Verlässliche Beziehung – Zum Sonntag Exaudi
“Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.”
(Johannes 12,32)
Eine gute Beziehung ist ein Geschenk. Wir schätzen sie in der Familie, im Freundeskreis, im beruflichen Leben. Beziehungen auf dieser Erde haben ihre Zeit, das wissen wir. Berufliche Beziehungen enden in der Regel, wenn ich aus dem Berufsleben ausscheide oder Ort und Firma wechsle. Neue Beziehungen aufzubauen, ist dann nicht leicht. Zuweilen ist eine Veränderung eine gute Chance, damit Beziehungen aufhören, die ungut, gestört, zerbrochen und nicht mehr zu heilen sind. Mit Menschen dagegen, die wir lieben und denen wir auf eine besondere Weise verbunden sind, wollen wir unsere Beziehung nicht um alles in der Welt aufgeben, sie soll bleiben, ein Leben lang und darüber hinaus, ewig. Es fällt schwer, den liebsten Menschen einmal loslassen zu müssen, Gott sei es geklagt.
„Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen“, mit diesen Worten sprach Christus einst in die Angst seiner Jüngerinnen und Jünger. Sie bangten um Jesu Beziehung zu ihnen. Das Ende einer Lebens-, Sinn- und Hoffnungsgemeinschaft schien nahe bevorzustehen. Da spricht sie Jesus an. Seine Tage mit ihnen auf dieser Erde sind tatsächlich gezählt. Aber Jesus verneint ein Ende der Beziehung und bestätigt deren Verlässlichkeit.
“Jesus selbst ist das Licht. Es leuchtet in unsere Beziehungen und unsere Ängste. Wir sind eingeladen, in diesem Licht unsere menschlichen Beziehungen achtsam zu pflegen…”
Wie Jesus seinen Vertrauten Trauer und Ängste nicht ersparen konnte, so bleiben sie auch uns nicht erspart. Aber Jesus kündigte den Seinen an, dass er mit ihnen in Kreuz und Tod verbunden bleiben wird. Sein Kreuz bedeutet nicht Niedergang, sondern Erhöhung. Den Verunsicherten damals und heute zeigt Christus den Weg in Gottes unsichtbare Welt auf. Aus ihr leuchtet jetzt schon das himmlische Licht, dessen Glanz Jesus auf die Erde gebracht hat. Jesus selbst ist das Licht. Es leuchtet in unsere Beziehungen und unsere Ängste. Wir sind eingeladen, in diesem Licht unsere menschlichen Beziehungen achtsam zu pflegen, Vertrauen und Liebe zu schenken, hörend in Begegnungen zu sein und anderen das Gefühl zu geben, dass sie sich auf uns verlassen können, jeden Tag in der neuen Woche und darüber hinaus.
(Der Text ist leicht verändert veröffentlicht in: Pastoralblätter. Predigt-Gottesdienst-Seelsorge-Die Praxis, 149.Jg., 2009, Heft Mai 2009)
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