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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Sehnsucht</title>
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		<title>Bärenraupe</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/06/barenraupe/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/06/barenraupe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 21:43:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Fest]]></category>
		<category><![CDATA[Reich Gottes]]></category>
		<category><![CDATA[Sehnsucht]]></category>

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		<description><![CDATA[Fröhlich. Ausgelassen. Gesprächig. Verspielt. Üppig. Heiter. Zweckfrei. Reine Freude. So wird das Reich Gottes geschildert. Es ist wie ein Mahl. Wie ein großes Festmahl. Glücklich, wer bei dem Fest Gottes auf der Gästeliste steht! Auf der Gästeliste? Nein, das ist nicht das wichtigste, wendet Jesus ein. Was ist dann das Entscheidende? Worauf kommt es an? Gute Frage. Hierzu erzählt Jesus ein Gleichnis, folgen wir einmal in Ruhe seiner Geschichte, denn sie ist nicht ganz einfach zu verstehen:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Schwestern und Brüder!</p>
<h4>Eingeladen</h4>
<p>Fröhlich. Ausgelassen. Gesprächig. Verspielt. Üppig. Heiter. Zweckfrei. Reine Freude. So wird das Reich Gottes geschildert. Es ist wie ein Mahl. Wie ein großes Festmahl. Glücklich, wer bei dem Fest Gottes auf der Gästeliste steht! Auf der Gästeliste? Nein, das ist nicht das wichtigste, wendet Jesus ein. Was ist dann das Entscheidende? Worauf kommt es an? Gute Frage. Hierzu erzählt Jesus ein Gleichnis, folgen wir einmal in Ruhe seiner Geschichte, denn sie ist nicht ganz einfach zu verstehen:</p>
<p>Ein reicher Mann gibt ein großes Festmahl. Viele reiche und angesehene Leute sind eingeladen. Als die Vorbereitungen beinahe abgeschlossen sind, sendet er einen Boten zu seinen Gästen, um sie zum Kommen zu bitten. So war das damals bei den Reichen üblich. Doch die Gäste sagen ab. Einer nach dem anderen. Und jeder hat eine gute Entschuldigung: Die Geschäfte gehen vor. Oder die Ehe.</p>
<p>Wie ist das Gleichnis zu deuten? Gott ist der Hausherr, der zum Fest lädt. Sein Bote ist Jesus. Er richtet die Einladung Gottes aus: „Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm in das Reich Gottes!“. Dieses Reich ist nicht nur im Himmel. Es beginnt jetzt auf der Erde, mit Jesus. In Jesus begegnet man der Nähe Gottes. Einer Nähe, die einfach wohl tut. Sie ist wie ein fröhliches Fest. Aber die Eingeladenen sagen ab. Sie schlagen die Einladung Jesu aus. Sie wollen sich nicht an Gott binden. Und an Jesus, seine Boten. Für sie gibt es Wichtigeres. Worauf kommt es also an? Jesus will mit dem Gleichnis sagen: Es reicht nicht nur, auf der Gästeliste Gottes zu stehen. Das Entscheidende ist, die Einladung auch anzunehmen. Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm! So spricht Jesus. Aber was hindert heute, die Einladung anzunehmen? Bei manchen sind es die Geschäfte. Ankauf und Verkauf. Gewinnsteigerung um 25%. Geldgeschäfte aller Art. Zu beschäftigt, too busy, wie man an der Wallstreet so schön sagt. Andere sind zu beschäftigt mit dem neuen Auto. Dem Computer. Sport. Der Partnerschaft. Der Familie. Vielleicht ist es auch gar nicht, zu beschäftigt zu sein. Vielleicht ist es die Angst, sich zu öffnen. Kann ich Gott vertrauen? Wird er mich nicht enttäuschen? Oder verletzen? Kann ich wirklich Vertrauen haben in Gott? In das Leben? So fragen andere. Mit dem Vertrauen ist es wie mit der Bärenraupe, die über die Straße kommen wollte. Kennen Sie die Geschichte (Rudolf O. Wiemer)?</p>
<h4>Vertrauen</h4>
<p>Chance der Bärenraupe, über die Straße zu kommen.<br />
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.<br />
Zwanzig Autos in der Minute.<br />
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.<br />
Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.<br />
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.<br />
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.<br />
Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits<br />
Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich freßbar.<br />
Sie hat Lust auf Grün. Man müßte hinüber.<br />
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.<br />
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.<br />
Zwanzig Autos in der Minute.<br />
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.<br />
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.<br />
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.</p>
<p>Liebe Gemeinde, die Bärenraupe hat Vertrauen. Sie geht los. Ohne Taktik. Getrieben wird sie von Lust auf Grün. Von herrlichem, freßbarem Grün. Der Hunger ist ihr Antrieb. Vertrauen nährt sich von Hunger nach mehr, von Sehnsucht. Jesus macht Sehnsucht. Das Reich Gottes ist wie ein Festmahl. Wie ein fröhliches, ausgelassenes, üppiges, heiteres Mahl. Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm! Geh los und geh und geh und geh und komm an.</p>
<h4>Wendung</h4>
<p>Zurück zum Gleichnis. Die Gäste kommen nicht. Sie sind zu beschäftigt. Ausnahmslos alle sagen ab. Es stellen sich zwei Fragen: Wird das Fest überhaupt stattfinden? Wird das Haus des Gastgebers voll werden? Als der Bote die Absagen überbringt, nimmt die Erzählung eine unerwartete Wendung: Der Hausherr wird zornig. Das schöne Fest soll ein Fiasko werden? Welch ein Schmach, dass alle Gäste meine Einladung ausschlagen! Er ist gekränkt. Nachvollziehbar. In seiner Wut sendet er den Boten ein zweites Mal. Diesmal aber nicht in die Häuser der Reichen, sondern hinaus auf die Strassen und Gassen der Stadt. Als neue Gäste werden die Armen und Invaliden eingeladen. Diese folgen der Einladung. Der reiche Hausherr feiert sein Fest mit Armen, Krüppeln, Blinden und Lahmen.</p>
<p>Wie bitte? Wie ist denn das zu verstehen? Gott hat gar nicht alle zu seinem Fest eingeladen? Nur manche? Wer sind denn die Erstgeladenen? Anscheinend die Reichen und Vornehmen. Die Frommen und Religiösen. Sie sind die Auserwählten. Aber sie lehnen ab. So das Gleichnis. Da lädt Gott noch einmal ein. Diesmal die Armen. Die Kranken. Die Mühseligen und Beladenen. Die Außenseiter. Die Ausgegrenzten. Diese haben Hunger und Sehnsucht. Wie die Bärenraupe machen sie sich auf den Weg. Besitz und Geschäfte hindern sie nicht. Sie wollen zum Fest. Wie die Bärenraupe sind sie von der Sehnsucht getrieben. Sie hören den Ruf Jesu und nehmen die Einladung an. Sie mögen einfach sein, manche einfältig wie die Bärenraupe, aber sie kommen. Sie sind die neuen Auserwählten.</p>
<p>Dazu fallen mir die Worte eines armen Mannes ein. Sie haben mich tief berührt. Er wohnt in Lateinamerika, in Villa El Salvador. Er spricht: „Wir haben Hunger. Wir leiden Not, wir haben keine Arbeit, wir sind krank. Mit von Schmerz zerrissenem Herzen sehen wir mit an, wie unsere Frauen ihre Schwangerschaft in der Angst vor Tuberkulose durchleben; wir sehen unsere Kinder heranwachsen, schwach und ohne Zukunft. Aber trotz allem glauben wir an den Gott des Lebens. Das Leben in den Elendsvierteln schmälert unseren Glauben nicht, und wir kämpfen für dieses Leben gegen den Tod. Wir glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes. Er ist Mensch geworden, um uns von der Sünde zu erlösen, um den Armen die Frohe Botschaft zu bringen, um den Gefangenen die Freilassung und den Blinden das Augenlicht zu schenken.“</p>
<h4>Offen</h4>
<p>Noch einmal zurück zum Gleichnis. Die Geschichte geht weiter. Die Armen und Invaliden kommen zum Fest, aber das Haus ist dennoch nicht gefüllt. Es ergeht eine dritte Einladung, diesmal an jene auf den Landstraßen und vor der Stadt. Der Schluß der Geschichte bleibt offen. Es ist unklar, ob der Hausherr sein erklärtes Ziel erreicht, sein Haus mit Gästen zu füllen. Jesus erzählt eine Geschichte mit offenem Ende. Aus gutem Grund. Die dritte Einladung gilt auch uns heute. Es ist noch nicht voll. Es ist noch Platz beim Fest im Reich Gottes. Jesus spricht: Du ganz persönlich bist eingeladen! Komm! Und wir? Nehmen wir die Einladung an? Oder finden wir Entschuldigungen, wie die Erstgeladenen? Und, wollen wir überhaupt mit den anderen zusammen feiern? Mit ihnen an einem Tisch sitzen? Immerhin sind beim Fest jetzt die Penner und Junkies, die Armen und Außenseiter. Wir haben es im Konfirmandenunterricht gelernt: Jesus sammelt beim Abendmahl alle um seinen Tisch. Ohne Unterschiede. Aber, wie sieht es tatsächlich aus? Sind wir nicht auf den Mittelstand verengt? Nehmen am Abendmahl nicht größtenteils Menschen aus der Mittelschicht teil? Vermissen wir die anderen? Und, nicht nur für das Abendmahl, sondern für jedes Fest gilt das fast vergessene Wort Jesu. Er spricht es unmittelbar vor unserem Gleichnis: Wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein!</p>
<h4>Wahrnehmen</h4>
<p>Wir sollen es machen wie Gott: Arme, Krüppel, Lahme und Blinde einladen. Wie wäre das, wenn die Kirche runde Tische anbieten würde? Runde Tische, an denen Vermögende und Verarmte sich begegnen. Eine Gruppe badischer Theologen/Theologinnen mit Namen „Solilohn“ versucht, das zu organisieren. Sie nennen es „Zachäus-Dialogprozesse anstoßen“. In der Mannheimer Lutherkirche wird das Arbeitslosenzentrum in die Seitenempore gebaut. Mit einem Café, mit Rechts- und Sozialberatung, alles im Kirchenraum. Dort, so die Überlegung von Solilohn, könnten solche „Zachäus-Dialogprozesse“ stattfinden. Arbeitslose und Vermögende könnten sich dort begegnen. Miteinander in Dialog treten. Einander wahrnehmen in ihrer je eigenen Lebenswirklichkeit. Darüber hinaus könnten die Beteiligten erste praktische Antworten auf die Frage nach gerechter Verteilung suchen. Und nach gerechter Teilhabe. Ob solche „Zachäus-Dialogprozesse“ tatsächlich stattfinden werden, ist ungewiß. Noch fehlen Solilohn die Vermögenden, die zu solch einem runden Tisch bereit wären.</p>
<h4>Nachdenken</h4>
<p>Noch ein letztes Mal zurück zum Gleichnis. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Am Schluß bekräftigt der noch immer zornige Hausherr, dass die Erstgeladenen sich vom Mahl selbst ausgeschlossen haben. Keiner von ihnen darf am Mahl teilnehmen. Der Schluß ist ärgerlich! So meinten unsere Jugendlichen vor zwei Wochen, als in der Bibelarbeit in Taizé diese Geschichte besprochen wurde. Wieso gibt es kein Happy-End? Ist Gott wirklich ein zorniger Hausherr? Kommen die Erstgeladenen tatsächlich nicht mehr rein? So fragten sie. Daraufhin haben sie eine Fortsetzung für die offene Geschichte entwickelt. Sie geht so:</p>
<p>Der Käufer der Ochsen überlegt es sich noch einmal und kommt doch noch zum Fest. Der Bote läßt ihn aber nicht rein: „Ich habe meine Anweisungen“. Indes, der säumige Gast ist hartnäckig und bittet so lange, bis er mit dem Hausherrn selbst reden darf. „Sieh an! Was willst du?“, fragt dieser. „Ich komme zu deinem Fest“. „Du kommst spät“, sagt der Hausherr „Das Fest hat seit Stunden begonnen. Außerdem hörte ich: Die Ochsen sind dir wichtiger als mein Fest?“ „Es tut mir leid“. Der Hausherr macht eine abwehrende Geste: „Es hat mich geärgert, dass du abgesagt hast. Und um ehrlich zu sein: Es hat mich gekränkt. Wegen Ochsen!“ „Entschuldigung. Ich habe nachgedacht. Du bist mir wichtig. Viel wichtiger als die Ochsen. Daher bin ich doch noch gekommen“ Und nach einer Pause fügt der Gast hinzu: „Die Freundschaft zu dir ist mir wertvoll“. Die letzten Sätze sind entwaffnend. Der Zorn des Hausherrn verraucht. Versöhnlich legt er ihm die Hand auf die Schultern: „Wenn das so ist! Gut, dass du es dir nochmals überlegt hast. Und schön, dass du da bist. Das Haus ist auch noch gar nicht voll. Komm, ich habe leckere Köstlichkeiten zubereiten lassen“.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Drüben am Horizont berühren sich Himmel und Erde</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/05/druben-am-horizont-beruhren-sich-himmel-und-erde/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/05/druben-am-horizont-beruhren-sich-himmel-und-erde/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 18 May 2009 19:37:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Himmelfahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Sehnsucht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich weiß noch, wie bunt ich mir als Kind die Himmelfahrt Jesu vorstellte. Eine richtige majestätische „Auffahrt“. Keine kleinen Schritte, keine mühsamen Treppenstufen. Die Jünger haben verdutzte Gesichter, stehen mit halboffenen Mündern und zugekniffenen ‚Augen da. Ich war natürlich klüger als sie. Dass Jesus die Kurve kratzte, beunruhigte mich nicht weiter. Der Himmel ist eben so weit weg und so unendlich groß. Im Religionsunterricht lernte ich dann später das Lied: „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig“. Ich sah dann im Himmel einen Thron und Jesus darauf sitzen. Die Vorstellung gefiel mir. Sie machte mich auch groß. So ein König – toll! Da sollte doch die ganze Welt einmal erstarren. Wer alles auf Knien rutschen sollte, wusste ich auch. Wie gut, dass ich nie darüber geredet habe – peinlich?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<h4>Himmelfahrt</h4>
<p>Ich weiß noch, wie bunt ich mir als Kind die Himmelfahrt Jesu vorstellte. Eine richtige majestätische „Auffahrt“. Keine kleinen Schritte, keine mühsamen Treppenstufen. Die Jünger haben verdutzte Gesichter, stehen mit halboffenen Mündern und zugekniffenen ‚Augen da. Ich war natürlich klüger als sie. Dass Jesus die Kurve kratzte, beunruhigte mich nicht weiter. Der Himmel ist eben so weit weg und so unendlich groß. Im Religionsunterricht lernte ich dann später das Lied: „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig“. Ich sah dann im Himmel einen Thron und Jesus darauf sitzen. Die Vorstellung gefiel mir. Sie machte mich auch groß. So ein König – toll! Da sollte doch die ganze Welt einmal erstarren. Wer alles auf Knien rutschen sollte, wusste ich auch. Wie gut, dass ich nie darüber geredet habe – peinlich?</p>
<p>Es ist eine uralte Sehnsucht der Menschen, die Welt in guten Händen zu wissen, sie in gute Hände zu legen. Als ob Lukas das geahnt hat, zur Himmelfahrt sagt er – nichts. Er erzählt aber, sparsam mit Worten, dass Jesus seine Hände aufhebt und die Jünger segnet. Mitten drin – ich kann mir das alles nicht vorstellen – sieht Lukas Jesus „auffahren“. Gen Himmel. So klar die Richtung auch ist, ich sehe die „aufgehobenen Hände“. Es ist ein schönes Bild. Aufgehobene Hände hängen nicht nach unten, hängen nicht durch, halten sich nicht raus, aufgehobene Hände fassen etwas, legen sich auf etwas, bergen etwas. Oder überreichen etwas. Hier kommt es einem Vermächtnis gleich: Jesus vertraut seinen Jüngern das Evangelium an. Er legt ihnen zum letzten Mal die Schrift aus. Er segnet sie. Das ist ein ganz anderes Bild von Himmelfahrt als das übliche, dadurch aber keineswegs vertrautere. Ob der Himmel womöglich auch etwas mit aufgehobenen Händen zu tun hat?</p>
<h4>Blicke in den Himmel</h4>
<p>Mit dem Himmel verbinden sich ganz viele und ganz unterschiedliche Vorstellungen. Schon Kindern erzählen wir, dass der Himmel „da oben“ ist. Wir liegen auf einer Wiese, umgeben von duftenden Blumen. So weit können wir gar nicht schauen! Eine Weite ohnegleichen, und doch: Drüben am Horizont berühren sich Himmel und Erde, gehen fast schon ineinander über. Ich könnte glatt hinlaufen. Wenn er dann noch blau ist, der Himmel – wir sind dann fast schon im Paradies. Mit unseren Kindern. Warum eigentlich habe ich schon lange nicht mehr auf einer Wiese gelegen und den Himmel getrunken? Eine besondere Faszination geht von dem nächtlichen Himmel aus. Wer schon einmal das Glück hatte, durch ein Fernrohr zu schauen, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Sterne, unzählig – geradezu in Straßenformation. Erhaben, gleichmütig, den Jahrtausenden trotzend. Dass der Kosmos lebt und so seine eigene Geschichte hat Sterne gar erlöschen, könnte ich im Lehrbuch nachlesen, aber jetzt schaue ich nur. Wie klein doch meine Welt ist? Sie putzt sich mit künstlichen Lichtern heraus, ist aufdringlich laut und kann doch das Elend nicht verbergen. Dass die Erde ein leuchtender Stern ist, könnte ich von der Venus aus gut sehen, aber warum muss ich erst so weit gehen?</p>
<p>Verliebte aber wissen wohl am meisten vom Himmel. Entschuldigung, ihr Naturwissenschaftlicher/innen und Hobbyastronomen/innen: Für euch ist der Himmel wie ein großes Labor, wie eine Formelsammlung, eine intellektuelle Herausforderung &#8211; mit schwarzen Löchern seid ihr glücklich und zufrieden, aber den Verliebten hängt der Himmel voller Geigen. Ich frage mich zwar auch, wie das kommt, weiß auch nicht so genau, was ich sagen soll, aber: so modern die Zeiten geworden sind, Verliebte wissen, dass Gott im Himmel ist – und sie jetzt auch. Die Erdenschwere löst sich förmlich auf, ohne ihren alltäglichen Reiz zu verlieren. Das muss wohl daran liegen, dass der Himmel da hinten – schaut mal nach – die Erde küsst. So unfassbar der Himmel vor unseren Augen ist, so groß und großartig sind seine Bilder. Die Beispiele, die ich erzählt habe, sind nur Annäherungen und Hinweise. Wenn Eltern mit ihren Kindern auf der Wiese den Wolken folgen, der nächtliche Sternenhimmel meine kleine Welt in die Arme nimmt und himmlische Geigen ein Liebeslied anstimmen, dann hat unsere Sehnsucht einen Ort.</p>
<h4>Eine Hand für den Himmel</h4>
<p>Lukas wusste noch nicht, dass wir einmal einen Festtag haben werden, der „Himmelfahrt“ heißt. Schon der Name verführt dazu, im Kopf einen Film ablaufen zu lassen. Dabei ist der Himmel doch die Heimat Gottes. Nicht irgendein Ort. Für ihn gibt es keine Land-, keine Himmelskarte. Fassbar, lokalisierbar ist der Himmel nicht, weil Gott sich unseren kartografischen Bemühungen entzieht, ihn festzulegen. Die unendliche Weite und Schönheit des Himmels spricht aber für ihn. Darum ist es auch so reizvoll, in Bildern vom Himmel zu reden, von ihm zu träumen, sich in ihm zu verlieren.</p>
<p>‚Als Jesus seine Hände aufhebt, um seine Jünger zu segnen, legt er ihnen sozusagen den Himmel auf &#8211; auf die Köpfe, Herzen, ja, auch in ihre Hände. Je mehr ich darüber nachdenke, ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Jesus kann den Himmel in die Hand nehmen und teilen. Er hat ein Händchen für den Himmel … &#8211; Wie Schuppen fällt es mir von den Augen: Darum legt Jesus noch einmal die Schrift aus, Darum öffnet er seinen Jüngern das Verständnis. Darum macht er sie zu seinen Zeugen. Er gibt uns – den Himmel. „So steht‘s geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage, und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden untern allen Völkern.“ Das ist auch die wohl schönste Kurzformel des Glaubens, ein Bekenntnis, das Leben eröffnet.</p>
<p>Ich habe Menschen kennengelernt, die auf ihrem Lebensweg die Kurve hinbekommen haben, so manchen ging der Himmel auf. Himmelfahrt für kleine Leute. Das ist ein Festtag! Was Jesus gesagt, was er gelebt hat, finde ich in meine leeren Hände gelegt. Kraftvoll, liebevoll, zärtlich. Langsam verstehe ich, warum Lukas die Himmelfahrt Jesu als eine Segensgeschichte erzählt. Ich weiß noch, wie bunt ich mir als Kind die Himmelfahrt Jesu vorstellte. Eine richtige majestätische „Auffahrt“. Keine kleinen Schritte, keine mühsamen Treppenstufen. Diese Geschichte muss ich mir jetzt anders vorstellen. Und die Jünger? Sie priesen Gott. Das ist das letzte Wort – im Evangelium nach Lukas.</p>
<p>Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.</p>
<h4>Kyrie</h4>
<p>Herr,</p>
<p>auf der Erde liegen viele Steine.<br />
Auf vielen Seelen auch.<br />
Viele Steine legen wir dazu.<br />
Herr, erbarme dich</p>
<p>Christus,<br />
wir schauen zum Himmel.<br />
Sehnen uns nach Wärme und Licht.<br />
Unsere engen Herzen werden weit.<br />
Christus, erbarme dich</p>
<p>Herr,<br />
du bist uns vorausgegangen.<br />
Wo du zu Hause bist, gibt es viele Wohnungen.<br />
Unsere Namen hast du schon an die Türen geschrieben.<br />
Herr, erbarme dich</p>
<h4>Fürbitten</h4>
<p>Im Evangelium haben wir gehört, dass Jesus in den Himmel aufgenommen wurde. Für viele Menschen ist der Himmel weit weg. Er ist für sie undurchdringlich und unnahbar. Wir bitten:</p>
<p>Für die Menschen, die einsam und verlassen sind, keine Freunde und Gefährten haben, mit ihrem Leben nicht zurechtkommen. Wir rufen zu dir: Lass den Himmel über sie aufgehen.</p>
<p>Für die Menschen, denen der Himmel voller Geigen hängt, denen die Zeit stehen bleibt, die trunken sind vor Freude. Wir rufen zu dir: Lass den Himmel über sie aufgehen.</p>
<p>Für die Menschen, die den Himmel auf Erden versprechen, sich auf Illusionen einlassen, der Realität entfliehen. Wir rufen zu dir: Lass den Himmel über sie aufgehen.</p>
<p>Für die Menschen, die Vater und Mutter werden, Kinder auf ihrem Weg begleiten, sich der Straßenkinder annehmen. Wir rufen zu dir: Lass den Himmel über sie aufgehen.</p>
<p>Für die Menschen, die sterben müssen, die ihres Lebens müde sind, die Angst vor jedem Sonnenaufgang haben. Wir rufen zu dir: Lass den Himmel über sie aufgehen.</p>
<p>Jesus hat sich zur Rechten Gottes gesetzt. Er ist der Herr. Sein ist die Erde, sein der Himmel. Er lässt uns nicht los. Wir sind auf dem Weg zu ihm.</p>
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