<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Ostern</title>
	<atom:link href="http://www.predigtforum.de/tag/ostern/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.predigtforum.de</link>
	<description>Ein weiteres tolles WordPress-Blog</description>
	<lastBuildDate>Thu, 02 Feb 2012 12:23:33 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3</generator>
		<item>
		<title>Beten im Namen Jesu</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/05/beten-im-namen-jesu/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/05/beten-im-namen-jesu/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 10 May 2009 18:34:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[beten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.imida.eu/wordpress/?p=358</guid>
		<description><![CDATA[Der heutige Sonntag trägt den Namen „Rogate“; das heißt auf Deutsch: „Betet“. Vorausgegangen sind an den beiden letzten Sonntagen die Aufforderungen zum Jubeln und zum Singen. Die Freude über das, was an Ostern geschehen ist, soll zum Ausdruck kommen. Mitten in unserer Todeswelt hat Gott die Tür zum Leben weit aufgestoßen. Jesu Auferstehung zeigt: Gottes Liebe ist stärker als der Hass der Welt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<h4>Ermutigung zum Beten</h4>
<p>Der heutige Sonntag trägt den Namen „Rogate“; das heißt auf Deutsch: „Betet“. Vorausgegangen sind an den beiden letzten Sonntagen die Aufforderungen zum Jubeln und zum Singen. Die Freude über das, was an Ostern geschehen ist, soll zum Ausdruck kommen. Mitten in unserer Todeswelt hat Gott die Tür zum Leben weit aufgestoßen. Jesu Auferstehung zeigt: Gottes Liebe ist stärker als der Hass der Welt. Es lohnt sich zu leben und zu lieben. Das Reich Gottes, das Jesus angekündigte, herbeigesehnte und in seinen Taten anschaulich machte, beginnt tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Überall dort nämlich, wo Menschen sich auf dieses Leben aus der Auferstehungskraft Gottes einlassen. Überall dort, wo die Liebe sich Bahn bricht, wo Menschen füreinander da sind. Das ist nicht selbstverständlich. Auch nach Ostern leben wir nicht in einer völlig neuen Welt. Noch gibt es das Reich Gottes nur in Gestalt von kleineren oder größeren Biotopen innerhalb einer lebensfeindlichen Umwelt. Deshalb ermutigt der fünfte Sonntag nach Ostern: Rogate – betet. Wir wollen heute über diese Ermutigung nachdenken anhand eines Abschnitts aus der zweiten Abschiedsrede Jesu, wie sie der Evangelist Johannes in Kapitel 16, den Versen 23 bis 28 und 33, wiedergegeben hat.</p>
<p>(Lesung  des Predigttextes)</p>
<h4>Beten im Namen Jesu</h4>
<p>Mit der sogenannten zweiten Abschiedsrede Jesu hat der Evangelist Johannes einen Redekomplex geschaffen, der aus dem Geist der Verkündigung Jesu heraus Antwort auf die aktuell bedrängenden Fragen seiner verfolgten Gemeinde gab. Wir sind nicht allein, so lautet die Botschaft des Johannes, Jesus ist mit seinem Geist gegenwärtig. Er ruft uns zu: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Ja, wir haben Angst und wir haben wahrhaftig allen Grund dazu. Gewiss werden wir nicht wie die Gemeinde des Johannes verfolgt; niemand trachtet uns nach dem Leben. Und trotzdem merken wir immer wieder, dass es für ein konsequentes Christentum Mut und Standhaftigkeit braucht. Dass der Weg der Nachfolge auch heute noch oftmals ein Spießrutenlauf ist, jedenfalls ein Weg gegen den Strom. Manchmal sind es aber auch die Gleichgültigkeit und das Desinteresse, die einer Gemeinde zu schaffen machen. Oder wenn sich Fraktionen bilden, die nicht mehr das gemeinsame Ziel sehen, sondern nur noch ihre Interessen durchsetzen wollen. Aber, sagt Johannes, denkt daran: Jesus hat die Welt überwunden und er ist mit seinem Geist bei euch. Was ihr Gott in seinem Namen bitten werdet, bekommt ihr auch. Dann müssen wir uns also keine Sorgen machen. Gott gibt uns alles, worum wir ihn bitten. Wirklich alles? Gute Noten, obwohl wir faul gewesen sind und nichts gelernt haben? Ein besseres Einkommen? Eine angesehene Position? Eine Traumvilla? – Die Erfahrung sagt uns, dass es so einfach nicht läuft. Dann müssten alle Christen schon längst Lottomillionäre sein. Nicht umsonst heißt es ja auch in unserem Predigttext: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen – wird er’s euch geben“. Die Wendung „in meinem Namen“ kommt hier innerhalb eines kurzen Abschnitts mehrfach vor. Das ist bestimmt nicht zufällig. Wenn ich etwas in jemandes Namen tue, dann tue ich es gleichsam an seiner Stelle, mit seinen Intentionen, in seinem Geist. Wenn ich in Jesu Namen etwas von Gott erbitte, dann muss ich mich zuvor fragen, ob das auch im Sinne Jesu ist. Martin Niemöller, der Begründer des Pfarrernotbundes während der Zeit des Nationalsozialismus, hat diese Frage zur Maxime seines ethischen Handelns gemacht: Was würde Jesus heute dazu sagen? Dann trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen. Dann wird sehr schnell klar, dass es Dinge gibt, um die ich nicht im Namen Jesu bitten kann.</p>
<h4>Inhalte des Betens</h4>
<p>Um was ging es Jesus? Worum hat er selber gebetet? Doch nicht darum, ein sorgenfreies Leben führen zu können. Er hat nicht um Reichtum und Macht und Ansehen gebetet. Am Vaterunser lässt sich das unschwer erkennen. Die ersten drei Bitten beziehen sich darauf, dass der Name Gottes geheiligt werde, sein Reich komme und sein Wille geschehe. Jesus geht sozusagen sofort aufs Ganze. Denn wo Gottes Name geheiligt wird, sein Reich kommt und sein Wille getan wird, da verändert sich die Welt radikal. Die ersten drei Bitten sehnen eine Welt herbei, in der Ostern sich ausbreiten kann, in der die Liebe auf keine Hindernisse trifft, in der alle Menschen dem guten Willen Gottes entsprechen. Es folgt dann eine einzige Bitte, die auf Materielles zielt, nämlich die Bitte ums tägliche Brot, wie Jesus in äußerster Bescheidenheit sagt. Und es folgen drei weitere Bitten, die auf unsere seelische Gesundheit abzielen: Vergebung von Schuld, Bewahrung vor Versuchung und Erlösung vom Bösem. Wenn man will, kann man die drei letzten Bitten als die individuellen Voraussetzungen dafür ansehen, dass die göttliche Wirklichkeit, von der in den ersten drei Bitten gesprochen wird, auch bei uns Platz greift. Immer zielt Jesus dabei auf das Ganze. Immer geht es ihm um die Gemeinschaft. Deshalb spricht das Vaterunser durchgängig von „uns“: unserem Vater, unserem Brot, unserer Schuld, unserer Erlösung.</p>
<h4>Für das eintreten, wofür wir beten</h4>
<p>Wenn wir „im Namen Jesu“ beten wollen und also in seinem Geist, dann werden wir im Blick auf unsere materiellen Bedürfnisse ganz bescheiden werden müssen und im Blick auf das, was unsere Gemeinschaft betrifft, in großen Dimensionen denken müssen. Zu Beginn der zweiten Abschiedsrede lässt Johannes Jesus sagen: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“. Eine Gemeinde, die mit Jesus verbunden bleibt, wird viel Frucht bringen, sie wird ein fruchtbares Gemeindeleben haben. Dieses fruchtbare Gemeindeleben ist eine Gabe Gottes, die einerseits aus der Verbindung mit Jesus erwächst, die andererseits aber auch erbeten sein will. Denn: Wenn ihr dies in meinem Namen erbittet, wird Gott es euch schenken (Joh 15,16). „In meinem Namen“! Wäre Jesus heute unter uns, dann würde er Gott für seine Gemeinde bitten. Er würde darum bitten, dass Kranke und Einsame besucht werden, dass die Gemeinde Hilfsbedürftige nicht im Regen stehen lässt, dass man sich der Kinder und Jugendlichen annehme, ihnen einen Lebensstil vorlebe, der von Wertschätzung und Herzenswärme bestimmt ist. Denn wo dies geschieht, wird der Wille Gottes erfüllt und kann das Reich Gottes kommen. Das meint Beten „im Namen Jesu“. Und dazu gehört als ein Letztes auch die Bereitschaft, selber für das einzutreten, worum wir Gott bitten. So wie Jesus sein Reden und Tun daran ausgerichtet hat, ob es den Willen Gottes erfüllt und dem Mitmenschen gut tut, und der darin sein Gebet beglaubigt hat, so geschähe auch unser Gebet „im Namen Jesu“, wenn wir ihm im Reden und Tun zu entsprechen suchten. Von Ostern her gesehen ist dies keine Forderung, sondern eine Wirklichkeit, in die uns die Auferstehungskraft Jesu hineinversetzt. Eine Wirklichkeit, um die wir allerdings immer wieder bitten sollen, solange wir in dieser Welt leben.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.predigtforum.de/2009/05/beten-im-namen-jesu/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ostern erfahren und leben</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/04/ostern-erfahren-und-leben/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/04/ostern-erfahren-und-leben/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 19:49:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Anfechtung]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Zweifel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.imida.eu/wordpress/?p=375</guid>
		<description><![CDATA[Acht Tage sind vergangen, seit wir uns in dieser Kirche mit dem ermutigenden Osterruf begrüßt haben: „Der Herr ist auferstanden / Er ist wahrhaftig auferstanden“. Voller Freude und Erfüllung haben wir unsere Ostergottesdienste hier gefeiert und gehört, wie unterschiedlich der Auferstandene den Jüngern erschienen ist. Jetzt, nach acht Tagen hat uns der Alltag wieder. Für viele endet mit diesem Sonntag die Ferienzeit, und die Schülerinnen und Schüler haben morgen wieder Unterricht. Der Osterurlaub geht zu Ende, und der Alltag beginnt wieder. Manche unter uns haben seit Ostern schon den Weg zum Friedhof gemacht und einen lieben Menschen beerdigt. Wieder andere mussten ganz plötzlich zum Arzt, weil sie ein großer Schmerz überfallen hat. Am Horn von Afrika wurden mehrere Schiffe von Piraten gekapert. Wie wir in dieser Welt mit der globalen Finanzkrise leben, ist noch nicht ausgemacht. Die Atombombe bedroht unser Leben. Nach acht Tagen seit Ostern ist der Alltag wieder eingekehrt - im Individuellen und Persönlichen, im Politischen und Strukturellen, im Wirtschaftlichen und auch im Wettkampf der verschiedenen Mächte, die das Leben eher bedrohen als fördern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Der Alltag hat uns wieder</h4>
<p>Acht Tage sind vergangen, seit wir uns in dieser Kirche mit dem ermutigenden Osterruf begrüßt haben: „Der Herr ist auferstanden / Er ist wahrhaftig auferstanden“. Voller Freude und Erfüllung haben wir unsere Ostergottesdienste hier gefeiert und gehört, wie unterschiedlich der Auferstandene den Jüngern erschienen ist. Jetzt, nach acht Tagen hat uns der Alltag wieder. Für viele endet mit diesem Sonntag die Ferienzeit, und die Schülerinnen und Schüler haben morgen wieder Unterricht. Der Osterurlaub geht zu Ende, und der Alltag beginnt wieder. Manche unter uns haben seit Ostern schon den Weg zum Friedhof gemacht und einen lieben Menschen beerdigt. Wieder andere mussten ganz plötzlich zum Arzt, weil sie ein großer Schmerz überfallen hat. Am Horn von Afrika wurden mehrere Schiffe von Piraten gekapert. Wie wir in dieser Welt mit der globalen Finanzkrise leben, ist noch nicht ausgemacht. Die Atombombe bedroht unser Leben. Nach acht Tagen seit Ostern ist der Alltag wieder eingekehrt &#8211; im Individuellen und Persönlichen, im Politischen und Strukturellen, im Wirtschaftlichen und auch im Wettkampf der verschiedenen Mächte, die das Leben eher bedrohen als fördern.</p>
<h4>Wie können wir den Osterglauben leben?</h4>
<p>War Ostern nur eine kurze Unterbrechung der Tagesordnung dieser Welt und des persönlichen Lebens? Geht es jetzt bei uns gerade so weiter, als hätten wir diese froh machende Botschaft von der Auferweckung Jesu Christi gar nicht gehört? Eine ernste Frage ist dies. Wir müssen uns ihr stellen und auch für unser Leben im persönlichen, im kirchlichen und auch im politischen Bereich eine Antwort finden. Wie also können wir den Osterglauben leben, da wo wir jetzt sind und wie wir uns fühlen mit all dem, was uns Druck macht und mit dem, was uns immer wieder Freude bereitet. Ganz persönlich ist uns verheißen, dass wir die Ostererfahrung für uns entdecken oder neu wahrnehmen. Aber wie?</p>
<p>Hier hilft nur eines weiter, dass wir uns aufmachen und die biblischen Texte genau hören, sie in uns wirken lassen und auch die schönen Lieder unseres Gesangbuches singen. Im Hören, Singen und Beten entdecken wir, dass der gekreuzigte Christus nicht fernab ist, sondern dass er mitten unter uns ist und uns begleitet, aufrichtet und tröstet. Das ist die Ostererfahrung für uns alle, sie kann ganz unterschiedliche Menschen in ihren ganz verschiedenen Lebenssituationen erreichen. Ein Lehrbeispiel dafür ist der Bibelabschnitt aus dem Johannesevangelium, den wir eben gehört haben.</p>
<p>Das 20. Kapitel des Johannesevangeliums schildert uns die Ostererfahrung aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Jüngerinnen und Jünger. Eigene Persönlichkeiten sind die Jüngerinnen und Jünger: Maria von Magdala, Simon Petrus, der Lieblingsjünger Johannes, die anderen und schließlich auch Thomas. Obwohl die Jünger die für sie sicherlich ganz überraschende Kunde von der Auferweckung Jesu durch Maria und Petrus und Johannes gehört hatten, waren sie am Ostertag abends versammelt und verschlossen ihre Tür aus Furcht vor den Juden. Angst hatte sie ergriffen. Die Frage, wie können sie diese frohe Nachricht von der Auferweckung (in ihrer historischen Situation, in der die Auferstehung, wenn überhaupt, dann am Ende der Zeit geglaubt worden ist) leben? Bang war es ihnen bestimmt. In diese sehr nachdenkliche Situation erschien Jesus und grüßte mit dem Gruß, den sie so oft von ihm gehört hatten: „Friede sei mit Euch!“ Jesus zeigte sich ihnen. Er zeigte ihnen die Hände und die Seite, und so war klar: Er ist es wirklich, &#8211; der, der vor drei Tagen auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt worden ist. Der Evangelist Johannes beschreibt die letzte Phase der Kreuzigung so: „Als er nun den Essig genommen hatte, sprach er (Jesus): ‚Es ist vollbracht!’ und neigte das Haupt und verschied“ (19,30). Ja, er ist es – das wurde den Jüngern an diesem Abend des Ostertages klar. Indem sie diese Identität des gekreuzigten Jesus mit dem auferstandenen Jesus Christus entdeckten, erfüllte sie eine große Freude. Sie hatten den Herrn gesehen.</p>
<h4>Kirche werden</h4>
<p>Aber der Blick damals an diesem ersten Abend der Woche ging nicht nur zurück, sondern sofort nach vorne. Der gekreuzigte Auferstandene beauftragte seine Jünger. In diesem Auftrag liegt der Grundstock und das Fundament allen Kirche-Seins, besser: allen immer wieder neu Kirche-Werdens. Das erste was Kirche zu Kirche macht, ist der freudige und zur Gemeinschaft von Menschen hinführende Ruf: Friede sei mit Euch. Im Gruß begegnen sich Menschen und öffnen sich. Und so freundlich und persönlich angesprochen kann dann leicht die Aufgabe benannt werden. Die Worte Jesu lauten: „Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich Euch“. Die Jünger erinnerten sich, wie Jesus mit ihnen gelebt hat, und drei Kennzeichen seines Wirkens waren ihnen bekannt:</p>
<ul>
<li>Jesus ist der, der einlädt, der mit offenen Armen Menschen begegnet und sie freudig auf das Reich Gottes hinweist,</li>
<li>Jesus ist der, der Menschen in ihrer Notlage besucht, weil er sensibel erspürt, was Menschen brauchen: Nähe und Vertrauen, Vergebung und Versöhnung,</li>
<li>Jesus ist der, der Menschen geheilt, sogar den toten Lazarus auferweckt hat. Dazu sendet er seine Jünger.</li>
</ul>
<p>Kirche werden wir immer wieder neu, indem wir Menschen freundlich und wahrhaftig einladen, die Güte des Reiches Gottes zu entdecken, indem wir in allen Bereichen unseres Lebens vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, konkret: in dem wir uns einmischen in die Gesellschaft und die Stimme erheben für die Gerechtigkeit und den Frieden, für das Ende allen Krieges, für die Bewahrung der Schöpfung. Das sind gewiss mutige Schritte. In unseren Versammlungen müssen wir um die Wahrheit des Evangeliums ringen und diese auch treu und klar in die globalen Strukturen unseres Lebens einbringen. Damit wir dazu befähigt werden, sendet der Auferstandene uns den Heiligen Geist: „Nehmt hin den heiligen Geist!“ Welch ein Geschenk, welch eine Verheißung! Ach, dass wir doch mutig dies glauben und annehmen! Wie viel wäre gewonnen für unser Leben und könnten wir doch die Chancen unserer Kirche kräftigen, wenn wir „mutiger glaubten, brennender liebten und zuversichtlicher hofften“.</p>
<h4>Begegnung</h4>
<p>Jetzt kann der eine oder andere von uns denken, das habe ich schon mehrfach gehört, aber wie soll das mir gelten? Nur Geduld – unsere Erzählung ist noch nicht zu Ende. Da ist Thomas. Er war an jenem ersten Abend des Ostertages nicht da. Ihm wird die Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt und er zweifelt. Er hält diese Nachricht, dass der Gekreuzigte lebt, für unmöglich. Er bekommt bestimmt viele Sympathien von uns. Er selber will genau wissen, was Sache ist. Er will sich nicht auf das Hörensagen verlassen. Er will sich seine eigene Meinung bilden. Und das ist doch gut und richtig. Auch bei uns in der Kirche dürfen keine Floskeln und leeren Worthülsen vorgebetet werden, die dann nur noch von den Konfirmandinnen und Konfirmanden, von den Taufeltern, den Trauernden und allen anderen Gemeindegliedern nachgebetet werden sollen. Nein, wir haben die Aufgabe, dass Menschen das Evangelium so hören, damit sie ihre guten Erfahrungen selbst machen können. Thomas äußerte seine Zweifel und sagte klar, wann er diese ungeheuerliche Nachricht von der Auferweckung Jesu glauben kann. Thomas blieb im Jüngerkreis. Er wurde nicht ausgeschlossen. Denn auch die anderen wussten, Zweifel und Anfechtung, Missverstehen und hartes Ringen um die Güte Gottes zu entdecken, gehören zum Leben dazu. Auch sie selbst hatten dies mehrfach erlebt.</p>
<p>Nach einer Woche kam nun der Auferstandene wieder, tritt unter den Jüngerkreis und ganz speziell wendete er sich an Thomas. Ganz und gar nicht von oben herab oder moralisch oder gar befehlend, sondern einfühlsam und seelsorglich sagte der Auferstandene zu Thomas: „ Reiche deine Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig“ (20,27). Das war für Thomas die Ostererfahrung. Hierauf reagierte er mit dem großen Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“ Genau das, was man der Gemeinde damals vorgeworfen hat, sie lästere Gott, in dem sie diesen Jesus von Nazareth mit Gott in Verbindung bringe, bekennt Thomas: Mein Herr und mein Gott! In diesem gekreuzigten Auferstandenen hat sich der barmherzige Gott offenbart und bezeugt, dass das Leben stärker als der Tod ist, dass das Leben nicht einfach im Nichts endet, sondern als ewiges Leben erscheinen wird. Hoffnung auf Leben ist da. Da, wo kein Mensch uns mehr begleiten kann, ist der Auferstandene da und sagt zu uns auch: „Lege Deine Hand an meine Seite. Ich bin für Dich da“.</p>
<p>So glauben Menschen Ostern – ganz unterschiedlich und verschieden entdecken sie, dass der Gekreuzigte lebt, da ist und wirkt. Zweifel und Anfechtung sind erlaubt, Fehler und Versagen bedeuten nicht das Ende, Verletzungen und Brüche werden nicht moralisch geahndet. Sondern: Zweifel und Anfechtung werden ausgestanden. Fehler und Versagen werden offen bekannt. Verletzungen und Brüche werden nicht verdrängt, sondern bearbeitet. Und dies geschieht alles unter der großen Verheißung, der barmherzige Gott richtet auf. Er ist der Herr des Lebens. Diese Verheißung kann heute unter uns Wirklichkeit werden, wenn wir den Gruß Jesu hören: „Friede sei mit Euch!“ Wie hilfreich ist es, wenn wir mit Thomas bekennen: „Mein Herr und mein Gott!“</p>
<p>Amen</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.predigtforum.de/2009/04/ostern-erfahren-und-leben/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Ostersonne geht langsam auf</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/04/die-ostersonne-geht-langsam-auf/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/04/die-ostersonne-geht-langsam-auf/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 18:48:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Beginn]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Neues]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.imida.eu/wordpress/?p=380</guid>
		<description><![CDATA[„Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget“, so haben wir gerade gesungen. Diese Bitte der Emmausjünger ist auch Grundlage des Abendliedes: „Bleib bei mir Herr! Der Abend bricht herein“, und sie steht hinter der Bitte um den Segen: „Bleibe bei uns, Herr,... Bleibe bei uns am Abend des Tages, bleibe bei uns am Abend des Lebens, bleibe bei uns am Abend der Welt“. Dreimal hallt die Bitte „Herr, bleibe bei uns!“ in unserem Gesangbuch wieder. In der Ostergeschichte von den Emmausjüngern bitten so zwei junge Männer, die das erstaunlichste Ereignis ihres Lebens unmittelbar vor sich haben, ja, die mitten drin stecken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Mitgehen</h4>
<p>„Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneiget“, so haben wir gerade gesungen. Diese Bitte der Emmausjünger ist auch Grundlage des Abendliedes: „Bleib bei mir Herr! Der Abend bricht herein“, und sie steht hinter der Bitte um den Segen: „Bleibe bei uns, Herr,&#8230; Bleibe bei uns am Abend des Tages, bleibe bei uns am Abend des Lebens, bleibe bei uns am Abend der Welt“. Dreimal hallt die Bitte „Herr, bleibe bei uns!“ in unserem Gesangbuch wieder. In der Ostergeschichte von den Emmausjüngern bitten so zwei junge Männer, die das erstaunlichste Ereignis ihres Lebens unmittelbar vor sich haben, ja, die mitten drin stecken. Zugleich hatten sie die schrecklichste Erfahrung ihres Lebens hinter sich. Man muss es ihnen angesehen haben, wie sie von den Ereignissen der letzten Tage erschüttert waren. Am Nachmittag eines Frühlingstages gehen sie bedrückt von Jerusalem fort. Diese beiden jungen Männer waren miteinander auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus. Von dem einen wissen wir Genaueres: Er hieß Kleopas, und sein Sohn Simeon wurde wahrscheinlich der zweite Bischof der Urgemeinde in Jerusalem, später am Ende des ersten Jahrhunderts. Während sie so gehen, gesellt sich ein dritter Mann zu ihnen. Es ist Jesus, der sich aber noch nicht zu erkennen gibt. Ein katholischer Priester zeigte mir eine Ikone. Sie zeigt Menas, den Abt eines Klosters in Ägypten. Neben ihm ist Jesus, der dem Mönch seinen Arm um die Schulter legt. Überschrieben ist diese Ikone mit den Worten: „Der Mitgeher“. Mena geht nicht allein. Er hat einen, der neben ihm geht. Er hat einen Begleiter. Mitgehen ist nicht nur eine Sache der Beine, sondern auch eine Sache des Herzens. Für den Priester ist diese Ikone das Leitmotiv seines Lebens.</p>
<h4>Auf einmal war alles anders</h4>
<p>Es hat einmal jemand gesagt: Mütterlich ist es, ein Kind in die Arme zu nehmen und zu sagen „Komm zu mir!“ Väterlich ist es, das Kind an die Hand zu nehmen und zu sagen „Komm mit mir!“ So geht Jesus hier mit den beiden jungen Männern. Ganz einfühlsam fragt der fremde Wanderer „Worüber unterhaltet ihr euch auf eurem Weg?“ In kurzer Zeit hat er die beiden Männer so weit, dass sie reden und erzählen. Sie lenken nicht ab. Sie haben nicht verdrängt, was ihnen so auf der Seele lastet. Sie weisen den Fremden nicht ab. Sie schütten ihr Herz aus. Jesus ist der Zuhörende. Zwei Menschen öffnen sich. Was waren sie beeindruckt von den Predigten Jesu, des jungen Lehrers aus Galiläa! Wie haben sie über seine Taten gestaunt! Und dann hatte er sie persönlich in seinen Jüngerkreis berufen. Ganz intensiv haben sie die Gemeinschaft mit ihm wochen- und monatelang erlebt. Jeden Tag hatten sie mitbekommen, wie sich das Volk für Jesus begeisterte. Sie hofften, dieser von Gott gesandte Mann müsste das Volk Israel von der lästigen Römerherrschaft befreien. Bald würde dies so sein. Und sie mitten drin. Sie und viele, viele andere hatten Jesus vertraut und auf ihn mit allen Fasern ihres Lebens gehofft. Und dann war alles so schnell gegangen. Jesus wurde gefangen genommen und verurteilt, verspottet und ausgepeitscht, gekreuzigt und begraben. Wie furchtbar war das alles! Bis ins Mark hinein waren sie enttäuscht. Man spürte es ihnen ab, dass sie innerlich noch ganz zerrissen waren. Die beiden Jünger erzählen und erzählen. Bis hin zu den skurrilsten Nachrichten der letzten Stunden. Da kommen doch tatsächlich Frauen und erzählen, sie seien am Grab gewesen, es sei leer und Jesus lebe. Auch noch mit solchen Märchen muss man sich beschäftigen. Jedes Kind weiß doch, dass das nicht geschehen sein kann. Das ist doch unmöglich!</p>
<p>Vor Jahren besuchte mich eine junge Witwe. Vor anderthalb Jahren war ihr Mann wenige Monate nach ihrer Hochzeit an Krebs gestorben. Ganz lange hat sie erzählt. Zum Schluss sagte sie: „Normalerweise liegt dies alles wie ein fest verschnürtes Paket in mir! Was ich dir jetzt erzählt habe, verberge ich vor den meisten Menschen. Aber jetzt habe ich es aufgeschnürt und ausgepackt“. Wie viele Menschen mögen jetzt das Osterfest erleben oder sogar den Ostergottesdienst mit feiern, und tief in sich haben sie so ein fest verschnürtes Paket! Hätten sie nur jemanden, bei dem sie es auspacken können! Äußerlich Lammbraten und Schokoladeneier, Osterfeuer, Bratwurst und Flaschenbier und innerlich, tief drinnen, ist alles wund.</p>
<h4>Die Ostersonnne geht langsam auf</h4>
<p>Als die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus sich ausgesprochen haben, da beginnt Jesus zu reden. Noch wissen die beiden nicht, dass es Jesus ist. Die Ostersonnne geht langsam auf. Der Auferstandene ist dir viel näher als du denkst. Nein, er redet nicht so lange wie die traurigen, verzweifelten Menschen. Aber energisch ergreift er das Wort. Er sagt, was er sagen möchte, nicht häppchenweise, mit Zucker bestreut. Er redet nicht in homöopathischen Dosen. Er greift in die Vollen. Er mutet diesen traurigen jungen Männern etwas zu. Angst, sie zu überfordern, hat er nicht. Überraschenderweise fängt er mit einem Tadel an: „O ihr törichten Menschen! Ihr seid auch wirklich schwer von Begriff! Warum rafft ihr euch nicht endlich auf und glaubt, was ihr schön längst hättet verstehen können! Wie tranig seid ihr!“ Und dann unterrichtet Jesus die beiden Jünger darin, was schon lange in der Heiligen Schrift angekündigt war. Ausdrücklich ist von allen Propheten und der ganzen Schrift die Rede. Hier überblickt einer die ganze Verheißungsgeschichte. Hier haben wir einen begnadeten Ausleger der Heiligen Schrift vor uns. Es war doch vorher bestimmt: Der Messias musste leiden, sterben und auferstehen. Wenn sie sich die Worte der Schrift zu Herzen genommen hätten, dann stünden sie jetzt nicht so traurig und verzweifelt da. Es ist doch sonnenklar, wie Christus auf seinem Weg zur Herrlichkeit gefangen genommen und gekreuzigt werden musste! Der Mitgeher öffnet seine Bibel und wird zum Offenbarer. Was gerade in Jerusalem geschehen ist, entspricht den Worten der Propheten und dem Willen Gottes.</p>
<h4>Erkennen</h4>
<p>Lange reden diese drei Männer miteinander. Inzwischen kommen sie in Emmaus an. Sollen sie sich nun verabschieden und trennen? Nein, diesen Menschen liegt die Gastfreundschaft im Blut. Die beiden Jünger können die Begegnung mit dem seltsam freimütigen Fremden nicht abbrechen. Manchmal muss man einfach weiter machen und das Eisen solange schmieden, wie es heiß ist. So bitten sie, nötigen sie ihn: „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Sei unser Gast!“ Gemeinsam gehen sie in das Haus. Das Abendessen wird hergerichtet. Drei Männer gehen miteinander in die Küche und holen, was sie brauchen. Sie setzen sich zu Tisch. Dann ergreift der Fremde das Brot, als sei er der Hausvater. Er nimmt es. Er betet das Dankgebet darüber. Es ist alles so schlicht und so selbstverständlich. Er bricht das Brot, und er verteilt es unter den Jüngern. Da erkennen die beiden Jünger, dass dieser Fremde Jesus ist, der als der Lebendige mit ihnen gegangen und bei ihnen eingekehrt ist. Jetzt werden ihnen die Augen geöffnet, und da ist die Erscheinung Jesu zu Ende. Er verschwindet. Nun sagen die beiden Jünger zueinander: „Hat es uns nicht ganz tief berührt, als er mit uns redete? Begann da nicht in uns ein Feuer zu lodern, als er uns umfassend und immer weiter die Schrift auslegte? Waren wir nicht Feuer und Flamme, als er uns die Ereignisse der letzten Tage deutete? Wurde nicht in uns ein Erstaunen erweckt, als er uns zeigte, wie das alles aus der Bibel zu verstehen ist? Das war doch immer so, wenn Jesus redete“. Noch waren sie verletzt von dem schrecklichsten Ereignis ihres Lebens. Aber jetzt war das schönste und großartigste Ereignis ihres Lebens angebrochen, und sie kamen aus dem Staunen nicht heraus.</p>
<h4>Erinnern</h4>
<p>Sicher, die Ostergeschichte von den Emmausjüngern kennen die meisten von Ihnen von Kindheit an, auch ich. Aber als ich vor einigen Tagen neu diese Geschichte las und darüber nachdachte, musste ich an meine Tante denken, die vor anderthalb Jahren mit 92 Jahren gestorben ist und deren Geburtstag heute am 13. April ist. Sie hat vier Kinder: Der Jüngste lebt in Südafrika, der zweitjüngste in der Schweiz, die eine Tochter arbeitet in Köln, und die älteste Tochter Johanna hat im Jahr 1974 einen Südafrikaner geheiratet und mit ihm in Durban gelebt. Ihr war es gegeben, dass sie als Weiße sehr liebevoll und unerschrocken mit den schwarzen Menschen dort umgehen konnte, schon vor der Wende dort. Sie wurde von diesen Menschen so geliebt, dass man sie „Mama!“ nannte. Ich habe zu Haus einen Stoß Briefe von ihr an diese schwarzen Menschen. Einmal hat sie ganz spontan auf einer Beerdigung eines jugendlichen Kämpfers des ANC, der Partei Nelson Mandelas, vor den vielen Kämpfern mit ihren Gewehren gepredigt.</p>
<p>Vor elf Jahren wurde Johanna in Durben ermordet. Es war in ihrer Wohngegend üblich, dass farbige Gelegenheitsarbeiter vorbei kamen und Arbeiten im Garten annahmen. Offensichtlich hatte meine Cousine einen solchen Gelegenheitsarbeiter zu sich ins Haus gebeten und ihn zum Essen eingeladen. Und dann war sie erdrosselt aufgefunden worden. Eins der schrecklichsten Erlebnisse in unserer größeren Familie. Meine Vettern aus Südafrika und der Schweiz mussten zu ihrer Mutter nach Bad Kissingen fahren und ihr mitteilen: „Johanna ist tot, Deine älteste Tochter ist heimgegangen, so und so ist es passiert“. Sie flogen nach Südafrika zur Beerdigung. Viele waren gekommen. Auch die Schwarzen, die zu dieser Frau „Mama!“ gesagt hatten. Alle waren erschüttert. Dann erlebten die Schwarzen meine Tante, die Mutter der „Mama“. Sie feierten einen Gottesdienst im Namen Jesu, des Gekreuzigten. Das Neue Testament weiß: Er trägt noch heute die Wundmale der Kreuzigung an seinem Leibe, aber er ist auferweckt, lebt und ist in den Himmel gefahren. Er hat dem Tode und dem Teufel die Macht genommen. Er wird einmal alle Tränen von unseren Augen abwischen, und alles Leid und alles Geschrei und aller Schmerz wird nicht mehr sein. Miteinander hat man dort in Durban das Evangelium gepredigt, auf das Evangelium gehört und die Lieder der Hoffnung gesungen. Sie hatten das Schrecklichste, was man sich vorstellen kann, erlebt, und sie waren zugleich mit wehem Herzen von dem Schönsten und Größten, was auf dieser Erde passiert ist, erfüllt. Das ist etwas Geheimnisvolles. Aber genau das wird an Ostern gefeiert. Paul Gerhard singt: „Ich hang und bleib auch hangen an Christus als ein Glied; wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit. Er reißet durch den Tod, durch Welt, durch Sünd, durch Not, er reißet durch die Höll, ich bin stets sein Gesell“. (EG 112,6)</p>
<h4>Neues beginnt</h4>
<p>In einem Ostergottesdienst muss Raum sein, dass ganz still an die traurigsten Pakete in unserem Leben gerührt wird. Und in einer christlichen Gemeinde muss Platz sein dafür, dass Menschen zusammen sitzen oder zusammengehen und so von dem Schlimmsten in ihrem Leben erzählen. Aber dann dürfen und sollen wir Jesus den Auferstandenen zu uns reden lassen und zu uns herein bitten. „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt.“ Und dann will er sich uns neu zu erkennen geben und offenbaren. Als die beiden Jünger wieder alleine sind, spät am Abend, machen sie sich wieder auf, stolpern eilig durch die dunkle Nacht zurück nach Jerusalem, suchen die elf anderen Jünger, klopfen an, setzen sich mit zu ihnen. An Schlaf ist jetzt nicht zu denken. So aufregend ist das alles. Und dann erzählen sich diese jungen Männer in der ersten Nacht nach der Auferweckung Jesu vom leeren Grab, von den Berichten der Frauen und von den Begegnungen mit dem lebendigen Herrn. Petrus hatte ihn gesehen, und die Emmausjünger waren ihm begegnet. Und die Frauen mit ihren Geschichten haben recht gehabt. So lange und so viel hatte Jesus ihnen erzählt. Da war es ihnen wie Schuppen von den Augen gefallen. Jesus hatte sich ihnen geoffenbart. Die anderen Jünger würden ihn bald auch sehen. Jetzt hatte mitten in der Welt etwas ganz Neues begonnen. Alles war noch taufrisch. Sie waren die ersten, die gesehen und gehört haben, dass Jesus lebt. Dass Jesus, ihr Herr und Meister, gekreuzigt worden war und gestorben ist, hat einen ganz tiefen Sinn. Wo sollten wir sonst mit unserer Schuld hin? Wer würde uns sonst an den Abgründen des Lebens zur Seite stehen? Wer könnte uns sonst halten, wenn es in uns tönt: Mein Leben ist verpfuscht!? Aber Jesus ist nun als der Lebendige für seine Jünger da. Er führt seinen Jüngerkreis und seine Gemeinde. Inzwischen hat er seine Kirche zweitausend Jahre lang durch die Wirren der Geschichte geführt. Er wird einst alles vollenden, was er angefangen hat. Und wir dürfen dabei sein.</p>
<p>Amen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.predigtforum.de/2009/04/die-ostersonne-geht-langsam-auf/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ostern widerspricht allem, was wir kennen</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/04/ostern-widerspricht-allem-was-wir-kennen/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/04/ostern-widerspricht-allem-was-wir-kennen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 19:21:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.imida.eu/wordpress/?p=385</guid>
		<description><![CDATA[Die Familie sitzt beim Essen. Geredet wird über alles Mögliche. Auch über die Pläne für die Ostertage. Was haben die fast erwachsenen Kinder, was haben die Eltern vor? Da kommt von der Tochter: „Ostern ist doch eigentlich viel wichtiger als Weihnachten!“ Wer Eltern hat, die beide Pastoren sind, bekommt gleich erklärt: „Klar ist Ostern wichtiger. Nur weil Ostern war, ist Kirche entstanden. Mit der Auferstehung steht und fällt alles.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Widerspruch</h4>
<p>Die Familie sitzt beim Essen. Geredet wird über alles Mögliche. Auch über die Pläne für die Ostertage. Was haben die fast erwachsenen Kinder, was haben die Eltern vor? Da kommt von der Tochter: „Ostern ist doch eigentlich viel wichtiger als Weihnachten!“ Wer Eltern hat, die beide Pastoren sind, bekommt gleich erklärt: „Klar ist Ostern wichtiger. Nur weil Ostern war, ist Kirche entstanden. Mit der Auferstehung steht und fällt alles. Weihnachten wurde erst viel später ein christliches Fest“. „Ja, aber wenn Ostern so wichtig ist, wieso gibt es dann keine Geschenke?“ Die Tochter lächelt listig. Auch Ostern wäre ein bisschen Bares willkommen. Sie ist immer knapp bei Kasse. Natürlich sind Pastoreneltern auch beim Thema Geschenke nicht um eine Antwort verlegen: „Der Rummel mit den Weihnachtsgeschenken ist nun wirklich ganz neu. Frag mal deine Großeltern, wie das früher war. Und außerdem gibt es Ostern auch etwas: Ostereier!“ Die Tochter verdreht die Augen. Ihre Frage bleibt: Warum hat Weihnachten so an Gewicht gewonnen? Warum strömen an Weihnachten bei uns in der Gemeinde weit über tausend Menschen in die Kirche, und heute an Ostern sind es vielleicht ein Zehntel davon. Ich habe nur eine Erklärung: Weihnachten ist dicht an unserem Erleben. Ostern widerspricht allem, was wir kennen. Wenn ein Kind geboren wird, dann bringt es Freude in die Familie. „Freudiges Ereignis“ ist ein fester Ausdruck für eine Geburt. Aber Auferstehung, dass ein Toter lebendig wird, widerspricht jeder Erfahrung. Wir können Ostern nicht fassen. Jesus ist auferstanden von den Toten. Er ist drei Tage nach der Kreuzigung von Gott auferweckt worden. Solche Sätze sagen sich leicht dahin. Aber leicht zu fassen sind sie nicht. Hören wir den Predigttext, das Evangelium für den Ostersonntag, bei Markus im 16. Kapitel.</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<h4>Der Weg zum Grab</h4>
<p>Die Frauen wollen ihren toten Freund salben. Aber sie wissen gar nicht, wie sie an den Leichnam kommen sollen. Der Stein vor der Felsnische ist viel zu schwer. Und nach drei Tagen den Toten noch salben&#8230;. Entschuldigung, bei dem Klima in Israel, ist das noch ratsam? Das ist doch völlig verrückt! Gerade deshalb kann ich die Frauen so gut verstehen. So verrückte Sachen tun Menschen. So handeln wir auch. Wenn jemand gestorben ist, gehen wir zum Grab. Wir nehmen Blumen mit. Wir halten Zwiesprache an den Gräbern. Aber unsere Fragen bleiben unbeantwortet. Wir tun an den Gräbern genau das, was die Frauen damals am Ostermorgen tun: die Vergangenheit suchen, mit den Toten wieder vereint sein wollen.</p>
<p>Maria aus Magdala, Maria die Mutter des Jakobus, und Salome sind früh dran. Gerade erst geht die Sonne auf. Aber die Frauen sind zu spät. Nichts ist so, wie sie es erwarteten. Es ist nicht zu fassen. Der Stein ist weg. Jesus ist weg. Nur ein Engel ist da. Und er sagt: Fürchtet euch nicht! Das sagen die Engel wohl immer, wenn sie Menschen eine Botschaft auszurichten haben. Das sagt der Engel dem Zacharias im Tempel, Maria hört es in der Schlafkammer, die Hirten auf den Feldern von Bethlehem. Entsetzt euch nicht! Der Engel kann ruhig reden. Es ist zu spät. Das Entsetzen hat die Frauen längst gepackt. Ich stelle mir vor, dass die drei ihre Salbölflaschen fallenlassen und losrennen. Und sie erzählen nichts. Das Ganze ist einfach zu unfassbar, um damit zu Petrus und zu den anderen zu gehen.</p>
<p>Aber wo laufen die Frauen hin? Als sie mit ihren Ölflaschen zum Grab kommen, haben sie ein Ziel. Aber das Grab ist leer. Der Gesuchte ist fort. Wohin laufen sie hin in ihrem Entsetzen? Mir scheint: Wir sind genauso wie die Frauen. Wir wissen, dass Gott die Welt in der Hand hält, und haben dennoch Angst. Wir haben das „Fürchtet euch nicht!“ tausendmal gehört und haben dennoch Panik. Ifo – Geschäftsklimaindex, Börsennachrichten, ein vorhergesagter Wirtschaftsrückgang um 5 %, Arbeitslosenzahlen, machen uns Angst. Das „Entsetzt euch nicht“ dringt gar nicht durch. Der Engel versucht die Frauen zum Reden zu verpflichten. Sie sollen weitersagen, dass Jesus lebt. Aber die reden kein Wort.</p>
<h4>Spurensuche</h4>
<p>Wir reden auch nicht von Ostern. Auferstehung – wie soll ich das Kindern erzählen mit eigenen Worten? Da fehlen mir doch die Worte. Er ist auferstanden – das ist nicht zu fassen und dennoch, ohne Auferstehung ist mein Glaube vergeblich. Nun, Maria, die Mutter des Jakobus, Maria aus Magdala und Salome können sich nicht auf Dauer verkrochen haben. Und sie haben auch nicht auf Dauer geschwiegen, sonst wären wir nicht hier. Irgendwann, irgendwie haben sich die Frauen wieder aufgerappelt. Vielleicht haben sie getan, was der Engel ihnen aufgetragen hat, und sind nach Galiläa gegangen. Sie sind in die Heimat von Jesus gewandert und haben seine Spuren gesucht. Vielleicht sind sie auf den Berg gestiegen, auf dem sie seine große Predigt gehört haben. Und dort sind ihnen seine Worte wieder eingefallen. Selig sind die Leidtragenden&#8230; Liebet eure Feinde &#8230; Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes&#8230; Vielleicht sind sie in die Dörfer gegangen, in denen Jesus Menschen geheilt und Menschen satt gemacht hat. Dann haben die Frauen langsam die Gewissheit wieder gefunden: Alles wird gut. Sie haben verstanden: Es passt zusammen, wie er geredet hat, was er getan hat und dass sein Grab leer ist. Das Leben siegt. Die Liebe Gottes siegt. Sogar über den Tod. Er ist auferstanden. Schließlich haben sie auch ihre Sprache wieder gefunden. Und sie hatten wieder ein Ziel. Von Ihm zu reden. Ihn zu bezeugen, Ihm nachzufolgen, Sein Werk der Liebe fortzusetzen.</p>
<p>Wenn wir heute das Unfassbare fassen wollen, können wir tun, was die Frauen und Männer um Jesus damals getan haben. Zurückgehen in die Vergangenheit und uns erinnern, was Jesus getan hat, was er gesagt hat, was er gewollt hat. Wir tun das nicht zu Fuß und nicht mit einer Zeitmaschine. Wir tun das mit dem Finger und den Augen in der Bibel. In der Bibel sind die Spuren, die Jesus hinterlassen hat, zu Buchstaben geworden. Diese Spuren lesen wir im Konfirmandenunterricht, im Gottesdienst und im stillen Kämmerlein. Vielleicht fassen wir dabei, was Auferstehung ist.</p>
<h4>Ein neuer Weg vom Grab aus</h4>
<p>Lassen Sie uns nocheinmal zu den drei Frauen zurückgehen. Was ist, wenn das damals alles ganz anders war? Maria, die Mutter des Jakobus, und Maria aus Magdala und Salome laufen vom Grab weg, bis sie völlig außer Atem sind. Schließlich bleiben sie stehen und sehen einander an – und werden angeschaut. Jesus kommt ihnen entgegen. Sie begegnen dem Auferstandenen. Kräfte vom Himmel reißen alles weg, was sie bisher vom Leben verstanden haben. Ihr Leben ist plötzlich neu, weil sie dem Auferstandenen begegnen. Die drei Frauen stehen auf, gehen vom Grab aus einen ganz neuen Weg.</p>
<p>Wie war es nun wirklich? War es eine langsame Spurensuche oder war es eine plötzliche Begegnung? Ich habe in der letzten Woche eine alte Dame besucht. Ich kannte sie noch nicht. Sie lag im Bett. Sie kann nicht aufstehen. Aber ihr Kopf ist noch klar. Wir haben nicht viel geredet. Ich dachte, mein Besuch strengt sie zu sehr an. Ich wollte gehen. Aber ich sollte bleiben. Ob ich etwas für sie tun kann, ob sie mir etwas anvertrauen möchte, habe ich sie gefragt. Sie suchte nach Worten und sagte dann: „Für das, was ich fühle, finde ich keine Worte“. Keine Worte und auch keinen Ausweg. Ich habe mit ihr gebetet. Ich habe darauf vertraut, dass Gott sie versteht, auch wenn wir beide nicht die richtigen Worte finden. An ihrem Bett wurde mir wieder klar, was Auferstehung ist. Nicht, dass wir Ihn fassen, sondern dass Er uns erfasst. Wenn wir entsetzt, sprachlos und fassungslos sind, sind wir darauf angewiesen, dass der Auferstandene uns findet. Wir finden Jesus nicht unbedingt, wenn wir ihn suchen, aber er findet uns, wie er damals an Ostern die Frauen fand. Das ist Auferstehung.</p>
<p>Amen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.predigtforum.de/2009/04/ostern-widerspricht-allem-was-wir-kennen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

