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	<title>Heidelberger Predigtforum</title>
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		<title>Die Verbindung zum Heiligen pflegen</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2012 18:31:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie gehen Sie mit schwierigen Lebenssituationen um? Wie schaffen Sie es, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich nicht damit abzufinden? Wie behalten Sie den Mut, wenn die Lage für Sie unerträglich und unannehmbar ist? Besinnen Sie sich auf ihre eigenen Kräfte und sagen sich selber: Das schaffe ich schon, da komme ich durch, so wie ich immer durch gekommen bin? Meine Erfahrung lehrt mich, dass es immer einen Weg gibt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie gehen Sie mit schwierigen Lebenssituationen um? Wie schaffen Sie es, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich nicht damit abzufinden? Wie behalten Sie den Mut, wenn die Lage für Sie unerträglich und unannehmbar ist? Besinnen Sie sich auf ihre eigenen Kräfte und sagen sich selber: Das schaffe ich schon, da komme ich durch, so wie ich immer durch gekommen bin? Meine Erfahrung lehrt mich, dass es immer einen Weg gibt? Hilft Ihnen Ihre Besinnung auf die Taufe, dass Sie von Gott angenommen und geliebt sind? Hilft Ihnen Ihr Glaube und Ihr Vertrauen in Gottes Führung? So wie er zuvor geholfen hat, wird er auch jetzt helfen? Der erste Petrusbrief will Christinnen und Christen Mut machen, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen und sie bestärken in ihrem christlichen Glauben. Der Brief ist wahrscheinlich von Rom ausgeschrieben worden, entweder vom Apostel Petrus selbst sein oder von seinem Schüler Silvanus. Auf jeden Fall transportiert der Brief den Geist des Apostels Petrus. Er hält fest an der Hoffnung durch die Auferstehung Christi von den Toten, spricht von Christus und seinem Werk, mahnt christliche Gemeindeglieder, ein geheiligtes Leben zu führen, ermutigt zum Ausharren in Leiden und spendet Trost und Vergewisserung. Er weist ausführlich auf das Erste Testament hin. Christliche Gemeindeglieder werden als Fremdlinge bezeichnet, sie sind Fremdlinge in ihrer eigenen Heimat geworden. Durch ihr Bekenntnis zu Jesus Christus gehören sie nicht mehr dem Heidentum an. Als der Brief geschrieben wird, sind die Christinnen und Christen noch in der Minderheit.</p>
<p>„Petrus, ein Apostel Jesu Christi, an die auserwählten Fremdlinge, die verstreut wohnen in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Provinz Asia und Bithynien“, so beginnt der erste Petrusbrief. Er ist an die verstreuten Gemeinden in Kleinasien gerichtet. Die Adressaten haben keinen jüdischen Hintergrund, sie sind zuvor Heiden gewesen wie ihr Umfeld, das vom Glauben an viele Götter (polytheistisch) bestimmt war. Sie haben sich aber durch die Predigt des Apostels Petrus, von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, vom Evangelium überzeugen lassen und sich schließlich taufen lassen. Dass sie nun Christinnen und Christen sind und an einen einzigen Gott glauben, führt notwendigerweise zu Konflikten mit dem römischen Staat, den Leuten im Dorf oder in der Stadt, sogar zu Konflikten in den Familien. Die Trennung geht quer durch Ehen und Verwandtschaft. Die Zeit der Christenverfolgung ist zwar noch nicht gekommen, aber im Alltag weht Christinnen und Christen ein rauer Wind entgegen, sie sind Misstrauen und Verdächtigungen ausgesetzt. Sie leben anders als die anderen, haben andere moralische Vorstellungen, sind der Obrigkeit nur bedingt gehorsam. Gott im Himmel steht für sie höher als der Kaiser in Rom, der gottgleiche Verehrung fordert und diese Ehrerbietung von den Christinen und Christen nicht bekommt. Sie lehnen eine Verschmelzung und eine Anpassung an die Staatsreligion ab. Das sorgt für Ärger.</p>
<p>Für christliche Gemeindeglieder hat das zur Folge, dass ihr Leben dadurch nicht einfach(er) wird. Gegen die Norm zu leben, ist auf Dauer anstrengend und macht einsam. Sie haben mit Repressalien zu rechnen, kommen im Beruf nur schwer voran, bekommen keine einflussreichen politischen Posten, Erfolg ist ihnen kaum beschieden. Da mag sich schon ein Gefühl der Minderwertigkeit und Bedeutungslosigkeit einschleichen. Es ist nicht motivierend, auf verlorenem Posten zu stehen. So manch einer wird sich sagen: Was soll’s, ich lebe wie zuvor. Ich lasse meinen christlichen Glauben fahren, er führt zu nichts, er treibt mich in die Enge, er hat für mich nur Nachteile. Der erste Petrusbrief ermutigt zum Ausharren. Am Ende der Zeiten wird offenbar werden, was Christi Werk für euch bedeutet. Der Verfasser des Briefes lebt in der Erwartung des nahe bevorstehenden Wiederkommens Christi; die Herrlichkeit Gottes wird in Kürze für alle sichtbar offenbart. Die Zeit der Leiden wird bald vorüber sein.</p>
<p>Dem Verfasser des 1. Petrusbriefes liegt es am Herzen, dass die Christinnen und Christen in Kleinasien nicht aufgeben. Es geht um mehr als irdischen Reichtum und irdischen Erfolg, es geht um die Teilhabe an der Herrlichkeit Gottes. Er negiert ihre Leiden nicht,  sondern nimmt sie ernst, aber er verweist darauf, dass sie nicht das Letzte sein werden. Gott und Christus werden das letzte Wort behalten. Gottes Reich wird sich durchsetzen, ihre Leiden werden vorübergehen. Was sich jetzt in den Vordergrund drängt, wird letztlich keine Bedeutung haben, was jetzt das Herz beschwert, wird abfallen wie ein Stein, der weggerollt wird.  Petrus und Silvanus ermutigen Christinnen und Christen, den Glauben nicht zu verlieren, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen und an Christus festzuhalten. Manchmal ist es wichtig, festzuhalten, nicht locker zu lassen, nicht aufzugeben, durchzuhalten. Es ist leichter, Durchhaltevermögen aufzubieten, wenn ich weiß, dass der Zeitraum nicht endlos ist, wo ich das tun muss. Das kann Trost und Hoffnung geben, die schlimme Zeit muss doch einmal ein Ende haben.</p>
<p>„Umgürtet die Hüften eures Gemütes, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi“, ermahnt der erste Petrusbrief. „Umgürtet die Hüften…“ meint: Kommt in Bewegung, macht euch auf! Die Leute trugen in der Antike lange lose herunterfallende Gewänder. Ein Gürtel rafft das Gewand, so dass die Füße ungehindert gehen können. „Umgürtet die Hüften…“ Jede fromme Christin, jeder fromme Christ, verband diese Worte mit dem Aufbruch der Israeliten aus der Befreiung aus der Sklaverei aus Ägypten. Am Vorabend des Auszuges aßen die Israeliten ihre letzte Mahlzeit, das Passahmahl, in dem Bewusstsein des eiligen Aufbruchs. „Um eure Hüften sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an den Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt essen als die, die hinweg eilen“, beschreibt das 2. Buch Mose den Aufbruch. Bereit sein zum Aufbruch. Das Unheil der Vergangenheit hinter sich lassen, weiter gehen, auf dem Weg sein, diese Botschaft schwingt mit bei den Worten: „Umgürtet eure Lenden….“</p>
<p>Die Demütigungen hinter sich lassen, die Beschränkungen, in der sie leben, den Repressalien nicht mehr unterworfen, dem wollten sie gerne den Rücken kehren. Umgürtet eure Lenden und macht euch auf den Weg, das Reich Gottes kommt. Von Anfang an der Welt ist es so von Gott beschlossen (1, 20). Im Moment ist die Lebenssituation der frühen Christinnen und Christen in Kleinasien noch schwer erträglich, aber sie wird ein Ende haben. „Umgürtet eure Lenden….“ bedeutet aber auch für sie, sich vollkommen aus dem heidnischen Umfeld zu lösen. Jetzt, da sie zu Christus gehören, sie also nicht mehr Unwissende, sondern Wissende sind, sollen sie ihr Leben in Gottesfurcht führen, auch wenn sie weltliche Nachteile dadurch in Kauf nehmen müssen. Getauft waren sie nicht als kleine Kinder, so wie es heute oftmals bei uns Taufpraxis ist, sondern sie wurden als Erwachsene getauft, die sich bewusst für den christlichen Glauben entschieden haben. Sie sollen aufbrechen zu neuer heiliger Lebensführung. So wie Gott heilig ist, sollen sich auch heilig sein in ihrem ganzen Wandel (1,15). Ein Bekenntnis zu Jesus hat Folgen für die Lebensweise: im Verhalten zu den Oberen, im Verhalten zum Nächsten. „Ihr seid losgekauft, aber nicht mit Gold und Silber, sondern mit dem teuren Blut Jesu Christi.“ Der Brief überträgt den Gedanken des Loskaufens von Sklaven auf das Verhältnis zwischen Mensch und Gott. Ihr gehört zu Gott und zu Jesus Christus. In Jesus Christus habt ihr den Grund des Glaubens und die Ursache zur Hoffnung.</p>
<p>Heute ist der Sonntag Oculi. Das Psalmwort, das dem Sonntag den Namen gibt, steht ist Psalm 25,15: „Meine Augen („Oculi“) sehen auf Gott, denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen“. Der Psalmbeter richtet seinen Blick auf Gott und erwartet von ihm Hilfe. Mit Blick auf Gott und Jesus Christus wachsen uns Kräfte zu, sind uns Dinge möglich, die uns sonst nicht möglich sind. Die Blickrichtung auf Gott und Jesus lenken unser Augenmerk auf eine andere Wirklichkeit, sie weist über unseren Alltag mit seinen Widrigkeiten und Herausforderungen hinaus. Es geht um das Aufsuchen der Nähe des Heiligen, um selbst in den Bereich des Heiligen hineingezogen zu werden. Auf dieser Welt leben und die Verbindung zum Heiligen zu pflegen, das geht gut zusammen. Sich Gottes gnädiger Zuwendung bewusst werden, verleiht Kraft und Ausdauer, mit Schwierigkeiten umzugehen, sie auszuhalten und durch zustehen in der Gewissheit, dass sie nicht von Dauer sein werden. Gottes Reich aber hat Bestand. Wir leben nicht mehr in der Naherwartung wie die Menschen damals in der Antike, als der erste Petrusbrief geschrieben wurde, aber unsere Hoffnung ist: Das Reich bricht eines Tages an. Wir sind mit Gott und Jesus Christus verbunden. Wir sitzen mit ihnen am Tisch sitzen und halten das Mahl. Wir sind von Licht und Liebe, von Glanz und Freude umgeben.</p>
<p>Oculi, meine Augen,<br />
meine Augen sehen auf  Gott.<br />
In der Taufe nimmt er uns als seine Kinder an.<br />
Oculi, meine Augen sehen auf  Gott.<br />
Und Gottes Augen sehen auf uns.<br />
Er sieht unsere Angst und Not.<br />
Oculi, meine Augen sehen auf  Christus.<br />
Er hat uns erlöst,<br />
er ist unser Trost und unsere Zuversicht.</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4977&amp;md5=f80f82ba15a3192bc866329bee8c1db3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen&#8230;&#8221;</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/28/lass-uns-den-weg-der-gerechtigkeit-gehen/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/02/28/lass-uns-den-weg-der-gerechtigkeit-gehen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2012 11:32:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Da haben sich Eltern mit viel Liebe und Sorgfalt gemüht um ihre Tochter, keine Nachhilfestunde war ihnen zu teuer, auch an Freizeitangeboten sollte es nicht fehlen. Und doch hat sie sich so anders entwickelt. Sie raucht, kleidet sich schwarz und schminkt sich auffällig. Oft kommt sie erst mitten in der Nacht nach Hause. Ob sie einen Schulabschluss schafft, ist mehr als fraglich. „Wenn du so weiter machst, landest du in der Gosse oder bei Hartz IV", bekommt sie fast täglich zu hören. Immer mehr entgleitet sie ihren Eltern, den Lehrern. Alle Mühe umsonst. Die Enttäuschung schmerzt, nicht allein bei den Eltern, auch bei der Tochter: „Ich bin hier wohl das schwarze Schaf!“</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinen Tagebüchern schreibt Max Frisch: „Man soll dem anderen die Wahrheit nicht wie einen nassen Waschlappen um die Ohren schlagen, sondern sie hinhalten wie einen Mantel, in den man hineinschlüpfen kann&#8221;. Einen solchen Mantel der Wahrheit trägt der Prophet Jesaja, als er gut 800 Jahre vor Christi Geburt Jerusalem betritt. Fröhliche und ausgelassene Stimmung umgibt ihn. Nach reicher Ernte feiern die Menschen das Herbst- und Weinlesefest. Die Scheunen und Vorratskammern sind prall gefüllt. Das Auskommen ist mehr als gesichert. Sogar reicher Gewinn ist gemacht. Reges Treiben umgibt den Propheten, als er auf den Festplatz gelangt. Erst leise, dann ein wenig lauter beginnt er zu singen. Die ersten Leute bleiben stehen. „Wohlauf, ich will ein Lied singen von meinem Freund und meinem Weinberg“, lädt er die Menschen ein, ihm zuzuhören. Schon bald ist der Prophet umringt, vor allem von den Weinbauern. Voller Vorfreude und Spannung warten sie auf ein Lied über ihre Arbeit und Mühe, an deren Ende als Belohnung üppige Ernte und reicher Gewinn stehen soll. Aber auch andere fühlen sich angesprochen, ist doch der Weinberg seit jeher das Bild für die umworbene Geliebte, um die ein junger Mann alle Mühen aufwendet, um sie für sich zu gewinnen. Immer mehr scharen sich um den Sänger, weil sie hoffen, dass er ihr Lied singt, das Lied ihres Lebens, das Lied vom Weinberg:</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<p>Wie ein weit geöffneter, wärmender Mantel klingt das Lied in den Ohren derer, die dem Propheten zuhören. Denn jeder und jede kann sich hineinversetzen in den Menschen, der es an nichts fehlen lässt und sich alle Mühe gibt um seinen Weinberg, um seine Geliebte. Der ersehnte Erfolg müsste sich eigentlich einstellen. Doch das Lied nimmt eine Wende – nicht erfahrenes Glück, sondern enttäuschte Liebesmüh stehen am Ende. Gespannt hören die Leute weiter zu. Auch wenn das Lied anders weiter geht als erhofft, finden sie sich wieder in den Tönen des Sängers, und manch einer erinnert sich an sein eigenes Lied. Die Erfahrung enttäuschter Liebe klingt nach in so manchen Herzen: Da haben sich Eltern mit viel Liebe und Sorgfalt gemüht um ihre Tochter, keine Nachhilfestunde war ihnen zu teuer, auch an Freizeitangeboten sollte es nicht fehlen. Und doch hat sie sich so anders entwickelt. Sie raucht, kleidet sich schwarz und schminkt sich auffällig. Oft kommt sie erst mitten in der Nacht nach Hause. Ob sie einen Schulabschluss schafft, ist mehr als fraglich. „Wenn du so weiter machst, landest du in der Gosse oder bei Hartz IV&#8221;, bekommt sie fast täglich zu hören. Immer mehr entgleitet sie ihren Eltern, den Lehrern. Alle Mühe umsonst. Die Enttäuschung schmerzt, nicht allein bei den Eltern, auch bei der Tochter: „Ich bin hier wohl das schwarze Schaf!“, stellt die resigniert fest. Auch viele andere finden sich wieder im Lied des Jesaja, nicken verstehend. Die Wahrheit, die im weiten Mantel des Propheten erkennbar wird, schmerzt und erinnert an den eigenen Schmerz enttäuschter Liebe, vergeblicher Mühe. Doch das Lied ist noch nicht zu ende. Denn nun spricht der Sänger seine Zuhörerschar direkt an, fordert sie auf zum eigenen Urteil: „Nun richtet ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas zwischen mir und meinem Weinberg!“</p>
<p>„Aufgeben!“ „Weg damit!“ „Das hat doch keinen Zweck und keinen Sinn mehr!“ Enttäuschung und Schmerz, Wut und Zorn, wollen sich entladen. Doch bleiben ihnen diese Antworten im Halse stecken, als die letzte Strophe beginnt. Unverkennbar deutlich und eindeutig müssen sie vernehmen, dass sie soeben über sich selbst das Urteil gesprochen haben. Denn der Weinberg, das sind sie. Und der Winzer, das ist Gott selbst, der für seine Menschen alle seine Kraft und Mühe, alle seine Liebe und Zuwendung aufgebracht hat, immer wieder neue Geduld gezeigt hat, und dem am Ende nichts anderes bleibt, als den Propheten das Lied seiner großen Enttäuschung singen zu lassen: Alles vergeblich, alles umsonst! &#8220;Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe da war Geschrei über Schlechtigkeit.&#8221; Wie im Spiegel müssen sie sich im Lied des Propheten selbst erkennen. Der, der so sensibel von der Wahrheit menschlicher Erfahrung mit enttäuschter Liebe und vergeblicher Mühe singen kann, besingt darin zutiefst und zu allererst die enttäuschte Liebe Gottes, die Vergeblichkeit all seines Bemühens um die Menschen. Sie selbst sind es, die statt Recht zu sprechen das Recht brechen. Sie selbst sind es, die es verhindern, dass Gottes Gerechtigkeit im Leben und Zusammenleben der Menschen Gestalt gewinnt und Lebensräume für alle ermöglicht. Sie selbst sind es, die es längst aufgegeben haben, einander gerecht werden zu wollen, und die es nicht hören wollen, das Schreien der Opfer, die unter Unrecht und Rechtsbruch leiden und durch ungerechte Verhältnisse an den Rand der Gesellschaft, gar an den Rand der eigenen Existenz gedrängt werden.</p>
<p>Der Mantel, den Jesaja seinen Zuhörenden hinhält, ist kein Deckmäntelchen der Liebe, der alle Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten zudeckt. „Man soll dem anderen die Wahrheit nicht wie einen nassen Waschlappen um die Ohren schlagen, sondern sie hinhalten wie einen Mantel, in den man hineinschlüpfen kann.“ Der Mantel der Wahrheit erlaubt es, die eigene Schuld und das eigene Versagen zu erkennen, zu benennen – und schließlich auch selbstkritisch zu hinterfragen. Ist die Gestaltung des eigenen wie gemeinsamen Lebens die angemessene Antwort auf die Liebe Gottes? Die Antwort auf die Mühe und Arbeit, die sich Gott gemacht hat, auf die Fürsorge Gottes? Wo wird sie Wirklichkeit und wie wird die Gerechtigkeit Gottes erfahrbar in unserem Leben und Zusammenleben in der Familie, in unserer Gemeinde, in unserem Land, in unserer Welt? Tragen wir mit aller Kraft am eigenen Ort dazu bei, dass „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ zur Lebenswirklichkeit aller Geschöpfe und Kreaturen werden? Es ist eine unbequeme Wahrheit, die uns mit dem Lied des Propheten gesungen wird, eine schmerzhafte Erkenntnis und Selbsterkenntnis, die er uns mit seinem Mantel hinhält. Es liegt an uns, ob wir dieses Angebot annehmen und in den Mantel hineinschlüpfen.</p>
<p>Der zweite Sonntag der Passionszeit trägt den lateinischen Namen Reminiszere, den Anfang des Psalms 10: „Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind&#8221;. Diese Barmherzigkeit mit uns, die wir zwar nicht verdient haben, aber doch erfahren können, spiegelt sich wieder im Symbol des Kreuzes, das für die gesamte Christenheit ihr Zeichen und Kennzeichen ist. Dieses Kreuz steht für beides: Das Kreuz steht für den Schmerz Gottes, für die große Enttäuschung, die wir ihm bereiten, weil wir unsere Begabungen und Fähigkeiten nicht einsetzen, sondern verkümmern lassen oder gar ins Gegenteil verkehren. Das Kreuz steht für das Leid, das wir Gott zufügen, wenn wir ihm keinen Raum unter uns geben, sondern ihn wie die bösen Weingärtner in der heutigen Lesung des Evangeliums fortjagen und weit draußen vor den Toren der Stadt ans Kreuz nageln. Das Kreuz steht jedoch auch – und das ein für alle Mal – für Gottes unermüdliche Zuwendung und grenzenlose Hingabe, die menschliche Gestalt gewinnt im Lebens- und Leidensweg seines Sohnes. Wohl ist „der Tod der Sünde Sold“. Doch behält er nicht das letzte Wort. Dem Tod am Karfreitag folgt am Ostermorgen die Auferstehung in ein neues Leben, das im Hier und im Jetzt seinen Anfang nimmt und Gottes Gerechtigkeit den Weg bahnt und Gestalt gewinnen lässt durch uns – mit seiner Hilfe. Das Lied des Jesaja im Herzen lassen Sie uns deshalb singen (EG RWL 675, 4):</p>
<p>Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn.<br />
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.<br />
Sehn wir in uns einen Anfang,<br />
endlos vollende dein Reich.<br />
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4797&amp;md5=b4856f081b94bffaed7f713597707ec1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Heinz Janssen: Berührungspunkte &#8211; Worte der Bibel ins Heute gedacht       (Buchbestellung über redaktion@predigtforum.de: ermäßigt 19 €, Buchhandel 29 €)</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/27/beruhrungspunkte-worte-der-bibel-ins-heute-gedacht/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/02/27/beruhrungspunkte-worte-der-bibel-ins-heute-gedacht/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 27 Feb 2012 08:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuigkeiten-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>"Berührungspunkte - Worte der Bibel ins Heute gedacht", unter diesem Titel finden sich in dem Buch  Auslegungen zu einer Auswahl zentraler Bibelworte.  Sie möchten in der Zuordnung zum Kirchenjahr  die Leserin, den Leser, in die Dynamik biblischer Themen sowie der Geschichte des Glaubens hinein nehmen.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3841600530/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=heidelbepredi-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3841600530">Berührungspunkte</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=heidelbepredi-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3841600530" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &#8211; Worte der Bibel ins Heute gedacht&#8221;, unter diesem Titel finden sich in dem Buch  Auslegungen zu einer Auswahl zentraler Bibelworte .  Sie möchten in der Zuordnung zum Kirchenjahr  die Leserin, den Leser, in die Dynamik biblischer Themen sowie der Geschichte des Glaubens hinein nehmen.<br />
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3841600530/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=heidelbepredi-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3841600530"><img class="alignright" title="Berührungspunkte" src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/41HxrWtlTRL._SL500_AA300_1.jpg" alt="" width="149" height="222" /></a>Sie verstehen sich als ein Tasten nach &#8220;Berührungspunkten&#8221; für Glauben und Leben. Der Autor, Heinz Janssen, Herausgeber und Schriftleiter des Heidelberger Predigt-Forums, geht von der unerschöpflichen Deutungsfülle und Deutungsoffenheit der biblischen Texte aus. Darum suchen die Auslegungen  den Dialog, um gemeinsam „voranzuschreiten in der Erkenntnis der Heiligen Schrift“ (Martin Luther). In diesem Sinn geben sie Impulse für die Vorbereitung im beruflichen und ehrenamtlichen Dienst der Verkündigung.  Sie dienen ebenfalls als Vorlagen für (Lese-)Predigten sowie für Andachten und Bibelge-sprächskreise. Nicht zuletzt möchten sie zur persönlichen Bibellektüre und zum Aufspüren eigener Berührungspunkte <img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=heidelbepredi-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3841600530" alt="" width="1" height="1" border="0" />mit den biblischen Glaubens- und Lebenserfahrungen ermutigen.</p>
<h4>Buchbestellung zum ermäßigten Preis</h4>
<p>Wenn Sie das Buch über das Heidelberger Predigt-Forum bestellen (redaktion@predigtforum.de), erhalten Sie es zum ermäßigten Preis von 19,00 € (im Buchhandel: 29,00 €).</p>
<p>Hier ein Überblick über den Inhalt:</p>
<p>I. Weihnachtszeit</p>
<p>Advent</p>
<p>Wanderndes Gottesvolk – Hebräer 4,9<br />
Verankerung – Evang. Gesangbuch, Lied 8<br />
Erwartung(en) – Matthäus 11,2-6<br />
Unsicher – Johannes 8,12<br />
Ein Wort zur rechten Zeit – 1. Johannes 2,1-2<br />
Dem Augenschein zum Trotz – Jesaja 7,14</p>
<p>Christfest</p>
<p>Bethlehem – Lukas 8,2-14<br />
Angekommen – Lukas 2,19<br />
Entwicklung – Lukas 2,7</p>
<p>Jahreswende</p>
<p>Gehalten – Josua 1,5<br />
Behutsames Weitergehen – Psalm 32,8<br />
Vertrauen – Johannes 6,68-69<br />
Zuspruch – Lukas 22,32<br />
Gedenken – Psalm 74,2</p>
<p>II. Osterzeit</p>
<p>Passion</p>
<p>Noch 70 Tage – Lukas 18,31-48<br />
Lernende bleiben – Matthäus 9,9-13<br />
Erste Christin in Europa – Apg 16,9 15<br />
Entscheidungsfreiheit und Verantwortung –  1. Mose / Genesis 3,1-24<br />
Entsprechung – Lukas 24,31<br />
Leib Christi – 1. Korinther 12,12-27<br />
Stärken und Schwächen – Lukas 22,31-34<br />
Langer Atem – 2. Korinther 6,3-10<br />
Du siehst mich – Johannes 13,15</p>
<p>Ostern</p>
<p>Geheimnis des Lebens – Markus 16,1-3<br />
Offen ins Weite    - Johannes 11,43<br />
Glaube als Beweis? – Hebräer 11,1<br />
Alt und neu – 2. Korinther 5,17<br />
Außen und innen – 2. Korinther 4,16-18<br />
Einstimmung – Psalm 98<br />
Der Ton macht die Musik – Psalm 98,1<br />
Kontemplation und Aktion – Matthäus 7,21<br />
Vielstimmiges Beten – Psalm 68,20</p>
<p>Christi Himmelfahrt</p>
<p>Blickrichtung – Apostelgeschichte 1,7-11<br />
Hören – Jeremia 22,29<br />
Beziehung – Johannes 12,32<br />
Suchendes Herz – Psalm 139,1-2</p>
<p>Pfingsten</p>
<p>Haus der lebendigen Steine – 1. Petrus 2,1-5<br />
Geistfülle und Geisteskraft – 4. Mose 11,11-25<br />
Guter Geist – Apostelgeschichte 2,2<br />
Gottes Kraft und Menschenkraft – Sacharja 4,6<br />
Orientierung – Jesaja 38,17</p>
<p>III. Trinitatiszeit</p>
<p>Kirche</p>
<p>Salz der Erde – Matthäus 5,13</p>
<p>Trinitatis</p>
<p>Heiliger Same – Jesaja 6,1-13<br />
Reich und arm – Lukas 16,19-31<br />
Sehen und finden – Johannes 1,35-42</p>
<p>Erntedank</p>
<p>Saat und Ernte – 1. Mose / Genesis 2,15</p>
<p>Reformation</p>
<p>Heilige Familie Kirche – 1. Korinther 3,11</p>
<p>Volkstrauertag</p>
<p>Gute Tage – Sprüche / Proverbien 14,34<br />
Frieden – Matthäus 5,9<br />
Wi(e)der Krieg – Jesaja 2,4<br />
Katastrophen – Johannes 16,33</p>
<p>Buß- und Bettag</p>
<p>Geduld – Lukas 6,36-38<br />
Bleiben – Johannes 8,31-32<br />
Miteinander leben – Psalm 103,8</p>
<p>Tod und Ewigkeit</p>
<p>Vertrauen – Psalm 90,12<br />
An Gottes Segen ist alles gelegen –<br />
Psalm 127,1</p>
<p>Anhang</p>
<p>Bibelstellenverzeichnis<br />
Verzeichnis der Bibeltexte nach dem Kirchenjahr<br />
Literaturhinweise</p>
<p>Meine Verantwortung und Mitarbeit im Prädikantendienst in Aus- und Fortbildung haben mich bei der Erarbeitung meines Buches sehr inspiriert. Dafür danke ich allen Teilnehmenden.</p>
<p>Heinz Janssen</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4521&amp;md5=794b35d19e2ee4ae42a0736561555d9a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidelberger Predigtforum jetzt neu auf facebook</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 18:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuigkeiten-Archiv]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Herzlich willkommen auf unserer neuen facebook-Seite!</p>
<p>Redaktion Heidelberger Predigtforum<br />
Heinz Janssen<br />
Herausgeber und Schriftleiter</p>
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Herzlich willkommen auf unserer neuen facebook-Seite!</p>
<p>Redaktion Heidelberger Predigtforum<br />
Heinz Janssen<br />
Herausgeber und Schriftleiter</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4778&amp;md5=a4da686d43383e5ee9640f548782dc45" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Jetzt</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/21/jetzt/</link>
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		<pubDate>Tue, 21 Feb 2012 12:09:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.predigtforum.de/?p=4769</guid>
		<description><![CDATA[<p>Das Evangelium ist das leidenschaftliche Plädoyer Gottes für die Gemeinde. Sprachlich muss das gelegentlich auch in den Worten eines Menschen sprudeln.   Wie stünde es um uns heute, wenn jener  "Völkerapostel" Paulus  damals  in Korinth nicht so leidenschaftlich für das Evangelium gekämpft hätte?</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Wortschwall, kaum zu bändigen . Kaum sind die letzten Worte auf‘s Papier gehetzt, kommt die ganze Leidenschaft heraus, die Anspannung allerdings auch. „O“, schreibt Paulus, „O Ihr Korinther, unser Mund hat sich euch gegenüber aufgetan, unser Herz ist weit geworden. Eng ist nicht der Raum, den ihr in uns habt; eng aber ist’s in euren Herzen. Ich rede mit euch als mit meinen Kindern; stellt euch doch zu mir auch so, und macht auch ihr euer Herz weit!“ Höre ich recht? Es ist von engen und weiten Herzen die Rede, von einer gar nicht mal versteckten Anschuldigung, aber auch von einer offenen Bitte. Alles im majestätischen „Wir“, als ob Paulus sich nicht trauen würde, „ich“ zu sagen. Paulus wirft den Korinthern vor, bei ihnen keine Schnitte zu haben (wie wir heute sagen), er buhlt förmlich darum, in den Herzen der Korinther einen Platz zu bekommen. Da muss doch etwas vorgefallen sein! Wenn ein Mensch so redet, steht er, Entschuldigung, mit dem Rücken zur Wand.</p>
<p>Der Mann, der sich hier outet, ist kein Geringerer als Paulus. Nachgeborener Jünger Jesu, Völkerapostel und der wohl größte Theologe aller Zeiten. Nur:  In Korinth muss die Luft wohl sehr dünn geworden sein und die Haut auch. Ich fühle mich fast wie ein Voyeur. Aber es hilft nichts: Ungewollt bin ich ins Vertrauen gezogen. Und nun? Einerseits freue ich mich, dass Paulus nicht nur steile und kunstvolle Sätze zu schmieden versteht, sondern auch sehr menschlich reagieren kann. Es gibt nicht viele Belegstellen, die Leidenschaft und Schwäche so deutlich zu erkennen ergeben. Ungeschönt, auch unzensiert. Andererseits möchte ich mich auf die Seite des Paulus schlagen, ihn meiner Sympathie und Anteilnahme versichern und ihn bedauern ob dieser undankbaren und notorisch besserwisserischen Korinther. Haben sie ihm nicht oft schon die kalte Schulter gezeigt? Ihn ins Leere laufen lassen? Paulus soll sogar einen Tränenbrief geschrieben haben, hört man. Wie dem auch gewesen sein mag: Die Autorität des Paulus ist in Korinth auf einem Tiefpunkt, und Paulus ringt um seine Gemeinde. Ein erstes Lehrstück von der christlichen Freiheit, die Paulus nicht nur durchdacht, sondern den Korinthern auch beigebracht hat. Jetzt ist er in der wenig komfortablen Situation, Opfer seiner eigenen Lehre zu werden und sich rechtfertigen zu müssen. Wir sehen Paulus über die Schulter. Er, dem der Vorwurf galt, ein glanzloser Mensch zu sein, in der Riege der anderen großen Denker und Redner eine graue Maus , schreibt ein leidenschaftliches Plädoyer.</p>
<p>Ich tue nichts, mein Amt in Verruf zu bringen – in allem erweise ich mich als Diener Gottes.<br />
In größten Nöten und Ängsten habe ich mich bewährt,<br />
ich war im Gefängnis standhaft.<br />
Ich war zuverlässig, langmütig, freundlich.<br />
Ich habe mich schlagen lassen.</p>
<p>Dann beruft er sich auf den Heiligen Geist, auf die ungefärbte Liebe, auf das Wort der Wahrheit, auf die Kraft Gottes, die in den  Schwachen mächtig ist. Zugegeben, ich habe jetzt schon ein wenig Ordnung in die Worte gebracht, die bei Paulus nur so sprudeln. Ob das fair ist, weiß ich nicht, es hilft mir aber, der Argumentation des Paulus zu folgen. Ich komme sonst nicht mit. Die Worte fliegen mir um die Ohren. Trotzdem stellt sich mir immer mehr die Frage, warum sich Paulus so in Bresche hauen muss. Kann das gut gehen, Verdienste aufzuzählen, Treuepunkte zu sammeln und alte Geschichten aufzuwärmen, wenn die anderen partout nicht wollen? Hätte Paulus nicht lieber geschwiegen? Selbstverteidigung hat doch immer einen Geruch. Was für ein Glück für Paulus, dass sein Brief später zu höchsten Ehren kam, er hätte sich sonst einfach lächerlich gemacht. Ich weiß doch, wie solche Geschichten ausgehen. Aber ich traue mich nicht, jetzt auf dieser Linie weiter zu denken. Was ist, wenn das, was ich als Selbstverteidigung ansehe, Beweis für die Wahrheit des Evangeliums ist, das noch einmal neu und ganz persönlich zur Geltung gebracht wird, zur Geltung gebracht werden muss? Paulus hat den Korinthern das Evangelium gebracht. Die Botschaft von der Versöhnung. Das Wort vom Kreuz. Das Hohelied der Liebe. Alles aufzuzählen, was er nach Korinth gebracht und in Korinth verteidigt hat, würde unsere Geduld an diesem Sonntag über Gebühr strapazieren. Häppchenweise ist es schon schwierig genug, den Reichtum zu ermessen, den Paulus den Korinthern geschenkt hat. Wir zehren bis heute davon. Nicht nur, weil Martin Luther ein großer Freund des Paulus war. Die beiden Korintherbriefe gehören zu den bedeutendsten Briefen, die je geschrieben wurden. Gleichzeitig lernen wir eine Gemeinde kennen, die zwar klein ist, aber durch besondere Diskutierfreude und Streitlust auffällt.</p>
<p>Korinth war eine blühende Handels- und Hafenstadt. Hier strandeten Güter und Ideen an. Menschen aller Herren Länder gaben sich hier ein Stelldichein. Als pulsierend und lebendig hätte das Fremdenverkehrsamt die Stadt charakterisieren können. Genau der richtige Ort auch für die Botschaft von Jesus, genau der richtige Ort auch für eine Gemeinde, die sich in seinem Namen zusammenfindet. Genau der richtige Ort auch für Paulus. In der Auseinandersetzung, die Paulus einholt, erzählt er aus seinem Leben, beispielhaft und Mut machend für andere Menschen, die von großen Nöten und Ängsten wissen; die mitbekommen haben und auch befürchten, für das Bekenntnis zu Jesus nicht nur Nachteile, sondern sogar Gefangenschaft in Kauf nehmen zu müssen, die wissen, dass es in kritischen Situationen alles andere als selbstverständlich ist, zuverlässig, langmütig und freundlich zu sein. Nein, was sich wie eine Selbstverteidigung anhört, ist eine leidenschaftliche Verteidigung des christlichen Glaubens. Mit Herzblut geschrieben, manchmal geht es nicht anders. Nicht einmal in unseren nüchternen und sachlichen Zeiten. Das Evangelium bekommt jetzt ein Gesicht. Dort  in Korinth. Paulus! Wir sehen ihn vor uns, wir hören ihn. Vorbestraft, verfolgt, eingeschüchtert , aber nicht klein zu kriegen. Weil das Wort der Wahrheit, die Kraft Gottes, die Waffen der Gerechtigkeit den Sieg behalten. Das Evangelium selbst ist das leidenschaftliche Plädoyer Gottes für die Gemeinde. Sprachlich muss das gelegentlich auch in den Worten eines Menschen sprudeln. Womit wir wieder bei Paulus sind. Klein von Gestalt mit leiser Stimme, nicht so glatt und schöngeistig wie die großen Redner, die Korinth in Schwatzbuden verwandeln, ein Diener Gottes ist Paulus. Mehr will er auch nicht sein. Christus hat ihn berufen. Diese Geschichte gehört zu den schönsten, die ich kenne: Christus braucht noch einen Jünger, damit das Evangelium zu den Völkern kommt. Wir säßen heute nicht hier, wenn er nicht in Korinth für das Evangelium gekämpft hätte.</p>
<p>Aber die Frage ist immer noch nicht beantwortet, warum Paulus sich so in die Bresche haut. Warum er so weit aus sich heraus geht. Warum er es den Korinthern nicht einfacher macht. Haben wir bisher alles vom Abschluss seiner Worte aufzuschließen versucht, jetzt müssen wir zu dem ersten Satz: „Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt. Denn er spricht (Jesaja 49,8): »Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.  Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!«“ Paulus führt sich als Mitarbeiter ein. Nicht als Herr. Seine Mahnung ist eindrücklich und nicht von der Hand zu weisen. Auch nicht bei uns. Die Gnade Gottes kann vergeblich empfangen sein. Wenn ein anderes Evangelium als das von Christus verkündigt wird und Autorität bekommt. Das war das Problem in Korinth! Mit den vielen Eindrücken, Meinungen und Ideen, die in Korinth den Weg auch in die kleine Gemeinde fanden, war Christus auf einmal einer unter vielen. Die Menschen merkten das daran, dass sich Gruppen bildeten, die jede für sich die Wahrheit gefunden hatten und sie in endlosen Streitigkeiten den anderen um die Ohren hauten. Das alles in einer Gemeinde. Ob Paulus Streitlust, vielleicht sogar ein intellektuelles Klima grundsätzlich für schlecht befunden hat, lässt sich nicht annehmen, beweisen schon gar nicht. Aber mit einer Leidenschaft, die dem kleinen Mann kaum zugetraut werden kann, kämpft er darum, das Evangelium von Jesus Christus klar und rein zu bewahren und es den Modetrends zu entziehen. Ja, was hätten wir dann gewonnen, wenn wir die Gnade Gottes vergeblich empfangen und verspielt haben? Auf die lange Bank ist auch nichts zu schieben. Jetzt ist die Zeit der Gnade. Paulus muss sich nicht hinter den Propheten Jesaja verstecken, aber er hat ihn als Gewährsmann hinter sich. Ein Zitat reicht, und schon ist eine ganze Geschichte, die längst vergangen schien, auf einmal gegenwärtig. Und das  nicht einmal im Stammland des Volkes Israel, in Korinth. Jetzt. Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils. Manchmal muss dieses „Jetzt“ alle Streitigkeiten und Dispute auf den Punkt bringen, ohne das Gespräch abzuschneiden.</p>
<p>Heute haben wir uns in unserer Kirche zum Gottesdienst versammelt. Es ist der erste Sonntag in der Passionszeit. Invokavit. Im 1. Johannesbrief (3,8b) heißt es: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre“. Die Farbe hat von grün nach violett gewechselt. Wir beginnen eine Bußzeit. Ich weiß nicht, wer uns den Briefabschnitt von Paulus aufs Auge gedrückt hat, aber es war eine weise Entscheidung. Ins Vertrauen gezogen, schauen wir Paulus über die Schultern, wir schauen ihm sogar ins Herz , so gut das geht oder so gut es uns geschenkt wird. Bei den vielen Herausforderungen, die über uns kommen, den weltanschaulichen Auseinandersetzungen, die uns umgeben, den Zweifeln, denen wir auch in unserer Gemeinde begegnen, es tut gut, „jetzt“ von einer geschenkten Gnade zu leben, „jetzt“ darauf hingewiesen zu werden. So weit weg ist Korinth nicht, dass uns die Menschen von dort nicht berühren könnten. Und was Paulus angeht: Er ist mir heute richtig sympathisch geworden. Ich kann ihm das Wasser zwar nicht reichen, aber von seinem Mut kann ich mich anstecken lassen. Jede/r von uns darf erzählen, was wir vom Evangelium empfangen haben. Mit den eigenen Worten, dem eigenen Gesicht, den eigenen Erfahrungen. Ein Gedicht, von Paulus:</p>
<p>als die Unbekannten und doch bekannt;<br />
als die Sterbenden, und siehe, wir leben;<br />
als die Gezüchtigten und doch nicht getötet;<br />
als die Traurigen, aber allezeit fröhlich;<br />
als die Armen, aber die doch viele reich machen;als die nichts haben und doch alles haben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4769&amp;md5=d6cdd74b64e06aa9a19cdf328550f0c5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Sich hinterfragen lassen</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/15/sich-hinterfragen-lassen/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 13:46:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Soll man also das Feiern von Gottesdiensten lassen? Keine Glocken mehr, die zum Gottesdienst rufen? Keine Musik mehr? Kein Gebet? Keine Predigt? -  Amos, meinst du das so hart? - Der Prophet Amos stellt mir wie damals seinen Zeitgenossen kritische Fragen.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Von Gott berührt, von Gott bewegt“ – so lautet das Motto des Jahres des Gottesdienstes 2012, das unsere/die Württembergische Landeskirche gerade begeht. Damit möchte sie das Augenmerk wieder verstärkt auf den Gottesdienst, seine vielfältigen Formen und Gestaltungsmöglichkeiten, lenken. Liebevoll und mit großem Engagement werden Gottesdienste vorbereitet (nicht nur im Jahr des Gottesdienstes), von Musizierenden, von Mesnerinnen und Mesnern, von Pfarrern und Pfarrerinnen, mit oder ohne Gottesdienst-Team. Jeden Sonntag und jeden Feiertag laden wir zum Gottesdienst ein. Schon seit der urchristlichen Zeit versammelt sich die Gemeinde. Die Apostelgeschichte schildert: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im  Brotbrechen und im Gebet…&#8221; (Apg 2).</p>
<p>Dann als Predigttext heute diese Worte des Propheten Amos: „Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und  mag eure Versammlungen nicht riechen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!“ Das ist hart. Diese Worte treffen mich  nicht nur im Herzen, sie zielen auch auf die Mitte des Gemeindelebens, die gottesdienstliche Versammlung. Soll man also das Feiern von Gottesdiensten lassen? Keine Glocken mehr, die zum Gottesdienst rufen? Keine Musik mehr? Kein Gebet? Keine Predigt?  Amos, meinst du das so hart? &#8211; Amos stellt mir wie damals seinen Zeitgenossen vielmehr kritische Fragen, auch wenn es in unseren Gottesdiensten keine „Brandopfer und Speisopfer“ gibt: Was heißt Gottesdienst für dich, du Christenmensch? Wie hältst du es, christliche Gemeinde und Kirche, mit Recht und Gerechtigkeit? Lässt du dich allenfalls berühren, aber nicht bewegen?</p>
<p>„Dankt unserem Gott, lobsinget ihm, rühmt seinen Namen mit lauter Stimm; lobsingt und danket allesamt! Gott loben, das ist unser Amt&#8221;, so heißt es in dem Lied „Nun jauchzt dem Herren, alle Welt&#8221; (EG 288,5). &#8220;Gott loben, das ist unser Amt&#8221;, das ist Gottesdienst. Dieses Loben braucht ein Gegenüber, sonst ist es Selbstlob,  Der Gottesdienst ist ein Dialog. Gott spricht, der Mensch, die antwortet in Lied, Musik, Gebet, Dank und Lob. Martin Luther hat dieses dialogische Geschehen bei der Einweihung der Schlosskirche zu Torgau treffend formuliert: Dass im Gotteshaus „nichts anderes geschehe, denn dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang“. Im Gottesdienst geht es um Gott. Gottesdienst macht öffentlich und gemeinschaftlich deutlich: Gott dient uns. Gott spricht dich, mich, uns Menschen, an. „Erkennt, dass Gott ist unser Herr, der uns erschaffen ihm zur Ehr, und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat“ (EG 288, 2).</p>
<p>Gottesdienst ist für mich zunächst: Ich vergegenwärtige mir: Gott bejaht mein Leben und begleitet mich. Gottes Zusage gilt nicht nur mir allein, sondern allen Menschen. Gott spricht einen jeden Menschen an, berührt ihn und sieht ihn als Mitglied seiner großen Menschenfamilie an. Auf das, was daraus folgen muss, lenkt Amos besonders das Augenmerk: Vergiss die andern nicht! Gottesdienst wird unverantwortlich gefeiert, wenn die feiernde Gemeinde zwar singt und lobt, aber nur mit dem Mund, wenn sie Herz und Augen für  die Lebensumstände und die Not der anderen verschließen würde. Das Schöne, das Lobenswerte, das Spirituelle soll eine Stärkung sein für ein Leben inmitten der Welt, wie sie ist, aber kein Fluchtweg vor ihrer Not. Daran erinnert auch Dietrich Bonhoeffers Satz, den er in der Zeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung gesagt hat: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen&#8221;. Von Gott berührt sein, heißt auch, von der Welt, von ihrem Elend und ihrer Not, von den Sorgen und Lasten der anderen Menschen, in der Nähe und in der Ferne, sich berühren zu lassen. Einfühlsam, mitfühlend, mitleidend, achtsam werden. In Klage und Fürbitte nehmen wir als Gemeinde dies solidarisch auf. Hier wuerde Amos vielleicht sagen: „Du vergisst aber nicht, dass es nicht um Almosen aus dem Reichtum geht?  Sondern um Gerechtigkeit im Verteilen? Dass Gott Dein Herz auch so anrühren will?“</p>
<p>Dass ich berührt werde, dazu brauche ich Zeit und Raum. Auch das möchte der Gottesdienstes geben und sein. Der Alltag, das tägliche Einerlei, wird unterbrochen. Abstand und Freiraum braucht der Mensch, um inne zu halten und von Gott angesprochen, von Gott berührt zu werden. Freiraum und Abstand sind nötig, um die Welt neu und zugleich kritisch wahrzunehmen und sich auch von ihr berühren zu lassen. Unterbrechungen brauche ich, um Lasten loszuwerden, um neu Kraft zu schöpfen und mich dann in Bewegung zu stzen.  Ich möchte mich von Gott berühren und bewegen lassen. Die kritischen Worte des Amos über die Gottesdienste stehen im Raum, wir sollten sie immer wieder neu bedenken: als Anfrage, als Auftrag und bleibende Erinnerung. Sie erinnern an die Gefahr, dass Kirche und Christentum sich entweltlichen, also welt- und damit auch menschenvergessen werden.  Gerade im Jahr des Gottesdienstes sind die deutlichen Worte des Propheten Amos hilfreich und anregend. Christliche Gemeinde und Kirche sind kein Selbstzweck. Sie sind da, um den Menschen, um Gott und der Welt zu dienen. „Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stell (EG 288, 1).</p>
<p>Gott berührt mich, damit ich bewegt und aktiv werde, meinen Glauben im Alltag lebe und die Welt mitgestalte:  „Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach&#8221;, ruft Amos. „Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“, sagt Dietrich Bonhoeffer. Jesus Christus  ist „der Mensch für andere“. In ihm hat Gott deutlich gemacht, wie sie er uns liebt, uns dient, sich fuer uns hingibt. Kirche, so Bonhoeffer, &#8220;muß an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftsleben teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend&#8221;. Durch ihr Wort weist sie darauf hin, wie lebenswichtig Recht und Gerechtigkeit sind.  Durch ihre beispielhafte Tat tritt sie für eine gute Gemeinschaft und gerechte Verhältnisse ein, den Menschen zum Wohl, Gott zur Ehre. Solche Hingabe fasst Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus pointiert zusammen: „Ich glaube, daß mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit: für all das ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewißlich wahr&#8221;.</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4747&amp;md5=7a74714e5774a4dd93348ca32f81a05a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schwach und stark</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/06/schwach-und-stark/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 11:16:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.predigtforum.de/?p=4735</guid>
		<description><![CDATA[<p>Nur nicht schwach werden. Durchsetzungsvermögen zeigen, Stärke beweisen. Die eigene Stärke suchen, fördern, sie als das persönliche Kapital anbieten. Die erworbenen Kenntnisse präsentieren, möglichst im rechten Licht erscheinen. Schwach, Schwächling sein, geht nicht. Das Gejammer, wer will dies schon hören. Kann der oder die denn nichts einstecken? „Wehr Dich doch“. „Lass dir nichts gefallen“. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Wir kennen solche „Kopf hoch“ - Rufe. Wie gehen wir mit Stärken und Schwächen um, mit den eigenen und den anderer Menschen? Welche Impulse gibt der Apostel Paulus mit seiner Glaubens- und Lebenserfahrung: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark“?</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Ob eine solche Aussage in unsere Zeit passt? Bestimmen doch heute andere Regeln den Lebensalltag. Nur nicht schwach werden. Durchsetzungsvermögen zeigen, Stärke beweisen. Die eigene Stärke suchen, fördern, sie als das persönliche Kapital anbieten. Die erworbenen Kenntnisse präsentieren, möglichst im rechten Licht erscheinen. Schwach, Schwächling sein, geht nicht. Das Gejammer, wer will dies schon hören. Kann der oder die denn nichts einstecken? „Wehr Dich doch“. „Lass dir nichts gefallen“. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Wir kennen solche „Kopf hoch“ &#8211; Rufe. Wie gehen wir mit Stärken und Schwächen um, mit den eigenen und den anderer Menschen? Wie viel sollen andere über unsere Fähigkeiten und „Kompetenzen“ wissen? Was erklärt der Apostel Paulus, was ist ihm wichtig, mitzuteilen, wenn er von Schwachheit und Stärke redet?</p>
<p>I.</p>
<p>„Wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ Diese Worte aus dem seinem zweiten Korintherbrief gehören zum Persönlichsten, was Paulus hinterließ.  Er setzt sich darin leidenschaftlich mit seinen Konkurrenten und Gegnern auseinander. Diese traten bald, nachdem Paulus die Gemeinde (um 50 n. Chr.) in Korinth gegründete hatte, in Erscheinung. Sie bestritten die Rechtmäßikeit seines Apostolats und griffen ihn auch persönlich an. Sie kritisierten sein angeblich wenig überzeugendes Auftreten. Er könne zwar gewichtige und starke  Briefe schreiben, aber wenn er öffentlich reden solle, zeige er wenig Geschick und wirke schwach und kläglich (10,10; 11,6). Sie bezweifelten wahrscheinlich seine Inspiriertheit. Wäre er vom Geist Gottes erfüllt, würde er, wie sie meinten,  ebenso frei und vollmächtig wie sie predigen. Paulus ließ ihre Angriffe nicht auf sich beruhen. Er ergriff gleichsam die Flucht nach vorne und verteidigte gegenüber der Gemeinde seinen persönlichen Ruf und seine Arbeit als Apostel – „um Christi willen“.  In seinem Verteidigungsschreiben erleben wir ihn keineswegs schwach. Die Schwachheit, von der er spricht, hat darum nichts mit Schwäche, Weichlichkeit und Wehleidigkeit zu tun, wie zunächst vermutet werden könnte. Temperamentvoll, leidenschaftlich und kämpferisch wirbt Paulus um seine Gemeinde. Von seinen Gegenspielern lässt er sich nichts gefallen. Er benennt, was ihn und alle, die mit ihm zusammenarbeiten, von ihnen unterscheidet: Sie empfehlen sich nicht wie diese selber, für sie zählt nur die Empfehlung, die von Gott kommt (10,12-18). Paulus bezeichnet das Prahlen seiner Konkurrenten als ein „Sich rühmen nach dem Fleisch“, ein „Positionieren“ nach Menschenart, es nimmt Gott, was allein ihm gehört (10,17; 11,18).</p>
<p>Die angeblich geisterfüllten Prediger zogen offensichtlich nicht wenige Menschen in der Gemeinde an. Sie konnten sich in Szene setzen, rhetorisch versiert und ohne Manuskript ihre Botschaft verkünden, die ihnen anscheinend unmittelbar senkrecht von oben eingegeben wurde. Sie präsentierten sich überheblich als die Besten, Klügsten, Erleuchtesten, als die religiösen Superstars. „Überapostel“ nannte sie Paulus – und noch aggressiver: „Pseudoapostel“ (11,5.13). Nicht ohne Ironie reagiert er auf deren Inszenierung: „…dazu waren wir zu schwach!“ (11,21). Demgegenüber begegnet uns ein überaus starker Apostel: In der Wandlung vom Saulus zum Paulus bewies er, wie lernfähig und entwicklungsfähig er war. Er konnte sich auf die Probleme der Menschen in den neu gegründeten Gemeinden einlassen. Er besuchte die Gemeinden, war mit ihnen in Briefkontakt, begleitete, (unter-)stützte, lehrte und stärkte sie. Wie viel Stärke war in den vielen Gefahren nötig, denen der Prediger des Evangeliums ausgesetzt war. Was er im Brief schildert (11,23-28), ist atemberaubend. Wie kann ein Mensch solche Härten ertragen. Mehrmals gefangen genommen, geschlagen, oft in höchsten Nöten. Fast zu Tode gesteinigt. Unter Räuber geraten. Schiffbruch erlitten. Hunger und Durst. Falsche Brüder, die ihm das Leben schwer machten, ihm die Energie raubten, die er so nötig für den Aufbau der Gemeinden und die Sorge für sie brauchte.</p>
<p>II.</p>
<p>Unglaublich, was der Apostel erlebte. Was in die Öffentlichkeit gelangte, erregte Aufsehen und wurde zum Gesprächsthema. Die einen werden mit ihm gefühlt haben. Andere schüttelten vielleicht den Kopf über ihn, weil sie das, was ihm widerfuhr,  nicht mit einem Apostel verbinden konnten. Die Aufzählung seiner bedrängenden Erfahrungen beschließt Paulus mit der rhetorischen Frage: „Wer ist schwach, und ich werde nicht schwach? Wer wird zu Fall gebracht, und ich brenne nicht?“ (11,29). Für ihn gibt es nur die Antwort: „Wenn ich mich denn rühmen soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen“ (11,30). Es ist nicht ein Zustand oder ein Mangel, den er mit dem damals ebenso wie heute geläufigen Wort „Schwachheit“ meint. Er gebraucht das Wort in einem tieferen, existenziellen, Sinn. In den so gefährlichen Lebenssituationen, mit denen er konfrontiert war, wurden ihm seine Schwachheit angesichts der Gefahren, seine Hilflosigkeit, die menschliche Nichtigkeit und das Ausgeliefertsein bewusst. Er erkannte sich allein auf Gott, auf Gottes Kraft, angewiesen. In diesem Sinn erklärt er seiner Gemeinde: „Wenn ich schwach bin, so bin ich stark“ (12,10).</p>
<p>Von einer Schwachheit, die Stärke ist, redet Paulus. Die Hilfen, die er in größter Not bekam, schreibt er nicht seinen Fähigkeiten und menschlichem Durchhaltevermögen zu, sondern Gott, Gottes Kraft, sie ist für ihn „Gnade“.  Damit hilft Paulus den Menschen, jedem einzelnen, in der Gemeinde, indem er von seiner Person weg weist auf den hin, der zu ihm gesagt hat: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (12,9). Den Mut, den der Apostel daraus schöpft, gibt er weiter. Trost des Evangeliums. Ich muss nicht um jeden Preis der Stärkste oder die Beste sein, muss mein Glück nicht allein schmieden, kann den Ratgeber zum ultimativen Erfolg liegen lassen, und das Topstyling ist für meine weitere Entwicklung nicht ausschlaggebend. Ich darf die Nöte, in die ich geriet, die Verletzungen, die mir zugefügt wurden, benennen und sagen, wie es mir im Augenblick ergeht. Schaue ich nicht nur auf mich, so kann ich mich für das Leben um mich herum öffnen, für die Menschen in Familie, Nachbarschaft, Freundschaft und Arbeitsbetrieb.</p>
<p>III.</p>
<p>Wenn uns aber Leid, Not oder Ungerechtigkeit  voll erwischt? Es gibt Verwundungen im Leben, die schwer heilen, Körper und Seele erinnern immer wieder daran. Ein Spruch wie „Was mich nicht umbringt, macht mich stark“, klingt in der Stunde der Not eher wie Hohn. Lehrt uns nicht die Lebenserfahrung, dass das Wort „stark“ durch „hart“ ersetzt werden müsste? Hier führt Paulus hilfreich weiter. Er flehte in seiner Not inständig zu Gott, Gott möge ihn von dem „Pfahl im Fleisch“ befreien. Die Antwort, die er bekam, brachte für ihn die Wende: „Er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne“ (12,8f.). Paulus weist auf Christus. Es ist wie ein Geheimnis, was er umschreibt, aber erfahrbar. Die Stärke liegt in der Beziehung zum auferstandenen Christus.</p>
<p>Jesus von Nazareth hat durch Gottes Kraft Ungerechtigkeit, Not und Leid durchgestanden und überwunden. Indem wir Jesus Christus in unser Leben aufnehmen, ihm glauben, erfahren wir, was nach menschlicher Auffassung Schwachheit ist, in einem tieferen Sinn als Stärke. Es wäre ein Missverständnis, als Christ, als Christin, schwach sein zu wollen. Jesus lehrte die Menschen, ihr Licht nicht unter einen Scheffel zu stellen, sondern es weit sichtbar leuchten zu lassen (Matthäus 5,29). Jeder, jede von uns, hat Gaben. Gott schenkt sie uns, damit wir sie einsetzen und weiter geben, um „aufzubauen“ und nicht zu „zerstören“ (10,8). Schwachheit, der sich Paulus rühmt, ist die Stärke zu wissen: Ich bleibe trotz noch so hoher Begabung, umfangreichen Wissens und großer Energie immer auf Gott angewiesen. Es ist die Stärke, die um die Grenzen unseres Menschseins weiß, die Grenze des eigenen Könnens und die Grenze der menschlichen Energie. Zur Stärke gehört außerdem, die „Narren“ zu erkennen, auch den Narren in mir selbst (11,19). Die von Gott kommende Kraft blendet nicht und schillert nicht, sie ist das Licht, welches die Dunkelheit nicht auslöschen kann, das Licht, in dem die Liebe Gottes über uns aufleuchtet. Darum können wir in Nöten und Ängsten „guten Mutes“ sein.</p>
<p>(Die Predigt erschien leicht verändert unter der Überschrift „Schwach sein und stark sein“ in: Pastoralblätter – Predigt, Gottesdienst, Seelsorge, die Praxis, 152. Jg., 2012, S. 102-106)</p>
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		<title>Weise werden</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/01/weise-werden/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 23:19:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein bisschen mehr Weisheit, wenn es darum geht, ein schwieriges Problem zu lösen? Genügend Erfahrung und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, und Fingerspitzengefühl, in der richtigen Situation das richtige Wort zu treffen? Das hätte ich oft ganz gerne. Stärke auch! Mehr Souveränität, besonders an meinen berühmten schwachen Stellen, an denen ich immer so verletzbar bin?</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, so was tut man nicht. Ein Hochbegabter, der damit auch noch angibt – oder eine Mutter, die mit der Hochbegabung ihres Kindes prahlt: mein Sohn, mit 10 Jahren schon in der 7. Klasse! Ein Chef, der seinen Mitarbeitern deutlich zu verstehen gibt: Hier habe ich das Sagen, ihr könnt reden was ihr wollt, ich sitze am Ende immer noch am längeren Hebel! Eine Gutverdienende, die bei jeder Gelegenheit ihre nicht ganz so betuchte Verwandtschaft mit Berichten von ihrem letzten Traumurlaub nervt – wohlgemerkt, zwei davon jedes Jahr, mindestens! Das erzeugt doch nur Neid. Nun, zum Glück berührt uns das nicht – nicht wirklich. Von uns würde keiner sagen: Ich bin reich. Höchstens: Ich verdiene ganz ordentlich, oder: Meine Stelle ist ganz gut bezahlt. Reich – da schwingt noch so etwas anderes mit, so etwas Traumschlossmäßiges, Abgehobenes. Niemand von uns würde sagen: Ich bin stark, wenn es nicht gerade um das Tragen von Biertischen beim Gemeindefest geht – und da kommt es ja anderen zugute. Höchstens reden wir von unseren Stärken – aber natürlich genauso auch von unseren Schwächen. Auch Weisheit ist nichts, was wir für uns in Anspruch nehmen, auch wenn wir ab und zu eine Lebensweisheit verbreiten. Nein, die Weisen, die Starken, die Reichen, wie sie beim Propheten Jeremia heißen, das sind nicht wir. Das sind eher die anderen. Leider. Denn eigentlich sind das doch keine verachtenswerten Dinge.</p>
<p>Ein bisschen mehr Weisheit, wenn es darum geht, ein schwieriges Problem zu lösen? Genügend Erfahrung und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, und Fingerspitzengefühl, in der richtigen Situation das richtige Wort zu treffen? Das hätte ich oft ganz gerne. Stärke auch! Mehr Souveränität, besonders an meinen berühmten schwachen Stellen, an denen ich immer so verletzbar bin. Reichtum – na gut, der käme auch bei mir, wie bei Jeremia, erst an dritter Stelle. Aber ich gebe zu, auch ich habe schon mal im Blick auf einen lieben Mitmenschen gedacht oder gesagt: Na ja, der kann sich das auch leisten &#8230; und so ein kleines bisschen bemitleidenswert kam ich mir da schon vor. Ganz kurz natürlich nur. Aber über etwas mehr von all dem, von Weisheit, Stärke und Reichtum – da würden Sie sich doch auch freuen. Oder nicht? Freuen natürlich, aber doch nicht damit angeben! Ein Weiser rühme sich nicht seines Reichtums, mahnt Jeremia. Ja schon. Aber im hebräischen Ausdruck steckt dasselbe Wort wie in „Halleluja“. Halleluja, lobt Gott! Wenn wir Gott unser Halleluja singen, geben wir doch nicht mit Gott an! Dann freuen wir uns einfach über ihn! Freuen ist erlaubt. Soll sich der Doktorand nicht freuen dürfen, wenn ihm ein „summa cum laude“ geglückt ist? Sollt Ihr Konfirmanden – ich meine jetzt mal ausnahmsweise nur Euch Jungens – nicht stolz darauf sein, dass Eure Körperkräfte seit dem letzten Jahr ein ganzes Stück gewachsen sind? Wenn mir eine Bekannte erzählt, dass sie unverhofft eine Erbschaft gemacht hat, soll sie sich nicht darüber freuen können und erwarten, dass ich mich mit ihr freue? Freuen ist erlaubt, auch bei Christen. Die Zeiten, in denen ein guter Christenmensch nur demütig zerknirscht und mit Leidensbittermiene herum laufen durfte, sind doch nun vorbei.</p>
<p>Freuen ist erlaubt, das meint auch Jeremia. „Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden, denn solches gefällt mir, spricht der Herr“. Gott kennen? Das ist gar nicht so schwer, wie es klingt. Das können wir auch! Gott kennen, das heißt in der Bibel einfach: Gott lieben, uns an ihm freuen. Gott lieben macht klug. Denn Liebe verwandelt. Wer liebt, spürt den Herzschlag des anderen. Der Herzschlag Gottes heißt Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit  müssen keine Gegensätze sein zu Weisheit, Stärke und Reichtum.. Ein Weiser kann unbarmherzig sein und alle, die nicht so viel im Kopf haben, mit Verachtung strafen, aber er muss es nicht. Ein Starker kann seine Stärke ausspielen auf Kosten anderer, aber er muss es nicht. Ein Reicher kann, um noch reicher zu werden, die Gerechtigkeit mit Füßen treten, aber er muss es nicht. Der Hinweis auf den Herzschlag Gottes will die Weisen, Starken und Reichen nicht einfach an die Kandare nehmen. Es geht nicht darum, weise zu sein, aber dies nicht zu zeigen und daraus nichts zu machen. Es geht vielmehr darum, Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Es geht darum, überhaupt wieder Fragen zu stellen: Was ist eigentlich Weisheit? Was ist Stärke? Was ist Reichtum? Die Weisen, die Starken, die Reichen: Sind das wirklich nur die anderen? Die Charakterzüge Gottes, die Jeremia den menschlichen Eigenschaften und Gaben gegenüber stellt, wirken wie eine Art Kontrastmittel. Kontrastmittel kennen wir aus der Medizin. Sie werden gespritzt, zum Beispiel vor Röntgenaufnahmen, um den gewünschten Teil des Körpers in der Aufnahme besser erkennen zu können. Diese Kontrastmittel Gottes, Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit, die wirken aber nicht nur diagnostisch, sie wirken auch therapeutisch: Sie bringen nicht nur klarere Erkenntnis, sie können auch verändern und heilen.</p>
<p>Ich nenne dafür ein Beispiel. Aus der jüdischen Auslegungstradition der heiligen Schrift stammt der folgende Spruch: „Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt. Wer ist stark? Wer sich selbst bezwingt. Wer ist reich? Wer sich mit dem freut, das er besitzt.“ Ich finde, das sind wunderschöne Gedanken. Es lohnt sich, sie ins Herz zu nehmen. „Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt.“ Das ist Weisheit, neu entdeckt mit dem Kontrastmittel der  Barmherzigkeit. Barmherzig, das ist das Überraschende, darf ich zuerst einmal mit mir selber sein. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht und ich kann nicht alles wissen. In Sach- und Fachfragen, da vielleicht. Aber nicht in Beziehungsfragen. Da mit Sicherheit nicht. Da bin ich nie weise. Aber ich kann immer weiser werden. Ich kann es, wenn ich dazu frei bin, die Stimmen anderer zu hören, wenn ich durch ihre Wahrnehmungen meine eigene Wahrnehmungsfähigkeit vertiefe. Jeder Mensch ist mir ein Gegenüber, von dem ich lernen kann. Gerade auch die Menschen, mit denen es mir gerade schwer ist, sind Gegenüber, von denen ich lernen kann. Ein späterer jüdischer Kommentator sagt: Selbst wenn der andere jünger ist, kannst du von ihm lernen. Damals galten die Jungen noch nicht viel. Heute müsste man es vielleicht gerade anders herum sagen: Selbst wenn dein Gegenüber älter ist, kannst du von ihm lernen. Die Wahrnehmung der Verschiedenheit legt den Grund für wertschätzenden Umgang miteinander. Das befördert die Barmherzigkeit – und die Weisheit. So gilt es für die anderen Eigenschaften auch.</p>
<p>Der letzte Teil des jüdischen Weisheitsspruchs passt zu der wunderschönen Kantate, die wir in diesem Gottesdienst hören dürfen. „Wer ist reich? Wer sich mit dem freut, das er besitzt.“ Sei zufrieden mit dem was dein ist – das ist der Grundton, der sich durch die Kantate zieht. Die zuerst eingestellten Arbeiter im Weinberg sollen mit ihrem vereinbarten Denar zufrieden sein und nicht denken: Eigentlich hätte ich doch mehr bekommen sollen. Niemand von uns würde von sich sagen: Ich bin ein Reicher, habe ich zu Beginn der Predigt gesagt. Am Ende hören wir von Gott: Warum eigentlich nicht? Sag es  doch und schäme dich nicht. Du bist reich! Würdest du deinen Reichtum verleugnen, du würdest Gott verleugnen in deinem Leben. Gott hat es recht mit mir gemacht. Wenn ich das sagen kann, brauche ich um mein Recht nicht kämpfen, ich kann mich für das Recht anderer einsetzen. Ein anderer jüdischer Weisheitsspruch spricht das als Verheißung aus: „Wer Recht und Gerechtigkeit übt, hat gleichsam die ganze Welt mit Liebe erfüllt“.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Zum Gedenken &#8211; Vor 67 Jahren</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/01/28/zum-gedenken-vor-67-jahren/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/01/28/zum-gedenken-vor-67-jahren/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 19:01:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuigkeiten-Archiv]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.predigtforum.de/?p=4717</guid>
		<description><![CDATA[<h4>Kyrie</h4>
<p>Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast.     Psalm 74,2</p>
<p>27. Januar 1945,<br />
KZ,<br />
Auschwitz,<br />
endlich<br />
befreit,<br />
Gott sei Dank.</p>
<p>Für über sechs Millionen,<br />
von Deutschen<br />
ermordeten,<br />
Juden<br />
kam die Befreiung zu spät.<br />
Gott sei es geklagt.</p>
<p><a href="http://www.predigtforum.de/2012/01/28/zum-gedenken-vor-67-jahren/" class="more-link">Read more on Zum Gedenken &#8211; Vor 67 Jahren&#8230;</a></p>
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Kyrie</h4>
<p>Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast.     Psalm 74,2</p>
<p>27. Januar 1945,<br />
KZ,<br />
Auschwitz,<br />
endlich<br />
befreit,<br />
Gott sei Dank.</p>
<p>Für über sechs Millionen,<br />
von Deutschen<br />
ermordeten,<br />
Juden<br />
kam die Befreiung zu spät.<br />
Gott sei es geklagt.</p>
<p>Welches Unrecht,<br />
es schreit zum Himmel,<br />
wie vermessen<br />
haben Menschen<br />
über Menschen<br />
verfügt.</p>
<p>Kyrie, eleison</p>
<p>Allein in Auschwitz<br />
über eine Million<br />
Kinder,<br />
Jugendliche,<br />
Erwachsene –<br />
ermordet,</p>
<p>ihrer Würde,<br />
ihres Lebens,<br />
beraubt,<br />
geschlagen,<br />
gequält,<br />
verstoßen.</p>
<p>Kyrie, eleison.</p>
<p>Ich sehe<br />
die Kinder,<br />
ihre Eltern,<br />
die Familien,<br />
ihre Angst,<br />
Todesangst,</p>
<p>auf ihren<br />
Gesichtern,<br />
in den<br />
weit<br />
aufgerissenen<br />
Augen.</p>
<p>Kyrie, eleison</p>
<p>Ich höre<br />
ihre Schreie,<br />
ihr Klagen,<br />
ihre Gebete,<br />
ihre Hoffnung<br />
auf ein Wunder.</p>
<p>Habe Wohlgefallen,<br />
Ewiger,<br />
unser Gott,<br />
an deinem Volk<br />
Israel<br />
und ihrem Gebet.</p>
<p>Kyrie, eleison</p>
<p>(Aus einem jüdischen Gebetbuch) Ewiger,<br />
dein Name werde geheiligt,<br />
dein Reich komme.</p>
<p>Kyrie, eleison.</p>
<p>(Psalm 119,133)  „Lass meinen Gang<br />
in Deinem Wort<br />
fest sein<br />
und lass<br />
kein Unrecht<br />
über mich herrschen.“</p>
<p>Kyrie, eleison.</p>
<p>(Aus: Heinz Janssen, Berührungspunkte &#8211; Worte der Bibel ins Heute gedacht, Saarbrücken 2011)</p>
 <p><a href="http://www.predigtforum.de/wordpress/?flattrss_redirect&amp;id=4717&amp;md5=b223f019b3887823384a5306841e526e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>„Höchst außergewöhnliche Blickrichtung&#8221;</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/01/28/%e2%80%9ehochst-ausergewohnlichen-blickrichtung/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/01/28/%e2%80%9ehochst-ausergewohnlichen-blickrichtung/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 18:59:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Was empfinden wir in Lebenssituationen, die uns von heute auf morgen überfallen und mit großen Ängsten erfüllen? Wenn z.B. jemand aus unserem persönlichen oder beruflichen Umfeld plötzlich schwer erkrankt, wenn ein uns vertrauter Mensch Opfer eines Unglücks wird. Denken wir an die Menschen auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“. Oder: Wenn wir zu Unrecht angegriffen, in einen Konflikt hineingezogen werden, leiden müssen? Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht überkommen uns. Wenn wir in diesen Tagen an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 67 Jahren denken, denken wir auch an das unsagbare Leid, das die Menschen damals durchmachen mussten. Wie viele haben sich von Gott verlassen gefühlt. Wir wissen nicht, wie es heute den Christinnen und Christen in Nigeria geht, oder den Menschen überall auf der Welt, die jetzt in diesem Moment Opfer von Gewalt werden. Aber Hilfe und Zuspruch brauchen sie alle dringend.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was empfinden wir in Lebenssituationen, die uns von heute auf morgen überfallen und mit großen Ängsten erfüllen? Wenn z.B. jemand aus unserem persönlichen oder beruflichen Umfeld plötzlich schwer erkrankt, wenn ein uns vertrauter Mensch Opfer eines Unglücks wird. Denken wir an die Menschen auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“. Oder: Wenn wir zu Unrecht angegriffen, in einen Konflikt hineingezogen werden, leiden müssen? Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht überkommen uns. Das Fünkchen Hoffnung, dass ein Wunder geschieht und eine Wende zum Guten eintritt, ist vielleicht schon verloschen – doch auf einmal begegnet uns ein Mensch, den wir in diesem Augenblick nicht erwartet hätten, ein Mensch, der Anteil nimmt an unserem Ergehen, uns zuspricht, aufrichtet, ermutigt und den Anstoß zu einer neuen &#8220;höchst außergewöhnlichen Blickrichtung&#8221; (K. Barth) gibt. Mitten in einer bedrängenden Lebenssituation finden wir unversehens Halt und die Kraft, weiterzugehen. Auch ein Telefonanruf, ein Brief, die im richtigen Moment kommen, kann eine solch notwendende Wirkung haben. Wenn wir in diesen Tagen an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 67 Jahren denken, denken wir auch an das unsagbare Leid, das die Menschen damals durchmachen mussten. Wie viele haben sich von Gott verlassen gefühlt. Wir wissen nicht, wie es heute den Christinnen und Christen in Nigeria geht, oder den Menschen überall auf der Welt, die jetzt in diesem Moment Opfer von Gewalt werden. Aber Hilfe und Zuspruch brauchen sie alle dringend.</p>
<p>Aus einem Brief, der Menschen in großen Schwierigkeiten helfen wollte, hörten wir heute, am letzten Sonntag nach Epiphanias, aus der Offenbarung des Johannes, auch &#8220;Apokalypse&#8221; genannt. Was Johannes auf Patmos, einer Insel in der Ägäis, im letzten Drittel des 1.Jahrhundert nach Christus erlebte, damit wurden und werden bis heute unter Mißbrauch seiner Niederschrift oft Angst und Schrecken verbreitet. Wie oft wird gerade in diesem Sinn das Wort „apokalyptische Geschehnisse“ verwendet. Aber Johannes lag es fern, mit seiner Botschaft die Menschen in Angst und Schrecken vor der Zukunft zu versetzen. Die schwere leidvolle Zeit der ersten Christenverfolgungen war zwar bereits vergangen (6,9-11), aber neue kündigten sich an, das schreckte die Gemeinden auf.  Da war viel Zuspruch für die Betroffenen nötig, um an ihrem Glauben festzuhalten und nicht aufzugeben.</p>
<p>Aus dem griechischen Urtext erfahren wir nicht eindeutig, ob Johannes von den Römern als unliebsamer Christ, der öffentlich in Ephesus auftrat, auf die Insel Patmos verbannt wurde. Oder ob er sich dorthin für eine Zeitlang zurückzog, um in der Abgeschiedenheit der Insel auf Gott zu hören oder das Evangelium zu verkündigen.  Es war „am Tag des Herrn“, an einem Sonntag, so berichtet Johannes, als er, ergriffen vom Heiligen Geist – wörtlich: Ich war im (Wirkungsbereich des) Geist(es) –, laut wie eine Trompete oder Posaune eine Stimme hörte, und er den Auftrag bekam, alles, was er sieht, aufzuschreiben und es an die sieben Gemeinden zu schicken. Die Siebenzahl umschreibt vielleicht die Gesamtheit der damaligen christlichen Kirche.</p>
<p>Als sich Johannes umwandte, weil er sehen, wissen wollte, wer mit ihm sprach, fällt sein Blick zuerst nicht auf eine wunderbare göttliche Erscheinung (&#8220;Epiphanie&#8221;), sondern auf die bedrängten Gemeinden. Er sieht die unter der Verfolgung Leidenden als goldene Leuchter dargestellt, als Lichtträger, die sie trotz schlimmer Bedrängnis sind und bleiben – eine in der Tat &#8220;höchst außerordentliche Blickrichtung&#8221;! &#8211; Ist auch die Kirche heute Lichtträgerin? Ja, aber nicht weil die ihr Angehörenden so lichtvolle Gestalten sind, sondern weil wir einander eine Botschaft weitersagen dürfen, die uns in den schwersten Lebenssituationen noch Halt gibt und trägt, eine Botschaft voller Trost und Licht. Für diese Botschaft steht jener, der spricht (V.17f.): „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes in der Hölle“. Lichtträgerin ist die Kirche auch, wenn sie das unvorstellbare Leid in der Welt sieht, wenn sie handelt und nicht weg schaut.</p>
<p>Johannes sieht Jesus, den vom Tod auferstandenen Christus. Er wird vor seinem inneren Auge als machtvolle Erscheinung sichtbar – &#8220;Christophanie&#8221;. Das lange Gewand und der goldene bis an die Brust reichende Gürtel weisen nach alter Tradition auf den Hohenpriester und König. Das schneeweiße Haupt und Haar symbolisieren &#8211; wie die feurigen Augen und die glühenden Füße &#8211; das Licht, das von Gott kommt und das sich im Antlitz Jesu wieder spiegelt. Die wie das Meer bei Sturmflut donnernde Stimme und das aus seinem Mund kommende scharfe zweischneidige Schwert umschreiben die umfassende Macht des Wortes Gottes, sie ist stärker als alle Menschenmacht. Galt das Bild der sieben Sterne als Ausdruck der Weltherrschaft des römischen Kaisers, so ist es im Erleben des Johannes Jesus Christus, er hat alle Macht. Die für uns heute fremden Bilder, die die licht- und machtvolle Erscheinung Jesu darstellen, waren damals den jungen christlichen Gemeinden aus ihrer Bibel, der jüdischen Bibel, der Bibel Jesu, vertraut. Bedenken wir, dass der römische Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.), in dessen Regierungszeit Johannes schrieb, sich als „Herr und Gott“ verehren ließ, bekommen diese Bilder eine kritische Kraft: Nicht der menschliche Herrscher, sondern Gott durch Jesus Christus hat die wirkliche Macht, sie allein wird sich durchsetzen. Jesus ist „der helle Morgenstern“ (22,16), wie wir ihn in diesem Gottesdienst in jedem Lied besingen! Das Sehen des Johannes kam aus dem Hören auf das Wort Gottes, es war ihm aus der Bibel vertraut (die Vision aus einem Traum Daniels). Johannes sah mit dem inneren Auge, er wurde mit einem Lichtblick beschenkt, der ihm zum Durchblick verhalf. Er erfährt das Geheimnis der sieben goldenen Leuchter und der sieben Sterne: Die goldenen Leuchter sind die Gemeinden, die sich eher im Dunkel als im Licht sehen – Jesus ist in ihrer Mitte – und die Sterne sind die Engel der Gemeinden. Ein wunderbares Bild für Kirche! An diesem Bild sollen wir uns orientieren. Es erinnert an die Worte Jesu: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5,14) und an die Zusage: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ (Psalm 91,11).</p>
<p>Was Johannes sah und erlebte, warf ihn buchstäblich zu Boden: &#8220;Als ich ihn sah, fiel ich vor ihm nieder wie tot&#8221;, berichtet Johannes (V.17). Erst das &#8220;Fürchte dich nicht&#8221; des Auferstandenen stellt ihn wieder auf die Füße und macht ihn zum Boten für die bedrängte Kirche. Johannes kann sie jetzt zum Durchhalten und zur Hoffnung ermutigen – im Namen dessen, der auch heute noch sein &#8220;Fürchte dich nicht&#8221; spricht und allen Bedrängten und Aufgeschreckten auch in unserer Zeit zuruft: &#8220;In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden&#8221; (Johannes 16,33) – das ist Hoffnung für uns alle, Hoffnung zum Weitergehen, überall in der Welt, in die Zukunft Gottes.</p>
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