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	<title>Heidelberger Predigtforum &#187; Barmherzigkeit</title>
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		<title>Im Übermaß ausgestattet</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 19:38:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Barmherzigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Erwartungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gnade]]></category>
		<category><![CDATA[Übermaß]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Erster Schritt: Der verschlungene Weg durch das Gleichnis</h4>
<p>Wer diese wunderbare Geschichte hört, der nimmt Vertrautes und Ungewöhnliches wahr, der staunt und ist zugleich erschrocken über manche Härte und Unbarmherzigkeit. Die unvoreingenommenen Leser und Hörer erleben ein Wechselbad der Gefühle: heiß und kalt, steil und flach, loderndes Glühen und eisige Kälte. Die aufnahmebereiten Gedanken schweifen arglos ab und konzentrieren sich doch wieder auf den Erzählgang. Der Hörer sieht sich einer komplexen, vielschichtigen Geschichte gegenüber: Gut und Böse sind nur scheinbar klar verteilt. Und wer dieses Gleichnis bis in seine Tiefen verstehen will, der muß es mit aller Aufmerksamkeit mehrfach hören und lesen. Aber genau das, das Unberechenbare, das Außergewöhnliche, das noch nie Gehörte, macht solch ein Gleichnis spannend, interessant und nachdenkenswert. Durch dieses Gleichnis führt kein gerader ebener Weg der Erkenntnis.</p>
<p><a href="http://www.predigtforum.de/2009/08/im-ubermas-ausgestattet/" class="more-link">Read more on Im Übermaß ausgestattet&#8230;</a></p>
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Erster Schritt: Der verschlungene Weg durch das Gleichnis</h4>
<p>Wer diese wunderbare Geschichte hört, der nimmt Vertrautes und Ungewöhnliches wahr, der staunt und ist zugleich erschrocken über manche Härte und Unbarmherzigkeit. Die unvoreingenommenen Leser und Hörer erleben ein Wechselbad der Gefühle: heiß und kalt, steil und flach, loderndes Glühen und eisige Kälte. Die aufnahmebereiten Gedanken schweifen arglos ab und konzentrieren sich doch wieder auf den Erzählgang. Der Hörer sieht sich einer komplexen, vielschichtigen Geschichte gegenüber: Gut und Böse sind nur scheinbar klar verteilt. Und wer dieses Gleichnis bis in seine Tiefen verstehen will, der muß es mit aller Aufmerksamkeit mehrfach hören und lesen. Aber genau das, das Unberechenbare, das Außergewöhnliche, das noch nie Gehörte, macht solch ein Gleichnis spannend, interessant und nachdenkenswert. Durch dieses Gleichnis führt kein gerader ebener Weg der Erkenntnis.</p>
<p>Der Prediger Jesus, der den Menschen in Liebe zugetan war, erzählte Gleichnisse, weil er um der bedürftigen Menschen passende Bilder suchte für Gottes Reich und Gottes Herrlichkeit. Solche Bilder fand er nicht in kruden Formeln, abgehobenen Systemen oder Theorien, er fand sie in einfachen Erzählungen. In Jesu Gleichnissen spiegelt sich etwas von der Herrlichkeit des Reiches Gottes, aber das ist keine unmittelbare Umsetzung von göttlicher Wirklichkeit. Gottes Reich ist nicht im Maßstab 1:1 in die Geschichte hinübergerettet. Solche Spiegelungen und Umsetzungen enthalten stets Unschärfen, Verwackelungen und Abblendungen, die es zu beachten gilt. Das gilt im übrigen auch für den Badezimmer-Spiegel. Der Frühaufsteher, der am Morgen die Zähne putzt und sich dabei kritisch im Spiegel beäugt, sieht sich mindestens spiegelverkehrt: Rechts und Links sind vertauscht. Genauso ist es mit den Gleichnissen, die Jesus erzählt. In ihnen spiegelt sich Gottes Reich, aber auf eine indirekte, durch die Sprache der Erzählung vermittelte Weise. Also haben wir den Gang durch das Labyrinth der Gleichniserzählung mit einem Moment des Innehaltens begonnen. Wir wissen: Die Herrlichkeit Gottes strahlt uns nicht unmittelbar entgegen, sondern wir können uns nur aus der Geschichte auf unvollkommene Weise einiges davon erschließen.</p>
<h4>Zweiter Schritt: Voreingenommen</h4>
<p>Gehen wir einen Schritt weiter in die Gleichnisgeschichte hinein, so merken wir Leser/innen und Hörer/innen, daß wir voreingenommen sind. Wir versuchen, diese Geschichte da einzuordnen, wo sie nach unserer, von einer Informationsflut geprägten Wahrnehmung der Gegenwart hinpaßt. Den meisten von Ihnen und mir auch kam als erstes die Finanzkrise der Banken, Börsen und Großunternehmen in den Sinn. Das paßt doch wie die Aktie an die Börse und wie der Bundesschaftzbrief aufs Wertpapierdepot: Wer ein Risiko eingeht, wird dafür noch belohnt. Und wer sein Erspartes nicht in Aktien oder Investmentfonds anlegt, sondern im Sparbuch, der ist am Ende der Dumme, weil er nie und nimmer einen großen Gewinn einfahren kann. Die ersten beiden Knechte, die ein Risiko eingehen, werden belohnt. Der dritte Knecht, der Totengräber seiner finanziellen Pfunde, wird bestraft. Oder er erhält keine Belohnung, was auf dasselbe hinausläuft. Die Strippenzieher der heutigen Bankenkrise sind auf ihre Weise doch noch ein wenig</p>
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		<title>Mit offenen Augen und offenen Herzen</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/07/mit-offenen-augen-und-offenen-herzen/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2009/07/mit-offenen-augen-und-offenen-herzen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 18:00:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Barmherzigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal möchte ich sein wie der liebe Gott. Geht Ihnen das auch so? Wenn ich der liebe Gott wäre, dann wäre das Wetter immer gut. Den Bösen würde es schlecht gehen. Mit machtvollem Arm würde ich Wundertaten tun und alle wären glücklich. Ein bisschen wie Superman. Aber das ist natürlich vermessen – wie Gott sein wollen. Oder doch nicht? „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.“ - Also soll ich doch ein bisschen wie Gott sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Ein Herz, das Erbarmen hat</h4>
<p>Manchmal möchte ich sein wie der liebe Gott. Geht Ihnen das auch so? Wenn ich der liebe Gott wäre, dann wäre das Wetter immer gut. Den Bösen würde es schlecht gehen. Mit machtvollem Arm würde ich Wundertaten tun und alle wären glücklich. Ein bisschen wie Superman. Aber das ist natürlich vermessen – wie Gott sein wollen. Oder doch nicht? „Seid barmherzig wie auch euer Vater barmherzig ist.“ &#8211; Also soll ich doch ein bisschen wie Gott sein. Aber das sieht ein wenig anders aus wie Superman. Ich bin dann wie Gott, wenn ich barmherzig bin. Ein altmodisches Wort. Das klingt nach Herz und Erbarmen. Weniger nach Superman. Also nicht durch Wolkenkratzerlandschaften fliegen, die Schlechtwetterwolken souverän mit einem Arm wegdrücken und mit dem anderen die Welt retten. Barmherzig sein: Kein machtvoller Arm, der Wundertaten tut. Sondern ein Herz, das Erbarmen hat. Dadurch wird die Welt besser?</p>
<h4>Wie es sich anfühlt, nicht gerichtet, verdammt zu werden</h4>
<p>Liebe Gemeinde! „Und richtet nicht, so werdet auch ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet auch ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird auch euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben.“ &#8211; Ich stelle mir kurz vor, mir würde das so gehen, mit mir würde man so umgehen. Das wäre himmlisch. Keiner steckt mich in eine Schublade, sondern jeder nimmt mich ernst, so wie ich bin. Keiner verurteilt meine Entscheidungen, sondern jeder respektiert meinen Weg. Man sagt zu mir: Ich verzeihe dir, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Wenn ich Hunger habe, gibt man mir zu essen. Das klingt wundervoll. Und das geht auch ohne überirdische Kräfte. Die wirklichen Wunder in unserem Leben kommen ohne Saus und Braus, sie kommen mit leisen Schritten und sanften Blicken, mit einem versöhnenden Wort und einer ausgestreckten Hand, mit einem offenen Ohr für Freude und Not. Wenn ich mir überlege, wie gut mir das würde, will ich mein Herz auch für andere öffnen. „Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, tut ihr ebenso ihnen.“ (Lk 6,31)</p>
<h4>Absolutes Richtverbot?</h4>
<p>Doch an einem bleibe ich hängen. „Und richtet nicht, so werdet auch ihr nicht gerichtet.“ &#8211; Es wäre schon schön, wenn keiner richtet. Keine Lästerein, keine bösen Leserbriefe. Sondern Freibriefe für jeden und für alles. Du bist o.k. – ich bin o.k. Easygoing. Das wäre doch schön, wenn keiner richtet. Jeder hätte seine Ruhe. Das wäre zwar schon irgendwie schön, aber da wäre auch niemand, der Recht spricht und andere ins Recht setzt. Niemand richtet. So angenehm das beim ersten Hören klingt &#8211; das wäre doch ein billiger Friede, für den so mancher teuer bezahlen muss. Nicht zu richten – das ist nicht barmherzig, das ist fahrlässig, manchmal auch schlicht feige. Laissez-faire ist nicht wirklich fair. Rechtsfreie Räume haben nichts mit Erbarmen zu tun. Da gilt automatisch das Recht des Stärkeren. Ich erinnere mich an eine Situation in der S-Bahn. Eine ältere Frau mit einer Behinderung. Eine Gruppe Halbstarker. Sie machen sich lustig über die Frau, demütigen sie. Erst als sie anfangen, die Frau körperlich zu bedrängen, schreiten einige Fahrgäste ein und verschaffen der Frau ihr Recht, verurteilen die, die ihr Unrecht tun. Richten ist nötig. „Sieh zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“ Um der Opfer willen.</p>
<p>Der Verzicht, Recht zu sprechen, setzt die Opfer ins Unrecht. Es ist nötig die Stimme zu erheben, Unrecht Unrecht zu nennen, zu urteilen und auch zu verurteilen. Aber mit offenen Augen. Unverhüllt auch sich selber sehen. Seine Vorurteile. Nicht wie Moralapostel, die ihre eigenen Schwächen, all die dunklen Flecken auf ihren unsichtbaren Richterroben nicht sehen wollen, bei anderen aber mit kritischen Feldherrnblick umso genauer hinsehen. „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und dann sieh zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“ Es ist nötig die Stimme zu erheben, Unrecht Unrecht zu nennen, zu urteilen und auch zu verurteilen. Aber mit offenen Augen. Wenn es sein muss, auch noch mal hinsehen. Und wenn es dann nötig ist, sich auch korrigieren. Nicht als Blinde, sondern sehenden Auges einander begegnen.</p>
<h4>Auch Sehende können blind sein</h4>
<p>Liebe Gemeinde, auch Sehende können blind sein. Es gibt viele Arten blind zu sein. Den Blick in die Ferne richten, wenn der Nächste leidet. Zu oft ein Auge zudrücken, weil es einfacher ist. Geblendet von Erfolg und Schönheit den Blick für das Wesentliche verlieren. Alles durch die rosa Brille sehen, weil es angenehmer ist. Oder immer schwarz sehen, weil der Mut zum Leben fehlt. Auch Sehende können blind sein. Wenn man nur noch rot sieht, weil das Herz vor Wut brennt. Wenn Angst das Urteilsvermögen überschattet und Scheuklappen den Blick eng machen. Wenn man sich den Blick verstellen lässt, die Augen einfach schließt, weil man der Wahrheit nicht ins Gesicht sehen will. Wenn man den Unliebsamen übersieht, einfach nur eine Seite sieht, auf einem Auge blind ist. Oder auch: Blind ist für die eigenen Fehler, blind gegenüber der Not der Mitmenschen, die uns doch überall ins Auge springt, wenn wir genauer hinsehen würden. „Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr?“</p>
<p>Auch Sehende können blind sein. Wenn das viele sind, entsteht ein Heer von Blinden. Blinde Blindenführer, die einander den Weg weisen. Das dient nicht dem Leben. „Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?“ Wenn du mich nicht siehst, warum sollte ich dich sehen? Und wie man es in den Wald hineinruft, so schallt es auch zurück. Dann tappen wir alle im Dunkeln. Blind füreinander, blind für den Weg, blind für das Recht. Augen voller Splitter und Balken. Man sieht den Wald vor Bäumen nicht und erst recht keinen Ausweg. Düstere Aussichten. Gute Nacht!</p>
<h4>Einander mit den erleuchteten Augen des Herzens sehen</h4>
<p>Liebe Gemeinde, Jesus hat uns die Augen geöffnet. Als die Jünger dem Auferstandenen begegnen, heißt es: „Ihre Augen wurden aufgetan&#8230;“ (Lk 24,31). Das Licht des Lebens ist über uns aufgegangen. Gott sieht uns an mit den Augen der Liebe, er sieht uns, wie wir wirklich sind, blickt durch jede Fassade. Er sieht uns direkt ins Herz. Das macht auch uns barmherzig. Gott sieht uns mit den Augen der Liebe an. Diese Liebe macht nicht blind. Sie erst öffnet uns die Augen für uns selbst und füreinander. Wir müssen nicht blind sein, müssen nicht sehenden Auges durch das Dunkel tappen. Mit den „erleuchteten Augen des Herzens“ (Eph 1,18) nehmen wir uns und den anderen anders wahr. Dann sehe ich nicht nur den Splitter im Auge meines Nächsten, sondern entdecke auch die ein oder andere finstere Ecke in meiner Seele, den ein oder anderen dunklen Fleck auf meiner Weste. Und weiß, ich bin auch nicht besser als er. Aber ich weiß auch, ich bin nicht nur schlecht.</p>
<p>Mit den „erleuchteten Augen des Herzens“ (Eph 1,18) sehe ich nicht nur den Splitter im Auge meines Nächsten, sondern sehe ihm auch ins Gesicht. Sehe, was sein Herz bewegt, sehe nicht nur die Fehler, sondern den ganzen Menschen. Ganz andere Gesichtpunkte drängen sich mir dann auf, zwingen mich genauer hinzusehen, noch mal nachzusehen &#8211; und dann ich werde vielleicht nachsichtig. Da ist nicht nur das 15jährige Mädchen, das einen Lippenstift hat mitgehen lassen. Da ist nicht nur ein Diebstahl oder gar das erste Anzeichen von krimineller Energie, sondern ein Mensch, der Gruppendruck ausgesetzt ist, dazugehören will, Mut zeigen muss. Ausgeschlossen sein ist schwer. Gerade in einem Alter, wo sich die Welt ganz neu erschließt. Wenn ich das alles sehe – mit offen Augen, Ohren und Herzen – dann öffnet mir das den Mund. Ich finde vielleicht die richtigen Worte, die das Herz meines Gegenübers erreichen. Und vielleicht sieht auch das junge Mädchen die Welt und sich danach ein wenig anders. „Nur mit dem Herzen sieht man gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ (Antonine de Saint-Exupéry). So möchte ich gesehen werden, so möchte ich andere sehen. Mit offenem Auge und offenem Herzen: „Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, tut ihr ebenso ihnen.“ (Lk 6,31) – „Vergebt, so wird auch euch vergeben“.</p>
<h4>Ein bisschen Himmel auf der Erde</h4>
<p>Liebe Gemeinde, wenn wir Augen und Herzen füreinander öffnen würden, dann wäre das Wetter auch nicht immer gut. Aber wir würden die Bösen vielleicht in einem anderen Licht sehen und uns selbst auch. Mit Barmherzigkeit würden wir einander begegnen und alle wären ein wenig glücklicher. Das ist zwar nicht Superman, aber ein bisschen Himmel auf der Erde. Und das ist auch nicht nichts!</p>
<p>Amen</p>
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		<title>Barmherzig, aber nicht bequem</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2009/06/barmherzig-aber-nicht-bequem/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 17:27:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>
		<category><![CDATA[Barmherzigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>

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		<description><![CDATA[Zuverlässigkeit oder Abwechslung? Pflicht oder Party? Gehen oder bleiben? Das ist immer wieder die Frage, wenn Menschen versuchen, ihr Glück zu machen. Manche sind treu bis an ihr Lebensende und andere versuchen, keine Gelegenheit zu verpassen. Einige sind zufrieden, wenn sie einen geregelten Tagesablauf haben, anderen fällt schnell die Decke auf den Kopf. Manche fühlen sich in den eigenen Wänden am wohlsten, andere sind in der Welt zu Hause. Manche sind zufrieden mit dem, was sie haben, andere glauben, etwas zu verpassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Predigt</h3>
<p>Liebe Gemeinde!</p>
<h4>Alternativen der Lebensgestaltung</h4>
<p>Zuverlässigkeit oder Abwechslung? Pflicht oder Party? Gehen oder bleiben? Das ist immer wieder die Frage, wenn Menschen versuchen, ihr Glück zu machen. Manche sind treu bis an ihr Lebensende und andere versuchen, keine Gelegenheit zu verpassen. Einige sind zufrieden, wenn sie einen geregelten Tagesablauf haben, anderen fällt schnell die Decke auf den Kopf. Manche fühlen sich in den eigenen Wänden am wohlsten, andere sind in der Welt zu Hause. Manche sind zufrieden mit dem, was sie haben, andere glauben, etwas zu verpassen.</p>
<p>Gerade aber in den Zeiten der Unsicherheit sehnen Menschen sich nach Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit. Es ist kein Wunder, dass gerade unter Jugendlichen Werte wie Treue und Vertrauen, Verlässlichkeit und Freundschaft immer noch und immer wieder hoch im Kurs stehen. Wir haben die Möglichkeit, unser Leben so zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Oft erfahren Menschen erst im Alter wirkliche Einschränkungen, wenn Gesundheit und Gedächtnis mehr nach Berechenbarkeit verlangen und auch den Bewegungsspielraum einschränken.</p>
<h4>Freiheit des Glaubens</h4>
<p>Wir können uns alle glücklich schätzen, in einem Land zu leben, in dem wir unsere eigenen Vorstellungen verwirklichen und unsere Meinung frei äußern können. Wir haben auch die Freiheit, an Gott zu glauben oder darauf zu verzichten. Wir haben die Freiheit, für unseren Glauben zu werben oder ihm gleichgültig gegenüberzustehen. Das ist eine Freiheit, von der andere Menschen oft nur träumen können.</p>
<p>Viel zu häufig herrschen Zwang und Unterdrückung. In den letzten Wochen sind zwei Frauen aus Deutschland im Jemen wegen ihres christlichen Glaubens umgebracht worden. Es sind solche schmerzlichen Ereignisse, die uns wieder bewusst machen, wie kostbar und wertvoll Religionsfreiheit ist. Im Iran gehen derzeit viele auf die Straße, weil sie genug haben von 30 Jahren Unterdrückung und Unfreiheit. Da ist nur zu hoffen und zu beten, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen und nicht mit aller Gewalt niedergeschlagen werden.</p>
<p>Unsere Gebete sind bei denen, die für Freiheit eintreten. In der Gegenwart unterdrücken gerade jene Länder die Freiheit, in denen der Islam Staatsreligion ist und wo Glaube und Religion eine große Rolle spielen, aber missbraucht werden.</p>
<h4>Freiheit der Lebensgestaltung</h4>
<p>Die Freiheit, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, sich im Leben für einen Beruf und Bildung entscheiden zu können, etwas aus seinem Leben zu machen oder auch zu scheitern, ist uns schon lange selbstverständlich geworden. Und dieses Bedürfnis, sich zu entscheiden, dieses Bedürfnis, etwas von der Welt zu sehen und auch die eigenen Erfahrungen zu machen, ist uralt. Schon Jesus hat gewusst, dass Menschen Freiheit und eigene Erfahrungen brauchen. Schon Jesus hat gewusst, dass Menschen unterschiedliche Wege gehen. Und es ist ein besonderes Kennzeichen unseres Glaubens, dass Gott uns zwar seine Gebote gibt, aber wir trotzdem Freiheit haben und Erfahrungen machen können. Heute an diesem Sonntag hören wir von zwei verschiedenen Menschen, die unterschiedliche Wege zum Glück eingeschlagen haben. Da hat einer seine Aufgaben zu Hause gemacht und der andere hat das Abenteuer gesucht. Hören wir das bekannte Gleichnis vom verlorenen Sohn, wie es geschrieben steht im Evangelium nach Lukas:</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<h4>Konsequenzen der Entscheidung</h4>
<p>Das Ergebnis ist bekannt. Der eine ist gescheitert, der andere hat seine Pflicht getan. Es ist ein Gleichnis. Von Gott und seinen Geboten. Es ist ein Gleichnis von Barmherzigkeit aber nicht von Bequemlichkeit. „Gib, mir Vater, das Erbteil, das mir zusteht.“ Er hat es bekommen. Auf seinen Wunsch und seine Verantwortung hin. Da ist nichts von Vorschriften und Vorhaltungen zu spüren. Der Vater lässt den Sohn los.</p>
<p>Das ist ja selbst heute nicht leicht. Zulassen, dass Kinder und Freunde ihre eigenen Erfahrungen machen. Oft kostet es Kraft, andere ihren Weg gehen zu lassen. Der Sohn hat seine Erfahrungen gemacht. Er ist gescheitert. Alles war weg. Hab und Gut, Freunde und Arbeit. Er hat aber nicht anderen geschadet, sondern sich selbst. Das ist ja auch heute eine wichtige Entscheidungshilfe, dann, wenn andere ihren Weg gehen wollen. Dass sie anderen nicht schaden. Der Mann war am Ende. „Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen und niemand gab sie ihm.“ Tiefer konnte er nicht fallen.</p>
<p>Jetzt kam die Erinnerung an den Vater. Die Erinnerung an die Vergangenheit ist entscheidend. Weil die Geschichte eben nicht vergessen ist, sondern immer noch das Leben prägt. Nicht nur im persönlichen Leben, sondern auch in der Geschichte eines Landes. Frühe Erfahrungen wirken sich im Leben aus. Ob man sich auf andere verlassen kann, ob sie zu einem stehen. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist ein Gleichnis von Gott, dem Glauben und den Geboten. Der Sohn erinnert sich an den Vater. Dass er dort hatte, was er brauchte. Dass er dort wenigstens nicht hungern müsste als Tagelöhner, der seine Aufgabe und sein Auskommen hat. Der Sohn ist wieder zurückgekehrt.</p>
<p>„Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.“ Es war ihm klar, dass er an seiner Situation selbst Schuld hatte. Und nicht die Schuld abwälzen konnte. Selbsterkenntnis. Damit tun sich viele heute schwer. Bequemer ist es, die Schuld am Scheitern bei anderen zu suchen. Bei den Lehrern, in der Schule , bei der Gesellschaf, in der allgemeinen Ungerechtigkeit und Chancenlosigkeit. Er dagegen hat sein Versagen erkannt. Es kostet immer Kraft und Überwindung, dann wieder den ersten Schritt zu machen. Forderungen hat der Sohn keine gestellt. Ein Gleichnis, welches auch ein Beispiel für heute ist, das Orientierung gibt. Haben wir ein Versagen unsererseits erkannt, kostet es auch uns Anstrengung und Überwindung zurückzukehren. Gott lässt Menschen Freiheit. Unser Gott setzt auf Erfahrung und Überzeugung.</p>
<p>Derzeit ist wieder die Sonntagsruhe im Gespräch und vor Gericht, weil in Berlin alle Adventssonntage zum Verkauf geöffnet werden sollen. Dabei ist anscheinend den verantwortlichen Politikern nicht mehr klar, dass sie Advent und Weihnachten dem christlichen Glauben verdanken und deshalb auch deren tiefere Bedeutung von Ruhe und Besinnung schützen müssten. Aber auch das gehört zur Freiheit des Glaubens, dass Erfahrungen gemacht werden dürfen. Vermutlich wird wieder die Zeit der Besinnung und damit der Umkehr kommen, wenn diese Menschen merken, dass verkaufsoffene Sonntage nicht mehr Umsatz, sondern mehr Stress, Streit und Kosten bedeuten. Sie werden sich dann wieder nach dieser Besinnung und Ruhe sehnen.</p>
<h4>Mut  zur Umkehr</h4>
<p>Der Sohn ist umgekehrt. Der Vater hat ihn wieder aufgenommen. Vor Gott ist es für keinen Menschen zu spät. Einer ärgert sich trotzdem, der ältere Bruder. Das würde doch vielen genauso gehen. Immer anständig und aufrichtig, und dann bekommt noch der Sohn ein Fest, der alles durchgebracht hat. Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel. Der Bruder beklagt sich. Auch das ist ein Kennzeichen unseres Glaubens. Wir brauchen nicht immer ergeben und ehrfürchtig zu sein, sondern können uns beklagen. Auch bei Gott. Über die Ungerechtigkeit. Der Vater klärt ihn auf und tröstet ihn: „Alles, was mein ist, ist dein.“ Und hätte er wirklich all die Zeit mit seinem Bruder tauschen wollen? Umkehr und Einsicht. Darauf kommt es an. Die Freiheit, uns zu entscheiden haben wir. Gott sei Dank! Was aber ist dann besser? Zuverlässigkeit oder Abwechslung, Pflicht oder Party? Der jüngere bekommt ein Fest, der ältere regt sich auf. Es sind diese zutiefst menschlichen Regungen, die Gott eben nicht verurteilt, sondern wofür er Verständnis hat. Das ist die wahre Menschlichkeit unseres Glaubens. Weil für Gott wir Menschen wichtig sind. Was ist besser? Bestimmt war der ältere Sohn die Jahre über besser dran, er hat die Nähe zum Vater, zu Gott nie verloren. Sicher ist, dass wir unsere Entscheidungen für unser Leben treffen können. Wie es auch immer ausgeht: Für Gott sind unsere Entscheidungen nicht endgültig. Er macht unser Leben endgültig gut. In Ewigkeit.</p>
<p>Amen.</p>
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