehn, aus zweien vier. Das überrascht uns nicht. Uns ist Kleines anvertraut, Unscheinbares, Selbstverständliches. Das eine Talent. Was machen wir damit? Eingraben und hinterher aufbegehren mit dem Argument: Wir haben ja leider nicht mehr abbekommen!? Steht am Ende dieses Teufelskreises das Heulen und Zähneknirschen, ist der Neid vielleicht der Anfang: Ich habe doch leider nicht mehr abbekommen. Wäre ich so begabt, so sportlich, so attraktiv wie der oder die, dann könnte ich was aus mir machen! Wir vergleichen uns mit anderen und merken dabei: Wir sind nicht so! Im Vergleich zu den anderen gehören wir eher zu den Verlierern. Und dann sehen wir uns im Recht zu diesem verdammten Vorwurf: „Du erntest, wo du nicht gesät hast; du sammelst, wo nicht ausgestreut hast!“ Dabei ist jedes Leben die Fülle an Möglichkeiten. Ich lebe; was mache ich mit diesem Leben? Ich bin gesund; wie setze ich meine Möglichkeiten ein? Ich kenne und liebe andere &#8211; was geschieht in diesem Wechselspiel? Ich habe wie fast jede/r andere einen Beruf &#8211; was geschieht hier mit mir und mit meiner Umwelt? Talente, Talente, Talente… &#8211; Da sind unsere persönlichen Talente. Zugleich sind wir hier als „lebendige Steine im Tempel des Herrn“. Auch da gilt es: Um manche Talente müssen wir uns nicht kümmern: Einer wirkt wie Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms und steht ständig im Mittelpunkt. Einem anderen fallen Kontakte leicht; ihm fliegen die Sympathien zu. Der dritte ist ein Organisationstalent; der ist bei allem zu gebrauchen. Es wundert uns nicht, wenn da was wächst: Aus fünf Talenten werden zehn. Es geht aber um die verborgenen Kräfte. Vor allem um das Selbstvertrauen: Damit mache ich was! Bestimmen uns Neid, Resignation, Kleinglaube, Faulheit, Vorwürfe? Oder entdecken wir, was wachsen könnte? Dich machen die Größenverhältnisse irre? Aus fünf werden zehn? Was Jesus zeigt, ist nur Beispiel. Er hat den Kapitalismus in seiner Härte noch nicht erlebt. Aber Zinswirtschaft gab es damals schon. Jedes Beispiel kann nur Modell sein.</p>
<p>Hätte Jesus den Pottlach gekannt, hätte er vielleicht dieses Beispiel gewählt, diese Praxis in manchen Indianerstämmen, alles, wirklich alles an Hab und Gut wegzugeben, zu verschenken, mit dem Ergebnis: Ich bekomme mehr als genug zurück. Aber er konnte nur etwas vorstellen, was er selber kannte. Das sollten wir ihm nicht zum Vorwurf machen. Oder wirfst du ihm das Ende vor, das Gerichtsurteil? Vermutlich konnte er nicht ahnen, wie missverständlich sein Hinweis auf die Bilanzabrechnung am Ende wirken konnte. Der am Wenigsten anvertraut bekommen hat, bekommt als Lohn für seine Angst am Ende noch das Heulen und Zähneklappern. Dabei wollte Jesus ermutigen: Mach was auch aus deinen kleinen Talenten. Meint aber jemand: Ich habe überhaupt kein besonderes Talent, keine besondere Begabung, könnte ihm angesichts des Gerichts nicht nur der letzte Mut verloren gehen. Er könnte an Jesus irre werden.</p>
<p>Du verstehst immer noch nicht meine These, du solltest auch was machen aus dem, was du nicht hast? Bist du in irgendeiner Weise eingeschränkt, gar behindert, stehe zu dem, was du nicht hast; das überzeugt viele. Oder schau, was du sonst an Begabungen, an Fertigkeiten, Fähigkeiten bekommen hast. Oder bau eine Partnerschaft auf zu denjenigen, die genau das können, was du nicht kannst. Auch was du nicht hast, kann wachsen. Nicht negativ: als Schuldenberg, sondern positiv: als dein Vermögen. Du betonst, wir seien doch alle Sünder, all unser Werk sei vergeblich, wir könnten uns nicht selber erlösen? Wir dürfen Paulus nicht gegen Jesus ausspielen. Wir sehen hier, was Jesus will: Der gütige Gott will dich entlasten von deinem Kummer um deine Sünde und Schuld. Der Kummer führt zu Sorge, Angst, Resignation. Gott baut seine neue Welt. Dafür braucht er dich: mit allen deinen großen und kleinen und scheinbar fehlenden Talenten.</p>
<p>Amen.</p>
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		<item>
		<title>Fülle</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/07/fuelle/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 19:44:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Fülle]]></category>
		<category><![CDATA[Güte]]></category>
		<category><![CDATA[Miteinander]]></category>
		<category><![CDATA[Vertrauen]]></category>

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		<description><![CDATA[Allen Menschen soll es gutgehen. So ist unsere Wunschvorstellung. Aber freuen sich auch alle, wenn es genug zu essen, auskömmlich zu leben gibt für alle? Der Schriftsteller Josef Reding hat den „chor der getreide-grossisten auf die nachricht von der wunderbaren brotvermehrung“ folgendermaßen bedichtet:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Allen Menschen soll es gutgehen. So ist unsere Wunschvorstellung. Aber freuen sich auch alle, wenn es genug zu essen, auskömmlich zu leben gibt für alle? Der Schriftsteller Josef Reding hat den „chor der getreide-grossisten auf die nachricht von der wunderbaren brotvermehrung“ folgendermaßen bedichtet:</p>
<p>werft gift ins korn!<br />
der brotpreis sinkt.<br />
getreide türmt sich zu gebirgen.<br />
bald gibt es brot für jedermann<br />
auch in den Ländern nebenan<br />
auch in den Ländern hintendran.<br />
der brotpreis sinkt!<br />
werft gift ins korn!</p>
<p>werft gift ins korn!<br />
der brotpreis sinkt!<br />
man kann sich hemd und hose leisten.<br />
in madras werden alle satt<br />
in recife man nahrung hat<br />
zum erstenmal an hungers statt.<br />
der brotpreis sinkt.<br />
werft gift ins korn!</p>
<p>werft gift ins korn!<br />
der brotpreis sinkt.<br />
der brotkorb hängt in mundesnähe.<br />
wer hat dem volk das brot vermehrt<br />
und uns den preisauftrieb gestört?<br />
warum wird er nicht abgewehrt?<br />
der brotpreis sinkt.<br />
werft gift ins korn!</p>
<h4>Mängel verwalten oder Anteil an Fülle geben</h4>
<p>So wird es wohl auch zu Jesu Zeiten gewesen sein, daß der argwöhnisch von den Herrschenden und Besitzenden, den Tonangebenden in der Gesellschaft beäugt worden ist, der die Armen mit Brot versorgt. Wer Menschen ernähren kann, wer Macht über das Brot hat, lebt gefährlich. Denn da stellt sich die Machtfrage, und Revolutionen brechen aus, wenn das Volk nichts zu essen hat. Wer Menschen satt machen kann, wer ihre Bedürfnisse erkennt, wer den Hunger, und nicht nur den leiblichen, sondern auch den seelischen Hunger nach Anerkennung, nach Gerechtigkeit, nach Liebe erkennt und verspricht, dem abzuhelfen, der wird zum König oder Präsidenten gewählt. Daß das eine Falle ist, erkennt Jesus. Denn ein politischer Herrscher ist immer ein Mangelverwalter. Und es ist schon fast rührend, wenn Minister dem Parlament vorrechnen, was man sich noch leisten kann und was nicht, wo man einsparen muß, und wo man noch Schulden machen kann. Auch der Hoffnungsträger Obama muß Abstriche am Sozialbudget machen. Alle Politiker sind Mangelverwalter, in reichen wie in armen Ländern. Es gibt immer von allem zu wenig. Gott ist aber der Schöpfer und Herr der Fülle. Die lebendige Schöpfung ist der Ausdruck dieser Fülle. Aber die menschliche Verwaltung, die sich mit Egoismus und Habgier dieser Schöpfung bemächtigt, hat auch dort schon zu Mangelerscheinungen geführt. Stichworte sind Artensterben, Verödungen von Landschaften, Ernährungsproblemen und Hunger ganzer Völker. Gott und Jesus sind die Herren der Fülle. Darum ist Jesus nicht in die Politik gegangen, weil er dort nur ein Mangelverwalter geworden wäre.</p>
<h4>Sorglose kindliche Haltung</h4>
<p>Die Speisung der 5000 wird vom Evangelisten Johannes ganz unaufgeregt erzählt. So wie er erzählt, wie Jesus mit seinen Jüngern durchs Land zieht. Sich den Menschen zuwendet, sie ansieht, ihre Lebenslage erkennt. Ihre Freude, ihre Not. Er erzählt ihnen von Gott, von der Fülle an Leben, die es da gibt. Und in seinem Umkreis wird deutlich, was Jesus meint: Menschen werden gesund, Hungrige werden satt und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Die Menschen laufen Jesus nach, vielleicht weil sie noch mehr wunderbares erleben wollen, und dabei haben sie vergessen, für sich zu sorgen. Von Therapeuten bekommen Ratsuchende heute gesagt: &#8220;Du mußt für dich sorgen. Die Erfahrung ist: Andere tun es nicht. Du brennst aus in deiner Bemühung um andere, zumal in sozialen Berufen. Denk an dein Lebensbrot! Geh rationell damit um!“ Die Menschen damals liefen Jesus nach und hatten die Sorge um sich vergessen. Wahrscheinlich war insgeheim das Urvertrauen da, er wird schon für uns sorgen. Diese sorglose kindliche Haltung wünsche ich mir, wenn die Sorgen einen ins Hamsterrad zwingen wollen. Jesus weiß schon, was er tun will. Die Frage an Philippus: „Wo kaufen wir Brot?“ ist eine Scheinfrage, die nur das Problem benennen will. Und Andreas, fast wie ein Politiker, hat schon aufgelistet, was vorhanden ist: fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Und die alte Frage im Parlament: Was ist das unter so viele? Immer sind die Budgets zu klein, egal welches Ressort.</p>
<h4>Vertrauen macht Unmögliches möglich</h4>
<p>Jesus gibt erst mal den Auftrag, die Menge Menschen in überschaubare Gruppen einzuteilen. Bedürftig sind alle, aber die Verteilung muß organisiert werden. Jammern hilft nicht. Und Jesus nimmt, was vorhanden ist. Er zaubert nicht aus dem Nichts. Und er dankt dafür. Und gibt denen, die sich gelagert hatten, also Leuten, die hoffnungsvoll die Stellung eingenommen hatten, die Jesus angeordnet hatte. Und genauso bekommen sie von den Fischen. Das Wunder geschieht: Alle werden satt. Es ist eine un-mögliche Geschichte, aber sie erzählt vom großen Vertrauen zu Jesus und was da möglich ist. Dann ordnet Jesus noch das Reste-Einsammeln an, und siehe da: Es sind noch mehr Reste da, als ursprünglich überhaupt zur Verteilung vorhanden war. Resteverwertung in unserer Wegwerfgesellschaft! Mit den Restekörben wird den Menschen nochmal die Größe des Wunders vor Augen geführt, und die Menschen erkennen, mit wem sie es zu tun haben. Hier endet auch ihr kindliches Vertrauen.</p>
<p>Nun wollen sie Jesus zum politischen Führer machen. Sie wollen für alle Zeiten abgesichert sein. Einer, der prophetische Qualitäten hat, ist die richtige Führungskraft. Die Sehnsucht nach dem starken Führer gabs zu allen Zeiten. Aber Jesus wird weiter s e i n e n Weg gehen. Er will, daß die Menschen im Vertrauen auf Gottes Güte als Geschwister miteinander leben und nicht sich Führer wählen, von denen sie Wunder erwarten. Auch das war eine Ent-Täuschung der Menschen, die Jesus in ein bestimmtes Muster zwängen wollten. Und vielleicht haben manche, die das Brotwunder miterlebt hatten, dann später: „Kreuzige ihn!“ geschrieen. Wir lassen uns im Vertrauen, satt zu werden, an seinen Tisch rufen, der Tisch, an dem Fülle herrscht, wo alle satt werden und wo sich die geschwisterliche Menschheit versammelt.</p>
<p>Amen.</p>
]]></content:encoded>
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