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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Fest</title>
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		<title>Unser Leben sei ein Fest</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/06/unser-leben-sei-ein-fest/</link>
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		<pubDate>Sat, 20 Jun 2009 08:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Diakonie]]></category>
		<category><![CDATA[Diakoniesonntag]]></category>
		<category><![CDATA[Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Opferwoche]]></category>

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		<description><![CDATA["Keine Zeit", sei der Rentnergruß. Das ist eine Ausrede. Jesus kennt unsere Ausreden. Lukas erzählt ein Gleichnis Jesu von Ausreden von drei Leuten, die waren zu einer Hochzeit eingeladen, hatten zugesagt und wollten dann nicht. Jesus sagte zu einem:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Predigttext: Lukas 14,15-24 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)</p>
<p>15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot ißt im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch, daß keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.</p>
<h4>Predigt</h4>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>&#8220;Keine Zeit&#8221;, sei der Rentnergruß. Das ist eine Ausrede. Jesus kennt unsere Ausreden. Lukas erzählt ein Gleichnis Jesu von Ausreden von drei Leuten, die waren zu einer Hochzeit eingeladen, hatten zugesagt und wollten dann nicht. Jesus sagte zu einem:</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<h5>Eingeladen</h5>
<p>Liebe Gemeinde, das ist unhöflich, persönlich eingeladen, zugesagt und dann so fadenscheinige Ausreden. Arbeit, Verdienst, Geschäft, Familie gehen vor. Die Einladung Jesu ist wie die Einladung zu einem Fest. &#8220;kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Matthäus erzählt diese Geschichte als Einladung zur Hochzeit eines Königs. An mittelalterlichen Kirchen sind oft außen die klugen und die dummen Jungfrauen dargestellt: Erinnerung daran, wozu wir eingeladen sind, und Mahnung, uns darauf einzustellen. &#8220;Unser Leben sei ein Fest&#8221;, dazu lädt uns Jesus ein. Am Schluß sagt der Herr: Ich aber sage euch, dass keiner der Männer (bzw. Menschen), die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. Das war eine Ohrfeige an den Herrn, der die Erzählung Jesu ausgelöst hatte. Jesus hatte gesagt: Wenn du einlädst, lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein, dann wirst du selig Sein, und es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten. Da sagt der Fromme: &#8220;Selig ist, wer das Brot ißt im Reich Gottes&#8221;. Damit lenkt er ab von der Frage, wer und wen er üblicherweise einlädt &#8211; nicht die Armen, sondern die ihn auch einladen.</p>
<h5>Schritte auf dem Weg der Nachfolge Jesu</h5>
<p>Das könnte ein erster Schritt zur Nachfolge Jesu, zur Diakonie sein: Die Einsamen, Alleinstehenden, Alleinerziehenden, Behinderten, Sozialhilfeempfänger, Kleinrentnerinnen, Witwen und Witwer einladen. Persönlich einladen, besuchen. Dann wird sich das Weitere ergeben. Vielleicht, dass sie nicht kommen können, sich über einen Besuch unwahrscheinlich freuen. Das wäre schon ein Fest. Auch für Sie. Gönnen Sie sich doch solche Feste. Jesus lädt Sie dazu ein. Er würde sogar selber kommen und die Bitte erfüllen, die viele von Ihnen täglich sprechen: „Komm, Herr Jesu, sei Du unser Gast“. Weil gilt: Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, bin ich auch. Ich höre, dass ein Besuchsdienst in der Gemeinde angefangen hat, dafür werden noch mehr Menschen gebraucht, die mitmachen. Fragen Sie Herrn Geier. Und wenn jemand nicht mehr gehen kann, aber geistig fit ist, könnte er die anrufen, die nicht mehr lesen können und ihnen zum Beispiel die biblische Tageslosung vorlesen. Sie bekommen das Werbeblatt für die diesjährige &#8220;Opferwoche der Diakonie&#8221; am Ausgang. Auch die Bitte um eine Spende ist eine Einladung zur Freude. Es macht Freude zu spenden. Ein &#8220;Opfer&#8221; ist etwas anderes. Das würde der Einladung zu einem großen Fest entsprechen. Das kostet ja leicht ein paar tausend Euro.</p>
<h5>Orte der Diakonie</h5>
<p>Von der Pflege in den Pflegeheimen wird in dem Faltblatt besonders gesprochen. Das Geld für die Pflege ist begrenzt. Folge: Die meisten Pflegekräfte sind Ausländer oder Einwanderer. Die Kranken brauchen es aber auch, dass jemand sie versteht, mit ihnen redet, betet, ein Lied singt. Das ist sicher auch im städtischen Pflegeheim im Klosterweg erwünscht. Wie in den Heimen der Diakonie. Es gibt neue Heime mit interessanten Angeboten: Die Stadtmission hat in Hagsfeld ein neues Heim letztes Jahr fertig gestellt mit Gruppen für geistig Verwirrte und einem an vier Tagen geöffneten Kaffee zusammen mit der Laurentiusgemeinde. Das neue Wichernhaus in der Weinbrennerstraße ist ein wunderschöner Neubau, unten ein Kindergarten. Das verträgt sich gut, genau so im Betreuten Wohnen der Stadtmission in der Stephanienstraße. Wohngruppen, in denen jede Gruppe ihr Leben selber organisiert, das Essen wird geliefert, gibt es im neuen Heim des Badischen Landesvereins im Karlsruher Weg. Einige ältere Heime sind abgerissen worden oder saniert wie zum Beispiel das frühere Heim des Roten Kreuzes in der Stephanienstraße durch die Stadtmission. Psychisch Kranke, Alkoholiker, Drogensüchtige leben in Wohngemeinschaften des Diakonischen Werks, auch hier in der Gemeinde im früheren Pfarrhaus in der Gottesauerstraße und im Haus Bodelschwingh. Gibt es Verbindungen mit Ihnen? Fachkundige Pflege, Notruf, Nachbarschaftshilfe bietet die Evangelische Sozialstation. Kennt jemand den Pfleger Marco und die Schwester Zrinka? Seien sie froh, dass Sie noch keine Hilfe gebraucht haben. Sie dürfen dort anrufen. Aber es wäre schön, wenn bestimmte Kranke und Pfleglinge besucht würden. Es macht macht Freude und befriedigt, erzählt mir ein alter Professor, der im Hospizdienst Besuche bei Sterbenden macht &#8211; ohne Bezahlung natürlich, zusätzlich zu den Brückenschwestern und Ärzten, freiwillig, frei und willig. Dafür sage ich nicht gern &#8220;ehrenamtlich&#8221;. Gerade als ob es wegen der Ehre gemacht würde. Sondern weil Jesus es empfiehlt und verspricht, dass wir im Hungrigen, Gefangenen, Sterbenden ihm selbst begegnen.</p>
<h5>Vorbilder der Diakonie &#8211; Johann Hinrich Wichern</h5>
<p>Auch Sie sind zu einem Fest eingeladen, zum 40jährigen Bestehen des Kindergarten in der Rintheimer Straße 30 am nächsten Samstag (Ist jemand hier, der was dazu sagen kann?). Feste machen immer noch die Hardtstiftung in Neureut in Verbindung mit dem Brunhilde- Baur- Haus, einer großzügigen Stiftung, sechs Gruppen für kleine Kinder, Wohnungen für Frauen mit Kindern, Ausbildung, Essen und Angebote im Rahmen eines &#8220;Mehrgenerationenhauses&#8221;. Das Diakonissenkrankenhaus in Rüppurr lädt auch jedes Jahr zum Jahresfest ein. In jedem Fall kann man bei der &#8220;offenen Tür&#8221; auch für sich selber einiges lernen &#8211; aber Vorsicht: die alle können freiwillige Mitarbeit brauchen! Die Einladung zum Fest gilt. Wie im Gleichnis Jesu. Annehmen sollten Sie solche Einladungen. Oder selber solche Feste machen. Letztes Jahr sollten wir an den 200. Geburtstag von Johann Hinrich Wichern denken. Er gründete das &#8220;Rauhe Haus&#8221; als Heim für gefährdete Jungen. Daraus entwickelte sich die &#8220;Innere Mission&#8221;, zum Beispiel mit der Erfindung der Diakonen, der Gefängnis- und Schifferseelsorge, einem Verband von heute tausenden von Einrichtungen, heute unter dem Namen &#8220;Diakonisches Werk Deutschland&#8221;, gegliedert in Diakonische Werke der Landeskirchen und Kirchenbezirke und vielen selbstständigen Einrichtungen. Die Johannesanstalten in Mosbach, die Korker Anstalt, das Krankenhaus Langensteinbacher Höhe gehören alle dazu. Es gibt weltweit keine andere Kirche, die soviele soziale Einrichtungen als Mitglieder zählen kann. Wie es auch nirgendwo so viele kirchliche Kindergärten und Kinderheime gibt. Gott sei Dank auch wegen der Kirchensteuer und Christen wie Johann Hinrich Wichern. Er scheiterte leider an einem Ziel: Er wollte, dass die Kirche insgesamt sich erneuert. Dass die Liebe genau so Sache jeder Gemeinde ist wie der Glaube. Dass jede Gemeinde diakonisch organisiert wird, dass Gottesdienst und Hilfe für Kinder und Alte, Kranke und Süchtige zusammen gesehen wird. Weil äußere Not auch immer mit innerer Not zu tun hat, dieses Programm Wichern wartet immer noch auf Erfüllung. Diakonie in der Gemeinde, verantwortet und geleitet von Diakonen/innen, so wie die Pfarrerin für die Gottesdienste verantwortlich ist. 1849 war Wichern in Karlsruhe. Das führte zur Gründung des Badischen Landesvereins für Innere Mission. Der ist heute Träger des Altenzentrums in der Waldstadt, des Friedensheimes, des Mädchenheims in Bretten, des Behindertenheims in Berghausen, außer dem erwähnten neuen Heim im Karlsruher Weg und einem Heim in Durlach im Bau, auch mit verschiedenen Wohnformen in einem Haus. Gleichzeitig wurde aber auch der Verein für Innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses gegründet, der baute auch Altersheime, viele Kinderschulen, widmete sich aber vor allem dem Aufbau von Gemeinschaften, der Mission und Glaubensweckung neben den oft &#8220;aufgeklärten&#8221; Pfarrern.</p>
<h5>Zum „Diakon“/ zur „Diakonin“ berufen</h5>
<p>Die Trennung von Diakonie und Mission war nicht gut. Diakonie ohne geistliche Grundlage ist nur Sozialarbeit, und Mission ohne Diakonie sieht den Menschen in seiner Not nicht. Heute lernen wir noch, dass Diakonie die eine Welt meint, zum Beispiel in der Aktion „Brot-für-die-Welt“, wie wir die Fremden hier in der Stadt als Brüder und Schwestern kennen lernen. Wie Sie hier die rumänisch-orthodoxe Gemeinde oder die Moschee nicht weit weg. Jesus lädt alle ein. Dazu braucht er Sie als Boten und Dienende. Dienende sein heißt auf griechisch „Diakon“ oder „Diakonin“ sein. Dazu sind wir alle berufen, sofern wir uns überhaupt als Nachfolger/innen Jesu verstehen. Also: Statt des Rentnergrußes &#8220;Koi Zeit&#8221; werden Sie auf die Frage &#8220;Dätsch ma&#8230;&#8221; als Mitglied des Dätschclubs antworten: &#8220;Ha jo, mache mer&#8217;t“ &#8211; das ist der Anfang der Diakonie. Ich garantiere Ihnen ihm Namen Jesu, der Wunsch könnte erfüllt Werden, wie es in dem Lied heißt: „Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken. Unser Leben sei ein Fest an diesem Morgen und jeden Tag“.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Bärenraupe</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 21:43:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Reich Gottes]]></category>
		<category><![CDATA[Sehnsucht]]></category>

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		<description><![CDATA[Fröhlich. Ausgelassen. Gesprächig. Verspielt. Üppig. Heiter. Zweckfrei. Reine Freude. So wird das Reich Gottes geschildert. Es ist wie ein Mahl. Wie ein großes Festmahl. Glücklich, wer bei dem Fest Gottes auf der Gästeliste steht! Auf der Gästeliste? Nein, das ist nicht das wichtigste, wendet Jesus ein. Was ist dann das Entscheidende? Worauf kommt es an? Gute Frage. Hierzu erzählt Jesus ein Gleichnis, folgen wir einmal in Ruhe seiner Geschichte, denn sie ist nicht ganz einfach zu verstehen:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Schwestern und Brüder!</p>
<h4>Eingeladen</h4>
<p>Fröhlich. Ausgelassen. Gesprächig. Verspielt. Üppig. Heiter. Zweckfrei. Reine Freude. So wird das Reich Gottes geschildert. Es ist wie ein Mahl. Wie ein großes Festmahl. Glücklich, wer bei dem Fest Gottes auf der Gästeliste steht! Auf der Gästeliste? Nein, das ist nicht das wichtigste, wendet Jesus ein. Was ist dann das Entscheidende? Worauf kommt es an? Gute Frage. Hierzu erzählt Jesus ein Gleichnis, folgen wir einmal in Ruhe seiner Geschichte, denn sie ist nicht ganz einfach zu verstehen:</p>
<p>Ein reicher Mann gibt ein großes Festmahl. Viele reiche und angesehene Leute sind eingeladen. Als die Vorbereitungen beinahe abgeschlossen sind, sendet er einen Boten zu seinen Gästen, um sie zum Kommen zu bitten. So war das damals bei den Reichen üblich. Doch die Gäste sagen ab. Einer nach dem anderen. Und jeder hat eine gute Entschuldigung: Die Geschäfte gehen vor. Oder die Ehe.</p>
<p>Wie ist das Gleichnis zu deuten? Gott ist der Hausherr, der zum Fest lädt. Sein Bote ist Jesus. Er richtet die Einladung Gottes aus: „Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm in das Reich Gottes!“. Dieses Reich ist nicht nur im Himmel. Es beginnt jetzt auf der Erde, mit Jesus. In Jesus begegnet man der Nähe Gottes. Einer Nähe, die einfach wohl tut. Sie ist wie ein fröhliches Fest. Aber die Eingeladenen sagen ab. Sie schlagen die Einladung Jesu aus. Sie wollen sich nicht an Gott binden. Und an Jesus, seine Boten. Für sie gibt es Wichtigeres. Worauf kommt es also an? Jesus will mit dem Gleichnis sagen: Es reicht nicht nur, auf der Gästeliste Gottes zu stehen. Das Entscheidende ist, die Einladung auch anzunehmen. Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm! So spricht Jesus. Aber was hindert heute, die Einladung anzunehmen? Bei manchen sind es die Geschäfte. Ankauf und Verkauf. Gewinnsteigerung um 25%. Geldgeschäfte aller Art. Zu beschäftigt, too busy, wie man an der Wallstreet so schön sagt. Andere sind zu beschäftigt mit dem neuen Auto. Dem Computer. Sport. Der Partnerschaft. Der Familie. Vielleicht ist es auch gar nicht, zu beschäftigt zu sein. Vielleicht ist es die Angst, sich zu öffnen. Kann ich Gott vertrauen? Wird er mich nicht enttäuschen? Oder verletzen? Kann ich wirklich Vertrauen haben in Gott? In das Leben? So fragen andere. Mit dem Vertrauen ist es wie mit der Bärenraupe, die über die Straße kommen wollte. Kennen Sie die Geschichte (Rudolf O. Wiemer)?</p>
<h4>Vertrauen</h4>
<p>Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen.<br />
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.<br />
Zwanzig Autos in der Minute.<br />
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.<br />
Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.<br />
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.<br />
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.<br />
Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits<br />
Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich freßbar.<br />
Sie hat Lust auf Grün. Man müßte hinüber.<br />
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.<br />
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.<br />
Zwanzig Autos in der Minute.<br />
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.<br />
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.<br />
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.</p>
<p>Liebe Gemeinde, die Bärenraupe hat Vertrauen. Sie geht los. Ohne Taktik. Getrieben wird sie von Lust auf Grün. Von herrlichem, freßbarem Grün. Der Hunger ist ihr Antrieb. Vertrauen nährt sich von Hunger nach mehr, von Sehnsucht. Jesus macht Sehnsucht. Das Reich Gottes ist wie ein Festmahl. Wie ein fröhliches, ausgelassenes, üppiges, heiteres Mahl. Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm! Geh los und geh und geh und geh und komm an.</p>
<h4>Wendung</h4>
<p>Zurück zum Gleichnis. Die Gäste kommen nicht. Sie sind zu beschäftigt. Ausnahmslos alle sagen ab. Es stellen sich zwei Fragen: Wird das Fest überhaupt stattfinden? Wird das Haus des Gastgebers voll werden? Als der Bote die Absagen überbringt, nimmt die Erzählung eine unerwartete Wendung: Der Hausherr wird zornig. Das schöne Fest soll ein Fiasko werden? Welch ein Schmach, dass alle Gäste meine Einladung ausschlagen! Er ist gekränkt. Nachvollziehbar. In seiner Wut sendet er den Boten ein zweites Mal. Diesmal aber nicht in die Häuser der Reichen, sondern hinaus auf die Strassen und Gassen der Stadt. Als neue Gäste werden die Armen und Invaliden eingeladen. Diese folgen der Einladung. Der reiche Hausherr feiert sein Fest mit Armen, Krüppeln, Blinden und Lahmen.</p>
<p>Wie bitte? Wie ist denn das zu verstehen? Gott hat gar nicht alle zu seinem Fest eingeladen? Nur manche? Wer sind denn die Erstgeladenen? Anscheinend die Reichen und Vornehmen. Die Frommen und Religiösen. Sie sind die Auserwählten. Aber sie lehnen ab. So das Gleichnis. Da lädt Gott noch einmal ein. Diesmal die Armen. Die Kranken. Die Mühseligen und Beladenen. Die Außenseiter. Die Ausgegrenzten. Diese haben Hunger und Sehnsucht. Wie die Bärenraupe machen sie sich auf den Weg. Besitz und Geschäfte hindern sie nicht. Sie wollen zum Fest. Wie die Bärenraupe sind sie von der Sehnsucht getrieben. Sie hören den Ruf Jesu und nehmen die Einladung an. Sie mögen einfach sein, manche einfältig wie die Bärenraupe, aber sie kommen. Sie sind die neuen Auserwählten.</p>
<p>Dazu fallen mir die Worte eines armen Mannes ein. Sie haben mich tief berührt. Er wohnt in Lateinamerika, in Villa El Salvador. Er spricht: „Wir haben Hunger. Wir leiden Not, wir haben keine Arbeit, wir sind krank. Mit von Schmerz zerrissenem Herzen sehen wir mit an, wie unsere Frauen ihre Schwangerschaft in der Angst vor Tuberkulose durchleben; wir sehen unsere Kinder heranwachsen, schwach und ohne Zukunft. Aber trotz allem glauben wir an den Gott des Lebens. Das Leben in den Elendsvierteln schmälert unseren Glauben nicht, und wir kämpfen für dieses Leben gegen den Tod. Wir glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist Mensch geworden, um uns von der Sünde zu erlösen, um den Armen die Frohe Botschaft zu bringen, um den Gefangenen die Freilassung und den Blinden das Augenlicht zu schenken.“</p>
<h4>Offen</h4>
<p>Noch einmal zurück zum Gleichnis. Die Geschichte geht weiter. Die Armen und Invaliden kommen zum Fest, aber das Haus ist dennoch nicht gefüllt. Es ergeht eine dritte Einladung, diesmal an jene auf den Landstraßen und vor der Stadt. Der Schluß der Geschichte bleibt offen. Es ist unklar, ob der Hausherr sein erklärtes Ziel erreicht, sein Haus mit Gästen zu füllen. Jesus erzählt eine Geschichte mit offenem Ende. Aus gutem Grund. Die dritte Einladung gilt auch uns heute. Es ist noch nicht voll. Es ist noch Platz beim Fest im Reich Gottes. Jesus spricht: Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm! Und wir? Nehmen wir die Einladung an? Oder finden wir Entschuldigungen, wie die Erstgeladenen? Und, wollen wir überhaupt mit den anderen zusammen feiern? Mit ihnen an einem Tisch sitzen? Immerhin sind beim Fest jetzt die Penner und Junkies, die Armen und Außenseiter. Wir haben es im Konfirmandenunterricht gelernt: Jesus sammelt beim Abendmahl alle um seinen Tisch. Ohne Unterschiede. Aber, wie sieht es tatsächlich aus? Sind wir nicht auf den Mittelstand verengt? Nehmen am Abendmahl nicht größtenteils Menschen aus der Mittelschicht teil? Vermissen wir die anderen? Und, nicht nur für das Abendmahl, sondern für jedes Fest gilt das fast vergessene Wort Jesu. Er spricht es unmittelbar vor unserem Gleichnis: Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein!</p>
<h4>Wahrnehmen</h4>
<p>Wir sollen es machen wie Gott: Arme, Krüppel, Lahme und Blinde einladen. Wie wäre das, wenn die Kirche runde Tische anbieten würde? Runde Tische, an denen Vermögende und Verarmte sich begegnen. Eine Gruppe badischer Theologen/Theologinnen mit Namen „Solilohn“ versucht, das zu organisieren. Sie nennen es „Zachäus-Dialogprozesse anstoßen“. In der Mannheimer Lutherkirche wird das Arbeitslosenzentrum in die Seitenempore gebaut. Mit einem Café, mit Rechts- und Sozialberatung, alles im Kirchenraum. Dort, so die Überlegung von Solilohn, könnten solche „Zachäus-Dialogprozesse“ stattfinden. Arbeitslose und Vermögende könnten sich dort begegnen. Miteinander in Dialog treten. Einander wahrnehmen in ihrer je eigenen Lebenswirklichkeit. Darüber hinaus könnten die Beteiligten erste praktische Antworten auf die Frage nach gerechter Verteilung suchen. Und nach gerechter Teilhabe. Ob solche „Zachäus-Dialogprozesse“ tatsächlich stattfinden werden, ist ungewiß. Noch fehlen Solilohn die Vermögenden, die zu solch einem runden Tisch bereit wären.</p>
<h4>Nachdenken</h4>
<p>Noch ein letztes Mal zurück zum Gleichnis. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Am Schluß bekräftigt der noch immer zornige Hausherr, dass die Erstgeladenen sich vom Mahl selbst ausgeschlossen haben. Keiner von ihnen darf am Mahl teilnehmen. Der Schluß ist ärgerlich! So meinten unsere Jugendlichen vor zwei Wochen, als in der Bibelarbeit in Taizé diese Geschichte besprochen wurde. Wieso gibt es kein Happy-End? Ist Gott wirklich ein zorniger Hausherr? Kommen die Erstgeladenen tatsächlich nicht mehr rein? So fragten sie. Daraufhin haben sie eine Fortsetzung für die offene Geschichte entwickelt. Sie geht so:</p>
<p>Der Käufer der Ochsen überlegt es sich noch einmal und kommt doch noch zum Fest. Der Bote läßt ihn aber nicht rein: „Ich habe meine Anweisungen“. Indes, der säumige Gast ist hartnäckig und bittet so lange, bis er mit dem Hausherrn selbst reden darf. „Sieh an! Was willst du?“, fragt dieser. „Ich komme zu deinem Fest“. „Du kommst spät“, sagt der Hausherr „Das Fest hat seit Stunden begonnen. Außerdem hörte ich: Die Ochsen sind dir wichtiger als mein Fest?“ „Es tut mir leid“. Der Hausherr macht eine abwehrende Geste: „Es hat mich geärgert, dass du abgesagt hast. Und um ehrlich zu sein: Es hat mich gekränkt. Wegen Ochsen!“ „Entschuldigung. Ich habe nachgedacht. Du bist mir wichtig. Viel wichtiger als die Ochsen. Daher bin ich doch noch gekommen“ Und nach einer Pause fügt der Gast hinzu: „Die Freundschaft zu dir ist mir wertvoll“. Die letzten Sätze sind entwaffnend. Der Zorn des Hausherrn verraucht. Versöhnlich legt er ihm die Hand auf die Schultern: „Wenn das so ist! Gut, dass du es dir nochmals überlegt hast. Und schön, dass du da bist. Das Haus ist auch noch gar nicht voll. Komm, ich habe leckere Köstlichkeiten zubereiten lassen“.</p>
<p>Amen.</p>
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