Von Gott gehört und angenommen – Zum Sonntag Rogate
„Verwirf mich nicht von deinem Angesicht“, diese Bitte aus der Kindergottesdienstliturgie zur Zeit meiner Kindheit begleitet mich bis heute. Sie klingt in mir beim Hören von Psalm 66,20 auf: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“, verbunden mit dem tiefen Wunsch, von Gott gehört und angenommen zu werden.
In diesen Worten spricht ein Mensch eine wunderbare Erfahrung aus. Seine Gebete waren und sind nicht vergeblich, stießen nicht auf Ablehnung, verhallten nicht im leeren Raum oder blieben schöne Wunschgedanken. Sie erreichten ihr lebendiges Gegenüber in einem hörenden Gott. Ihm widmet der betende Mensch seinen dankbaren Lobpreis. Seine Erkenntnis kann und will er nicht für sich allein behalten. Andere Menschen sollen dadurch ermutigt werden, ihre Anliegen vor Gott zu bringen.
Die Psalmen zeigen mir, wie vielfältig und ganz unterschiedlich mein Beten sein kann, ich habe viele Möglichkeiten: Mich still besinnen oder schweigen, den Worten aus dem Herzen freien Lauf lassen, weinen vor Freude, weinen in Trauer. Gott nimmt mich in seiner Güte wahr. Das biblische Wort, das Martin Luther mit „Güte“ übersetzte, hebräisch „chaesaed“, bezeichnet eine Beziehung. Gott wendet sich mir zu, ist mir verbunden. Das Gebet mit und ohne Worte ist die Art und Weise meiner Hinwendung zu Gott, eine Beziehungssuche meinerseits mit dem Wunsch, eine Antwort zu bekommen. Wenn ich dann sogar mit dem Psalmisten in das Lob Gottes einstimmen kann, ist es wie ein Atemholen der Seele in der Gemeinschaft der Mütter und Väter im Glauben, sie trägt.
Nichts von allem, was mich umtreibt, ist Gott zu unbedeutend oder zu viel.
Der lateinische Sonntagsname „Rogate“ sagt, dass „beten“ auch „fragen“ und „suchen“ ist. So darf ich mit dem Vertrauen in die neue Woche gehen, dass Gott ein offenes Ohr für meine innersten Regungen hat. Nichts von allem, was mich umtreibt, ist Gott zu unbedeutend oder zu viel. In seinem Namen sagte Jesus zu einem ängstlichen Petrus: „Siehe, ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre“.
(Der Text ist leicht verändert veröffentlicht in: Pastoralblätter. Predigt-Gottesdienst-Seelsorge-Die Praxis, 149.Jg., 2009, Heft Mai 2009)
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