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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Jesus</title>
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		<title>Heimholung</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/10/heimholung/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/10/heimholung/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2009 18:10:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Heilung]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
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		<category><![CDATA[Probleme]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch sehe ich ihn vor mir, seine Matte zusammengerollt in der Hand, ein Strahlen geht über sein ganzes Gesicht. Überglücklich und dankbar sieht er aus. Das Bild des Gelähmten nach seiner Heilung, von Kees de Kort in meiner Kinderbibel gemalt, es steht mir noch vor Augen wie vor vielen Jahren. Die Heilung des Gelähmten gehört zum Standardinhalt einer christlichen Kinderbibel und ist uns wohl allen gut bekannt. Wie das oft so ist bei bekannten Geschichten – man denkt häufig: Da ist doch alles klar. Natürlich läuft die Geschichte so ab, wie sie abläuft: Der Gelähmte wird zu Jesus gebracht – was auch sonst? Jesus heilt – was sollte er auch Anderes tun? Lassen Sie uns deshalb heute Morgen einen neuen Blick auf diese bekannte Geschichte werfen. Lassen Sie uns ein Gedankenspiel wagen: Was wäre geschehen, wenn diese Geschichte anders gelaufen wäre, als wir sie kennen? Hören wir diese Geschichte also dreimal mit einem jeweils anderen Ausgang.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Noch sehe ich ihn vor mir, seine Matte zusammengerollt in der Hand, ein Strahlen geht über sein ganzes Gesicht. Überglücklich und dankbar sieht er aus. Das Bild des Gelähmten nach seiner Heilung, von Kees de Kort in meiner Kinderbibel gemalt, es steht mir noch vor Augen wie vor vielen Jahren. Die Heilung des Gelähmten gehört zum Standardinhalt einer christlichen Kinderbibel und ist uns wohl allen gut bekannt. Wie das oft so ist bei bekannten Geschichten – man denkt häufig: Da ist doch alles klar. Natürlich läuft die Geschichte so ab, wie sie abläuft: Der Gelähmte wird zu Jesus gebracht – was auch sonst? Jesus heilt – was sollte er auch Anderes tun? Lassen Sie uns deshalb heute Morgen einen neuen Blick auf diese bekannte Geschichte werfen. Lassen Sie uns ein Gedankenspiel wagen: Was wäre geschehen, wenn diese Geschichte anders gelaufen wäre, als wir sie kennen? Hören wir diese Geschichte also dreimal mit einem jeweils anderen Ausgang.</p>
<h4>I.</h4>
<p>„Jesus kam nach Kapernaum zurück; bald wusste jeder, dass er wieder zu Hause war. Darum strömten die Menschen so zahlreich zusammen, dass kein Platz blieb, nicht einmal draußen vor der Tür. Und Jesus verkündete ihnen die Botschaft vom Reich Gottes. Da brachten vier Männer einen Gelähmten herbei. Aber sie kamen wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durch. Was sie auch versuchten – es blieb erfolglos. Keiner wollte sie durchlassen. Die Leute wurden sogar zornig und herrschten sie an: ‚Geht weg. Wir waren zuerst da.’ – ‚Ruhe. Lasst uns den Meister hören, was er uns von Gottes Liebe erzählt.’ Nachdem sie mehrfach versucht hatten, in das Haus zu gelangen, schauten sie sich hilflos an. Schließlich sprach einer aus, was alle dachten: ‚Es bringt nichts. Lasst uns umkehren. Man kann ja eh nichts machen’. Und so machten sie kehrt und trugen den Gelähmten wieder nach Hause.“</p>
<p>Liebe Gemeinde, kennen wir das von uns? Diesen Gedanken: Da kann man eh nichts machen? Oder: Es ist alles so aussichtslos? Dazu das Gefühl der Ohnmacht: Ich fühle mich machtlos, wie gelähmt? In einer aussichtslos scheinenden Situation, angesichts einer Herausforderung, die uns nicht bewältigbar scheint. Gut, wenn es uns dann nicht geht wie den Vieren in meiner erfundenen Geschichte. Gut, wenn wir die Hartnäckigkeit der Vier haben, wie sie in der biblischen Geschichte, der echten Geschichte, zum Ausdruck kommt. Sie lassen sich nicht abbringen von ihrem Vorhaben. Wer oder was sich in den Weg stellt – sie erfinden neue Wege. Wenn halt nicht durch die Tür, dann durch das Dach. Manche Probleme verlangen nach ungewöhnlichen Lösungen. Die Hartnäckigkeit der Vier in der biblischen Geschichte kann uns Vorbild und Ansporn sein. Sie kann uns ermutigen, selbst Hartnäckigkeit einzuüben, nicht aufzugeben, auch wenn Dinge zunächst nicht machbar erscheinen oder sich ungeahnte Probleme auftun. Sie kann uns aber auch anleiten, dass wir je neu unterscheiden lernen: zwischen Dingen, die wir ändern und in Angriff nehmen können, und solchen Dingen, die wir nicht ändern, sondern nur annehmen können. Denn diese gibt es ja leider auch. Was aber ist in solchen Fällen? Wenn Unabänderliches uns das Leben schwer macht? Wenn es Dinge gibt, die wir nicht ändern können? Es ist wertvoll und ein Segen, wenn wir dann Menschen haben, die uns beistehen, die uns tragen. Wie die Vier in der biblischen Geschichte, die den Gelähmten zu Jesus bringen. Menschen, die an uns dran bleiben. Die sich erkundigen, zuhören, schweigen, für uns beten, auch mal mit anpacken. So wie die Vier in der biblischen Geschichte. Was wäre wohl geschehen, wenn die biblische Geschichte von der Heilung des Gelähmten anders gelaufen wäre? Hören wir einen zweiten Ausgang der biblischen Geschichte. Setzen wir dazu an der Stelle ein, als die Vier den Gelähmten herbeibringen.</p>
<h4>II.</h4>
<p>„Da brachten vier Männer einen Gelähmten herbei. Aber sie kamen wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durch. Darum stiegen sie auf das flache Dach, gruben die Lehmdecke auf und beseitigten das Holzgeflecht, genau über der Stelle, wo Jesus war. Dann ließen sie den Gelähmten auf seiner Matte durch das Loch hinunter. Als Jesus es sah, wurde er zornig und sagte zu ihnen: ‚Ihr Störenfriede! Was untersteht ihr euch. Einen Riesenlärm zu machen. Ein Dach zu zerstören. Und überhaupt: Seht ihr nicht, dass ich gerade beschäftigt bin? Ich predige gerade und verkünde die Botschaft von Gottes Reich. Weg mit euch, ich habe keine Zeit für euch; momentan bin ich beschäftigt.’ “</p>
<p>Liebe Gemeinde, wie ist das für uns, wenn wir uns mit einem Anliegen an Gott wenden? Wenn wir ihn um etwas bitten – für uns selbst, für andere, für die Welt, in der wir leben. Haben wir das Gefühl: Er hört mich, sieht mich, lässt sich gar anrühren von dem, was ich ihm sage? Oder haben wir manchmal eher das Gefühl: Er hat doch sicherlich Besseres zu tun, als sich um mich und mein Anliegen zu kümmern. Ich bin doch nicht wichtig genug, auch kein Glaubensheld – wieso sollte der große und erhabene Gott sich ausgerechnet um mich kümmern?</p>
<p>Ich habe oft den Eindruck: Neben Vertrauen, Glauben, Hoffnung und Ahnung beherrscht uns auch immer wieder eine Angst; nämlich die Angst, dass wir Gott nicht wichtig genug sind. Diese Angst ist bedrohlich: Geht es dabei doch letztlich um Sein oder Nichtsein. Denn wenn sich nicht einmal Gott für mich interessiert, er, der Grund und Ziel des Lebens ist – was bleibt dann noch? Die biblische Geschichte sagt uns demgegenüber zu: Wir sind Gott nicht gleichgültig, er lässt sich berühren. Jesus lässt sich unterbrechen von den vier Männern, die den Gelähmten zu ihm hinunterlassen. Er wendet sich ihnen zu. Nicht einmal ihre Hartnäckigkeit schreckt ihn ab; im Gegenteil: Er spricht sie darauf an. Er sagt gerade nicht: Ihr dürft mich nicht stören, sondern er spricht sie auf ihr Vertrauen, auf ihren Glauben an. Damit ist hier kein vollendetes Christusbekenntnis gemeint, sondern Jesus spricht die Vier auf die Kraft an, die sie zu diesem ungewöhnlichen Weg getrieben hat: auf ihre leise Ahnung, dass er ihrem Freund Hilfe und Heilung bringen kann; auf ihre Hoffnung, dass es ihrem Freund dann besser gehen wird; vielleicht ja auch auf ihre hilflose oder zornige Verzweiflung, die sie diesen Weg hat nehmen lassen, einfach weil sie das Leiden ihres Freundes nicht mehr ertragen können. Jesus lässt sich unterbrechen und anrühren. So zeigt uns die biblische Geschichte: Gott lässt sich anrühren. Wir und unser Ergehen sind ihm nicht gleichgültig. Wir dürfen sogar mit der Tür ins Haus fallen. Was wäre wohl geschehen, wenn die biblische Geschichte von der Heilung des Gelähmten anders gelaufen wäre? Hören wir schließlich noch einen dritten Ausgang der biblischen Geschichte. Setzen wir dazu an der Stelle ein, als der Gelähmte durch’s Dach gelassen wird.</p>
<h4>III.</h4>
<p>„Sie ließen den Gelähmten auf seiner Matte durch das Loch hinunter. Als Jesus sah, wie groß ihr Vertrauen war, sagte er zu dem Gelähmten: ‚Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!’ Und der Mann stand auf, nahm seine Matte und ging vor aller Augen weg. Da waren sie aller außer sich. Endlich waren sie auch einmal dabei gewesen. Endlich hatten sie auch einmal ein Wunder gesehen. Gehört hatten sie davon ja schon oft: Dieser Jesus ist ein Wunderheiler, ein richtiges Phänomen. Aber dass sie nun selbst dabei sein konnten! Wenn sie das ihren Nachbarn erzählten! Die würden neidisch sein. Endlich einmal etwas Spannendes, das in ihrem Leben passiert. Sie hatten ein richtiges Wunder erlebt! Und so freuten sie sich und sagten: ‚So etwas haben wir noch nie erlebt!’ “</p>
<p>Liebe Gemeinde, vermutlich wäre etwa in dieser Art der erwartete Gang der Geschichte gewesen – so wie ich es eben erzählt habe. Ein Gelähmter wird zu Jesus gebracht, und Jesus heilt ihn. Alle gehen glücklich nach Hause, weil sie Zeuge eines Spektakels waren, etwas Großes gesehen haben, ein echtes Wunder. Umso erstaunlicher das Verhalten Jesu in der biblischen Geschichte, der echten Geschichte. Er spricht dem Gelähmten die Vergebung seiner Sünden zu. Dabei will dieser doch geheilt werden und wieder gehen können. Doch hinter der äußeren, körperlichen Not sieht Jesus die innere Not, die noch viel tiefer ist: die Trennung des Menschen von Gott. Nicht dass der Gelähmte viel gesündigt hätte und deshalb zuerst die Vergebung seiner Sünden benötigte, damit er überhaupt geheilt werden kann – das wird nicht berichtet und darum geht es nicht. Im Blick sind hier nicht einzelne Sünden, Vergehen von Menschen, sondern es geht um etwas viel Grundsätzlicheres: darum, dass Menschen, der Mensch, von Gott getrennt ist, die Urerfahrung des Menschen, wie sie sich in der Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies verdichtet hat. Aus dieser Gottferne holt Jesus den Gelähmten zurück, heim in die Gemeinschaft mit Gott, indem er ihm Sündenvergebung zuspricht. Damit bekommt nun auch das Heilungswunder eine neue Qualität: Jesus veranstaltet hier nicht einfach ein Spektakel, sondern mit der Heilung demonstriert er den Gesetzeslehrern seine Vollmacht; als Zeichen dafür, dass er wirklich von Gott kommt und die Vollmacht hat, Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zurückzubringen – als Zeichen dafür heilt er den Gelähmten. Die körperliche Heilung ist hier gleichsam ein Beiwerk zur Sündenvergebung zu Demonstrationszwecken, ein Beiwerk zur Seelenheilung, zur Heimholung des Menschen in die Gemeinschaft mit Gott.</p>
<p>Liebe Gemeinde, die Erzählung über die Heilung des Gelähmten ist eine bekannte Geschichte. Trotzdem ist sie auch immer wieder erstaunlich und faszinierend. Sie ist eine Geschichte von menschlicher Hartnäckigkeit, von Jesus, der sich stören und berühren lässt und schließlich und vor allem von Jesu Vollmacht, Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zurückzuholen. Dass wir dies auch in unserem Leben immer wieder erfahren dürfen, wünsche ich uns.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Hilfe vor Ort ist gefragt</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/09/hilfe-vor-ort-ist-gefragt/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 05:58:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Samariter]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Mensch – so erzählt es Jesus – ging von Jerusalem nach Jericho, eine Strecke von rund 27 Kilometern, wofür er ca. sechs Stunden damals brauchte. Der Weg führt durch den Wadi Kilt, eine lange, steile Schlucht in der Gebirgswüste Judas. In den Felsenhöhlen dieser Schlucht verbargen sich oft jüdische Widerstandskämpfer, die Soldaten der römischen Besatzungsmacht aus dem Hinterhalt überfielen. Aber sie überfielen hin und wieder auch, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, Durchreisende und nahmen ihnen Nahrungsmittel oder Wertgegenstände ab. Diese Widerstandskämpfer bezeichnet das Neue Testament als „Räuber“, weil räuberisches Handeln zu ihrer Lebensweise gehörte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>(Lesung des Predigttextes in einer modernen Übersetzung, z.B. die Übertragung von Luise Schottroff, s.o.)</p>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Die Beispielgeschichte, die wir eben in einer modernen Übertragung gehört haben, ist wohl eine der bekanntesten Geschichten Jesu. Worum geht es? Ein Mensch – so erzählt es Jesus – ging von Jerusalem nach Jericho, eine Strecke von rund 27 Kilometern, wofür er ca. sechs Stunden damals brauchte. Der Weg führt durch den Wadi Kilt, eine lange, steile Schlucht in der Gebirgswüste Judas. In den Felsenhöhlen dieser Schlucht verbargen sich oft jüdische Widerstandskämpfer, die Soldaten der römischen Besatzungsmacht aus dem Hinterhalt überfielen. Aber sie überfielen hin und wieder auch, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, Durchreisende und nahmen ihnen Nahrungsmittel oder Wertgegenstände ab. Diese Widerstandskämpfer bezeichnet das Neue Testament als „Räuber“, weil räuberisches Handeln zu ihrer Lebensweise gehörte.</p>
<p>Jesus erzählt nun, dass ein jüdischer Mann diesen Weg von Jerusalem nach Jericho ging und dabei Räubern in die Hände fiel. Sie nahmen ihm alles ab, was er hatte. Er hat sich offenbar gewehrt, denn sie gingen gegen ihn mit Gewalt vor und ließen den halbtoten Mann in der heißen Sonne liegen. Der Überfall scheint noch nicht lange her zu sein, denn es kommt ein Priester des Weges. Er hat am frühen Morgen in Jerusalem beim Gottesdienst mitgewirkt, was ja auch seine Aufgabe ist. Er sieht den halbtoten Menschen liegen, hilft ihm nicht, sondern geht einfach weiter. Dann kommt ein Levit vorbei, ein Tempelbediensteter, der im Gottesdienst in Jerusalem vielleicht als Sänger oder Musiker mitgewirkt hatte. Auch er sieht diesen Halbtoten am Boden, auch er kümmert sich nicht und geht weiter. Jesus erzählt nicht, warum diese beiden sich so verhalten haben. Versuchen wir, uns in diese beiden hineinzuversetzen. Hielten sie den Mann für tot? Dann wäre es ihre religiöse Pflicht gewesen, ihn zu beerdigen. Oder wollten sie sich durch den Schwerverletzten nicht verunreinigen? Dann hätten sie ebenfalls lieblos gehandelt. Oder waren sie einfach nur Angsthasen, die so schnell wie möglich die Schlucht verlassen wollten, weil sie ja wussten, wie gefährlich dieser Weg ist? Haben sie gedacht: es kommen ja bestimmt noch viele Leute aus Jerusalem vorbei, die dem Mann helfen könnten? Jesus verrät uns nicht, warum sich die beiden so verhielten. Er stellt einfach fest: Priester und Levit – zwei Vertreter des jüdischen Glaubens gehen an der konkreten Not dieses Schwerverletzten vorbei. – Und wie ist es dem Mann am Boden ergangen? Er liegt da, halbtot, in der Sonne, er nimmt vielleicht in einem Halbkoma verzweifelt wahr, wie Priester und Levit weiterziehen. Er hat starke Schmerzen, kann sich aber nicht äußern. Und dann der Helfer, im Halbkoma erkennt er die Kleidung noch, es ist ein Samariter. Samariter und Juden waren verfeindet. Denn die Juden warfen den Samaritern vor, Gott nicht richtig anzubeten, Falsches über Gott zu lehren und nicht richtig zu glauben. Doch der Samariter kommt nicht in feindlicher Absicht, sondern in karitativer. Er hat kein Messer in der Hand, sondern eine Flasche mit Öl und eine Flasche mit Wein, um die Wunden zu reinigen und zu desinfizieren. Dann verbindet er die Wunden mit Tüchern. Er gibt dem Juden zu trinken, denn man hat immer Wasser bei sich, wenn man durch die Wüste zieht. Schließlich hebt er ihn vorsichtig vom Boden auf seinen Esel und reitet mit ihm zur nächsten Herberge. Um dem verletzten Juden einen anstrengenden Ritt zu ersparen, mietet der Samariter für den Verletzten ein Zimmer, und bezahlt die anstehenden Kosten dem Wirt im Voraus und reitet schließlich weiter. Hier endet die Geschichte.</p>
<p>Warum hat sie Jesus erzählt? Die Geschichte Jesu will keine Moralpredigt sein, mit der er sagen will: Hilf einem Menschen, wenn er in Not ist! Darum geht es nicht. Vielleicht haben Sie es beim Hören der Geschichte bemerkt: in dieser Geschichte sind fast alle wichtigen religiösen Gruppen der damaligen Zeit genannt: Ein Schriftgelehrter, ein Kenner der Heiligen Schrift, der die Bibel lebensnah auslegen soll, stellt Jesus auf die Probe und fragt, wie man das ewige Leben bei Gott gewinnen kann. Und dann sind da die „Räuber“, also eine Gruppe von Zeloten, religiöse Widerstandskämpfer, die das Reich Gottes auf Erden mit militärischer Gewalt erreichen wollten. Und da werden Priester und Levit genannt, die Vertreter des Jerusalemer Tempelgottesdienstes. Und schließlich noch ein Samariter, der in den Augen der Juden nicht nur ein Fremder, sondern auch noch ein Ketzer war. Das Problem, um das es hier geht, ist also kein moralisches. Die Hauptfrage, um die es hier geht, ist eine religiöse: Der Schriftgelehrte fragt Jesus: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Ich könnte auch diese Frage etwas anders formulieren: Meister, wie diene ich Gott richtig, um ins ewige Leben einzugehen? Jesus weist den Schriftgelehrten auf die Botschaft des Alten Bundes hin. Und dieser nimmt den Ball Jesu auf und antwortet: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus bejaht diese alttestamentliche Botschaft. Mit der Gottesliebe und der Nächstenliebe ist Gottes Wille umfassend wiedergegeben.</p>
<p>Vergessen wir nicht die Ausgangsfrage nach dem ewigen Leben, also wie man Gott recht dient, um vor ihm bestehen zu können. Die Stichworte „Gottesliebe“ und „Nächstenliebe“, wollen Gottes Willen zum Ausdruck bringen. Und Jesus fordert uns nicht dazu auf, uns mit Taten der Gottes- und Nächstenliebe das ewige Leben zu verdienen. Diese Geschichte ist im Kontext des ganzen Evangeliums zu sehen. Gottes Gnade ist es, die uns Menschen das ewige Leben verheißt, nicht aber unsere Leistungen in der Gottes- und Nächstenliebe. Wenn ich Gott wirklich liebe, dann werde ich auch seinen Willen tun und dieser Wille heißt in der von Jesus beschriebenen konkreten Situation in der Schlucht des Wadi Kilts: Kümmere dich um diesen Menschen, der dich braucht. Frage nicht eingrenzend wie der Schriftgelehrte: Wer ist denn mein Nächster? Sondern vielmehr: Wem bin ich der Nächste? Davon wird im zweiten Teil der Geschichte anschaulich gesprochen. Ein Samariter wird einem Juden zum Nächsten, als er an der Not dieses ausgeraubten, halbtoten Menschen nicht achtlos vorübergeht. Die Juden lehnten die Samariter wegen ihrer heidnisch beeinflussten Theologie (vgl. 1. Könige 17, 24ff) und Glaubenspraxis ab. Ausgerechnet einen solchen Menschen wählt Jesus als Beispiel dafür aus, um zu zeigen, was es bedeutet, den Willen Gottes zu tun. Es geht nicht darum, dass Gottes Barmherzigkeit verkündigt wird, dass über sie gesprochen wird, sondern dass man mit der konkreten Tat Gottes Barmherzigkeit weitergibt. Der Samariter hat das verstanden, obwohl er in den Augen der Juden nicht glaubte. Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Gottesdienst, gehören eng zusammen. Der Samariter hat das begriffen, nicht die „amtlichen“ Vertreter der jüdischen Religion. Wenn wir dann noch bedenken, dass Samariter und Juden verfeindet waren, dann gibt uns Jesus mit dem Verhalten des Samariters zugleich ein eindrückliches Beispiel von Feindesliebe, die ja die letzte Konsequenz der Nächstenliebe ist.</p>
<p>Liebe Gemeinde, wir haben die Situation mitbedacht, in der Jesus diese Geschichte erzählte. Wir haben gesehen, dass Jesus nicht Moral verkündigen wollte, etwa nach dem Motto: Hilf einem Menschen, wenn er in Not ist! Vielmehr geht es ihm um die Frage nach dem rechten Gottesdienst. Seine provozierende Aussage ist: religiöse Gruppen, die für sich in Anspruch nehmen, Gott recht zu dienen, tun es faktisch nicht. Die militanten Zeloten verbreiten wie religiöse Fanatiker heute Terror, Schrecken und Leid. Priester und Levit meinen zwar, Gott recht zu dienen, tun es aber auch nicht, wenn sie sich der Not ihres Nächsten verschließen. Umgekehrt hat der in den Augen der rechtgläubigen Juden ketzerische Samariter begriffen, worauf es ankommt. Bei ihm klaffen Gottesliebe und Nächstenliebe nicht auseinander. Wo Gottesliebe und Nächstenliebe zusammentreffen, da dienen wir Gott. Diese Beispielgeschichte will uns vor Einseitigkeiten bewahren. Es ist wichtig, dass wir Menschen unseren Glauben nicht verkümmern lassen, sondern ihn mit dem Gottesdienstbesuch, mit unserem Gebet, mit dem Lesen der Bibel allein oder in der Gemeinschaft pflegen. Doch sollten wir uns immer wieder kritisch fragen, warum wir das tun. Spüren andere Menschen, dass Gottes Liebe aus uns liebevolle Menschen gemacht hat? Doch auch das Andere will bedacht sein: Christen, die ein „praktisches Christentum“ vertreten, das sich in der Nächstenliebe und in sozialem Engagement äußert, müssen sich immer wieder fragen, wodurch wir Menschen denn überhaupt praktische Nächstenliebe üben. Können wir das aus eigener Kraft? Welche Kraft ist es, die uns dabei stark macht, Menschen, ihren Nächsten oder gar ihren Feind zu lieben? Nach der Botschaft Jesu ist es die Erfahrung von Gottes Liebe, die uns Menschen zur Nächstenliebe fähig macht. Jesus ruft uns – auch durch diese Beispielgeschichte vom barmherzigen Samariter zur Gottes- und Nächstenliebe auf. Doch er überfordert uns nicht, denn er setzt eine Kraftquelle voraus, die aus uns liebevolle Menschen macht. Und diese Quelle ist Gottes Menschenliebe. Wir antworten auf Gottes Liebe zu uns mit unserer Liebe zu Gott. Gottesliebe und Nächstenliebe sind nach Jesus untrennbar, wie beide Seiten derselben Medaille.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Ist Jesus der Samariter für uns?</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/09/ist-jesus-der-samariter-fur-uns/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 11:58:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Samariter]]></category>

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		<description><![CDATA[Predigt

Liebe Gemeinde!

„Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Aufatmen könnt ihr und frei sein!“ Mit diesen Worten lädt Jesus bis heute Menschen ein. Unzählige Christen sind zu ihm gekommen und gehen mit ihm. Viele haben ihn abgelehnt und folgen eigenen Zielen. Viele haben Jesu Worte gehört oder gelesen und ringen darum, ob sie die Einladung einnehmen wollen oder nicht? Zu solchen Zweiflern gehört auch der Schriftgelehrte im Gleichnis Jesu vom barmherzigen Samariter.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><strong>Predigt</strong></h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>„Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Aufatmen könnt ihr und frei sein!“ Mit diesen Worten lädt Jesus bis heute Menschen ein. Unzählige Christen sind zu ihm gekommen und gehen mit ihm. Viele haben ihn abgelehnt und folgen eigenen Zielen. Viele haben Jesu Worte gehört oder gelesen und ringen darum, ob sie die Einladung einnehmen wollen oder nicht? Zu solchen Zweiflern gehört auch der Schriftgelehrte. Er hat zuviel von Jesus gehört, gesehen und begriffen, um von ihm nicht fasziniert zu sein. Bis heute geben ja fast alle religiösen Menschen auf der Erde zu, daß Jesus außerordentlich von Gott inspiriert war. Aber gleichzeitig war in ihm als Juden der Zweifel gewachsen, ob Jesus so als Messias und Gottes Sohn auftreten, predigen, heilen und die Gebote auslegen darf? Der Schriftgelehrte hat seit Jahrzehnten jeden Tag das Alte Testament intensiv studiert. Kann ein Nicht-Studierter aus der Provinz ihn überzeugen, der verheißene Messias zu sein? Der Schriftgelehrte gleicht darin übrigens ganz dem modernen Menschen der Postmoderne, der mit Dauerreflexion alles relativiert und sich nicht entscheiden kann. Um zu einer Lösung zu kommen, will er Jesus eine entlarvende Fangfrage stellen. Er will Jesus &#8211; wenn möglich &#8211; eine Maske vom Gesicht reißen. Oder aber er will sich von Jesus überzeugen lassen. Seine harmlos erscheinende Frage hat es wirklich in sich! Sie ist so geschickt gewählt, daß sie auch den Papst und jede/n Theologie-Professor/in in Verlegenheit bringen kann: Was muß ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Mit anderen Worten: Wie muß ich leben, damit mein Leben gelingt und ich in Ewigkeit vor Gott bestehen kann? Er fragt damit nach dem Sinn des Lebens, nach Gottes Gericht und Vergebung, nach dem ewigen Leben und den richtigen Entscheidungen an jedem Tag. Der Schriftgelehrte weiß aus Erfahrung, daß Jesus verloren wäre, wenn er sich darüber auf eine Diskussion einlassen würde. Er weiß: Es gibt zwar Fragen, die man klar beantworten kann. Zum Beispiel: Wie heißt das erste Gebot? Wie komme ich am schnellsten zum Bahnhof? Es gibt aber auch Endlos-Fragen ohne klare Lösung, über die man immer wieder neu diskutieren kann.</p>
<p>Der Schriftsteller Thomas Mann hat sie in seinem Werk: Joseph und seine Brüder im Gespräch von Joseph mit dem Pharao so beschrieben: „Es gibt Fragen von der schönen Art, daß sie sich nicht lösen lassen, so daß ihrer Betrachtung kein Ende gesetzt ist. Das Gespräch darf nicht entschlummern, .sondern man wünscht, daß es weiter gehe und zu fernerer Wahrheit führe. Eine Wanderung ist es ins Ewige.“ Beim Gespräch unter Freunden kann jeder von uns unbeschreiblich erhebend erfahren, daß uns diese Fragen zu Gott erheben können! Dieselben Fragen aber werden immer wieder von Kritikern benutzt, um unseren Glauben zu bespötteln und lächerlich zu machen. Übrigens: Nicht zu den Endlos-Themen gehört die Frage: was war zuerst da? Huhn oder Ei? Es gab einen Evolutions-Sprung. Danach haben sich Tiere durch Eier vermehrt! Zu den echten Endlos-Themen gehören z.B. die Fragen: Warum ist überhaupt etwas, warum ist nichts? (Aristoteles) Sind wir heimatlose Waisenkinder inmitten eines sinnlosen Weltalls oder sind wir gewollt erwünscht von einem gütigen Schöpfer?(Monod und Camus ) Welches Ziel hat die ganze Evolution des Lebens? (Teilhard de Chardin mit positivem, Dawkins mit negativem Ziel) Warum gehorcht die ganze Natur mathematischen Gesetzen? (Heisenberg) Gibt es die Willensfreiheit für den Menschen, da wir aus Materie bestehen? Ist der Mensch nach Gottes Idee und Plan entstanden oder ist Gott nach der Idee der Menschen entstanden? (Feuerbach) Warum läßt Gott soviel Böses zu? Warum lassen wir Menschen soviel Böses zu? (Hiob)- Gibt es ein Leben nach dem Tod? – Ist die Erde eher ein feindlicher oder ein freundlicher Ort? (Einstein), usw. &#8211; Die Frage des Schriftgelehrten: &#8220;Was muß ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe&#8221;, faßt in gewisser Weise die endlosen Grübel-Themen konzentriert zusammen.</p>
<p>Wenn Jesus die Frage nicht überzeugend lösen kann, denkt der Schriftgelehrte, ist Jesus nicht von Gott und ich kann ihn in Zukunft links liegen lassen. Jesus aber durchschaut die Falle und reagiert unglaublich souverän: Er beantwortet die Frage mit einer Gegenfrage, nicht mit einer ablenkenden rhetorischen Frage, sondern mit der entscheidenden: Welche Antwort gibt uns die Bibel? – Weil sich der Pharisäer nicht von einem Nicht-Studierten belehren lassen will, läuft er zu geistiger Hochform auf und bringt als erster Gläubiger zwei Gebote aus dem Alten Testament zusammen. Er bringt damit die Ethik der Bibel wunderbar auf den Punkt: Du sollst Gott lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst! Zu seiner Verblüffung stimmt Jesus ohne wenn und aber zu und fügt hinzu: Tu das, so wirst Du leben! Mit anderen Worten: Wenn Du das machst, dann wird Dein Leben gelingen und Du kannst in Ewigkeit vor Gott bestehen! Jesu klare einfache Antwort ist gleichzeitig ein Beispiel für seine einfühlsame Seelsorge: Indirekt, ohne ausführliche Erläuterung macht er dem Gelehrten deutlich: Du Theoretiker und intellektueller Eierkopf! Begreife es doch! Für manche Menschen wäre mehr Bibelstudium sehr gut! Aber Du entfernst dich durch Dein fanatisches Grübeln über die Bibelworte immer mehr von der Bibel, von Gottes Willen und Deinen Mitmenschen. Die Liebe kann nicht nur in Gedanken bestehen! Zu jeder Liebe gehören auch Taten! Habe ein Herz für die Notleidenden und Du findest Gott und Dich selbst und das ewige Leben! Du kennst doch selbst genügend Beispiele, daß Menschen voll Zweifel und Verzweiflung neuen Lebensmut bekamen, nachdem sie sich sozial engagierten für die Menschen in Not, für ihre Nächsten! Man spürt wie der Gelehrte bei dieser Aufforderung einen Augenblick überrascht innehält. Als trainierter Denkspezialist aber weiß er, daß man mit Vernunft alles beliebig relativieren kann. Deswegen kontert er elegant: Wer ist denn mein Nächster? Jesus, wenn ich mich für meine Familie und meine Freunde einsetze, tue ich nichts besonderes! Das machen auch Verbrecher und Mafia-Gangster. Wenn ich aber mich für alle Notleidenden auf der Welt einsetzen soll, ist das doch klar eine totale Überforderung und Illusion!</p>
<p>Wieder bringt Jesus die Sache auf den Punkt. Er erzählt die bekannte Geschichte vom Menschen, der überfallen und ausgeraubt wurde und dann zusammengeschlagen hilflos und verzweifelt am Straßenrand liegt. Ein Priester und ein Kirchendiener gehen vorbei, ein ausländischer Feind aber erbarmt sich des Halbtoten. Dieser grübelt nicht darüber nach, ob er zuständig ist. Er läuft auch sonst nicht wie ein Weihnachtsmann mit Geschenke-Sack durch die Welt. Aber da wo Not am Mann ist, erbarmt er sich. Das hebräische Wort „ sich erbarmen“ hat übrigens die selbe Wurzel wie Mutterleib und Eingeweide als Sitz des zarten Mitgefühls. Das weist darauf hin, daß der Samariter sich nicht mit dem Kopf und Verstand für seinen Feind einsetzt, sondern aus dem Bauchgefühl und mit Intuition. Die innere Stimme überredet ihn, in dem schmerzerfüllten Feind seinen Menschenbruder zu sehen. Wo ein Mensch so konkret in Not ist, wird Nächstenliebe alarmiert zu retten und alles zum Guten zu wenden. Jesu Gleichnis ist so überzeugend, daß der Gelehrte jetzt ohne Wenn und Aber begriffen hat, was Nächstenliebe ist. Aber hat Jesus nicht doch von dem eigentlichen Anliegen des Pharisäers abgelenkt? Er wollte doch eigentlich genau wissen, wer Jesus ist? Ob er angekündigte Retter ist, durch den wir das ewige Leben bekommen?</p>
<p>Wer lange über das Gleichnis nachdenkt erlebt Merkwürdiges: Jesus erzählt vom Barmherzigen Samariter, aber er handelt genau wie der. Er stellt alle Niedergeschlagenen wieder auf die Beine, die seine Hand ergreifen. Er verbreitet Nächstenliebe und die heilende Kraft Gottes. Er ist laut Kirchenvater Ambrosius selbst der ewige Samariter für uns: „ Als der barmherzige Samariter bringe Du, mein Heiland mich zur Herberg und Ruh. Der Du an getan die Barmherzigkeit sei unser Helfer unser Mittler allezeit.“ Wenn man noch genauer hinsieht, spürt, daß Jesus als feinfühliger Seelsorger den Schriftgelehrten in Gedanken ganz in sein Gleichnis hineinziehen will. Fein und indirekt sagt er dem Pharisäer: Du hörst Dir mein Gleichnis an, aber Du bist doch selbst auf Deine Weise unter die Räuber gefallen. Es sind nicht böse Räuber, aber Deine ewigen quälenden Fragen rauben Dir Deine Seelenruhe und innere Mitte. Innerlich zerrissen liegst Du geschlagen auf Deinem Lebensweg. Priester und Diener der Religion gehen an Deinen Fragen vorbei. Aber ich, Jesus, für Dich wie der Samariter ein Fremder, bin für Dich da! Ich bin der barmherzige Samariter für Dich! An das eigentliche Ziel kommt das Gleichnis, wenn Jesus für uns zum Barmherzigen Samariter wird. Das ist die Absicht von Jesus heute! Was das zum Beispiel heute bedeutet, kann man zum Schluß mit der modernen Psychologie ganz kurz so beschreiben: Nach Fritz Riemann hat jeder Mensch vier Pole in seiner Seele, aber einen Schwerpunkt: Wir sind entweder in erster Linie Ordnungs- oder Freiheits-Typen, entweder Nähe- oder Distanz-Typen. Wenn wir das einseitig betonen, fallen wir uns gegenseitig auf den Wecker. Jesus hilft uns unser heilsame Mitte zu finden: Der zu gewissenhafte pedantische Ordnungstyp wird durch Jesus gelassener und spontaner. Der oft unzuverlässige und chaotische Freiheitstyp bekommt durch Jesus Regeln für seinen Lebensweg. Wer zu kühl und distanziert ist, bekommt Freude an herzlicher Nähe zu anderen. Und der Nähe-Typ, der nur für andere lebt und sie dabei klammert, hört von Jesus, daß er auch sich selbst lieben darf. So und auf noch andere Weise ist Jesus der barmherzige Samariter für uns. Er ruft uns auch heute zu: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! Aufatmen könnt ihr und frei sein!“</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>&#8220;Ich muss ihm doch helfen, es tut ihm weh&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 17:35:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Samariter]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen Jerusalem und Jericho liegt der Weg der Barmherzigkeit. „Er jammerte ihn.“ Das ist die Begründung, weswegen der Samariter hilft. Er lässt sich die Not des am Boden Liegenden zu Herzen gehen. Er hat Mitleid mit einem Geschundenen, beugt sich nieder und hilft ihm auf. Das wünschen wir uns auch, dass uns einer hilft, wenn wir am Boden liegen. Das wünschen wir uns auch, dass sich einer zu uns hernieder beugt, wenn wir unten sind. Das wünschen wir uns auch, dass sich jemand um unsere Not kümmert, wenn alle anderen vorüber gegangen sind. Das müsste doch das Selbstverständlichste von der Welt sein, dass dem, wenn einer verletzt am Boden liegt, sofort geholfen wird, sobald es ein Mensch merkt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<p>Zwischen Jerusalem und Jericho liegt der Weg der Barmherzigkeit. „Er jammerte ihn.“ Das ist die Begründung, weswegen der Samariter hilft. Er lässt sich die Not des am Boden Liegenden zu Herzen gehen. Er hat Mitleid mit einem Geschundenen, beugt sich nieder und hilft ihm auf. Das wünschen wir uns auch, dass uns einer hilft, wenn wir am Boden liegen. Das wünschen wir uns auch, dass sich einer zu uns hernieder beugt, wenn wir unten sind. Das wünschen wir uns auch, dass sich jemand um unsere Not kümmert, wenn alle anderen vorüber gegangen sind. Das müsste doch das Selbstverständlichste von der Welt sein, dass dem, wenn einer verletzt am Boden liegt, sofort geholfen wird, sobald es ein Mensch merkt. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Eine junge Frau ist auf dem Wege nach Hause. Da wird sie plötzlich in eine Seitenstraße gedrängt. Ein Mann ist ihr gefolgt, er zerrt an ihr, die Frau ruft um Hilfe. Die Straße ist voll, Passanten gehen auf und ab, scheren sich nicht um die Hilferufe. Einige drehen sich um, sind verunsichert, gestehen dem Mann ein gewisses Recht zu, auf diese Art und Weise mit einer Widerspenstigen zu verfahren. Womöglich ist sie seine Frau. Bei Familienstreitigkeiten mischen sie sich nicht ein, und ziehen ihres Weges. Am helllichten Tag auf offener Straße ereignen sich Verbrechen. Obwohl sie bemerkt werden, greifen die wenigsten ein, sie helfen nicht und holen keine Hilfe, sehen weg und gehen weiter. Jammert es sie nicht, wenn ein Mensch zum Opfer wird? Haben sie denn kein Herz? Die Motive der unterlassenen Hilfeleistung sind unterschiedlich: Helfen zahlt sich nicht aus. Wer hilft, könnte selbst zu Schaden kommen. Es besteht die Angst, selbst in eine gefährliche Situation hineingezogen zu werden oder Unannehmlichkeiten zu bekommen. Und das gibt es auch: Da bleiben Leute stehen, nicht um zu helfen, sondern um zu zusehen, wie einer verprügelt wird. Sie spenden Beifall, weiden sich an seinem Unglück, lästern verächtlich und schmähen die Opfer.</p>
<p>„Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ &#8211; Um nichts Geringeres als um das ewige Leben geht es in dieser Beispielgeschichte, die Jesus erzählt. Ein Schriftgelehrter, einer, der sich auskennt mit dem heiligen Gesetz Gottes und sich ein Leben lang damit beschäftigt, tritt an Jesus heran, um ihn auf die Probe zu stellen. Der Schriftgelehrte ist nicht interessiert an einer Antwort, die weiß er selber. Er will vielmehr prüfen, ob Jesus sich auf dem Boden der Rechtgläubigkeit befindet, oder ob er eine neue Lehre vertritt, die mit dem rechten Glauben des Judentums nicht vereinbar ist. Der Schriftgelehrte stellt die Frage aus einer unerschütterlichen Sicherheit heraus und erhebt sich über Jesus. Er hält sich für fähig und befugt, Jesus zu befragen, um hinterher sein Urteil über ihn abzugeben. Das Ziel ist eindeutig: Er will ihn überführen. Die Frage, die eine Überprüfung ist, ist nicht wertneutral und schon gar keine naive Frage. Der Schriftgelehrte bewegt sich auf sicherem jüdisch-theologischen Fundament. Er erkennt ewiges Leben als dem Menschen von Gott zugedachtes Erbe und erkundigt sich bei Jesus, was er dafür tun muss, damit er es erhält.</p>
<p>Jesus antwortet mit einer Gegenfrage. „Was liest du im Gesetzt Gottes?“ Der Kenner der Tora soll selbst die Antwort geben. Die geplante Überführung misslingt. Die Antwort, die Jesus gibt, ist die gleiche, die im Gesetz steht. Der Schriftgelehrte braucht sie nur laut zu sagen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Jesus lässt den Schriftgelehrten die Worte des Gesetzes wiederholen. Er fordert ihn dadurch auf, das Gesetz Gottes, die Tora, ernst zunehmen. Unversehens ist aus dem selbstsicheren inquisitorisch fragenden Schriftgelehrten ein Mann geworden, der durch das bisher so sicher gehandhabte Gesetz in Frage gestellt wird. Das ewige Leben ererbt, wer Liebe übt, gegenüber Gott, gegenüber den Nächsten, gegenüber sich selbst. Es ist nichts Neues, was Jesus lehrt, es ist das Alte und Bekannte, was er von jedem persönlich fordert. Jesus bekräftigt die Tora und bestätigt die Antwort des Schriftgelehrten. Jeder fromme Jude kennt das Gebot, das Höre-Israel-Gebet, das Sch’ma Israel: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller deiner Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst“. Jeder fromme Jude betet es zweimal am Tag. Jesus führt dem Schriftgelehrten die Weisung des Sch&#8217;ma Israel persönlich vor Augen. Er stimmt seiner Antwort zu: „Du hast recht geantwortet. Tu, wie das Gebot es lehrt und du wirst leben.“ Jetzt wird es schwierig für den Schriftgelehrten. Plötzlich haben sich die Seiten verkehrt. Nicht mehr Jesus steht auf dem Prüfstand, sondern der Schriftgelehrte. Die Gebote Gottes kommen ihm ganz nah, zu nah. Die Last der heimlichen Verzweiflung, die über dem Leben eines gesetzestreuen Judentums liegt senkt sich auf den Schriftgelehrten (Gollwitzer, Die Freude Gottes, 9. Auflage, S. 140). Es ist die Sorge eines frommen Juden, nicht genau und genug das Gesetz Gottes zu befolgen. Noch versucht der Schriftgelehrte auszuweichen. Bei den vielfältigen rabbinischen Gesetzesauslegungen mit ihren z. T. äußerst detaillierten Erklärungen und Regelungen hält er eine letzte Frage, ohne sein eigentliches Ansinnen preiszugeben, für legitim: „Wer ist denn mein Nächster?“ Heuchlerisch wirkt diese Frage. Glaubt er, Jesus durch diese Frage doch noch in die Enge zu treiben und selbst einen Unterschlupf in dem Gewirr theologischer Auslegung zu finden? Jesus antwortet wie so oft mit einem Gleichnis oder einer Geschichte. Die Beispielgeschichte ist zweifellos vorstellbar. Sie endet mit einer Frage Jesu an den Schriftgelehrten. Wieder wird dieser in die Pflicht genommen. “Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste dem gewesen, der unter die Räuber fiel?“ Der Schriftgelehrte kann gar nicht anders antworten als: „Der die Barmherzigkeit an ihm getan hat“, wobei er sich so sehr von dem Samariter distanziert, dass er noch nicht einmal das Wort „Samariter“ in den Mund nimmt. Er will einfach mit so einem Menschen absolut nichts zu tun haben und auch nicht verglichen werden.</p>
<p>Der Evangelist Lukas lässt Jesus die Frage verschachtelt und umständlich formulieren. Sie lautet nicht, wie der Schriftgelehrte sie an Jesus herangetragen hat: „Wer ist mein Nächster?“, sondern Jesus wandelt die Frage um: “Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste dem gewesen, der unter die Räuber fiel?“ Das heißt: Wer ist dem Überfallenen zum Nächsten geworden? Jesus verändert damit die Perspektive. Nicht demjenigen, dem geholfen wird, wird nicht in den Blick genommen, sondern der Helfer. Auch hier bei der zweiten Frage, die Jesus ihm stellt, antwortet der Schriftgelehrte richtig. Ebenso folgt Jesu Bestätigung und fordert ihn auf: „Geh hin und tue desgleichen“. Zweimal in diesem Bibelabschnitt fordert Jesus den Schriftgelehrten auf, dem Liebesgebot nachzueifern. Was der Schriftgelehrte damit anfängt, erfahren wir nicht. Jedenfalls geht er nicht traurig weg, wie der reiche Jüngling. Die Diskussion, ob Jesus sich in der rechten jüdischen Lehre bewegt, ist vorerst beendet.</p>
<p>Was fangen wir mit der Beispielgeschichte an? Welche Ausreden haben wir, wenn es darum geht, dass wir achtlos an einem offensichtlich Hilfsbedürftigen vorüber gegangen sind? Keine Zeit? – Was gehen mich die Probleme der anderen an? – Mir hilft auch keiner? – Jeder ist sich selbst der Nächste? – Selbst Schuld, wer weiß, was der auf dem Kerbholz hat? – Soll der doch selber sehen, wie er klar kommt? Ich habe genug mit mir selbst zu tun? &#8211; So oder so ähnlich dürften wohl unsere Ausreden sein. Dabei könnten die Motive, die den Priester und den Leviten am Helfen hindern, besser sein, als es bei flüchtiger Betrachtung erscheint. Als Priester und Levit haben sie Dienst im Tempel, dadurch sind sie besonderen Reinigungsvorschriften unterworfen. Der Verwundete könnte ein Sterbender sein, die Berührung eines Toten würde sie verunreinigen und untauglich für den Tempeldienst machen. Religiöse Vorschriften konnten geradezu ein Hindernis werden, dem Liebesgebot Folge zu leisten. Das entschuldigt die Verweigerung der Hilfeleistung in meinen Augen nicht, aber es weckt ein gewisses Verständnis für das Verhalten der Vorübergehenden. Sie lösen das Problem so, indem sie ihren Dienst im Tempel Priorität beimessen.</p>
<p>Ein Dritter, kommt, sieht wie die beiden Gottesdiener, und geht nicht vorüber. Er ist Gefahren ausgesetzt, ebenso wie die beiden Vorherigen: Er könnte selbst ausgeraubt werden, die Räuber sind vielleicht noch in der Nähe, er hat es eilig und muss wichtigen Geschäften nachgehen. Aber was ihn unterscheidet von den beiden anderen ist, dass er außerhalb der jüdischen Reinigungsgebote steht. Er ist ein Samariter. Das ermöglicht ihm, zu helfen, ohne dass er sich verunreinigt. Hier hat er das also leichter als die beiden Vorangegangenen. Das allein reicht nicht aus, um zu helfen. Ein Mensch muss auch helfen wollen. Er muss sich vom Leid eines anderen anrühren lassen und Erbarmen haben. „Er jammerte ihn“. Er verspürte in sich eine menschliche Regung. Er hat Mitleid mit einem Schwerverletzten. Im Augenblick zählt nichts anderes für ihn als das zu tun, was die Not gebietet. Er wendet sich dem Verletzten zu, verbindet seine Wunden, hilft ihm auf sein Tier und bringt ihn in eine Herberge. Er kümmert sich sogar über Gebühr hinaus um ihn. Er erkundigt sich am nächsten Tag nach seinem Befinden, gibt dem Wirt Geld für die Pflege und bietet an, mehr zu zahlen, falls der Wirt mit dem Geld nicht auskommen sollte. Mehr als der Samariter getan hat, kann ein Mensch nicht tun. &#8211; „Es war ein Mensch, der ging hinab von Jerusalem nach Jericho&#8230;.“ Dieser Mensch ist höchstwahrscheinlich ein Jude. Der hätte sich lieber den Priester oder den Leviten gewünscht, der ihm helfen sollte. Nur die alleräußerste Not bringt einen Juden dazu, sich einen Samariter als Helfer zu wünschen. Niemand ist dem in Not Geratenen in dieser Stunde der Hilfe näher als der sonst Ferne. Niemand ist ihm in dieser Stunde ferner, als die sonst Nächsten. Juden und Samariter haben keine Gemeinschaft. Sie gehören nicht zum selben Volk, haben nicht denselben Glauben, nicht dieselbe Kultur.</p>
<p>In der Stunde äußerster Not zeigt sich die Wahrheit zwischen uns Menschen. Sie enthüllt, was es mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden, die uns sonst verbinden oder trennen, auf sich hat. Erst in der Not weiß ich, auf wen ich mich verlassen kann. Erst die Stunde der Wahrheit schafft die wahre Nähe und die wahre Ferne. „Wer ist mein Nächster?“, hat der Schriftgelehrte gefragt. „Wer ist dem zum Nächsten geworden, der unter die Räuber gefallen ist?“, hat Jesus die Frage umgewandelt. Der Blickwinkel hat sich verändert. Es geht nicht um denjenigen, der Hilfe braucht, sondern es geht um die Frage: Bist du bereit, dem anderen zum Nächsten zu werden? Es steht nichts Geringes als das ewige Leben auf dem Spiel. Einer wird sich doch finden lassen, der meine Hilfe braucht, irgendein Mensch. Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho, irgendeiner. Mit welcher Rolle identifizieren wir uns? Übernehmen wir die Rolle des Priesters und des Leviten, die ihre Verpflichtungen dem Liebesgebot voranstellen? Sind wir diejenigen, die sich nicht anrühren lassen, die wegsehen und an der Not eines anderen vorübergehen? Sind wir diejenigen, die das Erbe Gottes verspielen? Sind wir der am Boden Liegende, der Geschlagene, der keine Lebensperspektive mehr hat, wenn nicht ein entscheidender Wandel von außen eintritt? Sind wir der Schriftgelehrte, der potentielle Abweichler auf die Probe stellt, ob sie auch koscher sind und die richtige Gesinnung vertreten? – Oder sind wir wie Jesus, der andere auf das Liebesgebot behaftet? Wir kennen vielleicht alle Rollen. Wenn wir die eine oder andere Rolle schon einmal übernommen haben, so heißt das nicht, dass wir sie immer spielen. Die Rollen wechseln wie unsere Lebenssituationen. Mal fühlen wir uns stark genug, um uns anderen zuzuwenden, manchmal sind wir nicht in der Lage, jemandem unser Ohr zu leihen. Manchmal müssen wir fremde oder professionelle Hilfe holen, damit anderen geholfen wird.</p>
<p>„Es jammerte ihn.“ Wer sich die Liebe zu den Mitmenschen bewahrt und Erbarmen zeigt, um den ist mir nicht bange. „Seid barmherzig wie Gott auch barmherzig ist“, sagt Lukas wenige Kapitel zuvor (Lk 6,36). Was wir einen Geringsten unser Schwestern und Brüder tun, das haben wir Jesus getan. Wir werden einst am Ende der Tage daran gemessen, ob wir das Liebesgebot befolgt haben. Auf das Tun kommt es an. Was nützen gelehrte und gebildete Gedanken im Kopf, theologische Dispute und Spitzfindigkeiten, religiöse Vorschriften und gut gemeinte Worte, wenn sie keine Auswirkungen haben. Gottesliebe und die Liebe zu den Menschen lassen sich nicht trennen. Wer nicht mit leidet mit einem in Not Geratenen Menschen und nach besten Kräften hilft, wird sich dafür verantworten müssen. Wer ihn gar verspottet und schmäht, ihn mit Füßen tritt, wird sich verantworten müssen. Jesus selbst ist einer geworden, der zutiefst gedemütigt wurde. Er ist auch einer, der unter die Räuber gefallen ist, war Spott und Schande ausgesetzt. Den, der von den Menschen entehrt und bloßgestellt wurde, hat Gott erhöht. Christus wird zur Rechten der Kraft sitzen (Mt 6,64) und richten. Maßstab wird das Gebot der Liebe sein, die der Schriftgelehrte ganz richtig die Schriften zitiert: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und all deiner Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst. Der Mensch muss nichts Außergewöhnliches tun, er darf das Selbstverständliche tun: menschlich bleiben. Die Liebe überwindet alle Grenzen. Das Erbarmen kennt keine Schranken. Wer Hilfe braucht, dem soll geholfen werden. Da ist nicht Jude noch Samariter, nicht Mann noch Frau, nicht schwarz noch weiß, nicht reich noch arm. Zwischen Jerusalem und Jericho liegt der Weg der Barmherzigkeit. Er ist der Schlüssel zum ewigen Leben.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Gesandt in den neuen Tag</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 20:03:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wer bin ich für Euch?“ um diese Frage, liebe Gemeinde, soll es heute am Pfingstmontag gehen. Und wir werden fragen, wie pfingstlich eigentlich diese Frage ist. „Wer bin ich für Euch?“ fragt Jesus seine Jünger. Die Evangelisten schildern eine Situation – fern ab von „den Leuten“, vielleicht den 4000 bis 5000, die eben noch auf dem Berge gespeist wurden und jetzt unterwegs zu ihren Dörfern sind und vielleicht schweigend miteinander gingen, vielleicht sich austauschend über das, was sie erlebt haben: das Wunder, dass alle satt wurden, und den Mann, der um das tägliche Brot gebeten hat, und ob da eben nicht der Himmel auf Erde war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<h4>„Wer bin ich…?“</h4>
<p>„Wer bin ich für Euch?“ um diese Frage, liebe Gemeinde, soll es heute am Pfingstmontag gehen. Und wir werden fragen, wie pfingstlich eigentlich diese Frage ist. „Wer bin ich für Euch?“ fragt Jesus seine Jünger. Die Evangelisten schildern eine Situation – fern ab von „den Leuten“, vielleicht den 4000 bis 5000, die eben noch auf dem Berge gespeist wurden und jetzt unterwegs zu ihren Dörfern sind und vielleicht schweigend miteinander gingen, vielleicht sich austauschend über das, was sie erlebt haben: das Wunder, dass alle satt wurden, und den Mann, der um das tägliche Brot gebeten hat, und ob da eben nicht der Himmel auf Erde war.</p>
<p>Die Menschen haben sich unterhalten, nachgedacht und erinnert. Vielleicht sind die ersten Geschichten unseres Matthäus-Evangeliums erzählt worden. Manche mögen sich gefragt haben, wer denn dieser Mann war – nein: ist, in dessen Gegenwart Menschen heil, gesund und satt werden, ein Mann, der die Menschen zu kennen scheint, der weiß, was der Mensch braucht und der die richtigen Fragen stellt. Und was das Wichtigste ist: wo er ist, da geht der Himmel auf, wo er spricht, da weicht der Zweifel einer fast göttlichen Klarheit, wo er handelt, da trifft er mitten ins Herz, sodass Menschen be-troffen sind und gar nicht mehr anders können, als fortan anders zu leben. Erzählt wird von dem Zollbeamten, der jetzt mit diesem Jesus mitzieht. Berichtet wird von Fischern, die auf ihre Lebensgrundlage – und teilweise auf ihre Familien &#8211; verzichtet haben, um bei diesem Rabbi zu sein. Aber ist er nur ein Rabbiner? Ist er nicht ein Zimmermann? Der Vater war doch ein Zimmermann in Nazareth. Oder ist er ein Gelehrter, vielleicht ein Pharisäer, der Theologie studiert hat? Denn er kennt sich in der Bibel gut aus. Aber dafür erzählt er nur wenig von Gott und wie er aussieht oder wie er lebt. Was er erzählt, sind einfache Geschichten aus dem Alltag – z.B. die Geschichte von den 99 Schafen, die der Schäfer verlässt, bloß um EIN Schaf zu suchen und dann auch zu finden. Also ist er ein Erzähler auf dem Markt. Aber auf dem Markt ist er nicht so oft zu finden. Ist er ein Arzt oder Heiler? Merkwürdigerweise setzt er nie ärztliche Medikamente ein oder legt Pflaster und Salben auf. Er heilt auf verschiedene Weise – auch mit Worten. Manche sagen, er sei ein Schamane, der Zugang zu der anderen Welt habe.</p>
<p>Wer ist denn nun dieser Mann? Wie heißt er noch mal? Jesus, Josua, also auf deutsch: Helfer, Gott-Hilf? – aber der Name scheint unwichtig zu sein. Wer ist dieser Mann wirklich, von dem alle Welt eine andere Vorstellung zu haben scheint? Manche sagen, er wäre Gott selbst. Aber das wäre Gotteslästerung und außerdem unrealistisch. Wer ist denn Gott? Dieser Mensch hat – wenn überhaupt – nur Dinge erzählt, die mit Gott zu tun zu haben scheinen. Eine richtige Theologie hat er nicht verfasst. Eigentlich hat er nur erzählt, was Gott tut. Aber woher weiß er das? Ein akademisch Gelehrter ist er – wie schon gesagt – auf keinen Fall. Er hat sich sogar gegen theologische Prinzipien ausgesprochen – z.B. was die Heiligung des Sabbath angeht. So oder ähnlich mögen die Leute geredet haben auf ihrem Weg wieder nach Hause. Und jeder mag sich sein eigenes Bild von Jesus gemacht haben. Das ist eben der Vorteil des Nach-Denkens: dann fügt sich eins zum Anderen und ergibt ein Bild. Uns heute Morgen ergeht es sicherlich nicht anders: jeder hat sein Bild von Jesus. Für die einen ist er der Revolutionär, der mit seinen „Schwertworten“ gegen den Weltwirtschaftsgipfel streitet. Für die Anderen ist er der Vorkämpfer der Demokratie: alle sind vor dem Gesetz und vor Gott gleich. Wieder für andere ist er der spirituelle Führer und Mystiker, der will, dass „das Herz fest werde, welches geschieht durch Glauben“. Und dann ist er für viele ein menschliches Vorbild: so einfach wie Jesus kann man leben, lieben, glauben, handeln. Da ist nichts Kompliziertes. Und dann gibt noch so viele Bilder von Jesus, wie es Menschen gibt. Und historisch gibt es über Jesus kaum Dokumente …</p>
<h4>“Du bist…“</h4>
<p>Da wendet sich Jesus an seine Jünger: „Wer bin ich für euch?“ Und ein Jünger, Petrus, antwortet. Und in seiner Antwort ist kein Bild mehr, keine Vorstellung, keine Projektion, sondern da kommt der Jesus zum Vorschein, den Petrus in sich trägt, der sein Leben geprägt hat und weiterhin prägt, der seine Sicht von sich selber, von den Menschen, von Himmel und Erde beeinflusst hat, der sein Denken leitet und seinen Verstand formt. Es ist der Jesus, an den er sein Herz gehängt hat – um es mit Martin Luther zu sagen: Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott. Und darum ist dieses „Petrusbekenntnis“ auch ein großer Meilenstein in allen Evangelien: Du bist der Christus – der Messias. Doch dann fehlen dem Petrus die Worte und „der HERR“ tritt selbst wieder in Aktion und formuliert, wie es Petrus oder auch wie wir es vielleicht nie hätten formulieren können. Merkwürdig, dass wir in Glaubensdingen nicht selten das Gespräch brauchen, damit unser Gegenüber formuliert, was uns bewegt. Denn wer könnte schon mit leichten Worten über sein Fundament sprechen, von seinem Fels, auf dem sein Leben begründet steht? Die Dinge des Glaubens gehören zu den intimsten Bereichen, über die zu sprechen oft schwer fällt. Und Jesus fasst in Worte, was Petrus trägt, was ihn bindet, was ihn er-löst. Und die anderen Jünger hören und stimmen zu, bekommen mit, was Jesus sagt. Vielleicht erleben wir hier ein Gespräch mit, in dem einer dem andern seine Bilder, seine Worte und Gedanken leiht bei der Suche nach dem, was mir Halt gibt, nach dem Fundament, auf das ich mein Leben gründen kann. Es ist ein Gespräch um den Christus, in dem wir bei aller Verschiedenheit einig werden. Ob hier schon der Geist von Pfingsten geweht hat? Die Jünger Jesu, die Christen, sind bis heute grundverschieden: das macht die Farbe und ihre Lebendigkeit aus. In dem Gespräch damals, das Jesus eingeleitet hat, ging es darum, dass die Jünger einander zum Christus werden, dass keiner mehr Herr und Jünger ist. Im Geist Christi – Paulus: „in Christus“ – sind wir „eins durch IHN“, wie wir gleich singen werden (EG 268). In Christus teilen wir unser Leben in der Welt, breiten mithin sein Reich aus, sodass satt werden, die hungert und dürstet nach Gerechtigkeit. Dass hier schon getröstet werden, die da Leid tragen. Dass die Sanftmütigen schon hier das Erdreich besitzen. Dass die Friedfertigen schon hier Gottes Kinder heißen. Das ist der Pfingstgeist der Bergpredigt (Matthäus 5)! Dieser Geist macht uns zu Christen, „gesandt in den neuen Tag, für den du lebst“ – so heißt es in einem anderen neuen Kirchenlied, das wir nachher singen wollen.</p>
<h4>„Ich bin bei euch…“</h4>
<p>Darum: Geht hin, und macht zu Jüngern – besser: Christen! – alle Welt! Und siehe: ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende! Geht in die Welt, und flieht nicht ihre Schönheit, ihr Leid, ihre Gemeinschaft! Ihr könnt mindestens 4000 Hungrige speisen! Ihr könnt Menschen wieder heil machen! Also geht los, und versteckt euch nicht und euren Auftrag! Jesus ruft uns nicht aus dieser Welt sondern schickt uns direkt in sie hinein!</p>
<p>Die Jünger haben dieses Gespräch und ihre Erfahrungen mit ihm nie mehr vergessen. Später ist aus der Bewegung um den Nazarener eine Kirche entstanden, auch unsre Kirche, sonst säßen wir nicht hier. Und seine Frage an uns ergeht auch heute am Pfingstmontag Morgen: Wer bin ich für dich? Sein Angebot steht: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.</p>
<p>Amen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Beten im Namen Jesu</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/05/beten-im-namen-jesu/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 May 2009 18:34:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[beten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Ostern]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[Der heutige Sonntag trägt den Namen „Rogate“; das heißt auf Deutsch: „Betet“. Vorausgegangen sind an den beiden letzten Sonntagen die Aufforderungen zum Jubeln und zum Singen. Die Freude über das, was an Ostern geschehen ist, soll zum Ausdruck kommen. Mitten in unserer Todeswelt hat Gott die Tür zum Leben weit aufgestoßen. Jesu Auferstehung zeigt: Gottes Liebe ist stärker als der Hass der Welt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<h4>Ermutigung zum Beten</h4>
<p>Der heutige Sonntag trägt den Namen „Rogate“; das heißt auf Deutsch: „Betet“. Vorausgegangen sind an den beiden letzten Sonntagen die Aufforderungen zum Jubeln und zum Singen. Die Freude über das, was an Ostern geschehen ist, soll zum Ausdruck kommen. Mitten in unserer Todeswelt hat Gott die Tür zum Leben weit aufgestoßen. Jesu Auferstehung zeigt: Gottes Liebe ist stärker als der Hass der Welt. Es lohnt sich zu leben und zu lieben. Das Reich Gottes, das Jesus angekündigte, herbeigesehnte und in seinen Taten anschaulich machte, beginnt tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Überall dort nämlich, wo Menschen sich auf dieses Leben aus der Auferstehungskraft Gottes einlassen. Überall dort, wo die Liebe sich Bahn bricht, wo Menschen füreinander da sind. Das ist nicht selbstverständlich. Auch nach Ostern leben wir nicht in einer völlig neuen Welt. Noch gibt es das Reich Gottes nur in Gestalt von kleineren oder größeren Biotopen innerhalb einer lebensfeindlichen Umwelt. Deshalb ermutigt der fünfte Sonntag nach Ostern: Rogate – betet. Wir wollen heute über diese Ermutigung nachdenken anhand eines Abschnitts aus der zweiten Abschiedsrede Jesu, wie sie der Evangelist Johannes in Kapitel 16, den Versen 23 bis 28 und 33, wiedergegeben hat.</p>
<p>(Lesung  des Predigttextes)</p>
<h4>Beten im Namen Jesu</h4>
<p>Mit der sogenannten zweiten Abschiedsrede Jesu hat der Evangelist Johannes einen Redekomplex geschaffen, der aus dem Geist der Verkündigung Jesu heraus Antwort auf die aktuell bedrängenden Fragen seiner verfolgten Gemeinde gab. Wir sind nicht allein, so lautet die Botschaft des Johannes, Jesus ist mit seinem Geist gegenwärtig. Er ruft uns zu: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“. Ja, wir haben Angst und wir haben wahrhaftig allen Grund dazu. Gewiss werden wir nicht wie die Gemeinde des Johannes verfolgt; niemand trachtet uns nach dem Leben. Und trotzdem merken wir immer wieder, dass es für ein konsequentes Christentum Mut und Standhaftigkeit braucht. Dass der Weg der Nachfolge auch heute noch oftmals ein Spießrutenlauf ist, jedenfalls ein Weg gegen den Strom. Manchmal sind es aber auch die Gleichgültigkeit und das Desinteresse, die einer Gemeinde zu schaffen machen. Oder wenn sich Fraktionen bilden, die nicht mehr das gemeinsame Ziel sehen, sondern nur noch ihre Interessen durchsetzen wollen. Aber, sagt Johannes, denkt daran: Jesus hat die Welt überwunden und er ist mit seinem Geist bei euch. Was ihr Gott in seinem Namen bitten werdet, bekommt ihr auch. Dann müssen wir uns also keine Sorgen machen. Gott gibt uns alles, worum wir ihn bitten. Wirklich alles? Gute Noten, obwohl wir faul gewesen sind und nichts gelernt haben? Ein besseres Einkommen? Eine angesehene Position? Eine Traumvilla? – Die Erfahrung sagt uns, dass es so einfach nicht läuft. Dann müssten alle Christen schon längst Lottomillionäre sein. Nicht umsonst heißt es ja auch in unserem Predigttext: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen – wird er’s euch geben“. Die Wendung „in meinem Namen“ kommt hier innerhalb eines kurzen Abschnitts mehrfach vor. Das ist bestimmt nicht zufällig. Wenn ich etwas in jemandes Namen tue, dann tue ich es gleichsam an seiner Stelle, mit seinen Intentionen, in seinem Geist. Wenn ich in Jesu Namen etwas von Gott erbitte, dann muss ich mich zuvor fragen, ob das auch im Sinne Jesu ist. Martin Niemöller, der Begründer des Pfarrernotbundes während der Zeit des Nationalsozialismus, hat diese Frage zur Maxime seines ethischen Handelns gemacht: Was würde Jesus heute dazu sagen? Dann trennt sich sehr schnell die Spreu vom Weizen. Dann wird sehr schnell klar, dass es Dinge gibt, um die ich nicht im Namen Jesu bitten kann.</p>
<h4>Inhalte des Betens</h4>
<p>Um was ging es Jesus? Worum hat er selber gebetet? Doch nicht darum, ein sorgenfreies Leben führen zu können. Er hat nicht um Reichtum und Macht und Ansehen gebetet. Am Vaterunser lässt sich das unschwer erkennen. Die ersten drei Bitten beziehen sich darauf, dass der Name Gottes geheiligt werde, sein Reich komme und sein Wille geschehe. Jesus geht sozusagen sofort aufs Ganze. Denn wo Gottes Name geheiligt wird, sein Reich kommt und sein Wille getan wird, da verändert sich die Welt radikal. Die ersten drei Bitten sehnen eine Welt herbei, in der Ostern sich ausbreiten kann, in der die Liebe auf keine Hindernisse trifft, in der alle Menschen dem guten Willen Gottes entsprechen. Es folgt dann eine einzige Bitte, die auf Materielles zielt, nämlich die Bitte ums tägliche Brot, wie Jesus in äußerster Bescheidenheit sagt. Und es folgen drei weitere Bitten, die auf unsere seelische Gesundheit abzielen: Vergebung von Schuld, Bewahrung vor Versuchung und Erlösung vom Bösem. Wenn man will, kann man die drei letzten Bitten als die individuellen Voraussetzungen dafür ansehen, dass die göttliche Wirklichkeit, von der in den ersten drei Bitten gesprochen wird, auch bei uns Platz greift. Immer zielt Jesus dabei auf das Ganze. Immer geht es ihm um die Gemeinschaft. Deshalb spricht das Vaterunser durchgängig von „uns“: unserem Vater, unserem Brot, unserer Schuld, unserer Erlösung.</p>
<h4>Für das eintreten, wofür wir beten</h4>
<p>Wenn wir „im Namen Jesu“ beten wollen und also in seinem Geist, dann werden wir im Blick auf unsere materiellen Bedürfnisse ganz bescheiden werden müssen und im Blick auf das, was unsere Gemeinschaft betrifft, in großen Dimensionen denken müssen. Zu Beginn der zweiten Abschiedsrede lässt Johannes Jesus sagen: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht“. Eine Gemeinde, die mit Jesus verbunden bleibt, wird viel Frucht bringen, sie wird ein fruchtbares Gemeindeleben haben. Dieses fruchtbare Gemeindeleben ist eine Gabe Gottes, die einerseits aus der Verbindung mit Jesus erwächst, die andererseits aber auch erbeten sein will. Denn: Wenn ihr dies in meinem Namen erbittet, wird Gott es euch schenken (Joh 15,16). „In meinem Namen“! Wäre Jesus heute unter uns, dann würde er Gott für seine Gemeinde bitten. Er würde darum bitten, dass Kranke und Einsame besucht werden, dass die Gemeinde Hilfsbedürftige nicht im Regen stehen lässt, dass man sich der Kinder und Jugendlichen annehme, ihnen einen Lebensstil vorlebe, der von Wertschätzung und Herzenswärme bestimmt ist. Denn wo dies geschieht, wird der Wille Gottes erfüllt und kann das Reich Gottes kommen. Das meint Beten „im Namen Jesu“. Und dazu gehört als ein Letztes auch die Bereitschaft, selber für das einzutreten, worum wir Gott bitten. So wie Jesus sein Reden und Tun daran ausgerichtet hat, ob es den Willen Gottes erfüllt und dem Mitmenschen gut tut, und der darin sein Gebet beglaubigt hat, so geschähe auch unser Gebet „im Namen Jesu“, wenn wir ihm im Reden und Tun zu entsprechen suchten. Von Ostern her gesehen ist dies keine Forderung, sondern eine Wirklichkeit, in die uns die Auferstehungskraft Jesu hineinversetzt. Eine Wirklichkeit, um die wir allerdings immer wieder bitten sollen, solange wir in dieser Welt leben.</p>
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		<title>&#8220;Cantate&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 18:11:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Singen]]></category>
		<category><![CDATA[Weg]]></category>

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		<description><![CDATA[„Cantate“ – Singt! So lautet die Aufforderung an diesem Sonntag. Nicht umsonst sind heute Chöre eingeladen, um mit ihren Stimmen den Jubelgesang über Gott und sein Werk, das er uns Menschenkindern in Jesus Christus offenbart hat, anzustimmen und gemeinsam mit dem Gemeindegesang zum Klingen zu bringen. Wo gesungen wird, herrscht Gemeinschaft. Der Gesang im Gottesdienst, begleitet von dem warmen vollen Klang der Orgel, verschafft ein Gefühl der Verbundenheit untereinander und mit Gott. Cantate – Singt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Singen stiftet Gemeinschaft</h4>
<p>„Cantate“ – Singt! So lautet die Aufforderung an diesem Sonntag. Nicht umsonst sind heute Chöre eingeladen, um mit ihren Stimmen den Jubelgesang über Gott und sein Werk, das er uns Menschenkindern in Jesus Christus offenbart hat, anzustimmen und gemeinsam mit dem Gemeindegesang zum Klingen zu bringen. Wo gesungen wird, herrscht Gemeinschaft. Der Gesang im Gottesdienst, begleitet von dem warmen vollen Klang der Orgel, verschafft ein Gefühl der Verbundenheit untereinander und mit Gott. Cantate – Singt! Denn Gott ist groß und treu, seine Güte währet ewiglich. Großes hat er getan, als er die Kinder Israels befreit hat von Druck und Leid in der ägyptischen Gefangenschaft. Er hat sie sicher durch das Schilfmeer an das andere Ufer gebracht. Mirjam, die Prophetin, nahm die Pauke und sang Gott ein Lob- und Danklied: Gelobt sei Gott, groß ist er, Ross und Reiter warf er ins Meer.</p>
<h4>Beweggründe des Singens</h4>
<p>Was für die Israeliten die Befreiung aus der Sklaverei ist, ist für Christinnen und Christen die befreiende, heilsstiftende Tat Jesu. Jesus Christus hilft uns aus allem Leid, errettet von Sünde und Tod. Jesus trägt für uns unsere Lasten. Durch ihn erhalten wir das Leben. Darum „Cantate“ – singt! Jesus selbst preist Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er preist ihn, weil Gottes Heil nicht verborgen bleibt. Die Botschaft des Heils offenbart sich demjenigen, der sie glaubt. Nach dem Verständnis des Evangelisten Matthäus ist die Botschaft des Evangeliums zugleich verborgen und doch offenbar. Gott offenbart sich in seinem Wort, der Tora, dem mosaischen Gesetz Durch Jesus Christus hat sich Gott, derselbe Gott, der auch der Gott Israels ist, endgültig bekannt gemacht und gezeigt, dass er das Heil und die Befreiung aus Not und Unterdrückung will. Die religiösen Autoritäten wie die Schriftgelehrten und Pharisäer erkennen in Jesus nicht den Sohn Gottes. Die Heilsbotschaft bleibt ihnen verborgen. Den Unmündigen hingegen hat Gott sie bekannt gemacht.</p>
<p>Denen, die Jesus und seiner Botschaft vom Reich Gottes Glauben schenken, wird Gottes Wort und Wille offenbar. Wäre es anders, könnten nur die Gebildeten etwas von Jesus und dem Reich Gottes verstehen, wären alle diejenigen ausgeschlossen, die zur Zeit Jesu gar keine Zeit und Möglichkeiten hatten, zu den Weisen in die Schule zu gehen: die armen Leute, die Frauen und Kinder, die Leute, die auf dem Land wohnten, wo es keine Schulen gab. „Cantate“ – Singt! Jesus lobt Gott und dankt ihm, dass er sich den Armen, Einfachen und Deklassierten Israels, den Unmündigen in der Schrift, offenbart. So gefällt es Gott. Er ist sich nicht zu schade für die Kleinen und Unmündigen, für die Elenden und Armen, für die zu kurz Gekommenen, für die einfachen Leute. Jesus singt an gegen die Widerstände, die ihm vor allem von den Gebildeten entgegenwehen: Den Weisen und Klugen hast du deine Botschaft verborgen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren es schließlich, die es ihm schwer machten, die ihn letztlich nach dem Leben trachteten und dafür sorgten, dass er ans Kreuz geschlagen wurde.</p>
<p>Matthäus betont die Einheit von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, und Jesus Christus, dem Heiland der Welt. Alles ist ihm von Gott übergeben. Niemand weiß, wer Christus wirklich ist, als nur Gott. Und umgekehrt gilt: Niemand kennt Gott als nur Jesus. Zwischen Gott und Christus besteht eine enge Verbindung, sie sind eins und doch getrennt. „Ohne Jesus lässt sich Gottes Gottheit nicht denken und ohne Gott gibt es keinen Weg zu Jesus (Ulrich Luz, Das Evangelium nach Matthäus, EKK I/2, 215 1990 Anm. 1). Gott ist für die Welt sichtbar geworden durch Jesus Christus. Dem Sohn ist es anheim gestellt, wem er die Botschaft offenbart. Die Botschaft will gehört und ihr soll Vertrauen entgegengebracht werden.</p>
<p>Cantate – singt! Kann man aber auch singen, wenn man beladen und traurig ist? Jesus preist Gott für seine Wohltaten, gleichzeitig ruft er die Mühseligen und Beladenen zu sich, damit sie sich bei ihm erquicken. Den Mühseligen und Beladenen gilt besonders die Botschaft der Befreiung. Sie sollen frei werden von ihren Lasten. Jesus nimmt sie ihnen ab und trägt sie für sie. Ein Lastenwechsel findet statt. Der befreite Mensch darf aufrecht gehen, seine Last, die ihn am Boden gehalten hat, drückt und beschwert ihn nicht mehr. „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir“, ruft Jesus in dem so genannten Heilandruf die Beschwerten auf. Es geht nicht darum, das Joch gänzlich abzuwerfen und sich gar nicht mehr zu mühen. Aber das Joch, das Jesus auf uns legt, ist eine Last, die wir zu tragen im Stande sind. Eine Last, die Jesus auf uns legt, ist eine Last, die nicht zu schwer für uns ist als dass wir sie nicht tragen könnten, eine Bürde, die nicht so groß ist, als dass wir an ihr erstickten. Mag die Last schwer sein, die Bürde groß, Gott ist größer und hilft uns. Die Lasten, die ein Mensch trägt, vergleicht Matthäus mit einem Joch. Ochsen tragen ein Joch, um eine Last zu ziehen. Früher und an vielen Orten der Welt tragen auch Menschen bis heute ein Joch auf ihren Schultern, um Wasser zu holen oder Waren zum Markt zu bringen. Jesus legt uns ein Joch auf die Schultern, an dem Lasten hängen, die nicht zu schwer für uns sind und die wir tragen können. „Sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht“. Obwohl Christus uns erlöst und befreit, verläuft unser Leben nicht frei von Sorgen und Belastungen, aber sie bringen uns nicht zu Fall. Und sollten wir doch stolpern und fallen, so sendet Gott uns einen Engel, der uns auffängt. Christus hebt uns auf, wenn wir fallen, er hält uns, wenn wir keinen Halt mehr haben, er trägt uns, wenn wir müde und erschöpft sind und nicht mehr gehen können. Er trägt die Bürde für uns, wenn uns unsere Lasten zu schwer werden.</p>
<h4>Von Jesus lernen</h4>
<p>„Nehmt auf euch mein Joch“, das meint mein sanftes Joch, das ihr tragen könnt, und lernt von mir. Die Aufforderung Jesu zu lernen, rührt aus der jüdischen weisheitlichen Tradition. In dem biblischen Buch der Sprüche sind weisheitliche Traditionen überliefert. Die Weisheit war im Anfang der Schöpfung mit dabei, sie wird die „Werkmeisterin Gottes“ genannt (Martin Luther). Sie war längst da, bevor Gott die Welt erschuf und spielte vor ihm auf dem Erdkreis (Sprüche 8,22ff). Die Weisheit wird im Ersten Testament personhaft gedacht. Sie geht durch die Straßen und Gassen und fordert die Menschen auf, den Weg der Torheit zu verlassen und auf gerechten Pfaden zu wandeln. Sie mahnt, von ihr, der Weisheit, zu lernen, denn sie bewahrt vor Verderben. Jesus ruft wie die Weisheit dazu auf, von ihm zu lernen: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen“. Jesus verspricht nicht ausschließlich Glück und Freude. Sein Joch, das wir auf uns nehmen sollen, vollzieht sich in einem Lernvorgang. Wir sollen sein Verhalten nachahmen. Wir lernen von Jesus, sanftmütig und von ganzem Herzen demütig zu werden. Jesu Leben war geprägt von Annahme und Liebe, die er den Menschen angedeihen ließ. Er hat sich Ausgestoßenen zugewendet, mit ihnen Tischgemeinschaft gehalten, er hat Kinder und Frauen ernst genommen. Er hat sich auch den Pharisäern nicht verschlossen, wenn sie mit Fragen und Zweifel, die sie umtrieben, zu ihm kamen, und nicht in heuchlerischer Absicht. Ohne Hass und Groll zog er auf einer Eselin in Jerusalem ein, wohl wissend, dass sein Einzug in Jerusalem sein furchtbares Ende am Kreuz einleiten würde.</p>
<p>Sanftmut und Demut sind Begriffe, die wir nicht gerne auf uns selbst beziehen. Wir nehmen uns nicht gerne um der anderen willen zurück. Wenn das jemand tut in unserer Gesellschaft, dann fallen mir höchstens Mütter ein, die alles für ihre Kinder und ihre Familie tun, und sich selbst ganz hinten anstellen. In der Regel aber ist es so, dass wir lieber selbst zum Zug kommen möchten. Nicht, dass ich missverstanden werde: Es ist auch nötig, einmal mal selbst zum Zug zu kommen. Das ist gerade für Frauen und insbesondere Mütter wichtig, damit sie nicht das Bild von sich selbst bekommen, sie wären nichts wert und könnten nichts. Niemand braucht sein Licht unter den Scheffel zu stellen, niemand braucht immer nur hinten stehen und muss alle anderen vorlassen. Jede und jeder ist ein geliebtes Kind Gottes und darf auch einmal Mittelpunkt sein. Aber immer nur sich selbst zu sehen, immer nur selbst glänzen zu wollen und andere Lichter zum Erlöschen zu bringen, entspricht nicht dem Verhalten, das Jesus uns vorgelebt hat. Von ihm lernen wir, was es bedeutet, auf Gottes Wegen zu gehen. Das heißt nicht, dass Jesus das Hadern und den Kampf in seinem Leben nicht kennt und sein Schicksal geduldig und sanftmütig hinnimmt und erträgt: Als er nach seiner Taufe in die Wüste geführt wird, muss er sich bewähren, er darf und will sich nicht der Macht des Bösen überlassen. Auf seinem Lebensweg muss er sich ständig mit den Anfeindungen seiner Mitmenschen auseinandersetzen. Im Garten Gethsemane betet er verzweifelt, dass der bittere Kelch seines nahen Todes und der damit verbundenen Qualen und Schmerzen an ihm vorübergehen möge. Nach hartem inneren Kampf überlässt er sich der höheren Macht und gibt sich ganz Gott hin: Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. Demütig nimmt er sein Schicksal an.</p>
<h4>Sanftmut und Demut</h4>
<p>Sanftmut und Demut verschaffen ein ruhiges Herz und Frieden. Mit Gottvertrauen lässt sich Schweres leichter aushalten. Das sanfte Joch und die leichte Last, die Jesus uns auflegt, bewahren uns vor Stolz und Hochmut. Sanftmut und Demut sind ebenfalls Verhaltensweisen, die die Weisheit in den Sprüchen der Bibel fordert. Jesus steht auch hier ganz in weisheitlicher Tradition und setzt sie fort. „Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz, Hochmut kommt vor dem Fall (Sprüche 16,18)“. „Ein Geduldiger ist besser als ein Starker, wer sich beherrscht, ist besser als einer, der Städte gewinnt (Spr 16,32).“ „Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott (Spr 14,31).“ Sanftmut und Demut im Herzen führen zu einer inneren Ruhe, die alles Streben nach Macht und Geltung nicht geben kann.</p>
<p>„Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ Eine demütige und sanftmütige Haltung ist verbunden mit einer Verheißung: Unsere Seelen finden Ruhe. Ein ruhiges Herz, eine Seele, die Ruhe findet, ist ein hohes Gut, das uns inneren Frieden verschafft. Rast- und Ruheplätze fehlen uns im beschäftigten, wohl auch belasteten Alltag. Rast- und Ruheplätze brauchen wir, um zur Besinnung zu kommen, um Atem zu holen, um aufzutanken. Jesus bietet uns einen Ruheplatz an, wenn er spricht: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“. Unsere Seele dürstet nach dem sprudelnden erquickenden lebendigen Born. Gott ist unser Schutz, Christus unser Heil. Der Gott Israels, der auch der Gott von Jesus Christus ist, bietet uns ein Zuhause, wenn wir uns fremd fühlen. Er ist unsere Zuflucht und unsere Zuversicht. Gott schafft Ruhe und Erquickung den Erschöpften und Belasteten. Er verheißt uns sein Friedensreich, in dem Freude und Gerechtigkeit sich küssen und in dem Gott in seiner Herrlichkeit mitten unter den Seinen ruht. Die Ruhe, die Gott schenkt, ist keine Ruhe, die zur Untätigkeit führt. Sie ist eine schöpferische Ruhe, die sich ausruht nach getaner Arbeit und neue Kraft schöpft. Die Seele erholt sich und ist still vor Gott. „Cantate“ – singt! Jesus, wir nehmen auf uns dein Joch und lernen von dir, dein Joch ist sanft und deine Last ist leicht. Wir folgen dir nach und wandeln auf deinen Wegen.</p>
<p>Amen.</p>
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		<title>Welcher Stimme folge ich?</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/04/welcher-stimme-folge-ich/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 19:27:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Hirte]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus]]></category>
		<category><![CDATA[Stimme]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein vertrautes Bild, ein Bild, das Geborgenheit vermittelt, durchzieht den heutigen Gottesdienst in seinen Lesungen, Gebeten und Liedern. Das „Bild vom guten Hirten“, der für seine Schafe sorgt, sie leitet und schützt, soll das Ausmalen, was sich hinter dem Namen des heutigen Sonntags verbirgt: Misericordias Domini - übersetzt heißt das: Erbarmen Gottes.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.</h4>
<p>Ein vertrautes Bild, ein Bild, das Geborgenheit vermittelt, durchzieht den heutigen Gottesdienst in seinen Lesungen, Gebeten und Liedern. Das „Bild vom guten Hirten“, der für seine Schafe sorgt, sie leitet und schützt, soll das Ausmalen, was sich hinter dem Namen des heutigen Sonntags verbirgt: Misericordias Domini &#8211; übersetzt heißt das: Erbarmen Gottes. Während der Begriff Erbarmen in unserem heutigen Wortschatz kaum mehr eine Rolle spielt, und wir uns wohl alle schwer täten, ihn zu erklären, geschweige denn mit Inhalt zu füllen &#8211; ist das Bild des guten Hirten nach wie vor einprägsam und tragend, vermittelt es doch Geborgenheit und Harmonie. Ich erinnere mich noch gut und gerne an meine Kindheit. Oft fuhren wir damals am Sonntagnachmittag über Land zu meiner Großmutter nach Bückeburg. Wir Kinder blickten ganz gespannt aus dem Fenster, ob nicht irgendwo eine Schafherde zu sehen sei: „Schafe zur Linken, tut Freude uns winken“ sagten die Eltern dann, und wir freuten uns wirklich. Dabei war es relativ egal, ob die Schafherde rechts oder links war, es war einfach ein schönes Bild, die Schafe da so friedlich grasen zu sehen, die Hunde um sie her springen. Etwas ganz besonderes war es, wenn auch noch ein Hirte dabei war. Für uns Kinder war das Bild einer Schafherde der Inbegriff von Schutz und Geborgenheit, von einer heilen und friedlichen Welt.</p>
<p>Und das ist es geblieben, auch als wir älter wurden, auch als wir es im eigenen Leben merkten: die Welt ist nicht heil und auch nicht friedlich, und weder Geborgenheit noch Schutz sind selbstverständlich, selbst in einer Schafherde nicht, wie ich es mittlerweile mit den Schafen erfahren musste, die auf dem Anwesen meiner Schwiegereltern leben. Es ist nur eine kleine Herde &#8211; aber immerhin. Jedes Schaf hat seinen eigenen Namen und wenn man sie näher kennen lernt auch seinen eigenen Willen. Die eine liebt die Freiheit über alles und ist eine Meisterin im Überwinden von Zäunen, ein anderes versteht sich darauf, Gemüsebeete als Ernährungsquelle zu erschließen und wiederum ein anderes ist eher träge. Als Fremde ist es fast unmöglich, die Herde von einer Wiese auf die andere, geschweige denn in einen Stall zu bugsieren. Wenn man nicht aufpasst, wird man sogar gestoßen oder weggedrängelt. Da brauchen die Schafe einen vertrauten Menschen, dessen Stimme und Bewegungen sie kennen, dann folgen sie. Dann gehen sie mit. Und umgekehrt: Wer eine Schafherde hat, der braucht viel Zeit und Geduld, viel Verständnis und Liebe nicht nur für die Herde insgesamt, sondern für jedes einzelne Schaf. Sollte das Bild vom Hirten und der Herde doch nur ein schöner Traum sein, der weder der Wirklichkeit unserer Welt noch der des eigenen Lebens standhält?</p>
<p>Vertiefen wir unseren Blick auf das Bild, das uns Jesus mit seiner Hirtenrede vor Augen stellt, und nehmen wir die vielen Details wahr, die den guten Hirten und seine Herde umgeben. Ihn und seine Herde umgibt nur auf den ersten Blick eine heitere, heile Idylle. Noch stehen die Schafe in sicher in ihrem Pferch. Das Gatter ist geschlossen und wird sogar von einem Torhüter bewacht. So kann keines der Schafe verloren gehen und niemand kann ihnen etwas anhaben. Im Halbdunkel des anbrechenden Morgens nähert sich eine Gestalt. Es ist an der Zeit, das Tor zu öffnen. Der Hirte – er wird seine Schafe sicher zur saftigen Weide führen und sie dort behüten wie seinen Augapfel. Doch halt! Ist es tatsächlich der richtige, der gute Hirte, der da kommt? Könnte es nicht auch ein Dieb sein, der schnell über den Zaun springt, um eines der Schafe zu stehlen und dann zu schlachten oder gar ein Räuber, der um an die Schafe zu kommen, erst einmal den Torhüter niederschlägt? Vielleicht ist es auch der Mietling, ein Lohnhüter also, der eben seinen Job machen will wie jeden Tag. Obwohl er täglich seinen Lohn bekommt, lohnt es sich für ihn nicht, seine Kräfte über Gebühr zu strapazieren, geschweige denn die Gesundheit oder gar das eigene Leben einer Gefahr auszusetzen. Dem hungrigen Wolf, der eines der Schafe reißen will, weicht man lieber aus, selbst wenn man dann eigentlich schadenersatzpflichtig wäre. Was ist schon ein Schafsleben? Nutzvieh sind sie, weil und wenn sie satt machen, wenn und weil sie Geld bringen, Mittel zum Zweck sind sie, wenn und weil sie mir zu Anerkennung und Wohlstand verhelfen. Fremd ist uns solches Denken nicht, wenn es uns auch befremdet. Genauso reagieren denn auch die Schafe auf die fremden Gestalten, die ihnen so wenig vertraut, geschweige denn vertrauenswürdig erscheinen. Instinktiv möchten sie sich abwenden, die Flucht ergreifen, in alle Himmelsrichtungen auseinander laufen – weil sie spüren: hier geht es nicht um uns, geschweige denn den Einzelnen, hier sollen wir einer Idee, einem Interesse, einem Zweck, untergeordnet und dienstbar gemacht werden, der weder gut ist noch gut tut.</p>
<p>Nein, niemand will als dummes Schaf blind und willenlos einer Leitfigur hinterher trotten. Wohin das führt, lehrt nicht allein die vergangene Geschichte. Vorsicht scheint geboten immer da und überall dann, wenn fundamentalistische Gedanken sich regen &#8211; sei das im religiösen, sei das im politischen Bereich und gewissenlose Führer sich die Sehnsucht anderer nach einer heilen Welt zunutze machen. Wie real diese Bedrohung und Gefährdung gerade jetzt in den Zeiten der Wirtschaftskrise ist, habe ich mit Erschrecken am Wochenende in unserer Tageszeitung gelesen. Günter Wallraff befürchtet: „Es könnte die große Stunde der telegenen Populisten und Heilsversprecher kommen, die das angerichtete Desaster nutzen, um demokratische Strukturen zu beseitigen.“ Es sei besorgniserregend „wenn dumpfe und halbkriminelle Führer der NPD in manchen ländlichen Gegenden bereits die Jugendszene beherrschen“ (Neue Westfälische vom 17. 4. 2009, „Wallraff warnt vor Zusammenbruch durch die Krise v. Yuriko Wahl) Vor solchen falschen Hirten kann man nur warnen, wie Jesus es in unserem Predigttext tut und dabei durchaus um noch viel härteren Worte weiß, die Gott selbst im Buch des Propheten Hesekiel findet: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Schimpft Gott da &#8211; Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? Aber ihr eßt das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Das Schwache stärkt ihr nicht, und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt.</p>
<p>So hart die Kritik an den falschen Hirten, so genau wird in dieser Kritik das Bild des einzig richtigen, des guten Hirten Jesu gezeichnet. Dem guten Hirten liegt seine Herde, jedes einzelne Schaf, im wahrsten Sinne des Wortes am Herzen. Mit seinem ganzen Leben setzt er sich dafür ein, das Schwache zu stärken, das Kranke zu heilen, das Verwundete zu verbinden, das Verirrte zurück zu holen, das Verlorene zurück zu holen und das Starke zur Stärke zu fördern. Wo ich seine Stimme höre, in ihm den Sohn Gottes erkenne, der es gut mit mir meint, da kann ich mich nur vertrauensvoll ihm zuwenden und voller Gewissheit die Worte mir zu eigen machen, die 1934 – also vor 75 Jahren – die Verfasser der Theologischen Erklärung von Barmen in deren 1. These gefunden haben: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“</p>
<h4>Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie.</h4>
<p>Dieses Bekenntnis der Kirche als der Herde des guten Hirten Jesu Christi, will aber kein Allgemeines bleiben. Geborgen in unserer Welt soll sich nicht allein die Herde in ihrer weltweiten Gesamtheit fühlen, sondern jeder einzelne ganz so wie er ist: mit seinen je eigenen Neigungen und Vorlieben, aber auch mit seinen Kanten, Problemen oder Ängsten – sei er noch so schwach oder verletzt, noch so verloren oder verirrt, noch so gescheitert oder schuldig. Jesus als der Gute Hirte kennt jedes seiner Schafe, in dem was ihn ausmacht, in dem was ihm fehlt, in dem was es braucht und in dem, was ihm gut tut. Jedes Empfinden und jedes Befinden, jede Angst und jede Not stößt bei ihm auf offene Augen und Ohren, mehr noch – auf ein offenes Herz. Was ihm da alles zu sagen wäre, gerade ihm, der unser aller gute Hirte sein will! Hinterfragen wir ihn – so wie es der Ostberliner Schriftsteller Jürgen Rennert getan hat:</p>
<h4>HINTERFRAGT</h4>
<p>Der Herr ist mein Hirte, ich Schaf,<br />
mir wird nichts mangeln, mir fehlt was.<br />
Er weidet mich auf einer grünen Aue, ich sitze auf dem Trockenen,<br />
und führet mich zum frischen Wasser, mir stinkt&#8217;s.<br />
Er erquicket meine Seele, ich leide.<br />
Er führet mich auf rechter Straße, wo geht das hin,<br />
um seines Namens willen, mein Gott, wer kennt den noch.<br />
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, irgendwie muß es ja mal aufwärts gehen,<br />
fürchte ich kein Unglück, am Ende holt&#8217;s jeden,<br />
dein Stecken und Stab trösten mich, helfen kann einem da keiner.<br />
Du bereitest vor mir einen Tisch, mich übersieht man,<br />
im Angesicht meiner Feinde, man haßt mich.<br />
Du salbest mein Haupt mit Öl, wer nimmt mich schon ernst,<br />
und schenkest mir voll ein, ich komme immer zu kurz.<br />
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, nichts als Ärger,<br />
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar, wenn ich nur wüßte, wohin ich gehöre.</p>
<p>Was hier als banges, ja resigniertes Hinterfragen der Zusagen Gottes erklingt, wir dürften es auch umgekehrt lesen: als ehrliches Aussprechen des je eigenen Befindens, das unbedingt einer Antwort bedarf, um sich heimisch fühlen zu können im eigenen Leben, in der Welt, in der Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Dass und wie sehr unser persönliches Ergehen im Leben und im Sterben Jesus zu Herzen geht und zu seinem Herzensanliegen wird, ist in dem kleinen Wort Kennen enthalten, das in seiner hebräischen wie griechischen Bedeutung weit mehr umfasst als den Namen oder das Gesicht eines anderen zu kennen. Hören wir noch einmal auf Jesu Stimme (Joh 10, 14. 15): Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. In eine Gemeinschaft der Geborgenheit – selbst in einer nicht nur heilen und friedlichen Welt nimmt uns Jesus hinein, denn kennen – das heißt für ihn: Mit einem jeden von euch bin ich so vertraut, wie mit Gott, meinem Vater.</p>
<h4>Und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.</h4>
<p>Jedem von euch gilt meine bedingungslose Hinwendung und Zuwendung, damit ich weiß, was euch fehlt, was ihr braucht, was euch Not tut, was euch gut tut. So wichtig und wertvoll ist mir ein jeder von euch, dass ich für euch sogar Niederlage und Angst, Ohnmacht und Einsamkeit, Spott und Verachtung, Schmerzen und Tod auf mich nehme, um auch und gerade dann euch nahe zu sein. Warum ich das tue? Weil ich dieselbe Zuwendung und Nähe von Gott, meinem Vater erfahre. Wie er bei mir war und für mich war – im Leben und im Sterben – bin ich bei jedem von euch. Denn sein Wille ist es, dass auch euch selbst der Tod nichts anhaben kann, sondern ihr jetzt und dann, mitten in dieser Welt und nach dieser Welt ein erfülltes Leben habt, in dem ihr euch geborgen fühlen könnt. So wünsche ich uns allen, dass wir mit demselben Recht, mit dem wir das Bild vom guten Hirten „hinterfragt“ haben, uns auch in der Antwort zweier Menschen wieder finden, die – mitten in unserer nicht immer heilen und friedlichen Welt trotzdem vertrauensvoll bekennen und beten:</p>
<p>Gott sorgt für mich<br />
niemals bin ich verlassen.<br />
Gott befreit mich von der Lebensangst<br />
und erlaubt mir ein Dasein ohne Hast,<br />
stärkt meine Seele und zeigt mir den guten Weg.<br />
Gott will für mich Gott sein.<br />
Auch in dunklen Zeiten habe ich keine Angst vor dem Letzten,<br />
denn du bist bei mir,<br />
deine Gegenwart und Geleit geben mir einen Schutz.<br />
Du läßt mich teilhaben an der Fülle des Lebens,<br />
obwohl es Gründe gibt, verzweifelt zu sein.<br />
Du empfängst mich zärtlich<br />
und nimmst mich überschwenglich auf.<br />
Ich lebe im Vorschein von Güte und Erbarmen<br />
und wohne im Vertrauen zu dir.</p>
<p>Amen.</p>
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