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	<title>Heidelberger Predigtforum</title>
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		<title>Heinz Janssen: Berührungspunkte &#8211; Worte der Bibel ins Heute gedacht       (Buchbestellung über redaktion@predigtforum.de: ermäßigt 19 €, Buchhandel 29 €)</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/beruhrungspunkte-worte-der-bibel-ins-heute-gedacht/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/02/beruhrungspunkte-worte-der-bibel-ins-heute-gedacht/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 12:10:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>"Berührungspunkte - Worte der Bibel ins Heute gedacht", unter diesem Titel finden sich in dem jetzt erschienenen Buch  Auslegungen zu einer Auswahl zentraler Bibelworte.  Sie möchten in der Zuordnung zum Kirchenjahr  die Leserin, den Leser, in die Dynamik biblischer Themen sowie der Geschichte des Glaubens hinein nehmen.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3841600530/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=heidelbepredi-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3841600530">Berührungspunkte</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=heidelbepredi-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3841600530" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &#8211; Worte der Bibel ins Heute gedacht&#8221;, unter diesem Titel finden sich in dem jetzt erschienenen Buch  Auslegungen zu einer Auswahl zentraler Bibelworte .  Sie möchten in der Zuordnung zum Kirchenjahr  die Leserin, den Leser, in die Dynamik biblischer Themen sowie der Geschichte des Glaubens hinein nehmen.<br />
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3841600530/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=heidelbepredi-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3841600530"><img class="alignright" title="Berührungspunkte" src="http://www.predigtforum.de/wordpress/wp-content/uploads/2011/12/41HxrWtlTRL._SL500_AA300_1.jpg" alt="" width="149" height="222" /></a>Sie verstehen sich als ein Tasten nach &#8220;Berührungspunkten&#8221; für Glauben und Leben. Der Autor, Heinz Janssen, Herausgeber und Schriftleiter des Heidelberger Predigt-Forums, geht von der unerschöpflichen Deutungsfülle und Deutungsoffenheit der biblischen Texte aus. Darum suchen die Auslegungen  den Dialog, um gemeinsam „voranzuschreiten in der Erkenntnis der Heiligen Schrift“ (Martin Luther). In diesem Sinn geben sie Impulse für die Vorbereitung im beruflichen und ehrenamtlichen Dienst der Verkündigung.  Sie dienen ebenfalls als Vorlagen für (Lese-)Predigten sowie für Andachten und Bibelge-sprächskreise. Nicht zuletzt möchten sie zur persönlichen Bibellektüre und zum Aufspüren eigener Berührungspunkte <img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=heidelbepredi-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3841600530" alt="" width="1" height="1" border="0" />mit den biblischen Glaubens- und Lebenserfahrungen ermutigen.</p>
<h4>Buchbestellung zum ermäßigten Preis</h4>
<p>Wenn Sie das Buch über das Heidelberger Predigt-Forum bestellen (redaktion@predigtforum.de), erhalten Sie es zum ermäßigten Preis von 19,00 € (im Buchhandel: 29,00 €).</p>
<p>Hier ein Überblick über den Inhalt:</p>
<p>I. Weihnachtszeit</p>
<p>Advent</p>
<p>Wanderndes Gottesvolk – Hebräer 4,9<br />
Verankerung – Evang. Gesangbuch, Lied 8<br />
Erwartung(en) – Matthäus 11,2-6<br />
Unsicher – Johannes 8,12<br />
Ein Wort zur rechten Zeit – 1. Johannes 2,1-2<br />
Dem Augenschein zum Trotz – Jesaja 7,14</p>
<p>Christfest</p>
<p>Bethlehem – Lukas 8,2-14<br />
Angekommen – Lukas 2,19<br />
Entwicklung – Lukas 2,7</p>
<p>Jahreswende</p>
<p>Gehalten – Josua 1,5<br />
Behutsames Weitergehen – Psalm 32,8<br />
Vertrauen – Johannes 6,68-69<br />
Zuspruch – Lukas 22,32<br />
Gedenken – Psalm 74,2</p>
<p>II. Osterzeit</p>
<p>Passion</p>
<p>Noch 70 Tage – Lukas 18,31-48<br />
Lernende bleiben – Matthäus 9,9-13<br />
Erste Christin in Europa – Apg 16,9 15<br />
Entscheidungsfreiheit und Verantwortung –  1. Mose / Genesis 3,1-24<br />
Entsprechung – Lukas 24,31<br />
Leib Christi – 1. Korinther 12,12-27<br />
Stärken und Schwächen – Lukas 22,31-34<br />
Langer Atem – 2. Korinther 6,3-10<br />
Du siehst mich – Johannes 13,15</p>
<p>Ostern</p>
<p>Geheimnis des Lebens – Markus 16,1-3<br />
Offen ins Weite    - Johannes 11,43<br />
Glaube als Beweis? – Hebräer 11,1<br />
Alt und neu – 2. Korinther 5,17<br />
Außen und innen – 2. Korinther 4,16-18<br />
Einstimmung – Psalm 98<br />
Der Ton macht die Musik – Psalm 98,1<br />
Kontemplation und Aktion – Matthäus 7,21<br />
Vielstimmiges Beten – Psalm 68,20</p>
<p>Christi Himmelfahrt</p>
<p>Blickrichtung – Apostelgeschichte 1,7-11<br />
Hören – Jeremia 22,29<br />
Beziehung – Johannes 12,32<br />
Suchendes Herz – Psalm 139,1-2</p>
<p>Pfingsten</p>
<p>Haus der lebendigen Steine – 1. Petrus 2,1-5<br />
Geistfülle und Geisteskraft – 4. Mose 11,11-25<br />
Guter Geist – Apostelgeschichte 2,2<br />
Gottes Kraft und Menschenkraft – Sacharja 4,6<br />
Orientierung – Jesaja 38,17</p>
<p>III. Trinitatiszeit</p>
<p>Kirche</p>
<p>Salz der Erde – Matthäus 5,13</p>
<p>Trinitatis</p>
<p>Heiliger Same – Jesaja 6,1-13<br />
Reich und arm – Lukas 16,19-31<br />
Sehen und finden – Johannes 1,35-42</p>
<p>Erntedank</p>
<p>Saat und Ernte – 1. Mose / Genesis 2,15</p>
<p>Reformation</p>
<p>Heilige Familie Kirche – 1. Korinther 3,11</p>
<p>Volkstrauertag</p>
<p>Gute Tage – Sprüche / Proverbien 14,34<br />
Frieden – Matthäus 5,9<br />
Wi(e)der Krieg – Jesaja 2,4<br />
Katastrophen – Johannes 16,33</p>
<p>Buß- und Bettag</p>
<p>Geduld – Lukas 6,36-38<br />
Bleiben – Johannes 8,31-32<br />
Miteinander leben – Psalm 103,8</p>
<p>Tod und Ewigkeit</p>
<p>Vertrauen – Psalm 90,12<br />
An Gottes Segen ist alles gelegen –<br />
Psalm 127,1</p>
<p>Anhang</p>
<p>Bibelstellenverzeichnis<br />
Verzeichnis der Bibeltexte nach dem Kirchenjahr<br />
Literaturhinweise</p>
<p>Meine Verantwortung und Mitarbeit im Prädikantendienst in Aus- und Fortbildung haben mich bei der Erarbeitung meines Buches sehr inspiriert. Dafür danke ich allen Teilnehmenden.</p>
<p>Heinz Janssen</p>
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		<title>Weise werden</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/02/weise-werden/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 23:19:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein bisschen mehr Weisheit, wenn es darum geht, ein schwieriges Problem zu lösen? Genügend Erfahrung und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, und Fingerspitzengefühl, in der richtigen Situation das richtige Wort zu treffen? Das hätte ich oft ganz gerne. Stärke auch! Mehr Souveränität, besonders an meinen berühmten schwachen Stellen, an denen ich immer so verletzbar bin?</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, so was tut man nicht. Ein Hochbegabter, der damit auch noch angibt – oder eine Mutter, die mit der Hochbegabung ihres Kindes prahlt: mein Sohn, mit 10 Jahren schon in der 7. Klasse! Ein Chef, der seinen Mitarbeitern deutlich zu verstehen gibt: Hier habe ich das Sagen, ihr könnt reden was ihr wollt, ich sitze am Ende immer noch am längeren Hebel! Eine Gutverdienende, die bei jeder Gelegenheit ihre nicht ganz so betuchte Verwandtschaft mit Berichten von ihrem letzten Traumurlaub nervt – wohlgemerkt, zwei davon jedes Jahr, mindestens! Das erzeugt doch nur Neid. Nun, zum Glück berührt uns das nicht – nicht wirklich. Von uns würde keiner sagen: Ich bin reich. Höchstens: Ich verdiene ganz ordentlich, oder: Meine Stelle ist ganz gut bezahlt. Reich – da schwingt noch so etwas anderes mit, so etwas Traumschlossmäßiges, Abgehobenes. Niemand von uns würde sagen: Ich bin stark, wenn es nicht gerade um das Tragen von Biertischen beim Gemeindefest geht – und da kommt es ja anderen zugute. Höchstens reden wir von unseren Stärken – aber natürlich genauso auch von unseren Schwächen. Auch Weisheit ist nichts, was wir für uns in Anspruch nehmen, auch wenn wir ab und zu eine Lebensweisheit verbreiten. Nein, die Weisen, die Starken, die Reichen, wie sie beim Propheten Jeremia heißen, das sind nicht wir. Das sind eher die anderen. Leider. Denn eigentlich sind das doch keine verachtenswerten Dinge.</p>
<p>Ein bisschen mehr Weisheit, wenn es darum geht, ein schwieriges Problem zu lösen? Genügend Erfahrung und die Fähigkeit, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, und Fingerspitzengefühl, in der richtigen Situation das richtige Wort zu treffen? Das hätte ich oft ganz gerne. Stärke auch! Mehr Souveränität, besonders an meinen berühmten schwachen Stellen, an denen ich immer so verletzbar bin. Reichtum – na gut, der käme auch bei mir, wie bei Jeremia, erst an dritter Stelle. Aber ich gebe zu, auch ich habe schon mal im Blick auf einen lieben Mitmenschen gedacht oder gesagt: Na ja, der kann sich das auch leisten &#8230; und so ein kleines bisschen bemitleidenswert kam ich mir da schon vor. Ganz kurz natürlich nur. Aber über etwas mehr von all dem, von Weisheit, Stärke und Reichtum – da würden Sie sich doch auch freuen. Oder nicht? Freuen natürlich, aber doch nicht damit angeben! Ein Weiser rühme sich nicht seines Reichtums, mahnt Jeremia. Ja schon. Aber im hebräischen Ausdruck steckt dasselbe Wort wie in „Halleluja“. Halleluja, lobt Gott! Wenn wir Gott unser Halleluja singen, geben wir doch nicht mit Gott an! Dann freuen wir uns einfach über ihn! Freuen ist erlaubt. Soll sich der Doktorand nicht freuen dürfen, wenn ihm ein „summa cum laude“ geglückt ist? Sollt Ihr Konfirmanden – ich meine jetzt mal ausnahmsweise nur Euch Jungens – nicht stolz darauf sein, dass Eure Körperkräfte seit dem letzten Jahr ein ganzes Stück gewachsen sind? Wenn mir eine Bekannte erzählt, dass sie unverhofft eine Erbschaft gemacht hat, soll sie sich nicht darüber freuen können und erwarten, dass ich mich mit ihr freue? Freuen ist erlaubt, auch bei Christen. Die Zeiten, in denen ein guter Christenmensch nur demütig zerknirscht und mit Leidensbittermiene herum laufen durfte, sind doch nun vorbei.</p>
<p>Freuen ist erlaubt, das meint auch Jeremia. „Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden, denn solches gefällt mir, spricht der Herr“. Gott kennen? Das ist gar nicht so schwer, wie es klingt. Das können wir auch! Gott kennen, das heißt in der Bibel einfach: Gott lieben, uns an ihm freuen. Gott lieben macht klug. Denn Liebe verwandelt. Wer liebt, spürt den Herzschlag des anderen. Der Herzschlag Gottes heißt Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit  müssen keine Gegensätze sein zu Weisheit, Stärke und Reichtum.. Ein Weiser kann unbarmherzig sein und alle, die nicht so viel im Kopf haben, mit Verachtung strafen, aber er muss es nicht. Ein Starker kann seine Stärke ausspielen auf Kosten anderer, aber er muss es nicht. Ein Reicher kann, um noch reicher zu werden, die Gerechtigkeit mit Füßen treten, aber er muss es nicht. Der Hinweis auf den Herzschlag Gottes will die Weisen, Starken und Reichen nicht einfach an die Kandare nehmen. Es geht nicht darum, weise zu sein, aber dies nicht zu zeigen und daraus nichts zu machen. Es geht vielmehr darum, Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen. Es geht darum, überhaupt wieder Fragen zu stellen: Was ist eigentlich Weisheit? Was ist Stärke? Was ist Reichtum? Die Weisen, die Starken, die Reichen: Sind das wirklich nur die anderen? Die Charakterzüge Gottes, die Jeremia den menschlichen Eigenschaften und Gaben gegenüber stellt, wirken wie eine Art Kontrastmittel. Kontrastmittel kennen wir aus der Medizin. Sie werden gespritzt, zum Beispiel vor Röntgenaufnahmen, um den gewünschten Teil des Körpers in der Aufnahme besser erkennen zu können. Diese Kontrastmittel Gottes, Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit, die wirken aber nicht nur diagnostisch, sie wirken auch therapeutisch: Sie bringen nicht nur klarere Erkenntnis, sie können auch verändern und heilen.</p>
<p>Ich nenne dafür ein Beispiel. Aus der jüdischen Auslegungstradition der heiligen Schrift stammt der folgende Spruch: „Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt. Wer ist stark? Wer sich selbst bezwingt. Wer ist reich? Wer sich mit dem freut, das er besitzt.“ Ich finde, das sind wunderschöne Gedanken. Es lohnt sich, sie ins Herz zu nehmen. „Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt.“ Das ist Weisheit, neu entdeckt mit dem Kontrastmittel der  Barmherzigkeit. Barmherzig, das ist das Überraschende, darf ich zuerst einmal mit mir selber sein. Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nicht und ich kann nicht alles wissen. In Sach- und Fachfragen, da vielleicht. Aber nicht in Beziehungsfragen. Da mit Sicherheit nicht. Da bin ich nie weise. Aber ich kann immer weiser werden. Ich kann es, wenn ich dazu frei bin, die Stimmen anderer zu hören, wenn ich durch ihre Wahrnehmungen meine eigene Wahrnehmungsfähigkeit vertiefe. Jeder Mensch ist mir ein Gegenüber, von dem ich lernen kann. Gerade auch die Menschen, mit denen es mir gerade schwer ist, sind Gegenüber, von denen ich lernen kann. Ein späterer jüdischer Kommentator sagt: Selbst wenn der andere jünger ist, kannst du von ihm lernen. Damals galten die Jungen noch nicht viel. Heute müsste man es vielleicht gerade anders herum sagen: Selbst wenn dein Gegenüber älter ist, kannst du von ihm lernen. Die Wahrnehmung der Verschiedenheit legt den Grund für wertschätzenden Umgang miteinander. Das befördert die Barmherzigkeit – und die Weisheit. So gilt es für die anderen Eigenschaften auch.</p>
<p>Der letzte Teil des jüdischen Weisheitsspruchs passt zu der wunderschönen Kantate, die wir in diesem Gottesdienst hören dürfen. „Wer ist reich? Wer sich mit dem freut, das er besitzt.“ Sei zufrieden mit dem was dein ist – das ist der Grundton, der sich durch die Kantate zieht. Die zuerst eingestellten Arbeiter im Weinberg sollen mit ihrem vereinbarten Denar zufrieden sein und nicht denken: Eigentlich hätte ich doch mehr bekommen sollen. Niemand von uns würde von sich sagen: Ich bin ein Reicher, habe ich zu Beginn der Predigt gesagt. Am Ende hören wir von Gott: Warum eigentlich nicht? Sag es  doch und schäme dich nicht. Du bist reich! Würdest du deinen Reichtum verleugnen, du würdest Gott verleugnen in deinem Leben. Gott hat es recht mit mir gemacht. Wenn ich das sagen kann, brauche ich um mein Recht nicht kämpfen, ich kann mich für das Recht anderer einsetzen. Ein anderer jüdischer Weisheitsspruch spricht das als Verheißung aus: „Wer Recht und Gerechtigkeit übt, hat gleichsam die ganze Welt mit Liebe erfüllt“.</p>
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		<item>
		<title>Zum Gedenken &#8211; Vor 67 Jahren</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/01/zum-gedenken-vor-67-jahren/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/01/zum-gedenken-vor-67-jahren/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 19:01:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neuigkeiten-Archiv]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.predigtforum.de/?p=4717</guid>
		<description><![CDATA[<h4>Kyrie</h4>
<p>Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast.     Psalm 74,2</p>
<p>27. Januar 1945,<br />
KZ,<br />
Auschwitz,<br />
endlich<br />
befreit,<br />
Gott sei Dank.</p>
<p>Für über sechs Millionen,<br />
von Deutschen<br />
ermordeten,<br />
Juden<br />
kam die Befreiung zu spät.<br />
Gott sei es geklagt.</p>
<p><a href="http://www.predigtforum.de/2012/01/zum-gedenken-vor-67-jahren/" class="more-link">Read more on Zum Gedenken &#8211; Vor 67 Jahren&#8230;</a></p>
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4>Kyrie</h4>
<p>Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast.     Psalm 74,2</p>
<p>27. Januar 1945,<br />
KZ,<br />
Auschwitz,<br />
endlich<br />
befreit,<br />
Gott sei Dank.</p>
<p>Für über sechs Millionen,<br />
von Deutschen<br />
ermordeten,<br />
Juden<br />
kam die Befreiung zu spät.<br />
Gott sei es geklagt.</p>
<p>Welches Unrecht,<br />
es schreit zum Himmel,<br />
wie vermessen<br />
haben Menschen<br />
über Menschen<br />
verfügt.</p>
<p>Kyrie, eleison</p>
<p>Allein in Auschwitz<br />
über eine Million<br />
Kinder,<br />
Jugendliche,<br />
Erwachsene –<br />
ermordet,</p>
<p>ihrer Würde,<br />
ihres Lebens,<br />
beraubt,<br />
geschlagen,<br />
gequält,<br />
verstoßen.</p>
<p>Kyrie, eleison.</p>
<p>Ich sehe<br />
die Kinder,<br />
ihre Eltern,<br />
die Familien,<br />
ihre Angst,<br />
Todesangst,</p>
<p>auf ihren<br />
Gesichtern,<br />
in den<br />
weit<br />
aufgerissenen<br />
Augen.</p>
<p>Kyrie, eleison</p>
<p>Ich höre<br />
ihre Schreie,<br />
ihr Klagen,<br />
ihre Gebete,<br />
ihre Hoffnung<br />
auf ein Wunder.</p>
<p>Habe Wohlgefallen,<br />
Ewiger,<br />
unser Gott,<br />
an deinem Volk<br />
Israel<br />
und ihrem Gebet.</p>
<p>Kyrie, eleison</p>
<p>(Aus einem jüdischen Gebetbuch) Ewiger,<br />
dein Name werde geheiligt,<br />
dein Reich komme.</p>
<p>Kyrie, eleison.</p>
<p>(Psalm 119,133)  „Lass meinen Gang<br />
in Deinem Wort<br />
fest sein<br />
und lass<br />
kein Unrecht<br />
über mich herrschen.“</p>
<p>Kyrie, eleison.</p>
<p>(Aus: Heinz Janssen, Berührungspunkte &#8211; Worte der Bibel ins Heute gedacht, Saarbrücken 2011)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>„Höchst außergewöhnliche Blickrichtung&#8221;</title>
		<link>http://www.predigtforum.de/2012/01/%e2%80%9ehochst-ausergewohnlichen-blickrichtung/</link>
		<comments>http://www.predigtforum.de/2012/01/%e2%80%9ehochst-ausergewohnlichen-blickrichtung/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 18:59:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.predigtforum.de/?p=4712</guid>
		<description><![CDATA[<p>Was empfinden wir in Lebenssituationen, die uns von heute auf morgen überfallen und mit großen Ängsten erfüllen? Wenn z.B. jemand aus unserem persönlichen oder beruflichen Umfeld plötzlich schwer erkrankt, wenn ein uns vertrauter Mensch Opfer eines Unglücks wird. Denken wir an die Menschen auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“. Oder: Wenn wir zu Unrecht angegriffen, in einen Konflikt hineingezogen werden, leiden müssen? Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht überkommen uns. Wenn wir in diesen Tagen an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 67 Jahren denken, denken wir auch an das unsagbare Leid, das die Menschen damals durchmachen mussten. Wie viele haben sich von Gott verlassen gefühlt. Wir wissen nicht, wie es heute den Christinnen und Christen in Nigeria geht, oder den Menschen überall auf der Welt, die jetzt in diesem Moment Opfer von Gewalt werden. Aber Hilfe und Zuspruch brauchen sie alle dringend.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was empfinden wir in Lebenssituationen, die uns von heute auf morgen überfallen und mit großen Ängsten erfüllen? Wenn z.B. jemand aus unserem persönlichen oder beruflichen Umfeld plötzlich schwer erkrankt, wenn ein uns vertrauter Mensch Opfer eines Unglücks wird. Denken wir an die Menschen auf dem sinkenden Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“. Oder: Wenn wir zu Unrecht angegriffen, in einen Konflikt hineingezogen werden, leiden müssen? Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht überkommen uns. Das Fünkchen Hoffnung, dass ein Wunder geschieht und eine Wende zum Guten eintritt, ist vielleicht schon verloschen – doch auf einmal begegnet uns ein Mensch, den wir in diesem Augenblick nicht erwartet hätten, ein Mensch, der Anteil nimmt an unserem Ergehen, uns zuspricht, aufrichtet, ermutigt und den Anstoß zu einer neuen &#8220;höchst außergewöhnlichen Blickrichtung&#8221; (K. Barth) gibt. Mitten in einer bedrängenden Lebenssituation finden wir unversehens Halt und die Kraft, weiterzugehen. Auch ein Telefonanruf, ein Brief, die im richtigen Moment kommen, kann eine solch notwendende Wirkung haben. Wenn wir in diesen Tagen an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 67 Jahren denken, denken wir auch an das unsagbare Leid, das die Menschen damals durchmachen mussten. Wie viele haben sich von Gott verlassen gefühlt. Wir wissen nicht, wie es heute den Christinnen und Christen in Nigeria geht, oder den Menschen überall auf der Welt, die jetzt in diesem Moment Opfer von Gewalt werden. Aber Hilfe und Zuspruch brauchen sie alle dringend.</p>
<p>Aus einem Brief, der Menschen in großen Schwierigkeiten helfen wollte, hörten wir heute, am letzten Sonntag nach Epiphanias, aus der Offenbarung des Johannes, auch &#8220;Apokalypse&#8221; genannt. Was Johannes auf Patmos, einer Insel in der Ägäis, im letzten Drittel des 1.Jahrhundert nach Christus erlebte, damit wurden und werden bis heute unter Mißbrauch seiner Niederschrift oft Angst und Schrecken verbreitet. Wie oft wird gerade in diesem Sinn das Wort „apokalyptische Geschehnisse“ verwendet. Aber Johannes lag es fern, mit seiner Botschaft die Menschen in Angst und Schrecken vor der Zukunft zu versetzen. Die schwere leidvolle Zeit der ersten Christenverfolgungen war zwar bereits vergangen (6,9-11), aber neue kündigten sich an, das schreckte die Gemeinden auf.  Da war viel Zuspruch für die Betroffenen nötig, um an ihrem Glauben festzuhalten und nicht aufzugeben.</p>
<p>Aus dem griechischen Urtext erfahren wir nicht eindeutig, ob Johannes von den Römern als unliebsamer Christ, der öffentlich in Ephesus auftrat, auf die Insel Patmos verbannt wurde. Oder ob er sich dorthin für eine Zeitlang zurückzog, um in der Abgeschiedenheit der Insel auf Gott zu hören oder das Evangelium zu verkündigen.  Es war „am Tag des Herrn“, an einem Sonntag, so berichtet Johannes, als er, ergriffen vom Heiligen Geist – wörtlich: Ich war im (Wirkungsbereich des) Geist(es) –, laut wie eine Trompete oder Posaune eine Stimme hörte, und er den Auftrag bekam, alles, was er sieht, aufzuschreiben und es an die sieben Gemeinden zu schicken. Die Siebenzahl umschreibt vielleicht die Gesamtheit der damaligen christlichen Kirche.</p>
<p>Als sich Johannes umwandte, weil er sehen, wissen wollte, wer mit ihm sprach, fällt sein Blick zuerst nicht auf eine wunderbare göttliche Erscheinung (&#8220;Epiphanie&#8221;), sondern auf die bedrängten Gemeinden. Er sieht die unter der Verfolgung Leidenden als goldene Leuchter dargestellt, als Lichtträger, die sie trotz schlimmer Bedrängnis sind und bleiben – eine in der Tat &#8220;höchst außerordentliche Blickrichtung&#8221;! &#8211; Ist auch die Kirche heute Lichtträgerin? Ja, aber nicht weil die ihr Angehörenden so lichtvolle Gestalten sind, sondern weil wir einander eine Botschaft weitersagen dürfen, die uns in den schwersten Lebenssituationen noch Halt gibt und trägt, eine Botschaft voller Trost und Licht. Für diese Botschaft steht jener, der spricht (V.17f.): „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes in der Hölle“. Lichtträgerin ist die Kirche auch, wenn sie das unvorstellbare Leid in der Welt sieht, wenn sie handelt und nicht weg schaut.</p>
<p>Johannes sieht Jesus, den vom Tod auferstandenen Christus. Er wird vor seinem inneren Auge als machtvolle Erscheinung sichtbar – &#8220;Christophanie&#8221;. Das lange Gewand und der goldene bis an die Brust reichende Gürtel weisen nach alter Tradition auf den Hohenpriester und König. Das schneeweiße Haupt und Haar symbolisieren &#8211; wie die feurigen Augen und die glühenden Füße &#8211; das Licht, das von Gott kommt und das sich im Antlitz Jesu wieder spiegelt. Die wie das Meer bei Sturmflut donnernde Stimme und das aus seinem Mund kommende scharfe zweischneidige Schwert umschreiben die umfassende Macht des Wortes Gottes, sie ist stärker als alle Menschenmacht. Galt das Bild der sieben Sterne als Ausdruck der Weltherrschaft des römischen Kaisers, so ist es im Erleben des Johannes Jesus Christus, er hat alle Macht. Die für uns heute fremden Bilder, die die licht- und machtvolle Erscheinung Jesu darstellen, waren damals den jungen christlichen Gemeinden aus ihrer Bibel, der jüdischen Bibel, der Bibel Jesu, vertraut. Bedenken wir, dass der römische Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.), in dessen Regierungszeit Johannes schrieb, sich als „Herr und Gott“ verehren ließ, bekommen diese Bilder eine kritische Kraft: Nicht der menschliche Herrscher, sondern Gott durch Jesus Christus hat die wirkliche Macht, sie allein wird sich durchsetzen. Jesus ist „der helle Morgenstern“ (22,16), wie wir ihn in diesem Gottesdienst in jedem Lied besingen! Das Sehen des Johannes kam aus dem Hören auf das Wort Gottes, es war ihm aus der Bibel vertraut (die Vision aus einem Traum Daniels). Johannes sah mit dem inneren Auge, er wurde mit einem Lichtblick beschenkt, der ihm zum Durchblick verhalf. Er erfährt das Geheimnis der sieben goldenen Leuchter und der sieben Sterne: Die goldenen Leuchter sind die Gemeinden, die sich eher im Dunkel als im Licht sehen – Jesus ist in ihrer Mitte – und die Sterne sind die Engel der Gemeinden. Ein wunderbares Bild für Kirche! An diesem Bild sollen wir uns orientieren. Es erinnert an die Worte Jesu: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5,14) und an die Zusage: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ (Psalm 91,11).</p>
<p>Was Johannes sah und erlebte, warf ihn buchstäblich zu Boden: &#8220;Als ich ihn sah, fiel ich vor ihm nieder wie tot&#8221;, berichtet Johannes (V.17). Erst das &#8220;Fürchte dich nicht&#8221; des Auferstandenen stellt ihn wieder auf die Füße und macht ihn zum Boten für die bedrängte Kirche. Johannes kann sie jetzt zum Durchhalten und zur Hoffnung ermutigen – im Namen dessen, der auch heute noch sein &#8220;Fürchte dich nicht&#8221; spricht und allen Bedrängten und Aufgeschreckten auch in unserer Zeit zuruft: &#8220;In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden&#8221; (Johannes 16,33) – das ist Hoffnung für uns alle, Hoffnung zum Weitergehen, überall in der Welt, in die Zukunft Gottes.</p>
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		<title>&#8220;Wir können neu ins Leben gehen&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 18:31:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Viele Gemeinden sind heute im Focus der Weltöffentlichkeit, ohne wirklich gesehen zu werden, Gemeinden u. a. im Nahen Osten, in Nordafrika. Von Exodus ist die Rede. Von Angst. Aber auch von Hass. Es gibt militante Muslime, es gibt aber auch militante Christen. Die Medien halten das nicht immer auseinander. Selbst Nachrichten können zu Waffen werden. Ich sehe dann das Bild, das Johannes nach seiner Vision auf der Insel Patmos beschreibt, in einem neuen Licht. Kann es noch Waffen geben, wo Christus doch das das letzte Wort spricht? Nein, vergangen ist diese Geschichte leider nicht. Die Geschichte von angefochtenen, bedrängten und verdrängten Menschen und Gemeinden. In unseren Breiten merken wir, wie brüchig Traditionen sind und dass auch große und mächtige Institutionen wie unsere Kirche hilflos und ängstlich mit dem Rücken zur Wand stehen.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir machen heute eine Reise nach – Patmos. Eine Trauminsel! Sie können im Reisebüro fragen, im Bekanntenkreis herumhören oder googlen. Wunderschöne Bilder! Groß ist die Insel zwar nicht, knapp 34 qkm, aber hügelig. Sie liegt fast ein wenig verloren in der südlichen Ägäis, ist  spärlich bewachsen, trägt aber den Beinamen „Insel mit dem Heiligenschein“. Dabei ist sie ebenso berühmt wie berüchtigt als Sträflingsinsel. Wer damals verstummen und verschwinden sollte, wurde hier kaltgestellt. Einen, den es getroffen hat, kennen wir, sogar mit Namen: Johannes. Heute erinnert eines der wichtigsten Klöster der griechisch-orthodoxen Kirche an ihn, das Johannes-Kloster. Im 11. Jahrhundert auf den Ruinen eines Artemis-Tempels erbaut, hebt es eine alte Geschichte hinter dickem Gemäuer für uns auf.  Johannes hat uns etwas schriftlich zurückgelassen.</p>
<p>(Lesung des Predigttextes)</p>
<p>Am besten, wir fangen vorne an. Johannes ist verbannt. Das Schiff, das ihn auf die Insel brachte, ist längst abgefahren.  Die Römer wissen schon, wie das geht, Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Auf ein Schicksal mehr oder weniger kommt es auch nicht an. Da sind sich alle Mächtigen einig.  Aber Johannes trotzt ihnen. Seine starke  Waffe ist das Wort. Es soll ihn zwar keiner hören, aber Johannes schreibt dann eben. Wort für Wort. Festgehalten. Es rutscht mir so heraus: für die Ewigkeit. Es wird ein langer Brief! Es wird ein großartiger Brief! „Ich bin Johannes, euer Bruder und Gefährte.“  Es ist eine bewegte Zeit. Auch für die kleinen christlichen Gemeinden in Kleinasien. Ihre Existenz allein scheint schon als gefährlich eingestuft zu werden. Gefährlich für den Kaiser, für seinen Kult, für die öffentliche Meinung. Schon ein Gottesdienst wird zur Provokation, das Glaubensbekenntnis, Christus sei der Herr, gar zum Hochverrat. Viele Christen sind noch nicht lange dabei, da geraten sie auch schon in Konflikte. Sie können sich auf nichts berufen, es gibt weder Traditionen noch Institutionen. Nur einen Anfang, der jäh enden kann. Ob sie standhalten? Die Kraft haben, treu zu bleiben? Lohnt es sich denn überhaupt? Gelegentlich stehen Ansprüche einfach gegeneinander: Hier der Kaiser, der göttliche Verehrung beansprucht, die Staatsraison, die Sachzwänge, dort das Bekenntnis zu Christus, sein Weg, sein Wille. Dass das keine Formsache ist, spüren die Christen hautnah: Wer hat denn das letzte Wort? Wer hat denn das erste Wort? Im Leben und im Sterben? Es ist gut, dass Johannes ihnen, uns, einen Brief schreibt! Als einer, der wie sie getroffen ist, aber auch als einer, der eine große Gewissheit mit ihnen teilen kann: „Ich bin Johannes, euer Bruder und Mitgenosse an der Bedrängnis und am Reich und an der Geduld in Jesus“. Manchmal brauche ich auch einen solchen Bruder, eine solche Schwester, manchmal darf ich  ein solcher Bruder  sein. Nah, vertraut, einfach da. Auf eine Idee ist Johannes nicht gekommen: Parolen auszugeben. Durchhalteparolen.</p>
<p>Johannes beschreibt, was er sieht. Johannes beschreibt auch, was er weiß. Er schöpft aus einem reichen Fundus. Gottes Geschichte mit den Menschen fängt nicht erst jetzt an. Es hat einen Bund mit Israel gestiftet, mit uns. Was für ein ehrenvolles Wort: Altes Testament. Die Bilder wachsen Johannes zu. Sie überschlagen sich förmlich im Kopf. Aber im Herzen entsteht eine große Klarheit. Nehmen wir von den vielen Bildern nur eine Szene in die Mitte. Da steht einer, einem Menschensohn gleich, inmitten von sieben Leuchtern. Sieben Sterne hat er in seiner rechten Hand. Und aus seinem Mund kommt ein Schwert, zweischneidig und scharf. Auf seine Kleider wollen wir jetzt nicht achten, auch nicht auf sein Aussehen. Wir sind überwältigt. So fremdartig steht er da, so fremdartig muss er dastehen. Gott selbst mit den Zügen Jesu – können wir uns ein Bild von ihm machen? Ihn in ein Bild bannen? Die Leuchter sind die Gemeinden in Kleinasien. Goldene Leuchter! Nichts von kleinem Glauben. Es ist so, als ob die Bedrängnis in ihr Gegenteil verwandelt wird. Sieben Leuchter sind zwar auf dem ersten Blick wie abgezählt und überschaubar, aber sie stehen für die Gesamtheit der Gemeinden. Ich weiß  gar nicht, welcher Leuchter unsere Gemeinde ist. Aber ich sehe ihn: Der Herr wird von seinen Gemeinden umringt. Er lässt sich in die Mitte nehmen. Mehr, er stellt sich in die Mitte. Er versammelt seine Gemeinden um sich. Die Nähe, die ich mir wünsche: hier sehe ich sie.</p>
<p>In seiner rechten Hand trägt er sieben Sterne. Ich stelle mir Sterne immer groß vor. Jetzt sind sie handlich. Nicht nur ein Stern, gleich sieben passen in seine Hand. Sterne – sie stehen für die ganze Macht Roms. Für seine Übermacht. Für seine Größe. Aber seht her: Zusammengeschrumpft. Auf die Größe einer Hand. Seiner Hand. Nein, Rom ist tatsächlich in seiner Hand. Auch geborgen. Getragen. Das bleibt. Das bleibt auch jetzt, wo der Sturm losgebrochen ist. Aber diese Sterne haben ihre Macht verloren. Sie bestimmen nicht mehr das Schicksal. Die ganze Geschichte ist in der Hand des Menschensohnes. Als Daniel, der Prophet, zum ersten Mal eine solche Vision beschrieb, konnte er noch nicht ahnen, dass die Christen ihren Herrn in dieser Gestalt erkennen konnten. Kyrios nennen wir ihn. Herrn! So rufen wir ihn auch an. Gott lässt uns so sein Gesicht sehen und in die Hand schauen. Die ganze Welt liegt darin. Wenn das der Kaiser wüsste! Das Schwert, dass aus dem Mund kommt, nun, es sieht gefährlich ist. Die Klinge zu beiden Seiten geschärft, blitzeblank. So stelle ich mir das vor. Es steht hier für das letzte Urteil. Das letzte Urteil aber ist ein Wort. Unmissverständlich! Scharf! Gerecht! Eben wie ein zweischneidiges Schwert. Umgangssprachlich haben wir zwar daraus ein Bild für Ambivalenz gemacht: Egal, was wir sagen – alles ist irgendwie unsicher, irgendwie schneiden wir uns ins eigene Fleisch, irgendwie treffen den/die Falschen. Aber hier sehen wir im Bild von dem Schwert, das dem Mund entwächst, letzte Gewissheit: die Welt ist schon gerichtet. Der Evangelist Johannes hat das in seinem Evangelium in immer neuen Wendungen entfaltet. Was immer das heißt: Wir können uns nicht mehr begründet auf unsere eigene Angst zurückziehen. Wir können uns auch nicht mehr entschuldigen. Heute sehen wir in dieser überwältigenden Vision das letzte Wort.</p>
<p>Leuchter, Sterne und Schwert! Viele Gemeinden sind heute im Focus der Weltöffentlichkeit, ohne wirklich gesehen zu werden. Gemeinden im Nahen Osten, in Nordafrika … Von Exodus ist die Rede. Von Angst. Aber auch von Hass. Es gibt militante Muslime, es gibt aber auch militante Christen. Die Medien können das nicht immer auseinanderhalten. Vielleicht wollen sie es auch nicht immer. Selbst Nachrichten werden zu Waffen. Zu Waffen geschmiedet. Ich sehe dann das Bild, das Johannes beschreibt, noch einmal in einem neuen Licht. Kann es noch Waffen geben, wo Christus doch das das letzte Wort spricht? Nein, vergangen ist diese Geschichte nicht. Die Geschichte von angefochtenen, bedrängten und verdrängten Gemeinden. In unseren Breiten merken wir, wie brüchig Traditionen sind und dass auch große und mächtige Institutionen wie unsere Kirche hilflos und ängstlich mit dem Rücken zur Wand stehen. Rhetorisch zwar immer auf der Höhe, aber geistig, geistlich oft so arm. Wir können uns nicht einmal in unsere eigene Geschichte retten. Ich sehe dann das Bild, das Johannes beschreibt, noch einmal in einem neuen Licht: Christus pflegt nicht unsere Krisen, er stellt sich mitten unter uns. Was das dann heißt: Leuchter sein! Goldene Leuchter! Was ich von uns nicht weiß, hier sehen wir es: wer wir sind  und was uns zugetraut, zugemutet wird. Er  in unserer Mitte!<br />
Leuchter, Sterne und Schwert!</p>
<p>Bevor ich „Amen“ sage oder Sie „Amen“ denken: Einer feinen und kleinen Bewegung wollen wir noch nachschauen.  Es heißt in der Offenbarung: „Ich  hörte hinter mir eine große Stimme“ und dann:  „Und ich wandte mich um“. Eine Nebensächlichkeit? Es fällt kaum auf. Aber es stellt die Offenbarung vom Kopf auf die Füße: Meistens reden wir von dem, was vor uns liegt. Das wollen wir anpacken. Ein verräterisches Wort: Was können wir denn festhalten? Heute werden unsere Blicke umgewendet: Wir schauen zurück. Wir schauen hinter uns. Was uns in Bedrängnissen, Zweifel und Zerwürfnissen hält, liegt hinter uns. Gottes Geschichte mit uns Menschen. Es ist ein langer, weiter Weg. Wir können ihn nicht einmal überschauen. Aber es ist ein Weg der Treue Gottes. Die Freiheit, die Befreiung, die Erlösung liegt hinter uns. Die Gemeinden in Kleinasien, Irak und Ägypten, in Aachen, Brüssel und Paris  und anderswo finden sich in einer Geschichte wieder, die lange vor ihnen angefangen hat und nicht beendet ist. Wer wissen will, was Leben hält und trägt, was Glauben stark macht und Hoffnung groß, hört hinter sich eine Stimme – und dreht sich um.  Übrigens: Am Schluss hebt Christus Johannes auf. Wie tot liegt er da. Überwältigt. Ganz klein. Es ist eine überaus zärtliche und schöne Szene: „Wir können neu ins Leben gehen“ (EG 432).</p>
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		<title>Schlüsselerlebnis</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 12:19:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>„Apokalypsen“ haben wieder Konjunktur. Hollywood macht den Schrecken anschaulich. Malt die Offenbarung des Johannes, das letzte Buch der Bibel, das „Buch mit sieben Siegel“, auch ein Schreckensszenario? Unzählige Deutungen hat bis heute dieses wahrscheinlich gegen Ende des 1. Jh. n. Chr. entstandene Buch hervorgerufen.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kennen Sie diese Worte: „Fürchte dich nicht. Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes“? Das sind Trostsprüche, die bis heute in die christlichen Gemeinden hineingewirkt haben, obwohl oder gerade weil sie aus einem biblischen Buch stammen, das eine archaische Bildersprache hat. Heute, am letzten Sonntag nach Epiphanias, blicken wir noch einmal auf Weihnachten zurück, das Fest des Lichtes, der Menschwerdung Gottes. „Wir sahen seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Als Staatsgefangener des Kaisers Domitian auf die Gefängnisinsel Patmos verbannt und isoliert von seiner Gemeinde, schrieb Johannes das Buch der Offenbarung: das Buch mit den „sieben Siegeln“, es war vielen schwer verständlich, die Eingeweihten aber, die zwischen den Zeilen lesen konnten, haben sofort gewusst, was Johannes ihnen sagen wollte. Ein Gefangener, ein Dissident, schreibt an seine Leute, die dem staatlichen Unterdrückungsapparat ausgesetzt sind. Seine Visionen sollen ihnen Kraft geben, sie trösten und bestärken. Weil es immer wieder – für die christlichen Gemeinden ebenso wie für die einzelnen Gemeindeglieder – solche Situationen der Bedrückung, Gefährdung und Angst gab und gibt, ist die Offenbarung das Trostbuch für die Kirche geworden.</p>
<p>Die christlichen Gemeinden im ersten nachchristlichen Jahrhundert litten unter der Verfolgung durch den römischen Staat, denn sie hatten sich geweigert, den Kaiser in Rom als Gott zu verehren. Für sie galt: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Nun standen ihnen schwere Zeiten bevor. Es sollte bis ins vierte Jahrhundert dauern, ehe sie die staatliche Anerkennung als erlaubte Religion von Rom erhielten. Und heute? Was bedrückt uns Christen heute? Wir sind die DDR-Diktatoren los. Aber sind wir deshalb ohne Anfechtung? Heute wird alles dem Diktat des „Marktes“, was immer das ist, unterstellt. „Der Markt“ will Dies oder Jenes. Er ist wie ein scheues Reh, das man nicht verärgern darf. Seinen Gesetzen muss man folgen, sonst droht Insolvenz, pekuniäre Vernichtung.  Wer sich nicht den Gesetzen des Marktes unterwerfen will, „wird schon sehen, was er davon hat“. So wird ein ziemliches Bedrohungspotential aufgebaut. Das Bild des Auferstandenen kann Orientierung und Trost geben. Der Seher Johannes wird von dessen Geist ergriffen. Johannes soll sich an sieben bekannte christliche Gemeinden wenden  und ihnen schreiben, was ihm der Auferstandene offenbarte. Er stellt ihnen Jesus vor Augen, den Menschensohn, den sie kennen, dem sie nachgefolgt sind. Er steht in der Mitte der Gemeinde, er ist die Mitte der Verkündigung: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben“, so bekannten die Väter der Bekennenden Kirche in Barmen 1934 gegenüber dem Ungeist des Nationalsozialismus: Jesus Christus ist der Herr, niemand sonst. Das ist die Botschaft, die der Gemeinde Halt und Richtung weist.</p>
<p>In leuchtenden Farben malt der Seher den verfolgten Christen ein Bild an den Himmel, das sie nie aus dem Blick verlieren sollen (V.13-16): “und mitten unter den Leuchtern (sah ich) einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel.  Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme  und seine Füße wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie großes Wasserrauschen; und er hatte sieben Sterne in seiner rechten Hand, und aus seinem Munde ging ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Angesicht leuchtete, wie die Sonne scheint in ihrer Macht“. Johannes berichtet, dass er wie tot zu den Füßen des Auferstandenen fiel. Aber er soll nicht liegen bleiben, sondern aufstehen und die angefochtenen Schwestern und Brüder trösten. Er hat die Botschaft gehört, die er weiter geben soll: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle“. Diese Botschaft wurde für Johannes zum „Schlüsselerlebnis“: Jesus erwies sich durch seinen Tod und seine Auferstehung stärker als alle Herren der Welt und ihre „Märkte“. „Fürchtet euch nicht! In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden,“ sagte Jesus in der Stunde des Abschieds von den Seinen vor seinem Weg ans Kreuz. Die sieben genannten stehen exemplarisch für die Gesamtheit der christlichen Gemeinden.</p>
<p>,Fürchte dich nicht, Gemeinde,<br />
wenn du siehst, wie andere Gruppierungen größer und stärker werden,<br />
wenn deine finanziellen Mittel nicht für eine wirksame Werbung reichen,<br />
wenn du Angst ums Überleben hast.’</p>
<p>Die Jahreslosung aus dem Zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth triffts: „Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Deshalb glauben wir den Worten des Sehers Johannes, der in seiner Schwachheit die Kraft und Stärke Gottes erfuhr und dem sich Christus als der Lebendige erwies.</p>
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		<title>Herunter vom hohen Ross</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 16:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wie wohltuend, endlich vom Pferd zu steigen. Herabsteigen vom hohen Ross...</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(Fünf kleine Kerzen sind etwa auf einer Leiter stufenweise angeordnet. Sie brennen. Zuoberst steht eine größere Kerze, die ist zu Beginn nicht angezündet.  Es spricht eine Knecht Naamans laut zu den anderen Knechten oder eher mit sich selber:)</p>
<p>Ja, es reicht; bringt die Tiere zum Stehen; es ist genug für heute. Steigt ab!</p>
<p>Die Sonne steht schon tief am Horizont. Ob wir morgen das letzte Stück der Reise schaffen? Naaman meint, es sei zu bewältigen. Die Pferde schaffen das. Aber die Maultiere? Mit der Last? Er wolle so viel Erde mitnehmen, wie zwei Maultiere tragen können. Tragen können: Da hat er ans Maximum gedacht, nicht an ein bisschen Sand oder Erde.</p>
<p>Kümmert ihr euch um die Pferde – und ihr um die Maultiere. Dort drüben ist ein Brunnen.</p>
<p>Wie wohltuend, endlich vom Pferd zu steigen. Herabsteigen vom hohen Ross, das musste mein Herr Sprosse für Sprosse. Sonst erteilt er uns fast nur Befehle, verteilt Lob und Tadel. Was sich sonst in ihm abspielt, behält er für sich. Auch was in seinem Haus los ist, bleibt sein Geheimnis. Gehörte das zu seiner Ehre? Auf ihn als Berater des Königs strahlt der Glanz unseres Königs. Aber er musste herunterkommen und ist heruntergekommen. Nicht erst gestern, als er in den Jordan stieg. Aber erst gestern war er so weit, erst gestern hat er uns verraten, warum er ausgerechnet diese Reise nach Israel gemacht hat. Er hat mehr aus sich heraus gelassen, als wir von ihm gewohnt sind. Schön ausgesehen hat seine Haut wirklich nicht. Ob er Schmerzen hatte oder unter dem Jucken litt? Ich weiß es nicht. Am Schlimmsten war für ihn vielleicht der Eindruck, den er mit seiner Haut auf andere machte, das passte nicht zu seinem Auftreten sonst. Diese junge Frau in seinem Haus im Dienst seiner Frau muss den Anlass gegeben haben. Die hat er sicher nicht persönlich um Rat und Hilfe gebeten – das kann ich mir nicht vorstellen. Sie hätte sich auch sagen können: Der soll weiter leiden an seiner Krankheit, das ist die Rache Gottes dafür, dass uns die Aramäer überfallen und mich entführt haben. Aber sie muss ihrer Herrin eine Andeutung gemacht haben. Die muss das unserem Herrn weiter gesagt haben. Immerhin: Er ist ein kleines Stück vom hohen Ross gestiegen und hat den Rat angenommen. Oder musste seine Frau ihn drängen? Spielt keine Rolle. (Die oberste kleine Kerze wird ausgeblasen.)</p>
<p>Schaut, wo wir lagern können, baut die Zelte auf. Sichert besonders Naamans Zelt.</p>
<p>Auch für den nächsten Schritt hat er sich sicher überwinden müssen: vor seinen Herrn treten. Sonst ging er dort ein und aus, der Berater seiner Majestät. Aber jetzt ging es nicht um Politik, nicht um Planung eines neuen Angriffs oder Verteidigung der Grenzen. Jetzt ging es um seine Gesundheit. Ausgerechnet ins verfeindete Ausland wollte er. Ich möchte wissen, wie er das unserem König beigebracht hat. Bei uns gibt es auch Heilpraktiker und Medizinmänner. Wie sollte er diese Reise rechtfertigen, zu unseren Feinden in Israel? Wie Naaman den König überzeugt hat? Ihn sogar dazu gebracht hat, ihm ein Empfehlungsschreiben mitzugeben? Er musste weiter ein Stück vom hohen Ross herunter steigen. (Die nächste Kerze von oben nach unten wird ausgeblasen.)</p>
<p>Sichert alles, dass auch die Tiere vor Raubtieren geschützt sind.</p>
<p>Man verkehrt am liebsten unter seinesgleichen. Gefragt hat er die Dienerin seiner Frau offensichtlich nicht, wo dieser Profet, dieser Medizinmann, zu finden ist. Für Naaman war Samaria das Naheliegende, die Hauptstadt, der Königshof. Er steht im königlichen Dienst, also ist das Ziel der König des Nachbarlandes. Er empfand wie wir alle: Der König ist mit religiösen Weihen eingesetzt, er ist zuständig für Heil und Unheil in seinem Land. Er befiehlt auch den Profeten und Medizinmännern. Also auf zum königlichen Hof. Soll der König den Profeten an den Königshof bestellen! Sonst geht es bei Staatsbesuchen um Krieg und Frieden und den Austausch von Waren. Wir haben als seine Diener wieder nichts vom Gespräch dort in Samaria mitbekommen, aber interessanterweise hat er auch das uns gestern wissen lassen: Der andere König zeigte sich misstrauisch über die Zumutung, er verfüge über die Gesundheit eines Fremden. Und äußerte den Verdacht, hier gehe es um Spionage. Der Königshof als falsche Adresse: Der Profet stand also nicht im Dienst des Königs. Wieder musste Naaman ein Stück herunter vom hohen Ross. Ein Glück, dass der König in Samaria ihn und uns alle nicht verhaften ließ. (Eine weitere Kerze wird ausgeblasen.)</p>
<p>Holt den Proviant, richtet das Essen für Naaman in seinem Zelt, für uns hier draußen.</p>
<p>Es ging für unseren Herrn noch weiter, noch tiefer. Ich weiß nicht, wie der Profet, als Elisha stellte er sich vor, von uns erfahren hat und wer uns den Tipp gegeben hat. Schließlich erschienen wir mit unserem ganzen Tross vor der einfachen Hütte dieses Mannes. Naaman in vornehmem Gewand auf dem Ross, in der Hütte der einfache Gottesmann. Ich hatte auch erwartet, der kommt heraus, verneigt sich vor dem fremden Staatsgast und fragt nach dem Anliegen. Von wegen. Er schickt seinen Diener heraus, lässt meinem Herrn ausrichten: Wasch dich siebenmal im Jordan! Dafür hätten wir nicht diese Reise mit allem Drum und Dran machen müssen. Dann hätte mein Herr auch einen Boten zu diesem Elisha schicken können mit der simplen Frage: Was soll ich tun gegen meine Hautkrankheit? In der Tat: In irgendeinen unserer Flüsse hätte Naaman auch steigen können. So einladend sah das Wasser des Jordan nicht aus: braun, er führte nach dem Regen Erde mit sich. Naaman hatte eine feierliche Handlung erwartet, die Anrufung der Götter oder in Israel zumindest des einen Gottes, geheimnisvolle Worte, eine heilende Bewegung über den kranken Stellen und die Berührung seines Körpers… Nichts davon. Wasch dich siebenmal im Jordan! Das empfand er wohl als die größte Zumutung: Wir sollten alles fertig machen für die Heimreise, ohne Heilung, ohne Genesung, ohne Erfolg! Er war gekränkt. Aber das hatten wir mitbekommen, das konnte er nicht für sich geheim halten. So tief gekränkt – wir wussten nicht, wie er auf irgendeine Empfehlung von uns reagieren würde. Aber ich habe es doch gewagt: Hoher Herr, versucht es zumindest! Er musste noch ein Stück herunter von seinem Hochmut, vom hohen Ross. (Eine weitere Kerze wird ausgeblasen.)</p>
<p>Er wollte allein hinuntersteigen in den Fluss. Ich denke nicht, er hätte sich vor uns seines nackten Körpers geschämt. Es hatte schon einiges gegeben, dessen er sich hätte schämen können. Mir schien, nach allem, was geschehen war, wollte er jetzt allein sein. Nicht einmal sein Kammerdiener war dabei. Vielleicht wollte er für sich herausbekommen: Was geschieht hier mit mir? Was macht mich wirklich unrein, was macht mich rein? Aber er war noch immer nicht ganz unten angekommen: Nachdem sich sein Äußeres so verändert hatte, wollte er sich bedanken beim Profeten für alles, was der ihm geschenkt hatte – oder der Gott dieses Profeten. Was haben wir nicht alles dabei? Gold, Silber, Festgewänder… Was schenkt man einem solchen Wunderheiler? Doch der hat nichts angenommen. Er wollte wohl zeigen: Nicht er hat den Fremden heil werden lassen, sondern sein Gott. Noch einmal wurden unsere Vorstellungen durchkreuzt, hat der Profet unseren Herrn noch weiter vom hohen Ross herunter geholt. (Die unterste der kleinen Kerzen wird ausgeblasen.)</p>
<p>Was werden wohl die anderen denken, wenn wir mit dieser Ladung israelischer Erde zuhause ankommen? Für ihn ist es ein Symbol: Er ist Stück um Stück von seiner Höhe heruntergeholt worden – und hat erkannt: So macht der andere Gott, der Gott Elishas, ihn wirklich groß. Irgendetwas wollte er von dieser Religion mitnehmen in sein Haus, auf sein Grundstück. Auf seine Frage, ob er unseren König weiter bei religiösen Verpflichtungen in den Tempel begleiten dürfe, hat ihm der Profet nichts in den Weg gelegt: Geh nur und leb wohl!, hat er gesagt. Auch wenn ihn dieser Weg Stück für Stück heruntergeholt hat von seinem Hochmut: Vor seinem Herrn und König darf er seine Rolle weiter spielen. Aber dort unten am Jordan, im Jordan hat er gemerkt: Er steht nicht nur vor seinem König, er steht vor diesem Gott. Das verleiht ihm eine neue Würde. Für die ist diese Erde das Symbol. (Die große Kerze oben wird angezündet.)</p>
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		<title>Gottesbild und Gotteserfahrung</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 22:39:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die biblische Geschichte  von der Heilung des fremden Naaman regt an, sich mit Gottesbildern, auch mit dem eigenen Gottesbild, zu befassen. Der Gott Israels überschreitet die Grenzen von Nationen und Religionen. Im Hinblick auf diesen weltumspannenden Gottesgedanken passen Worte von  Martin Luther King jr. aus seinem berühmten fingierten „Brief des Apostels Paulus...",  dort heißt es, auf die Kirche bezogen: „Ich muß euch wie so viele andere daran erinnern, daß die Kirche der Leib Christi ist...Ich höre, daß es bei euch Protestanten über 250 verschiedene Denominationen gibt. Aber schlimmer ist noch, daß manche von ihnen behaupten, allein im Besitz der Wahrheit zu sein..."</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gesundheit ist ein unbezahlbar hohes Gut. „Hauptsache gesund“, ist ein oft ausgesprochener Wunsch; dieser Ausspruch muss nicht in Frage gestellt werden. Gute Wünsche füreinander bei besonderen Anlässen schließen ebenfalls meist den Wunsch für Gesundheit ein. Viele haben Krankheit im persönlichen Umfeld erlebt und erfahren, wie auf einmal sich alles verändert. Da ist die Hoffnung auf ärztliche Hilfe wichtig wie jede Möglichkeit, die helfen könnte.  Wenn alle ärztliche Kunst nichts mehr ausrichtet, kann nur noch ein Wunder alles zum Guten wenden. Darauf hoffte auch der an einer Hautkrankheit leidende syrische Heerführer Naaman. Den entscheidenden Hinweis, der den kranken Naaman wieder hoffen lässt, bekommt er durch eine israelitische junge Frau, sie stand als Kriegsgefangene im Hause Naamans als Sklavin im Dienst von dessen Ehefrau. Sie kennt den in Samaria, der Hauptstadt des Nordreiches Israel, lebenden Propheten, Elischa, und sie traut ihm zu, dass er Naaman helfen und heilen kann.</p>
<p>Selbst in einer bedrängenden Lebenssituation, geprägt von der Feindschaft zweier Staaten, deren Opfer die junge Israelitin geworden ist, bringt die junge Frau  für einen Menschen Hoffnung, der vom Leben nichts mehr erwartet. Obwohl Naaman sie als Sklavin hielt und ein Feind ihres Volkes war, äußert die junge Frau keinen Gedanken der Rache wie: ‚Soll er doch auch leiden’, keinen Gedanken an Genugtuung wie: ‚Jetzt hat es auch ihn erwischt’ oder: ‚Jetzt kann er anderen Völkern nicht mehr schaden’. Die junge Frau lässt sich allein von der Not eines Menschen leiten, nicht davon, ob jemand Freund oder Feind ist. In der Sorge um die Gesundheit Naamans sucht sie den Kontakt mit dessen Frau, ihrer Herrin.</p>
<p>Das unglaubliche Ansinnen der jugendlichen Israelitin wird noch dadurch hervorgehoben, dass der König von Israel von dem Vorgesetzten Naamans, dem aramäischen Nachbarkönig, gebeten wird, den Kranken zu heilen: „Bin ich (denn) ein Gott, dass ich tot und lebendig machen könnte?”  Diese Reaktion des israelitischen Königs kann als eine Absage an die Vergötterung menschlicher Macht und Machthaber, auch als eine Absage an die Käuflichkeit von Gesundheit verstanden werden; sie zeigt außerdem, wie wenig selbstverständlich eine gelingende Kommunikation ist. Wie schwer ist es, aufeinander zu hören, sich in sein Gegenüber einzufühlen und wahrzunehmen, was der andere Mensch wirklich von mir will. Wie schnell kommt es zu Verdächtigungen. „Er will nur Krieg“, sagt der israelitische König. Unvorstellbar, der andere will nur geheilt werden. Unvorstellbar, wenn die Person einem anderen Volk angehört? Unvorstellbar, wenn dieser Mensch einen anderen Glauben hat? Unvorstellbar?</p>
<p>Elischa, der Gottesmann, lässt dem König sagen, Naaman solle zu ihm kommen. Voller Erwartung begibt sich Naamann zum Haus Elischas. Seine Enttäuschung ist groß, als lediglich ein Bote des Propheten erscheint und dem Fremden sagen lässt, er solle sich siebenmal im Jordan waschen, dies bringe ihm die ersehnte Heilung. Zornig zieht Naaman weg, hatte er doch den prophetischen Heiler persönlich erwartet und dessen rituelle Praktiken. Seine Diener können ihn gerade noch davon abhalten, wieder abzureisen. Es gelingt ihnen, Naaman dazu zu bewegen, das Wenige zu tun, was der Prophet ihm gesagt hat und das „Gesundheitsbad” im Jordan zu nehmen. Das Bad wirkt, und die Heilung bewirkt eine neue Lebenssicht.  Nahm sich der Prophet zurück, weil es nicht um sein Tun, nicht um seine Heil- und Wunderkraft, ging, sondern um Gottes heilsames Wirken, wofür er Vertrauen wecken wollte? Im richtigen Augenblick stehen ihm die junge Israelitin und die Diener des Hilfesuchenden zur Seite. Auf ganz unspektakuläre Weise kommt es so zu einer persönlichen Erfahrung Naamans mit dem Gott Israels. Gottes auf Heil und Heilung zielendes Handeln braucht kein großes Aufgebot.</p>
<p>Der Fluss bekommt in der Prophetenerzählung symbolische Bedeutung. Das Wasser wäscht rein. Veraltetes, Verkrustetes, schwemmt es fort, vielleicht die Dickhäutigkeit des abgebrühten, erfolgreichen Kriegsherrn. Das fließende Wasser symbolisiert Bewegung, den guten Fluss der Dinge; das siebenmalige Untertauchen in das Wasser das Untertauchen mit Leib und Seele, des ganzen Menschen mit seinen Ängsten und Hoffnungen.<br />
Die Geschichte von der Heilung des fremden Naaman regt an, sich mit Gottesbildern, auch mit dem eigenen Gottesbild, zu befassen. Der Gott Israels überschreitet die Grenzen von Nationen und Religionen. Im Hinblick auf diesen weltumspannenden Gottesgedanken sei in Erinnerung an Martin Luther King jr. aus seinem berühmten fingierten „Brief des Apostels Paulus an die amerikanischen Christen“ zitiert; dort heißt es, auf die Kirche bezogen: „Laßt mich ein Wort über die Kirche sagen. Ich muß euch wie so viele andere daran erinnern, daß die Kirche der Leib Christi ist. Wenn die Kirche ihrem Wesen treu bleiben will, darf sie weder Trennung noch Uneinigkeit kennen. Ich höre, daß es bei euch Protestanten über 250 verschiedene Denominationen gibt. Aber schlimmer ist noch, daß manche von ihnen behaupten, allein im Besitz der Wahrheit zu sein. Ein so enges Sektierertum zerstört die Einheit des Leibes Christi. Gott ist weder Baptist noch Methodist, weder Presbyterianer noch Episkopaler. Gott steht über unseren Konfessionen. Das müßt ihr wissen, wenn ihr wahre Zeugen Christi sein wollt“.</p>
<p>Naaman wurde gesund – und um eine Gotteserkenntnis reicher. Blieb für ihn noch die Frage, wie er seine neue Gotteserfahrung mit seinen anderen religiösen Pflichten im Dienst des syrischen Königs verbinden könnte. Dass ihn dies jetzt nicht beschäftigen musste, signalisierte ihm die Antwort des Propheten: „Zieh hin mit Frieden”. Jesus von Nazareth meint diesen heilsamen, Menschen und Völker über alle nationalen, kulturellen und religiösen Grenzen verbindenden Gott, wenn er den Glauben eines Nichtisraeliten seinem Volk vor Augen stellt und sagt (Lukas 13,29): „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes”.</p>
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		<title>&#8220;Erste Wahl&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 23:25:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Der Lebensweg des Apostels Paulus lässt erkennen, warum er sich in seiner Christusverkündigung so ausschließlich auf Jesus als den Gekreuzigten konzentrierte.  Aus Saulus, dem Christusverächter und Verfolger der jungen christlichen Gemeinden, ist Paulus geworden. Sein Leben veränderte sich grundlegend, nachdem ihm der gekreuzigte Jesus nach Ostern erschienen war. Jetzt galt es für ihn, Glauben und Leben mit dem Kreuz Jesu zu verbinden.</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von menschlicher Weisheit und von der Weisheit Gottes schreibt der Apostel Paulus. Er stellt der Weisheit der Welt die Weisheit Gottes gegenüber.</p>
<p>I</p>
<p>Für die Weisheit der Welt ist „das Wort vom Kreuz“, die Predigt von Jesus Christus (dem „Messias“), der gekreuzigt wurde, „eine Torheit“.  Die christliche Gemeinde erfährt aber darin Gottes Weisheit, seine lebendige Kraft. Paulus lehnte damit menschliches Wissen und  Erkenntnisstreben keineswegs ab. Eher wollte er die umfassendere Bedeutung der Weisheit vermitteln, ihre Bezogenheit auf Gott und ihre Verbundenheit mit ihm. Aus der Bibel war ihm deren Wesen vertraut: ihre enge Zugehörigkeit zu Gott, der Quelle des Lebens. Zu ihren Kennzeichen gehört: Sie reißt die Menschen nicht auseinander, sondern führt sie zusammen. Sie hilft ihnen, einander zu verstehen, Beziehung zu gestalten und Herausforderungen im Lebensalltag gemeinsam anzugehen und zu bestehen. Weisheit ist ihnen nicht gegeben, damit sich einer über den anderen  besserwisserisch erhebt. Gerade von einem solchen „Eliteverhalten“ hörte der Apostel in Berichten aus Korinth. Es führte dort zu Streitigkeiten und Spaltungen. Die Einheit der Gemeinde drohte zu zerbrechen.</p>
<p>In den fünf Jahren seit der Gemeindegründung hatte sich ein gewisser Personenkult entwickelt, wir erfahren darüber im Anfang des Briefes. Da war der rhetorisch begabte Apollos, der begeisterte Menschen um sich sammelte, oder Kephas / Petrus, dem die Herzen zuflogen, auch um Paulus gab es Gruppierungen.  Andere fühlten sich als „Vollkommen(er)e“, gleichsam mit „höheren Weihen“ bedacht, Christus mehr verbunden, als sie es anderen zugestanden.  „Wie? Ist etwa Christus zerteilt?“, fragt der Apostel in diese Gemeindesituation hinein.  In seiner Frage klingt das Bild vom „Leib Christi“ an und damit eines seiner „Leitbilder“ einer christlichen Gemeinde.  Diese Sichtweise legt Paulus der Gemeinde ans Herz. So gesehen finden die verschiedenen Gruppierungen zusammen. Jede einzelne Person ist wie die Teile eines Leibs wichtig und unersetzbar für das Ganze. Mit diesem Selbstverständnis können sie einander annehmen und gelten lassen. Sie lassen Vielfalt zu und sehen sie nicht als Störung, sondern als Bereicherung und „Erkenntnisgewinn“. Weil die Einheit der Gemeinde in Christus gründet, sind alle, die im Verkündigungsdienst stehen, ob beruflich oder ehrenamtlich, „Zuarbeitende“ für ihren Aufbau.. Sie sind miteinander und mit Christus verbunden.</p>
<p>Es war Paulus selbst wichtig, „nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit“ nach Korinth zu kommen, um dort „das Geheimnis Gottes zu verkündigen“ und eine Gemeinde zu gründen. Er wollte eine ungute Fixierung auf seine Person, Begabungen und Fähigkeiten vermeiden. Niemand sollte den christlichen Glauben von menschlicher Weisheit und Überredungskunst abhängig machen. Darum entschied der Apostel für sich, in seinem Dienst „nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten“.</p>
<p>II</p>
<p>Der Lebensweg des Apostels lässt erkennen, warum er sich in seiner Christusverkündigung so ausschließlich auf Jesus als den Gekreuzigten konzentrierte.  Aus Saulus, dem Christusverächter und Verfolger der jungen christlichen Gemeinden, ist Paulus geworden. Sein Leben veränderte sich grundlegend, nachdem ihm der gekreuzigte Jesus nach Ostern erschienen war. Jetzt galt es für ihn, Glauben und Leben mit dem Kreuz Jesu zu verbinden: Gott hat Jesus nicht dem Tod überlassen, sondern hat ihn von den Toten auferweckt. Seither gibt es für Christinnen und Christen keine Gotteserkenntnis ohne den Blick auf das Kreuz. Indem wir Gott mit dem gekreuzigten Jesus „zusammendenken“, wird uns die Begrenztheit aller menschlichen Weisheit bewusst, aber vielleicht finden  wir Zugang zur Weisheit Gottes und finden Gott selbst im Kreuz. Darum ist das Kreuz zum eigentlichen Symbol der christlichen Gemeinde geworden. Betrachten wir seine Gestalt. Zwei Balken kreuzen sich, sie treffen sich in der Mitte dort, wo sich das Herz des gekreuzigten Jesus den Menschen zuwendet. Aus dieser Mitte, dem „Herzstück“, leuchtet Gottes Weisheit in die Welt, von dort erweist sich seine lebendige Kraft. Auf diese Herzmitte bewegt sich die christliche Gemeinde zu.</p>
<p>Jesus Christus, der Gekreuzigte, ist das Herz Gottes in der größten Not, der ärgsten Bedrängnis, wenn es uns vorkommt, als werde uns das Herz aus der Brust gerissen. Er ist „das Geheimnis Gottes“, Gottes „Geist und Kraft“, „die Weisheit Gottes“. Dem Gekreuzigten sind keine Schmerzen fremd, kein Hohn, keine Verachtung, kein Spott, auch kein Tod. Bis heute können wir gewiss sein: In den schlimmsten Erfahrungen ist uns Gott nahe. Leid ist seither kein Argument gegen Gott. Gottes Herz ist in der Mitte des Kreuzes, es bleibt uns in schlimmsten Geschehnissen zugewandt, auch der Tod hat nicht die Macht, Gottes Herz von uns abzuwenden.</p>
<p>Die vier Enden des Kreuzes können die verschiedenen Wege zu Gott veranschaulichen und auf die Menschen hinweisen, die aus allen vier Himmelsrichtungen auf die Lebensmitte zustreben. Auf welchem Weg bin ich, auf welchem die Gemeinde, der ich angehöre. Wo steht der andere Mensch, woher, aus welchem Lande und welcher Kultur, kommt er? Die Weisheit Gottes im Kreuz leuchtet bis in die unscheinbarsten Winkel der Welt, nichts bleibt für sie im Dunklen. Jede und jeder von uns und die Gemeinde (hier) vor Ort haben nur einen verhältnismäßig geringen Anteil an ihrer weltweiten und über die Welt hinaus reichenden Leuchtkraft. Dies zu wissen, bewahrt vor hochmütigem Gehabe , das nur noch sich selbst und nicht mehr das Ganze einer Gemeinschaft im Blick hat.</p>
<p>III</p>
<p>In Korinth gab es immer noch Christinnen und Christen, welche die Lehre von Paulus in gutem Sinn bewahrt und ein Gespür für das unbefriedigende Gemeindeleben hatten. Sie wandten sich mit ihrer Sorge an den Apostel, um von ihm Hilfe zu holen. Paulus weist die Gemeinde auf ihr gemeinsames Fundament hin. Es ist Jesus Christus, „das Wort vom Kreuz“, nicht ein besonderes Wissen, sei es theologischer, philosophischer oder sonstiger Art. Allein durch den Blick auf das Kreuz Jesu findet die Gemeinde zur Einigkeit. Paulus selbst war dafür ein Beispiel: Die rhetorisch wenig attraktiven Predigten des Apostels , die andere Prediger übertrafen. Sein Auftreten „in Schwachheit, Furcht und großem Zittern“ sind gerade kein Argument gegen seine Botschaft. Sie entsprechen vielmehr der Kreuzgestalt, indem nicht hohe Menschenweisheit und Beredsamkeit zählen, sondern die lebendige Kraft, die von Gott kommt. Einheit und Einigkeit wachsen, wo auch die Kreuzgestalt der Gemeinde wahrgenommen wird, wo Menschen gesehen und gewürdigt werden, die nach menschlichen Maßstäben ohne Bedeutung sind .</p>
<p>Die Kreuzgestalt einer Gemeinde stellt letztlich das Selbstverständnis eines jeden einzelnen Menschen, der ihr angehört, in Frage. Das Kreuz relativiert jede weltliche Beurteilung und Rangordnung von Menschen. Schwachheit in den Augen der Welt ist oft Kraft und Stärke vor Gott. Was vor der Welt gering erscheint, verachtet oder abgewiesen wird – Gott hat es wohlwollend im Blick, und es ist seine „erste Wahl“ . Paulus erinnert die Gemeinde, dass sich in ihr überwiegend solche Menschen zusammen fanden, die gesellschaftlich keine Rolle spielten („Seht doch…auf eure Berufung“, 1,26ff.).</p>
<p>Paulus vermittelt gerade denen gegenüber, die auf Glanzreden und religiösen Tiefsinn setzen, wie ihn sein Ergriffensein von Jesus Christus, dem Gekreuzigten, verändert hatte. Aber er vermittelt auch das Wissen, dass Menschen über Gottes Geist und Kraft nicht verfügen, sie sind von menschlichen Fähigkeiten gänzlich unableitbar ,  sie sind Gabe und Geschenk. „Gott hat sie denen bereitet, die ihn lieben“. Seine „Geistkraft“ weht und wirkt, wo sie will. Habe ich sie gespürt und will sie festhalten, so habe ich sie schon nicht mehr. Aber ich stehe nicht allein. Ich bin ein Teil am Leib Christi, bin eingegliedert in die Gemeinschaft, die Hoffnung.</p>
<p>Wie Teile des einen Leibes sind Christinnen und Christen aufeinander bezogen, in der Gemeinde vor Ort und in der Kirche weltweit, wo es ebenso verschiedene Menschen wie geistige und religiöse Strömungen gibt. Sie leben füreinander, teilen Freude, sehen Leid. Sie erleben Stärken und Schwächen wie damals in der Gemeinde in Korinth, um deren Einheit Paulus und viele mit ihm bangten. Christinnen und Christen brauchen einander in der lebendigen Vielfalt. Sie teilen Wissen und Glauben und orientieren sich dabei an ihrer Mitte, Jesus Christus. In ihm und mit ihm berührt uns das Geheimnis Gottes, seine Weisheit, seine Lebenskraft.</p>
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		<title>Ansehen</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jan 2012 22:49:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Janssen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Predigten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ein Mensch braucht einen gewissen Stolz auf sich und seine Leistungen, damit er in sich ruhen und ausgeglichen sein kann. Er kann dann seine Leistungen beurteilen, ist kritikfähig und gesellschaftsfähig. So kann ich in den Spiegel schauen und sagen: Der Kerl, den Du da siehst, bist Du, in Deinem Alter, mit Deinen Pickeln,  Deinem Lächeln, Deinen Fältchen. So ist es. So mag ich mich. Kennen Sie das?</p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Nicht viele Weise, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt.“ Sind diese Worte des Apostels Paulus nicht hart und unerträglich? Wertet er darin nicht Leistung und Durchsetzungsfähigkeit ab, und schmälert er nicht Verantwortung in der Politik, im Beruf? Paulus reagiert auf Unruhen in seiner Gemeinde in Korinth. Er hatte in Ephesus davon gehört. Er war sehr betroffen: Menschen, die auf Weisheit, Macht und Status setzen, bedrohen die Botschaft Jesu. Paulus muss eindeutig reden. Doch was setzt der Apostel dagegen? Ich möchte Sie einladen, über ein psychologisches Phänomen mit mir nachzudenken: über den Narzissmus. Die Psychotherapie kennt den primären und den sekundären Narzissmus. Der primäre Narzissmus beschreibt die normale Selbstliebe und Selbstachtung. Ein Mensch braucht einen gewissen Stolz auf sich und seine Leistungen, damit er in sich ruhen und ausgeglichen sein kann. Er kann dann seine Leistungen beurteilen, ist kritikfähig und gesellschaftsfähig. So kann ich in den Spiegel schauen und sagen: Der Kerl, den Du da siehst, bist Du, in Deinem Alter, mit Deinen Pickeln,  Deinem Lächeln, Deinen Fältchen. So ist es. So mag ich mich. Kennen Sie das? Das<br />
ist eine primäre und damit auch notwendige Selbstliebe.</p>
<p>Der sekundäre Narzisst jagt hinter Anerkennung her. Dazu setzt er alle Mittel ein, um anerkannt, gesehen zu werden. Ansehen ist ihm wichtig. Kritik bedeutet für den Narzissten Zerstörung und existentielle Bedrohung. Dann schlägt er zu, hart und unerbittlich. Du oder ich! Diese Form des Narzissmus wird heute unter die Persönlichkeitsstörungen gerechnet. Früher waren das die Psychopathen, die Menschen, die an ihrer Seele gelitten haben. Es gab für sie wohl niemanden, der sie angesehen und anerkannt hat. Jetzt müssen sie mächtig sein, „weise“ und „hochwohlgeboren“ wie  es im Bibeltext heißt. Letztlich ist es ein Ringen um Zugehörigkeit, ein Kampf um Ansehen und Anerkennung. An dieser Stelle greift Paulus ein! Wer sich auf das (große) Du einlässt, der ist auf dem Weg zur Heilung, zur „Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung“ und  zur „Erlösung“. Der ist „in Christus“, weil er teilnimmt an dem Auftrag des Nazareners. Was bedeutet dies konkret? Aus dem klinischen Bild des Persönlichkeitsgestörten wissen wir, dass er sich nicht einlassen kann auf Menschen, sondern sich (Größen-) Phantasien überlässt. Paulus ermutigt uns dagegen zum Experiment: Lass Dich auf Begegnung ein, auf Kontakt. Dann wirst Du Deine wahre Größe erfahren. Denn was Du bist, das bist Du aus Deiner Selbsteinschätzung und aus dem Bild, das Dir der Nächste  vor Augen hält.</p>
<p>Die große Formel des Apostels ist das „in Christus“. In Christus sind wir eine neue  Kreatur. In Christus verdanken wir uns dem Anderen. In Christus gehören wir zur „Gemeinschaft der Heiligen“. In Christus sind wir Erlöste. Auf diese Spitze treibt es Paulus hier. Wissen wir, wie wir jetzt leben können? Im säkularen Bereich suchen sich viele Menschen Anerkennung und Trost in Therapien und Beratungen. Ansehen ﬁnden wir, wenn wir uns aufeinander einlassen wie wir sind. Dann treten Seiten zutage, die wir nicht gerne zulassen: Dummheit, Versagensängste, Verzweiﬂung. Doch indem sich ein Mensch öffnet, erfährt er, dass der Andere Ähnliches kennt. Oder er erfährt, dass er ganz anders gesehen wird. Paulus hat Jesus persönlich nicht kennengelernt. Aber er hat den „Schatten des Galiläers“ gesehen und gehört, wie Menschen in seine Nähe gesund geworden sind, wieder Zugang zu Menschen gefunden haben und wieder ein Ziel hatten. Darum hat er den Ausdruck „in Christus“ geprägt:</p>
<p>Wer „in Christus“ ist, der ist ein neuer Mensch, „eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“. So wird es Paulus im 2. Korintherbrief den christlichen Gemeinden zurufen. Die Erkenntnis, selber von narzisstischen Anteilen verführt zu werden, mag bei uns ein Lächeln provozieren. Doch damit kann ich mich humorvoll erkennen in meinem Tun und Reden, auch in der eigenen Partnerschaft. Dieses Lächeln kann zu Demut und Erkenntnis führen und zur Lust, sich zu bescheiden im eigenen So-Sein. Zwischendurch ein Innehalten, ein Gespräch, ein Nachdenken, bei dem ich mich versichere, wem ich mich verdanke. Damit sind wir ganz nahe an dem, der sich immer in der Hand Gottes wusste und der heiter und vergnügt leben konnte mit sich, mit seinen „Zwölf“ und den vielen Menschen, denen er in seinem Leben hilfreich begegnete, ihnen zu einem Durchblick und zu einem guten Leben verhalf: Jesus Christus.</p>
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